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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
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- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
- Date: Tue, 17 Jul 2012 22:10:45 +0000
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porcupine87 schrieb:
Wenn dein System wirklich vorhanden wäre, würde der Bauer ja die Hälfte des Tages schon damit verbringen, Sachstände an das System zu übermitteln.Die meisten der Werte ändern sich ja nicht ständig. Es reicht also vollkommen,wenn er eine signifikante Änderung weitergibt.
Wenn die 3-4 Parameter, die du nennst, ausreichen würden, um ein gleich gutes Ergebnis wie heute zu liefern, wäre das ja toll. Das ist es aber nicht. Das zu viel oder zu wenig Arbeitskraft, Land, Traktoren, Land oder Saatgut wird ja heute wunderbar über den Markt geregelt.Also ich weiß ja nicht, in welcher Welt Du lebst, aber die meisten Traktoren der Bauern die ich kenne stehen den Großteil der Zeit einfach nur rum, weil sie zu teuer sind, sie jemandem zu verleihen, also aus versicherungstechnischen Gründen und nur für den Fall, daß man sie brauchen KÖNNTE, also nicht sehr effizient genutztes Kapital.
Ähnliches gilt natürlich für Privat-PKW. Da ist der Nutzungsverhältnis noch schlechter.
Viel zu wenig - viel zu lokal - viel zu ineffizient (und auch noch von persönlichen Animositäten, Geheimniskrämerei, Neid und Mißgunst und Konkurrenz durchsetzt).
Die Bauern plaudern ja auch mal untereinander, wodurch ziemlich schnell rauskommt, wer da zu viel oder zu wenig hat. Das ist kein wirklicher Aufwand, sondern Sozialverhalten (im Sinne von menschlicher Interaktion).
Es sind tatsächlich aber Hunderte Parameter, die keineswegs binär wären. zB. in welchem Zustand der Traktor des Bauers ist. Der Bauer weiß das, weil er ihn immer nutzt. Wenn er nun das Alter, die Baureihe, die Marke, den letzten TÜV, die ausgewechselten Teile, etc. an dein System übermittelt, wüsste das immer noch nicht so gut über den Traktor Bescheid, wie der Bauer. Der hat nämlich letzten Freitag so ein Geräusch beim Traktor vernommen usw.Das sind rein statistiche Unwägbarkeiten, die das System schon mit einberechnen kann. Macht jede Versicherung.
Das System muss aber dann noch viel mehr raus finden, nämlich, was angebaut werden soll. Es gibt ja nicht die statische, optimale Nutzung von Ressourcen nach der Art: Ja, der Boden hat 2,34% NaCl und 34 Würmer auf den m³, also sollte man hier Gerste anbauen.Doch, die optimale Nutzung gibt es natürlich (allerdings eher dynamisch und global, nicht statisch und lokal). Man kann aktuelle Bodenproben auswerten und anhand der Wetterprognosen und dem Anbau der vorigen Jahre usw. durchaus die optimale Bebauung bestimmen (ähnlich wie der Bauer das ja auch für sich machen würde, wenn er genau planen will).
Es hängt von den Präferenzen der Konsumenten ab. Wenn die sich entscheiden, nun mehr Kartoffelschnaps statt Bier zu trinken, braucht man eben mehr Kartoffeln und weniger Gerste. Das drückt sich im Preis aus und der Bauer will natürlich möglichst viel Profit machen, also baut er dann Kartoffeln statt Gerste an.Natürlich ersteres - das ist ja das einzig sinnolle. Läßt sich problemlos am Konsumverhalten messen - das ändert sich statistisch nicht so rapide -, man muß ja nur die Daten sammeln, was verkauft wird (und auch was von den Händlern weggeschmissen wird). Die Daten sammeln die Leute ja heute schon, nur auswerten tun sie sie nicht sinnvoll (anders kann ich mir zumindest nicht die ständigen Waren-Fehl-Stände der Sachen, die ich regelmäßig kaufe, erklären).
Oder wie ist das eigentlich bei deinem Plan? Sollen da Konsumentenpräferenzen möglichst berücksichtigt werden, oder gibt es da von Ernährungswissenschaftlern aufgestellten Plan, was gut für den Menschen ist und danach wird produziert?
