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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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- From: Logos <Logos AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
- Date: Fri, 11 May 2012 11:30:09 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
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Patrik Pekrul wrote:
Am 10.05.2012 um 16:28 schrieb Logos:
Patrik Pekrul wrote:
Übrigens: Wenn der Firmenanteil nicht als Aktie gehandelt werden kann, ist
das kein Geldvermögen. So hält Zuckerberg geschätzt 10Mrd. $, wäre aber von
deiner Steuer nicht betroffen. Nur zur Info.
Ich hatte dich beim ersten Überlesen wohl falsch verstanden.
Richtig, wenn jemand wie Zuckerberg sein gesamtes Vermögen in sein
Unternehmen steckt, dann hält er kein Geldvermögen, sondern hat real
investiert und müsste keine Steuern zahlen. Genau das will ich ja, die
reichen sollen ihr Geld in Unternehmen und nicht in Derivate stecken!
Ob der Reiche das Vermögen in Schuldtitel steckt (und damit auch Unternehmen
/ Staaten / Hausbau / Bankengeldschöpfung .. fördert), oder als Eigenkapital
in Unternehmen direkt einbringt, macht kein gut-versus-schlecht Unterschied.
Das Regelt sich alles auf dem Markt und hat alles seine Funktion. (Solange
Überschuldung vermieden wird: D.h. Schulden-/Risikoobergrenzen sogar für
Staaten und Banken, wie wir inzwischen nochmal gelernt haben.)
Im Prinzip gebe ich dir Recht, so lange das Kapital am Ende den Weg in eine
Realinvesttiion findet, ist es von sekundärer Bedeutung, ob das in Form von
Eigen- oder Fremdkapital geschieht.
also am Ende kann Geldvermögen (= kurz bis langfristige Schuldtitel) sich ohnehin nicht nennenswert von Realinvestitionen abkoppeln.
Nur bei Überschuldung steht dem Schuldtitel plötzlich Leere gegen - normalerweise eh Problem des Gläubigers.
Auch die Sichteinlagen auf Deinem Konto sind z.B. von Immobilienkrediten und Staatskrediten (die das Gro ausmachen) gedeckt, die die Bank immer auf der anderen Seite gegeben hat.
Dein Geld hat deshalb Wert, weil der realinvestierende Schuldner mit seinem Geschäft den Kredit abstottern muß.
Den genannten 5 Bio Privatgeldvermögen stehen z.B. Staatschulden, Immokredite, Unternehmen etc. gegenüber.
(Das Soll/Haben der Banken untereinander, was der Geldstromoptimierung dient, kann man nicht sinnvoll bzgl. Vermögen besteuern - bestenfalls Finanztransaktionen.)
Problematisch ist aber, das ein zunehmender Teil nur noch in Derivate usw.
fliesst, und zwar explizit ohne realwirtschaftlichen Hintergrund; es sind
reine Wetten, angeheizt durch den Herdentrieb - man könnte auch auf die Zahl
der Sonnenflecken im nächsten Jahr wetten, das ist nichts anderes als auf den
Kornpreis am 16.7.2013 zu setzen. Und im Prinzip wäre auch das noch
akzeptabel - sollen die Leute mit zuviel Geld doch damit machen, was sie
wollen - es wird aber dann zum Problem, wenn diese wabernde Geldblase sich
plötzlich ein reales Gut sucht - z.B. Mais. Ok, dann verhungern halt ein paar
Mexikaner...
Rohstoff/Aktien/XY-Optionen, Zertifikate, CDS-Wetten, Pferde- und Sportwetten, Roulette-Einsätze etc. sind wieder was anderes, und gehören nicht zur Geldmenge.
Es sind freie Geschäfte zwischen Spekulanten, die könnte man höchstens gesetzlich begrenzen.
Ohne Agrar-/Rohstoffspekulation hätten wir übrigens ständig überraschende Hungersnöte und Fehlallokationen. Diese Spekulanten sorgen überwiegend für optimierte Allokation von Resourcen. z.B. wenn absehbar wird, das Mais knapp wird, dann gehen dadurch schon frühzeitig die Preise nach oben (und nicht erst bei der Ernte), dies animierte Produzenten und Abnehmen frühzeitig zum investieren/sparen etc. Die Produzenten können sich einen Preis absichern und gehen so nicht so leicht pleite etc.
kurz: ich sehe das negative da nicht so. Einzige wirksame Schulden-/Risikogrenzen für systemrelevante Institutionen sind m.E. geboten.
