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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
- Date: Mon, 14 May 2012 16:08:53 +0200
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Patrik Pekrul wrote:
Du kriegst den Kredit nur gegen Sicherheiten - Immobilien,
Arbeitsplatz/Ausbildung, .. gesamte Glaubwürdigkeit Deiner
Rückzahlungswilligkeit, s.o.
So ist das Geld "gedeckt".
Wenn für dich "Glaubwürdigkeit deiner Rückzahlungsfähigkeit" schon
eine Deckung darstellt, dann sei es dir gegönnt an eine "Deckung"
zu glauben; dabei vergisst du offensichtlich, was uns erst
reingeritten hat - "Sub-prime-Krise", schon vergessen? Sehr
"glaubwürdig" diese Rückzahlungswilligkeit und -fähigkeit, ebenso
scheinen bei Bedarf auch griechische Junkbonds eine hohe
staatliche verordnete Glaubwürdigkeit zu besitzen....
klar ist da dann ein Risiko wenn man griechische Anleihen kauft. Dafür flossen ja saftige Zinsen.
Das ändert nichts an der prinzipiellen Deckung des Geld. Es ist nicht ein fancy irgendwas. Die Griechen haben auch mit Schuldenschnitt dann ziemliche realen Stress. Und ganz bestimmte Besitzer der (hochzinsigen) Schuldtitel hatten Ausfälle.
Geldvermögensteuer (z.B. 5%) ginge wie gesagt nur einmalig -
weil wie gesagt dann beim nächstenmal 8% statt 3% für
Staatschulden fällig werden ....
Schuldenschnitt zerrüttet auch auf lange das Vertrauen / hebt
die Zinsen.
Höhere Zinsen wären wünschenswert, denn damit würde die
Nachfrage nach Kredit zurückgehen, und damit die Geldmenge -
was ja Ziel der Übung ist.
Für Staatsanleihen bringts ja gar nix. 8% - 5% = 3%. Jacke wie
Hose. Privat/Immokredite würden dann aber ebenso teurer. Nur
noch Reiche könnten ein Haus bauen (und dies dann eben vermieten).
Und wo ist da jetzt der Unterschied zu einer allgemeinen
Vermögenssteuer? Zwei Beispiele:
Geldvermögenssteuer: Fremdfinanzierung Haus 1, Geldvermögensteuer
für Bank 5%, Zinsen 8%, 8% wird auf Mieter umgelegt
Allgemeine Vermögenssteuer: Vermögenssteuer aufs Haus 5%, Zinsen
3%, 8% wird auf Mieter umgelegt
Im Fall Geldvermögensteuer baut ja der Reiche das Haus aus liquiden Mitteln, und vermietet es. Der Reiche entkommt so der Geldvermögensteuer. Der Mieter zahlt nachwievor normale Miete. Das Geldvermögen wird geringer. Die Wirtschaft entsprechend weniger flexibel. Die Reichen akkumulieren wie früher die Feudalherren direkt alle Grund- und Sachwerte (deren Preis etwas steigen). Ottonormal lebt in direkter Leibeigenschaft - bei insgesamt weniger Fortschritt.
Allgemeine Vermögensteuer: Der kleine Häuslebauer hat Immobile minus Kredit = geringeres Vermögen. Wird also nicht von der VermSt belastet - solange er nicht selbst insgesamt reich wird.
Der Reiche kann mit keiner spezifischen Anlageform entwischen. Schon um dem Vermögensverfall zu begegnen muß er sein Kapital auf dem Investitionsmarkt (mindestens) genauso anbieten wie vorher. Es kommt zu einem Rückgang des Kapitalangebots. Nachfrage bleibt gleich.
=> Die allgemeine Vermögensteuer gelangt in erster Ordnung nicht auf die Haus-/Mietpreise. Vermögen wird effektiv umverteilt.
(Natürlich werden durch die positiven Effekte der Umverteilung fristig dann die Häuser/Waren/Qualität besser=teurer. Mehr Qualitätskonsum. Aber dies ist ja die Volkswohloptimierung.)
