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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?


Chronologisch Thread 
  • From: Patrik74 <Patrik74 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
  • Date: Wed, 09 May 2012 18:54:17 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Csc schrieb:
Patrik74 schrieb:
Ich rechne damit, dass die reichen schlau genug sind nicht 100% ihres Geldvermögens in Schwachsinn zu stecken, um 5% Steuern zu sparen. Daher halte ich dies für ein äußerst unrealistisches Szenario.
Gut, dann bleibt als die Frage warum DIE das in der PRAXIS momentan nicht tun. Du vermutest das es am "zocken" liegt, ich würde dir folgendes Gegenargument bieten wollen. (Danke aloa5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Investitionsfalle

Das ist aber ein sehr schwaches und oberflächliches Gegenargument. Hast du das mal geprüft? Schau mal bei der Bundesbank nach, die führt über das Produktionspotential Statistiken, weil dies die Grundlage der Geldmengensteuerung ist: http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/dkp/2012/201201dkp.pdf

Wäre dein Argument stichhaltig, müssten wir wohl seit 20 Jahren permanent unausgelastete Kapazitäten haben - auf dem selben schwachen Argument fusst übrigens auch die Pseudo-Keynesianische Verschuldungspolitik. Nein, das ist nicht der Grund. Der wahre Grund ist, dass im Finanzkasino Scheinrenditen versprochen werden, sie höher liegen als die faktische Rendite, die eine Realinvestition erwirtschaften kann - und der bedingt rational handelnde Anleger sich davon verleiten lässt sein Geld lieber zum Wetten als zum Investieren zu verwenden. Fehlallokation ausgelöst durch manipulierte Preissignale.

Patrik, ich lebe seit über 20 Jahren in der betriebswirtschaflichen Praxis und hätte gerne immer einen Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis. Ich kann deine (teilweise) guten Ansätze verstehen und teile in großen Teilen deine Ambition dahinter.

Die Praxis zeigt, dass noch NIE 100% des Vermögens in eine Anlagenklasse investiert wurde.

Du "unterstellst" Leuten die Du nur "theoretisch" kennst dein (ehrenwerten) "Empfindungen". Letztendlich zeigt das aber "nur" auf, das Du dich selbst vermutlich so verhalten würdest. Es sind in der Praxis nur nicht alle so wie Du, was aber nicht automatisch heißt das alle "netter" oder "böser" sind.

Ich mache lediglich, die wohl rationale, Annahme, dass sich die Leute gewinnmaximierend bzw. verlustminimierend verhalten. Weiter unterstelle ich, dass nicht alle ihr Vermögen ins Ausland verschieben. Beweis: siehe Welt. Ich "empfinde" dabei gar nichts, und denke weder, dass reiche Leute "nett" oder "böse" sind. Ich unterstelle nur, dass sie keine Idioten sind, die probieren die Steuer zu vermeiden "koste es, was es wolle", noch unterstelle ich, dass es möglich ist Milliarden "einfach so" zu verschieben. Mit einer Überweisung, wie das der Normalo so kennt, ist es da nämlich nicht getan. Ich erinnere bspw. an den lieben Herrn Müller, der die Erbschaftsteuer vermeiden wollte, das war sofort in der Presse - und komischerweise haben es ihm nicht alle deutsche Milliardäre gleichgetan. Warum nicht? (Auf die Frage habe ich immer noch keine Antwort.)

Das mag in der Theorie so sein und sich mit deinen Empfindungen decken, wäre aber ein http://de.wikipedia.org/wiki/Perpetuum_mobile

Was hat 5 = 4+1 = 3+2 mit einem Perpetuum mobile zu tun? Das ist einfach nur eine Umverteilung der Steuerlast. Fakt ist, dass die niedrigeren Einkommen eine höhere Konsumquote haben, das ist empirisch belegt, sowohl auf individueller als auch auf volkswirtschaftlicher Ebene. Nehme ich einem Millardär eine Millionen weg, ändert sich bei ihm gar nichts - er lebt wie bisher. Gebe ich aber 1000 Kleinverdienern 1000 Euro mehr, werden die sicherlich 80% bis 90% davon verwenden. Das ist weder Theorie noch ein Perpetuum mobile.

Du unterstellst das die bei der Erzeugung von Produkten gezahlten Löhne ausreichen, um die gleichen Produkte zu kaufen. Das funktioniert betriebswirtschaftlich in der Praxis nicht.

Aber in der volkswirtschaftlichen Praxis funktioniert das seit Jahrhunderten. Man kann das BIP berechnen nach Entstehung, Verteilung und Verwendung und in der Summe sind sie immer gleich - klingt verrückt, ist aber so.

Wenn Du 10 Euro an Löhnen aufwenden musst um ein Produkt zu erzeugen musst Du es teurer verkaufen, da Du ja auch noch Fixkosten hast. Der dem Du den Lohn bezahlst kann sich dein Produkt nicht leisten, auch nicht in Summe über die Gesellschaft.

Du sagst also, dass sich in einer Volkswirtschaft systematisch die Leute nicht das kaufen können, was sie insgesamt produzieren? Dann müssten ja irgendwo riesige Halden existieren - und bitte nicht auf das Ausland verweisen, im globalen Maßstab gibt es kein Ausland und der oben beschriebene Zusammenhang müsste ja überall gelten. Wo sind diese Halden? Oder kann es sein, dass die betriebswirtschaftliche Betrachtung in diesem Falle nicht greift?

Was machst Du, wenn sich momentan in Deutschland überhaupt kein Geld aus Investitionen in die Realwirtschaft verdienen lässt, da ausreichend Kapazitäten, aber keine Nachfrage vorhanden ist ?

Siehe oben. In dem Fall wird wohl kein rational denkender Anleger sein Geld in Realanlagen stecken, ergo auf seinem Geldvermögen sitzen bleiben, und dann greift die Geldvermögenssteuer und reduziert den Überschuss. Genau darum geht es doch.

Klar mag das mit ein Grund für "das zocken" sein, aber dann lass uns die durch "das zocken" verursachten Probleme analysieren, anstatt wilde Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen.

Habe ich an irgendeiner Stelle von einer "Verschwörung" geschrieben oder auch nur nahegelegt, dass es eine "Verschwörung" geben könnte? Bitte um Nachweis.




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