Eine private Alternative zur Polizei, die Verkehrssünder findet und bestraft.Das Vertrauen setzt man aber nur in eine Ampel, wenn man weiß, daß man ihr auch vertrauen kann, also irgendwie sichergestellt ist, daß sich möglichst alle daran halten und nicht nur einige. Klar kann man auch eine private Ampel-Wacht organisieren, aber inwiefern unterscheidet sich diese dann von einem staatlichen Organ?Was soll denn eine Ampelwacht sein?
Es geht darum, dass der Straßenbesitzer bzw. -betreiber eine Motivation hat, dass der Verkehr läuft. Denn wenn er nicht läuft, fahren die Autos auf anderen Straßen.Das ist eben ein Trugschluß. Straßen sind das perfekte Beispiel für ein nicht zu brechendes Monopol, denn ich kann sie nicht beliebig durch eine vergleichbare, bessere Alternative ersetzen (es sei denn, man erfindet erschwingliche Privat-Flugzeuge oder Beamen). Jede Ausweich-Straße ist immer ein Umweg und kostet den Nutzer somit prinzipiell mehr Energie. Das Interesse, die kürzeste Straße zu nutzen, ist also immer am größten. Deshalb wären Straßen in Privat-Hand auch so ziemlich das dümmste, was man machen könnte, es sei denn, man will Geld verschenken oder eben verbrennen (wenn doch die Alternativ-Straße benutzt werden muß, die dann natürlich zum nächsten Monopol wird).
Also stellt er regeln auf, die Sinn machen und die Kunden, die sich nicht daran halten, bekommen Hausverbot plus Strafe, wie es im Benutzungsvertrag der Straße festgelegt wird (wenn man die Maut o.ä.) dafür bezahlt.Ohne Polizei aber keine Strafe. Und wenn der Verkehrssünder keinen Vertrag unterschrieben hat, daß er sich an die privaten Regeln halten wird (also ein Schwarz-Fahrer), dann kann man ihm im Endeffekt nichts, es sei denn, man benutzt Gewalt, was ja dann nichts anderes wäre als das, was die Polizei tun würde.
Die Straße könnte aber nicht nur von einem profitorientierten Unternehmen betrieben werden. Da könnten sich auch die Dorfbewohner zusammenschließen, die sich auf Regeln einigen und wer sich nicht daran hält, wird eben bestraft.Von wem mit welchem Recht, ist da die Frage? Selbstjustiz der Dorfbewohner über die Auswärtigen oder wie?
Das heißt selbstverständlich nicht, dass jedes Dorf unterschiedliche Regeln vereinbaren würden. Die würden sich schon einigen. Jeder wäre frei, zu machen, was er will, aber es würde natürlich gewisse Standards geben, an die sich die Meisten halten werden.Also entweder sie sind frei, oder sie halten sich an Standards. Beides geht nicht. Daß die Dörfer sich nach und nach aneinander anpassen würden, denke ich auch, aber ob sich dabei das sinnvollste Prinzip durchsetzt, ist noch lange nicht gesagt. Sieht man ja heute auch am föderalistischen Bildungsprinzip - keine Standards - keine Vergleichbarkeit - keine Möglichkeit, irgendwen nach seinen Noten einzuschätzen.
Wie eben mit den Steckdosen. Oder wie bei Wissenschaften. Die einigen sich auch meist auf eine Art Konsens, aber jeder Wissenschaftler darf glauben, was er will.Naja, Einigung würde ich das nicht nennen. Es ist halt die Massenmeinung, die zu jedem Zeitpunkt zählt - also Demokratie, wenn man so will.
Vollkommen unterschiedliche Dinge sind keine Parallel-Entwicklungen. Mir geht es eher um solche Fragen wie Schienenbreiten oder Spurbreiten oder eben Steckdosen und so weiter. Also die Dinge, die wirklich TEUER werden, wenn es davon mehrere Varianten gibt. Außerdem ist es sinnvoller, wenn man weiß, wovon gesprochen wird, wenn ein Begriff genannt wird, weil Mißverständnisse auch immer teuer sind. Normen sind sozusagen ein Verständigungs-Tool.Normen müssen nicht staatlich verzeichnet werden. Sie können aber dazu dienen, die Einhaltung gewisser Standards gesetzlich zu verankern, um sinnlose Verschwendung durch Parallel-Entwicklungen zu vermeiden.Will heißen: Wenn da einer mit DVD daherkommt, verbietet der Staat die, weil es ja schon VHS gäbe und sinnlose Parallel-Entwicklung vermieden werden sollte?
