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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
Chronologisch Thread
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- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
- Date: Tue, 10 Jul 2012 21:10:52 +0000
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Louis Porter schrieb:
Ein paar Repliken auf den letzten Beitrag:Diese Zusatztätigkeiten dienen im Optimalfall natürlich genau dem Produktionsprozeß und sind dementsprechend alles andere als unproduktiv. Sie ermöglichen im Gegenteil eben erst einen optimalen, ungehinderten Informationsfluß - zumindest gibt es keinen Grund, ihn innerhalb eines Monopols aktiv zu verhindern, in der Konkurrenz-Wirtschaft aber eben schon - und darauf aufbauende, flexible Anpassung/Planung.
Erst einmal sollten wir uns bewußt sein, dass wir uns auf dem Terrain der Wirtschaftstheorie bewegen. Der Ausflug in Eigentumsrechte halte ich in diesem (eng umrissenen) Zusammenhang für überflüssig.
Das Problem der fehlenden Transparenz, also der ungleichen Informationsverteilung führt nicht zwangsläufig zum Monopol. Das Monopol führt aber auch nicht zwangsläufig zur optimalen Nutzung der Resourcen, eher das Gegenteil ist der Fall, denn der "Großbauer" muss mehr unproduktive Aufgaben (Verwaltung, Aufsicht etc.) wahrnehmen. Der Bauer muss zur Bestellung der Felder Menschen bezahlen, die seine ausgefallene produktive Tätigkeit übernehmen. Mit steigender Größe muss er auch noch Menschen bezahlen, die ihm beim Verwalten und Aufsehen helfen, womit er aber noch mehr Leute auf dem Feld braucht.
Das Scheitern eines Bauern mit unproduktiven Feldern heißt ja nur, dass er mit den Mitteln, die er zur Verfügung hat nicht genug erwirtschaftet. Aber kein Bauer, ob groß oder klein wird auf diesen Feldern Kartoffeln anpflanzen, solange es bessere Felder gibt.Das ist reine Propaganda. Solange die Gemeinschaft ein gemeinsames Interesse hat, möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden, also möglichst ökonomisch zu arbeiten, werden natürlich auch die steuernden Aktivitäten möglichst ökonomisch organisiert werden und diejenigen, die unökonmisch sind, werden durch produktivere ersetzt.
Was der bisherigen Argumentationen fehlt ist die Konsumseite. Wenn der der Bauer mit den schlechten Feld immer noch genug Weizen von anderen Bauern für seine Kartoffeln bekommt, wird er möglicherweise auch auf dem schlechten Feld Kartoffeln anbauen. Sollten aber die Konsumenten keine Kartoffeln mehr wollen, steht auch der Bauer mit dem fruchtbaren Feld mit seinen Früchten dumm da.
Auch das Fehlen von Privateigentum führt zum Monopol der Gemeinschaft, mit einem relativ großen Teil an unproduktiven Tätigkeiten. Die Preise für die Saatkartoffeln werden dann nicht mehr verhandelt sondern abgeschafft. Der abgebende Bauer hat somit keine Entscheidungsmöglichkeit, ob er den schlechten Acker nutzt oder ob er Kartoffeln verkauft. Er muss ja auch nicht mehr entscheiden, weil die Gemeinschaft oder ein Gremium oder eine befugte Einzelperson entscheidet. Das Steuerungspotential der Preise zwischen den Bauern fällt weg. In diesem Fall sind transparente Informationen auch nicht mehr notwendig.
Dies entspricht dem ersten Grund-Prinzip des Sozialismus: Jeder nach seinen Fähigkeiten
Normalerweise ist der Sozialismus als Leistungsgesellschaft definiert, wie es sich im zweiten Grundprinzip ausdrückt: Jedem nach seinen Leistungen
Da wir keine annähernde Definition von Sozialismus angenommen haben (deren Anzahl geht in die hunderte), kann nicht postuliert werden, wie die Überschüsse verteilt werden. Ob wie angenommen nach erwirtschaftetem Ertrag oder durch eine gemeinschaftliche Insititution nach dem Gleichheitsprinzip (das wiederum definiert werden muss) ist nicht klar.
Ob das behandelte Theorem der optimalen Resourcenverteilung den Sozialismus beschreibt halte ich als zu kurz gegriffen. Es beschreibt den theoretischen (!) Optimalzustand der Produktion von Gütern jeder Gesellschaftsform. Die Entscheidung welche Produktionsmittel wofür aufgewendet werden muss immer und immer wieder neu getroffen werden.Die optimale Entscheidung kann nur von einem übergeordneten Prinzip getroffen werden (ob das ein Gremium oder ein Supercomputer ist, sei mal dahingestellt), welches maximal viele Informationen zur Verfügung hat.
Ich glaube, dass ein große Menge Kartoffebauern, von denen jeder für sich weiß was die Felder hergeben und jeder weiß was er für seine Kartoffeln als Gegenleistung bekommt diese Entscheidung besser treffen kann als ein zentrales Gremium.
Solange jeder einzelne Bauer nur für sich optimale Entscheidungen fällt, ist das nur ein chaotischer Schwingkreis, der mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlägt, mal optimaler, mal weniger optimal. Dann greift nur noch das Evolutionsprinzip, welches das sub-optimale nach und nach entfernt und das optimalere solange stabiler werden läßt, bis es selbst wieder suboptimal ist, wenn es durch sein Wachstum zuviele Ressourcen verschwendet hat, von denen es abhängig ist (und wegen seiner Stabilität zu unflexibel ist, sich schnell genug anzupassen).
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, ugh, 10.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Louis Porter, 10.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, ugh, 10.07.2012
- <Mögliche Wiederholung(en)>
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 11.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 13.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 14.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 14.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 18.07.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Louis Porter, 10.07.2012
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