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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?


Chronologisch Thread 
  • From: Patrik Pekrul <patrik.pekrul AT hotmail.de>
  • To: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
  • Cc: "ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de" <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
  • Date: Thu, 10 May 2012 12:42:35 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>


Du rechnest mit fiktiven Ausgaben, falls niemand mehr Deutschland Geld leihen
wollte.

Die Tilgung ist real, ebenso die Refinanzierung, fiktiv ist es anzunehmen,
dass beides nicht stattfindet, und immer unproblematisch sein wird - eine
reine Annahme.

Es ist logisch, dass diese 2 Billionen Schulden, die man in der Vergangenheit
fröhlich an die Sozialhilfeempfänger verteilt hat, aber sich leihen musste,
Teil des Haushaltes würden.

Es ist auch logisch, das die Verleiher ihr Geld irgendwann wiedersehen
wollen, dass man dieses jederzeit refinanzieren kann, ist NICHT gottgegeben.
Es wird spannend werden, wenn Deutschland halb Europa rauspauken soll - ob
die Refinanzierung dann immer noch selbstverständlich ist?

> Man nimmt auch heute schon die österreichische Staatsbürgerschaft an, um
> keine Erbschaftssteuer zu bezahlen.

Tut "man" das? Die meisten Deutschen, die vor den Schöpfer treten, sind keine
Österreicher.

> Du könntest zur Not ja auch dein Geld einem Vetter im Ausland
> "schenken"(obwohl da auch ne Steuer anfällt, wie absurd...), wenn du
> wirklich in Deutschland bleiben wolltest.

Wieder das Argument: besser 100% verlieren als 5% zahlen. Rational? Ist der
"Vetter" so vertrauenswürdig? Immer beim Vetter anfragen müssen, wenn man mal
in den Urlaub will? Wirklich? Ich glaube nicht.

> Es kommt natürlich drauf an, wie dein Steuersatz empfunden würde. 5% vom
> Betrag über einer Millionen pro Jahr, ob man deshalb auswandert? Wenn im
> Gegenzug der (Spitzen)steuersatz auf Einkommen reduziert wird, wohl eher
> nicht.

Genau darauf will ich doch hinaus, ich will die Geldvermögenssteuer nicht on
Top, sondern will in gleichem Maße die ESt senken.

> Da legt man das Geld eher so an, dass es nicht versteuert wird. Man kauft
> sich zB. ein Haus, was dann die Rendite aufwirft (statt des Geldanlage).

Ja, genau. Der Unterschied zwischen dem Haus und einem Derivat: in dem Haus
können Leute wohnen (realer Nutzen), werden mehr Häuser gebaut, sinken die
Mieten (realer Nutzen); Derivate erzeugen keinen realen Nutzen - für
niemanden.

> Ob es ökonomisch Sinn macht oder nicht. Dann bekommt der junge Unternehmer,
> der Geld braucht für Computer eben stattdessen die Möglichkeit, ein Haus zu
> mieten (welches er schon hat). Das macht natürlich wenig Sinn.

Ich denke schon, das vielversprechende Projekte weiter Investoren finden
werden - und wenn ihnen statt Geld Sachkapital zur Verfügung gestellt wird,
ist das auch nicht verkehrt.

> Aktien fallen auch unter Geldvermögen, also hat der Unternehmer fast keine
> Chance, an Geld ranzukommen, wenn Millionäre rational handeln und
> Geldvermögen oberhalb einer Mio. nicht mehr halten.

Ich glaube du verrennst dich. Steuervermeidung ist nicht Kern jeglicher
wirtschaftlichen Entscheidung, sondern eher sekundärer Natur.

Natürlich werden erfolgreiche Unternehmen weiterhin Kapital bekommen. Denn
nur Investieren erzeugt Einkommen, reines Steuervermeiden (bspw. sein Geld an
den Vetter verschenken) nicht.

>> Ist das wirklich zuviel verlangt, sein Vermögen produktiv und zum Nutzen
>> der Volkswirtschaft zu verwenden?

> Wer für sein Geld Zinsen erhält, dessen Geld wird produktiv verwendet.

Willkommen im Finanzkasino. Befass dich mal mit dem Ponzi-System, das
Finanzkasino ist nichts anderes. Nicht jeder Zins ist Ausweis von
Produktivität, sondern oft genug nur von Umverteilung.

> Warum zahlt die Bank einem denn Zinsen? Weil der Anblick des Geldes so
> schön ist? Wohl kaum. *Sparen = Investieren!*

Das war einmal - und gilt auch nur in einer geschlossenen Volkswirtschaft mit
begrenzter Geldmenge - hat leider gar nichts mit der Realität zu tun; weder
ist die Volkswirtschaft geschlossen, noch die Geldmenge begrenzt.

> Egal ob man Aktien kauft oder es einer Bank gibt und dem Unternehmen leiht.
> Das sind die zwei Hauptfinanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens.

Oder man stopft es in Finanzkasino und zockt damit, ohne dass es je real
eingesetzt wird.
>
>> Stimmt, aber - verrückte Idee - du könntest diese Titel auch verkaufen und
>> hast sofort Liquidität zur Hand.
> Damit man die Steuer bezahlen kann? Halte ich nicht gerade für sinnvoll.

Du kannst die Titel auch als Sicherheit verwenden und sie beleihen, wenn es
dir lieber ist, um an Liquidität zu kommen; das ganze hat aber nichts mit der
eigentlichen Frage zu tun. Es gibt auch heute Leute, die etwas verkaufen oder
beleihen müssen, um ihre ESt zu bezahlen. Das ist keine Frage der Steuerart.
>
>> eine reine Ertragssteuer kann nicht verhindern, dass das Geldvermögen ewig
>> ansteigt, weil sie die Substanz nicht mehr antastet; eine
>> Geldvermögenssteuer schon, denn diese wächst proportional zum Geldvermögen
>> und stabilisiert so langfristig das System.
>
> Das ist nicht gesagt, denn Geldvermögen ist - auch unabhängig von der
> Inflation - nicht sicher.

Grundsätzlich nicht, solange der Staat einen immer raushaut schon.

> Das kann man immer verlieren und ich beneide diese Reichen auch nicht, die
> ihr Geld nie ausgeben (oder auch Spenden). Geldvermögen macht keinem reich.

Eben drum sollte man es eben verwenden oder einziehen - denn es erzeugt
negative externe Effekte.

> Und ob das das System langfristig stabilisieren sollte, ist doch nur eine
> wilde Vermutung.

Nein, reine Mathematik. Die Geldvermögenssteuer wirkt auf das Geldmenge wie
ein Integralregler - und der wirkt stabilisierend.


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