Es ist eigentlich eine gute Frage. VCR-Kassetten hatten eine bessere Qualität als VHS, aber auf Letzteres passte ein ganzes Football-Match drauf. Für welches Format entscheiden sich deine Wissenschaftler und nach welchen Kriterien?Bei solchen Sachen kann das gerne der Konsument entscheiden oder meinetwegen ein paar empirische Versuchsreihen mit potentiellen Konsumenten - Modellprojekte o.ä. Wenn sich die Sachen nicht widersprechen, können sie auch eine Weile parallel laufen, bis sich eines (oder beides) durchgesetzt hat. Bei Schienenbreiten geht das aber nicht.
Also heutzutage scheinbar mit "Scheiß auf den Kunden, er hat ja eh keine Wahl, weil der Konkurrent ist den gleichen Zwängen unterworfen wie ich und wird dementsprechend ähnlich handeln und jeder, der es nicht tut, der muß unverhältnismäßig viel in Kundenbetreuung hineinstecken, daß er preislich nicht mitkonkurrieren kann." So zumindest meine Erfahrung mit jeglicher Art von Kundenbetreuung in diesem Land. Wieso das plötzlich in einem Freien Markt anders sein soll, ist mir immer wieder ein Rätsel.Klar kann man AUCH davon profitieren, andere glücklich zu machen. Wenn man aber die Wahl hat, weniger Profit zu machen, und mehr glücklich, oder mehr Profit und weniger glücklich - wofür wird man sich da wohl entscheiden?
Ich höre mir gerade mehrere BWL-Vorlesungen und Ähnliches an. Dabei geht es darum, wie ein Unternehmen mehr Profit machen kann. Es geht dabei aber immer nur darum "Der Kunde will dies, er will das." und wie man es den geben kann, um eben mehr Profit zu machen. Ein Unternehmen ist dabei ja immer mit einem Trade-Off konfrontiert. Wenn man die eigenen Kosten senkt, bekommt der Kunden nicht mehr das, was er will. Gibt man dem Kunden genau das, was er will, sind die Kosten so hoch, dass gar kein Profit bleibt. Wie holt man nun den größtmöglichen Profit raus?
Klar, man macht einfach ein System, welches einem sagt, was man tun soll, oder? Hm, so einfach ist es eben leider nicht, wie du dir das immer vorstellst.Mit etwas Grips und tatsächlicher Zusammenarbeit wäre das viel einfacher, als Du glaubst.
Der optimale Gewinn wird jedoch angestrebt, so dass es in seltensten Fällen heißt - ausgehend vom heutigen Status Quo: "ich könnte andere weniger glücklich machen und so mehr Gewinn machen". Unternehmen sind so ausgerichtet, dass sie eine Punkt fahren, in dem mit möglichst niedrigen Kosten ein möglichst hoher Ertrag rausgeholt wird.Ja, aber eben nur der hohe Ertrag für einen selbst, oft (und zwar nicht immer ungewollt) auf Kosten der Erträge - und auch der Zufriedenheit - anderer, insbesondere folgender Generationen. Das ist eben die inhärente Ineffizienz des Systems. Sie verschwendet und verschwendet und versucht dann wieder in der dann noch knapperen Welt wieder das beste, was (noch) möglich ist, draus zu machen. Der kurzfristige Gewinn geht im Endeffekt über alles, denn den kann man ja in Zukunft wieder investieren.
Also das war jetzt eine rein ökonomische Betrachtung. Natürlich wählen Menschen auch freiwillig, 100€ zu spenden und vlt beim teueren Verkäufer einzukaufen, weil man den unterstützen will. Jeder kann sei Geld bzw. Profit ja dafür ausgeben, wozu man lustig ist, was auch bedeuten kann, dass man gleich weniger Profit machen will. Das gibt es auch ;)Das gibt es aber nur unter den Reichen. Die Masse der Leute hat keine Wahl. Sie muß das billige Produkt nehmen oder ganz verzichten. Das ist keine wirkliche Wahl.
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, (fortgesetzt)
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