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ag-soziale_marktwirtschaft - [Ag-soziale_marktwirtschaft] Satteln wir einen drauf? BGE war gestern - BE ist das die Zukunft?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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[Ag-soziale_marktwirtschaft] Satteln wir einen drauf? BGE war gestern - BE ist das die Zukunft?


Chronologisch Thread 
  • From: "CAP (Christian)" <CAP AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Satteln wir einen drauf? BGE war gestern - BE ist das die Zukunft?
  • Date: Thu, 10 May 2012 10:32:55 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Warum nicht gleich ein Bedingungsloses Einkommen?
Was meint Ihr zu folgendem Gedanken des "Bedingungslosen Einkommens"? Verwechselt es bitte nicht mit scheinbar ähnlichen Systemen, die es mal gab Wink die hatten andere Evolutionstriebfedern.

Bedingungsloses Einkommen

Beim Bedingungslosen Einkommen wird das Volkseinkommen an alle Inländer zu gleichen Teilen ausbezahlt. Es gibt kein Grundeinkommen, auf das weiteres Einkommen aufgesattelt werden kann. Eine monetäre Entlohnung des Einzelnen findet nicht mehr statt. Dieses Modell ist eine konsequente Weiterführung der im Umfeld der Piratenpartei häufig anzutreffenden Annahmen bzw. Aussagen. Die Motivation des Einzelnen für die Gesellschaft Werte zu Schöpfen wären in diesem Modell nicht mehr egoistisch, monetärer Art.

Ausgangargumente:
* Die intrinsische Motivation wurde als die relevante Motivationsform dargestellt.
* Es wird davon ausgegangen, dass Menschen auch ohne monetäre Anreize sich im Sinne der Gesellschaft einbringen.
* Es wird angenommen, dass Menschen auch ohne erhebliche Entgelte ihre Berufe ausüben, wenn sie sich anderweitig refinanzieren können.
* Es gibt Beobachtungen, dass ungleiche Bezahlung die Motivation und die Produktivität des geringer bezahlten, wie des höher bezahlten reduziert.

Bedingungsloses Einkommens Modell:
In etwa das Volkseinkommen wird allen Inländern zu gleichen Teilen vom Staat ausgezahlt. Das sind aktuell pro Einwohner ca. 24.000 Euro im Jahr. Die Kaufkraft läge sogar deutlich über dem, was wir heute mit 24.000 Euro kaufen könnten, da keine Mehrwertsteuer mehr davon abgehen würde.
Im Gegenzug sind alle Erwerbseinkommen eines Unternehmens, eines Freiberuflichen, eines Selbstständigen, wie auch private Zugewinne an den Staat abzuführen.
Es ist nicht vorgesehen, dass private Personen über das Bedingungslose Einkommen hinaus ein Mehr- oder Mindereinkommen erzielen.
Daneben sind keine Steuern notwendig - insbesondere keine Mehrwertsteuer.
Es sind Gebühren denkbar, deren Erlöse auf das ausgeschüttete Bedingungslose Einkommen aufgeschlagen werden. Diese Gebühren hätten vor allem lenkende Funktion.
Die Prämien der Sozialversicherungen wie z.B. die Krankenversicherung können in einer breiten Spanne kalkuliert werden. Ihre Preise können lediglich reine Sachpreise berücksichtigen, soweit diese selbst überhaupt noch anfallen, oder aber auch sämtliche kalkulatorischen Arbeitskosten beinhalten.
Aus dem vollständigen Staatseinnahmenaufkommen wird nach Abzug der Investitionen, etwaiger Importe zum staatlichen Konsum und von Sachkosten für den Staatsbetrieb der Rest als Bedingungsloses Einkommen an die Inländer ausgezahlt.

Einführung
Zum Umstellungsstichtag werden alle Schulden und alles Eigentum der Inländer verstaatlicht. Aufgrund des Vermögensüberschusses der Volkswirtschaft startet das System im Haben und sollte auch im Haben verbleiben.
Grund und Boden verbleibt grundsätzlich im Eigentum des Staates.
Personen können lediglich den Besitz durch Zahlung von Renten erwerben.
Privates Eigentum kann lediglich an beweglichen oder imateriellen Gütern und an Bankguthaben aufgebaut werden.
Die Bankguthaben werden entsprechend der Inflation auf- bzw. abgewertet, um diese zu kompensieren. Sie sind somit realeinkommensneutral.
Das Bankguthaben dient dem Staat bzw. der Gemeinschaft zur Refinanzierung von Investitionen.
Darüber hinaus sind Konsumkredite denkbar, die aber durchaus einen realen Zins kosten können.