Das häufige politische Schimpfen über Spekulation ist nur Ausrede. Die meisten realen Spekulanten sind ziemlich arm dran, haben enormen Stress für vgl. wenig Verdienst.
Das wirklich große Übel ist m.E. die zunehmende Reichtumspolarisation insgesamt - unabhängig von der Allokation. Wer schon viel hat kann es leicht vermehren, und sein Konsum frisst anteilig fast nix mehr vom Einkommen auf.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Verm%C3%B6gensverteilung_Deutschland_2002_und_2007.svg&filetimestamp=20110903081009
Das schlimme ist, dass dieses virtuelle Geld (ich wiederhole: faktisch nichts
weiter als Ladungsunterschiede auf irgendwelchen Datenträgern) plötzlich
realwirtschaftliche Verwerfungen auslöst - besagte negative externe Effekte.
Wie kann man das rechtfertigen? Wenn man doch weiss, dass diese nutzlose Geld
Schaden anrichtet, dann muss es doch aus dem Markt genommen werden. Das ist
doch die EINZIGE rationale Konsequenz!
Das den Staatschulden gegenüberstehende Geld kann man durch Vermögensteuern und Tilgung der Staatschulden zurückfahren - wenn man dies möchte (in Griechenland, Spanien sollte man dies tun). Dem Immobilienkreditnehmer kann man ein Höchstverschuldung vorschreiben (was man inzwischen tut), den Leitzins/Mindestreserve kann man erhöhen, etc.. Das würde die Geldmenge reduzieren.
Das (eigentlich nützliche flexibilisierende) Geld kann man m.E. aber nicht isoliert sinnvoll besteuern.
Der Reiche hat so oder so Macht.
Diese aber könnte sinnvoll durch einheitliche Vermögensteuer umverteilt
werden. Und so auch als Kaufkraft nützlich werden.
Am sinnvollsten vielleicht als bGE, da ja auch die (sinnvolle) Arbeit im
Fortschritt immer weniger wird.
Noch einmal: Wie das Geld verwendet wird, ist eine ganz andere Frage als
jene, wo es herkommen soll. Über das BGE oder sonstige Verwendungen will ich
mich in diesen Thread gar nicht unterhalten, es geht mir eher um die Frage
der Mittelherkunft, und da sehe ich derzeit ein krasses Missverhältnis
zwischen Wohlstandsverteilung und Beitrag zum Staatshaushalt.
ok.
ich denke, die einheitliche Vermögensteuer mit möglichst redlicher marktnaher Bewertung der Vermögensgegenstände macht am wenigsten Verwerfungen und wirkt tatsächlich richtig.
Wirkung von derartigen Geldvermögensteuern:
Ein Reicher soll dem Staat Schuldtitel abnehmen, z.B. 10 jährige zu 3% p.a.
(Staatschulden 2 Bio EUR)
Oder er soll ähnlich einen Immobilienkredit geben - z.B. dem Herrn Wulff.
Nun wird bekannt, dass laufend 5% p.a. Steuer auf solche Schuldtitel zu
zahlen sind.
Entweder wird der Reiche dann 8% p.a. auf dem Markt verlangen, und der Staat
müsste die eingenommenen 5% Steuer für Staatsschuldpapiere gleich wieder als
Zins zahlen.
Oder er wird dem Staat, oder dem Hausbauer eben keinen Kredit geben. (Sondern
z.B. selbst das Haus bauen und eben vermieten. Er akkumuliert so alle
Sachwerte: noch mehr Feudalisierung.)
Oder der Staat besorgt sich das Geld nicht von den Reichen, sondern von der
Zentralbank bzw. der Monetativen. Wie viel Geld der Reiche dann für seinen
Kredit haben will, kann dem Staat egal sein. Faktisch besorgt sich bspw. der
amerikanische Staat heute schon einfach Geld bei der Fed. Dieses Szenario ist
also keine Phantasie, sondern Realität. Auch die EZB kauft mittlerweile
direkt Staatsanleihen zu niedrigen Zinsen.
so einfach kann man es aber nicht langfristig sinnvoll machen. das ist ein Spiel mit dem Feuer. Denn so leiht sich der Staat Geld letztlich von sich selbst. immer mehr. Wohin das führt ist bekannt...
Der Staat muß zur stimmigen Schuldtilgung letztlich stimmige Steuern einheben.
(Der Staatsverschuldung in Griechenland steht von 2000 bis 2010 übrigens eine Zunahme der griechischen Privatvermögen von 75% gegenüber! Das zeigt wo der Bartel den Most holt.)
