Zum Inhalt springen.
Sympa Menü

ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

Listenarchiv

Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?


Chronologisch Thread 
  • From: Patrik Pekrul <patrik.pekrul AT hotmail.de>
  • To: Logos <Logos AT news.piratenpartei.de>
  • Cc: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
  • Date: Thu, 10 May 2012 16:59:27 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>


Am 10.05.2012 um 16:28 schrieb Logos:

> Patrik Pekrul wrote:
>>>> Übrigens: Wenn der Firmenanteil nicht als Aktie gehandelt werden kann,
>>>> ist das kein Geldvermögen. So hält Zuckerberg geschätzt 10Mrd. $, wäre
>>>> aber von deiner Steuer nicht betroffen. Nur zur Info.
>>
>> Ich hatte dich beim ersten Überlesen wohl falsch verstanden.
>>
>> Richtig, wenn jemand wie Zuckerberg sein gesamtes Vermögen in sein
>> Unternehmen steckt, dann hält er kein Geldvermögen, sondern hat real
>> investiert und müsste keine Steuern zahlen. Genau das will ich ja, die
>> reichen sollen ihr Geld in Unternehmen und nicht in Derivate stecken!
>
> Ob der Reiche das Vermögen in Schuldtitel steckt (und damit auch
> Unternehmen / Staaten / Hausbau / Bankengeldschöpfung .. fördert), oder als
> Eigenkapital in Unternehmen direkt einbringt, macht kein
> gut-versus-schlecht Unterschied. Das Regelt sich alles auf dem Markt und
> hat alles seine Funktion. (Solange Überschuldung vermieden wird: D.h.
> Schulden-/Risikoobergrenzen sogar für Staaten und Banken, wie wir
> inzwischen nochmal gelernt haben.)

Im Prinzip gebe ich dir Recht, so lange das Kapital am Ende den Weg in eine
Realinvesttiion findet, ist es von sekundärer Bedeutung, ob das in Form von
Eigen- oder Fremdkapital geschieht.

Problematisch ist aber, das ein zunehmender Teil nur noch in Derivate usw.
fliesst, und zwar explizit ohne realwirtschaftlichen Hintergrund; es sind
reine Wetten, angeheizt durch den Herdentrieb - man könnte auch auf die Zahl
der Sonnenflecken im nächsten Jahr wetten, das ist nichts anderes als auf den
Kornpreis am 16.7.2013 zu setzen. Und im Prinzip wäre auch das noch
akzeptabel - sollen die Leute mit zuviel Geld doch damit machen, was sie
wollen - es wird aber dann zum Problem, wenn diese wabernde Geldblase sich
plötzlich ein reales Gut sucht - z.B. Mais. Ok, dann verhungern halt ein paar
Mexikaner...

Das schlimme ist, dass dieses virtuelle Geld (ich wiederhole: faktisch nichts
weiter als Ladungsunterschiede auf irgendwelchen Datenträgern) plötzlich
realwirtschaftliche Verwerfungen auslöst - besagte negative externe Effekte.
Wie kann man das rechtfertigen? Wenn man doch weiss, dass diese nutzlose Geld
Schaden anrichtet, dann muss es doch aus dem Markt genommen werden. Das ist
doch die EINZIGE rationale Konsequenz!

> Der Reiche hat so oder so Macht.
> Diese aber könnte sinnvoll durch einheitliche Vermögensteuer umverteilt
> werden. Und so auch als Kaufkraft nützlich werden.
> Am sinnvollsten vielleicht als bGE, da ja auch die (sinnvolle) Arbeit im
> Fortschritt immer weniger wird.

Noch einmal: Wie das Geld verwendet wird, ist eine ganz andere Frage als
jene, wo es herkommen soll. Über das BGE oder sonstige Verwendungen will ich
mich in diesen Thread gar nicht unterhalten, es geht mir eher um die Frage
der Mittelherkunft, und da sehe ich derzeit ein krasses Missverhältnis
zwischen Wohlstandsverteilung und Beitrag zum Staatshaushalt.

