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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
Chronologisch Thread
- From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
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- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
- Date: Sat, 14 Jul 2012 17:21:41 +0000
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Also wenn sich Deine Bauern auch so dumm (an)stellen, dann sehe ich schwarz. Es reicht doch völlig, wenn er mitteilt, wieviel Land er hat, wofür es sich eignet, was es also normalerweise für Erträge bringt und wieviel Saatgut der verschiedenen Sorten er hat und wieviel Arbeitszeit er zur Bearbeitung mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, bräuchte. Dann kann das System diese Daten sammeln und sinnvolle Szenarien ausrechnen. Wenn er zuwenig Arbeitskraft hat, um sein Feld optimal auszunutzen, könnte man ihm Hilfskräfte schicken. Wenn er zuviel Arbeitskraft hat, könnte man ihm vorschlagen, jemand anderem, der zuwenig hat, zu helfen. Wenn er zuwenig Saatgut hat und jemand anderes zuviel, könnten sie sich austauschen usw.
Wenn dein System wirklich vorhanden wäre, würde der Bauer ja die Hälfte des Tages schon damit verbringen, Sachstände an das System zu übermitteln. Wenn die 3-4 Parameter, die du nennst, ausreichen würden, um ein gleich gutes Ergebnis wie heute zu liefern, wäre das ja toll. Das ist es aber nicht. Das zu viel oder zu wenig Arbeitskraft, Land, Traktoren, Land oder Saatgut wird ja heute wunderbar über den Markt geregelt. Die Bauern plaudern ja auch mal untereinander, wodurch ziemlich schnell rauskommt, wer da zu viel oder zu wenig hat. Das ist kein wirklicher Aufwand, sondern Sozialverhalten (im Sinne von menschlicher Interaktion). Es sind tatsächlich aber Hunderte Parameter, die keineswegs binär wären. zB. in welchem Zustand der Traktor des Bauers ist. Der Bauer weiß das, weil er ihn immer nutzt. Wenn er nun das Alter, die Baureihe, die Marke, den letzten TÜV, die ausgewechselten Teile, etc. an dein System übermittelt, wüsste das immer noch nicht so gut über den Traktor Bescheid, wie der Bauer. Der hat nämlich letzten Freitag so ein Geräusch beim Traktor vernommen usw.
Das System muss aber dann noch viel mehr raus finden, nämlich, was angebaut werden soll. Es gibt ja nicht die statische, optimale Nutzung von Ressourcen nach der Art: Ja, der Boden hat 2,34% NaCl und 34 Würmer auf den m³, also sollte man hier Gerste anbauen. Es hängt von den Präferenzen der Konsumenten ab. Wenn die sich entscheiden, nun mehr Kartoffelschnaps statt Bier zu trinken, braucht man eben mehr Kartoffeln und weniger Gerste. Das drückt sich im Preis aus und der Bauer will natürlich möglichst viel Profit machen, also baut er dann Kartoffeln statt Gerste an.
Oder wie ist das eigentlich bei deinem Plan? Sollen da Konsumentenpräferenzen möglichst berücksichtigt werden, oder gibt es da von Ernährungswissenschaftlern aufgestellten Plan, was gut für den Menschen ist und danach wird produziert?
Das Vertrauen setzt man aber nur in eine Ampel, wenn man weiß, daß man ihr auch vertrauen kann, also irgendwie sichergestellt ist, daß sich möglichst alle daran halten und nicht nur einige. Klar kann man auch eine private Ampel-Wacht organisieren, aber inwiefern unterscheidet sich diese dann von einem staatlichen Organ?Was soll denn eine Ampelwacht sein? Es geht darum, dass der Straßenbesitzer bzw. -betreiber eine Motivation hat, dass der Verkehr läuft. Denn wenn er nicht läuft, fahren die Autos auf anderen Straßen. Also stellt er regeln auf, die Sinn machen und die Kunden, die sich nicht daran halten, bekommen Hausverbot plus Strafe, wie es im Benutzungsvertrag der Straße festgelegt wird (wenn man die Maut o.ä.) dafür bezahlt. Ähnlich wie zB. auch die Betreiber von Disneyland einen Anreiz haben, dass der Park sicher ist. Denn wenn er das nicht wäre, würden den Park weniger besuchen. Beim "kostenlosen" Stadtpark ist das etwas anderes. Da würde ich auch nicht nachts alleine durchgehen.