Funktionsweisen
Die Volkswirtschaftliche Zuordnung der Ressourcen ist in diesem Modell die wesentliche Herausforderung.
Die Motivation des Geldeinkommens entfällt. Dafür stehen dann im Vordergrund die Motivation aus der sozialen Anerkennung, der mit dem handeln verbundenen Macht, dem Gefühl der guten Tat, der Selbstbestätigung, das etwas funktioniert oder realisiert wurde
und vielleicht aus vieles weiteren Gründen heraus. Das müsste die Triebfeder im "Bedingungslosen Einkommens Modell" sein.
Die Preise bleiben im System erhalten. Sie dienen als erste Instanz der volkswirtschaftlichen Steuerung. Sie begrenzen über die Kaufkraft des Bedingungslosen Einkommens den Zugriff des einzelnen auf den produzierten Warenkorb der Gesellschaft und zeigen, welche Waren als besonders wertvoll erachtet werden.
Als zweite Größe dient die Beitragszahlung der Erwerbsunternehmungen an den Staat. Sie dient als Basis für Kennzahlen. Sie muss zumindest öffentlich gemacht werden. Sie kann auch als Pflichtangabe zu den Produkten veröffentlicht werden. Die Kennzahl soll auch die Menge an verwandten Ressourcen wiedergeben, so dass der gesellschaftliche Aufwand für das Produkt daraus ablesbar ist.
Jeder Inländer soll berechtigt sein, unternehmerische Ideen zu skizzieren, mit denen er sich um Mittel der Gemeinschaft bewirbt. In einer ersten Prüfung soll der mögliche gesellschaftliche Nutzen mit standardisierten Bewertungsmodellen bewertet werden. Wenn der Nutzwert einen bestimmten Wert überschreitet, soll das Projekt einem demokratisch legitimierten Auswahlprozess durchlaufen, an deren Ende eine entsprechende Ressourcenausstattung gewährt wird.
Entsprechende Prozesse sollen auch zum Entzug von gesellschaftlichen Ressourcen für Unternehmungen jeglicher Art führen können.
Personen dürfen durch ihre erwerbswirtschaftliche Tätigkeit nicht besser gestellt werden. Das gilt insbesondere für Zusatznutzen, der aus höherwertiger Verpflegung, Unterkunft oder Reisemittel resultiert und auf Kosten der Unternehmung abgerechnet werden kann.
Der vollständige Verzicht auf monetäre Entlohnung dürfte auch einen Orientierungswandel bringen. Monetärer Mehrwert wäre nicht mehr das Ziel des Einzelnen, sondern die Anerkennung dadurch, was man an die Gesellschaft liefert. Das würde auch die Interessenskonflikte im wirtschaftlichen Geschäft gänzlich anders gestalten, da nicht mehr der Geschäftspartner das Geld bekommt, sondern die Gemeinschaft. Auf der anderen Seite würden solche Personen einfach zu erkennen sein, die Geld für die Mehrung des privaten Einkommens nutzen würden, denn die Kaufkraft ist für alle gleich - nicht aber deren Ansehen, deren Macht usw. und darüber ist das Anreizssystem zur Evolution dieses Wirtschaftssystems zu gestalten.
Darin liegt auch der Charme im Vergleich zum BGE. Das BGE gerät in einen erheblichen Konflikt mit dem monetären Arbeitsanreiz. Das gilt insbesondere bei der Argumentation rund um die unteren Lohngruppen. Das gilt aber auch im Konsumsteuermodell für die Fehlanreize durch die Überhöhung der Kaufkraft des Geldes im Ausland. Das BE Modell bricht konsequent mit dem privaten Arbeitsentgeld als Arbeitsanreiz und entledigt sich damit einer Reihe von Problemen, die das BGE mit sich bringt.
Preise müssen zumindest für alle exportfähigen Produkte und deren unmittelbaren Vorprodukte existieren, um hier eine Fehllenkung zu vermeiden. Die durch die Exportpreise erzielten Einnahmen sind entscheidend für die Bezahlung der Importgüter. Daneben werden alle Konsumgüter, deren Verfügbarkeit limitiert ist, sinnvoller Weise Preise haben.
Das System führt dazu, dass im Prinzip alle Güter im Inlandsverkehr frei von Preisen werden können. Entsprechend würde aber auch das nominale Bedingungslose Einkommen sinken. Jeder Preis generiert über den mit ihm erzielten Umsatz einen Zuwachs des nominalen Bedingungslosen Einkommens. So wird sich ein inländisches Preisniveau einstellen, dass vor allem durch die Import- und Exportgüter nominal eingestellt wird. Das Ziel einer jeden Unternehmung muss in diesem System sein, möglichst viele Abgaben in Bezug auf die dafür in Anspruch genommenen Ressourcen für den Staat zu erwirtschaften und dadurch den Wohlstand der Gesellschaft zu erhöhen.

Einschätzung
Wenn in diesen System die Motivation hoch wäre und vor allem auch die dynamische Zuordnungsfunktion der Ressourcen (also vor allem auch Arbeitskraft) zu seinen bestmöglichen Verwendungen gut funktionieren würde, so würde dieses Modell ein Ergebnis nahe dem wirtschaftlichen Ideal ermöglichen.

Um das Gefühl, wie das Leben in diesem System laufen würde, sich heute zu vergegenwärtigen, so braucht man nur an die Verkaufsstände von Vereinen oder das Programm "Deutschland rundet auf" zu denken. In beiden Fällen stehen dort Menschen, kassieren, arbeiten dafür, doch geht das Geld einfach in die Kasse des höheren Verwendungszwecks - in dem einen Fall in die Vereinsarbeit und im anderen Fall in gemeinnützige Projekte.




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