>
>>
>> Jetzt gibt es aber wieder zwei Möglichkeiten:
>>
>> a) Das Unternehmen macht etwas mit dem Geld und investiert es in
>> irgendetwas reales, darauf fallen dann keine Steuern an
>> b) Das Unternehmen bunkert das Geld einfach, oder legt es in Finanztiteln
>> an, dann greift wieder die Geldvermögenssteuer
>>
>> Es gibt also nur eine logische und ganz einfach Art seine Steuerlast zu
>> reduzieren: real investieren.
>>
>> Ist das wirklich zuviel verlangt, sein Vermögen produktiv und zum Nutzen
>> der Volkswirtschaft zu verwenden?
>
> Wirkung von derartigen Geldvermögensteuern:
>
> Ein Reicher soll dem Staat Schuldtitel abnehmen, z.B. 10 jährige zu 3% p.a.
> (Staatschulden 2 Bio EUR)
> Oder er soll ähnlich einen Immobilienkredit geben - z.B. dem Herrn Wulff.
>
> Nun wird bekannt, dass laufend 5% p.a. Steuer auf solche Schuldtitel zu
> zahlen sind.
> Entweder wird der Reiche dann 8% p.a. auf dem Markt verlangen, und der
> Staat müsste die eingenommenen 5% Steuer für Staatsschuldpapiere gleich
> wieder als Zins zahlen.
> Oder er wird dem Staat, oder dem Hausbauer eben keinen Kredit geben.
> (Sondern z.B. selbst das Haus bauen und eben vermieten. Er akkumuliert so
> alle Sachwerte: noch mehr Feudalisierung.)

Oder der Staat besorgt sich das Geld nicht von den Reichen, sondern von der
Zentralbank bzw. der Monetativen. Wie viel Geld der Reiche dann für seinen
Kredit haben will, kann dem Staat egal sein. Faktisch besorgt sich bspw. der
amerikanische Staat heute schon einfach Geld bei der Fed. Dieses Szenario ist
also keine Phantasie, sondern Realität. Auch die EZB kauft mittlerweile
direkt Staatsanleihen zu niedrigen Zinsen.

An der Praxis ist grundsätzlich nichts weiter auszusetzen; das Problem ist
nur, dass es so zu einer ausufernden Geldmenge kommt, die zu Inflation und
Fehlallokation kommt, weil immer mehr Geld in den privaten Sektor gelangt -
sei es über Transfers, Subventionen, Gehälter, Staatsaufträge, etc.

Um dieses zu verhindern, muss der Staat auf der anderen Seite wieder Geld aus
dem privaten Sektor abziehen, und das tut er über Steuern. Die entscheidende
Frage ist nun, vom wem soll er sie einziehen? Von denen, die nichts bis wenig
haben (die arbeitende Bevölkerung) , oder von denen, die viel bis sehr viel
oder gar zuviel haben (die Superreichen)?
>
> Übrigens: Eine Ungleichbehandlung bei der Besteuerung von
> Immobilienvermögen und sonstigem Vermögen wurde z.B. vom BVerfG 1995
> untersagt.

Einfach sachlich falsch, ich bin es leid es ewig zu wiederholen. Lies die die
vorigen Posts durch oder liess das Urteil selbst. Ich habe das wesentliche
auch schon in einem Pad zusammengefasst.

Siehe hier:

Rechtliches:
Urteilsbegründung zur Vermögenssteuer: http://lexetius.com/2001/8/224
Widerlegung des Halbsteuersatzes :
http://www.gerken-net.de/downloads/newsletter/04april2006_2.pdf?PHPSESSID=c4f4a90d85a6e2c5c2e1bd903bf4b61e

Vorarbeit: Pad: http://piratenpad.de/p/Ag-W-SM-Vermoegenssteuer

> Was die CDU/_FDP_ zum Anlaß genommen haben die Vermögensteuer einfach
> auszusetzen - und damit einen sinnvollen Mechanismus vernichtet haben den
> wir heute vielleicht wieder brauchen.

Und viele Bürger haben den BS geglaubt und einige verteidigen ihn auch in
diesem Forum heute noch. Dabei genügt es zu lesen.








Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.

Seitenanfang