Die Straße könnte aber nicht nur von einem profitorientierten Unternehmen betrieben werden. Da könnten sich auch die Dorfbewohner zusammenschließen, die sich auf Regeln einigen und wer sich nicht daran hält, wird eben bestraft. Das heißt selbstverständlich nicht, dass jedes Dorf unterschiedliche Regeln vereinbaren würden. Die würden sich schon einigen. Jeder wäre frei, zu machen, was er will, aber es würde natürlich gewisse Standards geben, an die sich die Meisten halten werden. Wie eben mit den Steckdosen. Oder wie bei Wissenschaften. Die einigen sich auch meist auf eine Art Konsens, aber jeder Wissenschaftler darf glauben, was er will.
Normen müssen nicht staatlich verzeichnet werden. Sie können aber dazu dienen, die Einhaltung gewisser Standards gesetzlich zu verankern, um sinnlose Verschwendung durch Parallel-Entwicklungen zu vermeiden.Will heißen: Wenn da einer mit DVD daherkommt, verbietet der Staat die, weil es ja schon VHS gäbe und sinnlose Parallel-Entwicklung vermieden werden sollte?
Es ist eigentlich eine gute Frage. VCR-Kassetten hatten eine bessere Qualität als VHS, aber auf Letzteres passte ein ganzes Football-Match drauf. Für welches Format entscheiden sich deine Wissenschaftler und nach welchen Kriterien?
Klar kann man AUCH davon profitieren, andere glücklich zu machen. Wenn man aber die Wahl hat, weniger Profit zu machen, und mehr glücklich, oder mehr Profit und weniger glücklich - wofür wird man sich da wohl entscheiden?
Ich höre mir gerade mehrere BWL-Vorlesungen und Ähnliches an. Dabei geht es darum, wie ein Unternehmen mehr Profit machen kann. Es geht dabei aber immer nur darum "Der Kunde will dies, er will das." und wie man es den geben kann, um eben mehr Profit zu machen. Ein Unternehmen ist dabei ja immer mit einem Trade-Off konfrontiert. Wenn man die eigenen Kosten senkt, bekommt der Kunden nicht mehr das, was er will. Gibt man dem Kunden genau das, was er will, sind die Kosten so hoch, dass gar kein Profit bleibt. Wie holt man nun den größtmöglichen Profit raus? Klar, man macht einfach ein System, welches einem sagt, was man tun soll, oder? Hm, so einfach ist es eben leider nicht, wie du dir das immer vorstellst. Der optimale Gewinn wird jedoch angestrebt, so dass es in seltensten Fällen heißt - ausgehend vom heutigen Status Quo: "ich könnte andere weniger glücklich machen und so mehr Gewinn machen". Unternehmen sind so ausgerichtet, dass sie eine Punkt fahren, in dem mit möglichst niedrigen Kosten ein möglichst hoher Ertrag rausgeholt wird.
Also das war jetzt eine rein ökonomische Betrachtung. Natürlich wählen Menschen auch freiwillig, 100€ zu spenden und vlt beim teueren Verkäufer einzukaufen, weil man den unterstützen will. Jeder kann sei Geld bzw. Profit ja dafür ausgeben, wozu man lustig ist, was auch bedeuten kann, dass man gleich weniger Profit machen will. Das gibt es auch ;)
Gruß
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, ugh, 10.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Louis Porter, 10.07.2012
- <Mögliche Wiederholung(en)>
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 11.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 13.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 14.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 14.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 18.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 24.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 28.07.2012
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