(Dabei gehe im Falle einer allg. VSt von einer
Nettovermögensbestuerung auf, ansonsten kommen sogar noch einmal
5% obendrauf!)
Kosten sind Kosten und werden auf den Endnutzer umgelegt - die
spannende Frage ist, ob die Vermieter diese höheren Preise am
Markt vollständig durchsetzen können. Und selbst wenn - nutzt man
die Mehreinnahmen der (Geld-)Vermögenssteuer zur Senkung der ESt,
dann steigt damit das verfügbare Einkommen, und so wären bspw.
höhere Mieten durchaus verkraftbar.
Natürlich werden bei höheren Kapitalkosten, weniger Kredite
vergeben und folglich weniger Geld geschöpft - aber das ist ja
Der Effekt für den Kapitalanlager, der Anreiz zur Kreditvergabe/Investition ist die Differenz zwischen Anlegen und Nicht-Anlegen. Die bleibt gleich.
z.B. Vorher: 6% - 0% = 6%
VermSt 2% : 4% - 2% = 6%
Würde zugleich die EkSt gesenkt (muß nicht sein), dann ist der aktuelle Investitionsanreiz so gar höher! Mehr Angebot!
=> die schon beschriebene bloße Drift des Vermögens.
Es bringt nur seltsame Verwerfungen und der gute Nutzen des
Geldes wird zerrüttet, die Wirtschaft gelähmt.
Die Lenkungswirkung besteht darin, dass Kredite nur noch für
wirtschaftlich tragfähige Projekte und an solvente Kreditnehmer
vergeben werden - schlicht, weil es sich sonst nicht lohnt.
Bei Geldvermögensteuer würde der Reiche Kredite nur noch an sich selbst vergeben. Direkt Feudalherr mit Scholle spielen. Weniger Flexibilität. Weniger gute Ideen/Fortschritt.
Wie gesagt, Geld ist gut: das Tauschmittel für Waren und
Zeit/Warenleihe, das Schmiermittel der Wirtschaft. Es stinkt
nicht, es erzeugt kein CO2, es ist nicht gesundheitsschädlich.
Die Vermögenspolarisation ist das Übel.
Du siehst das Symptom, aber verkennst die Ursache, wie erklärst du
dir diese zunehmende Vermögenspolarisation?
Der Reiche/Reichwerdende verdient so oder so besser, akkumuliert mehr, verbraucht weniger von seinem Einkommen.
Die Wirtschaft, der Fortschritt (gelenkt durch CO2-Steuern) ist das was wir wollen. Unmittelbaren unternehmerischen Anreiz auch. Alte Gewinne, Vermögenshaufen werden dann wieder schädlich: sind nicht zugleich Kaufkraftseitig nützlich, dem Volk wird Kaufkraft im Übermaß entzogen, Machtkonzentration/Monopolisierung wider Demokratie.
Ich würde noch hinzufügen: Ist das wirklich die
Lenkungswirkung, die wir wollen?
ja - es ist die Standard-Lenkungswirkung des gesunden
Menschenverstandes. Die Oma soll ja das Haus rechter Größe auch
bewirtschaften können. Ein im Verhältnis zu großes Haus hat
bessere Verwendung.
Ich denke, mit dem Argument würdest du (meiner Meinung zurecht) so
was von an die Wand fahren: Das Haus, dass sie ihr Leben lang
aufgebaut, gepflegt und abbezahlt haben, müssen sie jetzt leider
räumen, weil es für jemanden anderen besser geeignet ist - aber im
Altersheim ist ja sicher noch ein gemütliches Plätzchen frei...
Vielen Dank für ihre Lebensleistung!
Etwas zynisch für meinen Geschmack!
Denke nicht. Die Oma soll ja möglichst ein angemessenes Haus, das die auch bewirtschaft kann, anvisieren. Also auch liquide Mittel dazu haben. Was will sie in einem zu großen Haus, ohne Geld, wenn sie auch noch alt ist.
(Ein großer Teil solcher alleinverbliebener Omas ist früher oder später tatsächlich froh ins Altersheim zu kommen zu können. oder besser wie es sich heute entwickelt zunächst in Gemeinschaften von Alten mit gegenseitiger Unterstützung, wo sie auch nicht alleine vor sich hinrosten.)