An der Praxis ist grundsätzlich nichts weiter auszusetzen; das Problem ist
nur, dass es so zu einer ausufernden Geldmenge kommt, die zu Inflation und
Fehlallokation kommt, weil immer mehr Geld in den privaten Sektor gelangt -
sei es über Transfers, Subventionen, Gehälter, Staatsaufträge, etc.
Um dieses zu verhindern, muss der Staat auf der anderen Seite wieder Geld aus
dem privaten Sektor abziehen, und das tut er über Steuern. Die entscheidende
Frage ist nun, vom wem soll er sie einziehen? Von denen, die nichts bis wenig
haben (die arbeitende Bevölkerung) , oder von denen, die viel bis sehr viel
oder gar zuviel haben (die Superreichen)?
von den Vermögen/Substanz allgemein meine ich.
Übrigens: Eine Ungleichbehandlung bei der Besteuerung von Immobilienvermögen
und sonstigem Vermögen wurde z.B. vom BVerfG 1995 untersagt.
Einfach sachlich falsch, ich bin es leid es ewig zu wiederholen. Lies die die
vorigen Posts durch oder liess das Urteil selbst. Ich habe das wesentliche
auch schon in einem Pad zusammengefasst.
ja, es wäre kein wirklich rechtlicher Grund gegen eine partikuläre Geldvermögensteuer.
Ich will nur darauf hinweisen, das die Ungleichbehandlung auch rechtlich aber immer irgendwie a G'schmackle hat.
Partikulare Steuern sollten m.E. durch spezifische Schadwirkung (Zigaretten, Benzin..., Vermögenspolarisation) motiviert sein.
Geld an sich aber ist eine der nützlichsten Erfindungen der Menschheit. Es ist einfach Schmieröl/Katalysator für die Wirtschaft.
Siehe hier:
Rechtliches:
Urteilsbegründung zur Vermögenssteuer: http://lexetius.com/2001/8/224
Widerlegung des Halbsteuersatzes :
http://www.gerken-net.de/downloads/newsletter/04april2006_2.pdf?PHPSESSID=c4f4a90d85a6e2c5c2e1bd903bf4b61e
das ich auch gut so, daß es kein verfassungsrechtliche Begrenzung gibt, die eine signifikante Vermögenssteuer zur Volkswohloptimierung ermöglicht.
Vorarbeit: Pad: http://piratenpad.de/p/Ag-W-SM-Vermoegenssteuer
Allgemeine Vermögensteuer: ja, unbedingt.
"Die Piraten setzen sich für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ein, die den Schwerpunkt auf das Geldvermögen [Verweis auf Definition] legt" : Nein - denn so ist wirklich der Wurm drin. Ich bin mir ziemlich sicher, daß dieses partikulare zu unrichtigen Verwerfungen führt. (Wie vieles was die Komplexität erhöht)
Stattdessen sollte man vielleicht sogar im Zuge mit einer wirksamen Vermögensteuer die Grundsteuer abschaffen: die eine _partikuläre_ Vermögensteuer ist, welche aber nicht durch Schadwirkung begründet ist. Diese wird nämlich (weil sie partikulär ist!) einfach auf die Mietpreise der Mieter draufgeschlagen - üblicherweise sogar formal explizit in der Mietnebenkostenabrechnung. Wirkt also ähnlich nur wie eine Umsatzsteuer. Aus demselben Grund wie oben bei dem Beispiel der Staatsschulden wo der Geber dann 8% statt 3% gleich wieder über den Markt durchsetzen kann.
Ein Punkt bei einer allgemeinen Vermögensteuer ist vielleicht, daß Besitzungen von Ausländern in Deutschland (egal welcher Art) auch einigermaßen mit erfasst werden sollten (stimmig im Rahmen von Abkommen zur Doppelbesteuerungen) - und deutscher Besitz im Ausland natürlich sowieso.
Ein Land mit (dann) hoher Kaufkraft ist ja auch so interessant, daß es Effekte, die man mit wirksamen Vermögensteuern befürchtet mehr als ausgleicht. Kapital muß letztlich zur Kaufkraft kommen. Mit wenigen flankierenden Maßnahmen (auch Zölle) ist die m.E. auch in einer globalisierten Welt möglich.
Grüße
Robert
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, (fortgesetzt)
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Londo100, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Christian Schmidt, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Londo100, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Christian Schmidt, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, porcupine87, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 11.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 11.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 12.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Londo100, 12.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 12.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 13.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 13.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 14.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 11.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Logos, 10.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 09.05.2012
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