Alle derartigen Konstruktionen sind nur zusammengesetzt aus
Basiswert + Spekulation(=Wette). D.h.: "siehe oben".
Damit verdienen die Banken ein bisserl mehr Gebühren. Evtl. wird
der Markt ein wenig flüssiger/bequemer. Ändert aber ansonsten im
wesentlichen nix.
Kannst du "ein bisserl" und "im wesentlichen" monetär bewerten ;-)
wie gesagt Geldmarkt: Geldmenge 5 Bio. Gegenüber 2 Bio Staatsschulden, Rest Immo./Firmen/Privatkredit. Alles nüchtern erklärbar.
Wettmarkt: Jedem Wettgewinner steht 1:1 ein Verlierer gegenüber. Wenn sie der Bank für die Wettvermittlung 1% vom Wettvolumen zahlen - auch im Rahmen.
Das Problem sind eigentlich nur, ausgehend von übermäßiger Reichtumspolarisation, die ggf. zu hohen Staatsschulden an sich oder zu lockere Systemrisikogrenzen.
(mit allgemeinen Vermögensteuern könnte man wohl auch die
Wirtschaftzyklen viel leichter glätten:
https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=152152&pid=796086#pid796086
<https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=152152&pid=796086#pid796086>
)
Besagter Integralregler.
Nur mit Vermögensteuern wird unmittelbar ein Überfluss von Investitionssuchendem Kapital in (Volks)Kaufkraft rückgekoppelt. Direct Path. Insbesondere am Ende von Booms, bei Rezessionsbeginn.
Mit (heute) monetärer Ausweitung dauert es lang bis am Ende über Löhne vielleicht ein bischen Kaufkraft zu Wege kommt. Dann braucht man noch Staatskonsum auf Pump dazu, Überschuldung. So muß man die Reichen umfangreich mit großer Rendite auf Kosten von Schulden/Staatsprivatisierung noch weiter auffüttern, um das Volk über 1% Wirtschaftswachstum grad so bei Laune zu halten.
So einfach zu sehen.
Also, die Menschen mit knappen Mitteln kann man glaub ich nicht
mit Drogensüchtigen vergleichen. Um die Beseitigung zu großer
Knappheiten gehts ja in der _sozialen_ Marktwirtschaft.
Ich beziehe mich eher auf einige Staaten, die aus politischem
Opportunismus mehr Schulden aufnehmen als ihnen gut tut. Hat sich
das Volk erstmal daran gewöhnt, dass staatliche Leistungen einfach
"da" sind, fällt es der Politik natürlich sehr schwer zu
begründen, dass irgendwie für jede als selbstverständlich
empfundene Leistung, halt doch irgendwann eine "reale Deckung"
erbracht werden muss. Im Zweifelsfall brennen dann die Straßen -
siehe Griechenland.
Die Leute wollen verständlicherweise vom Fortschritt profitieren.
Die unnötigen Schulden kommen der Nichtdurchführung der Vermögensbesteuerung.
Wir haben mit der heute ungeheuren Produktivität (die durch Hyperkonkorrenz und unnötige Reibungsverluste noch gar nicht richtig sichbar wird) ja keinen Angebotsmangel. Wir leben wegen der unnötigen Reichtumspolarisation in Nachfragerbegrenzung am unteren Bereich der Fortschrittsbandbreite. (incl. unökologischer Produktionweise/Niedrigqualität)
sehe ich ähnlich.
Und letztlich muss auch das Kapital dem Konsum folgen. Deshalb
vermute ich stark, dass es - mit ggf. wenigen flankierenden
Maßnahmen wie stimmigen Zöllen, Bindung der Pflicht an
Staatbürgerschaft etc. - leicht möglich ist die richtigen
Vermögen-/Substanzsteuern durchzusetzen.
Schön, dass man sich trotz aller Differenzen auf ein gemeinsames
Ziel verständigen kann.
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, (fortgesetzt)
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 11.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 11.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 12.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Londo100, 12.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 12.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 13.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 13.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 11.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 11.05.2012
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