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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung


Chronologisch Thread 
  • From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
  • Date: Wed, 18 Jul 2012 13:01:33 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Also ich weiß ja nicht, in welcher Welt Du lebst, aber die meisten Traktoren der Bauern die ich kenne stehen den Großteil der Zeit einfach nur rum, weil sie zu teuer sind, sie jemandem zu verleihen, also aus versicherungstechnischen Gründen und nur für den Fall, daß man sie brauchen KÖNNTE, also nicht sehr effizient genutztes Kapital.

Also ich weiß zumindest, dass mein Onkel seinen Mähdrescher immer ausleiht, weil kleinere Bauern sich keinen Eigenen leisten könnten, aber mein Onkel auch auf die Kunden angewiesen ist, da er sonst für sich selbst auch nicht rentabel wäre. Beim Traktor ist das verschieden. Die stehen deswegen oft herum, weil fast jeder, der einen braucht, einen Eigenen hat. Das ist nicht ineffizient, denn zu bestimmten Zeiten braucht jeder einen Traktor gleichzeitig und man ist eben von anderen unabhängig. Du meinst nun: Zu lokal. Klar, du würdest in deinem Kommunismus den Traktor auch von München nach Frankfurt fahren, da es bei dir keinerlei Marktpreise gibt und du so auch keine Ahnung hast, was nun effizienter wäre: Baut man für den Frankfurter einen eigenen Traktor oder fährt man den Traktor aus München jedesmal hoch? Oder auch innerhalb eines Dorfes. Es gibt 10 Bauern, die alle unterschiedliche Bedürfnisse haben. Wie viele Traktoren baut man nun für diese 10 Bauern? Im Sommer braucht man 20 Stück, im Winter 3, wenn man alle immer voll auslastet. Fragen über Fragen.

Auch noch ein Punkt, den ich schreiben wollte: Du sagst ja immer, dass der Bauer einfach alles, was er weiß, in eine Datenbank schreibt, wodurch dann das System genausogut bzw. sogar noch besser über die Maschinen, Fähigkeiten und Felder des Bauern Bescheid weiß. Das Problem dabei ist aber, dass der Bauer nicht mal all sein Wissen ausdrücken kann. Fährst du ein Auto mit Schaltgetriebe? Jetzt erkläre mal jemandem, wann du schalten solltest. Es ist eben ein Gefühl. Genauso wenn man einen Ball fängt. Das Gehirn löst dabei komplizierte physikalische Gleichungen, die der Fänger nicht weiß, aber er fängt den Ball. Oder zB. auch die Sprache. Auch Kinder sprechen grammatikalisch richtige Sätze, können aber die Satzstruktur nicht in Worte fassen, also jemandem erklären, warum die Worte so angeordnet sind. Und so geht es dem Bauern auch.
Marktpreise sind dabei ein Surrogat für dieses Wissen. So bringt man dieses Wissen in eine einheitliche Form, die auch andere verstehen. Preise erlauben uns, miteinander zu kommunizieren, ohne unser Wissen in Worte ausdrücken zu müssen.
Ich will jetzt nicht wieder alles schreiben. Du kannst sicherlich English. Der Mann erklärt hier erst den Unterschied zwischen designed order (Familien, Firmen, Sportteams etc.) und spontaneous orders (Märkte, Preise, Sprache etc.). Der Hauptunterschied besteht darin, dass Erstere ein gemeinsames Ziel haben. Also den Sieg, Profit etc. Bei Letzterem ist es so, dass die Teilnehmer alle unterschiedliche Absichten haben. Der Markt hat also keine Absicht, ist er ist eher ein Werkzeug, um seine Ziele zu erreichen. Das Gleiche gilt bei Sprache. Es braucht dafür keinen Designer, der nun eine Sprache entwickelt, damit sich die Menschen auch unterhalten können, oder? Du argumentierst allerdings so. Denn dann würde jeder die Worte anders definieren und Kommunikation wäre unmöglich.
Hier mal 10min:
http://www.youtube.com/watch?v=vn-pi4QFTSY&feature=relmfu#t=27m+50s
(du musst es nicht anschauen, gib mit aber Feedback, ob du es anschaust).

Natürlich ersteres - das ist ja das einzig sinnolle. Läßt sich problemlos am Konsumverhalten messen - das ändert sich statistisch nicht so rapide -, man muß ja nur die Daten sammeln, was verkauft wird (und auch was von den Händlern weggeschmissen wird).

Aber es gibt doch sehr viele Möglichkeiten, wie du da vorgehen willst. Wenn der Konsument entscheidet, könntest du damit mehrheitsdemokratisch meinen. Also der Bürger stimmt ab, welche eine Kamera er will. Oder man könnte auch die drei Kameras nehmen, die am meisten Stimmen bekommen. Dann stellt sich die Frage, wo man wie viele herstellt. Klar, jeder hätte gerne jede Jahr das neue, bessere Modell. Wenn man dafür bezahlen muss, sind die Konsumentenpräferenzen aber dabei auch wieder unterschiedlich. Ich bin zB. ein leidenschaftlicher Fotograf. Immer wenn ich zeit hab, geh ich zum lichten raus. Natürlich kauf ich mir so auch ne andere Art von Kamera. Was ist, wenn 95% der anderen Konsumenten keine solche Kameras brauchen? Setzt sich diese Mehrheit dann durch und die 5% gehen leer aus?
Dann auch sehr wichtig: Wo produziert man diese Kameras? In Thailand mit Sprachbarrieren, schlechter Infrastruktur, schlechtgebildeteten Working Force und den weiten Transportkosten. Oder doch lieber vor Ort? Und wenn man vor Ort produziert, wie macht man das? Kapitalintensiv mit wenigen Arbeitern oder wenig Kapital und vielen Arbeitern?

Also entweder sie sind frei, oder sie halten sich an Standards. Beides geht nicht.
Doch das geht natürlich. Denn Freiheit bedingt auch, dass man mit den Konsequenzen leben muss. Wenn du in das Steckdosenbusiness einsteigst, wärst du frei, einen eigenen Standard zu kreieren. Aber da dann niemand deine Steckdosen kaufen würde, würdest du Verlust machen, also hältst du dich /in deinem eigenen Interesse/ an Standards. Ich könnte jetzt auch alle Wörter unterschiedlich definieren und auch so nutzen, aber dann versteht mich niemand, also halte ich mich an Standards.

Also heutzutage scheinbar mit "Scheiß auf den Kunden, er hat ja eh keine Wahl, weil der Konkurrent ist den gleichen Zwängen unterworfen wie ich und wird dementsprechend ähnlich handeln und jeder, der es nicht tut, der muß unverhältnismäßig viel in Kundenbetreuung hineinstecken, daß er preislich nicht mitkonkurrieren kann." So zumindest meine Erfahrung mit jeglicher Art von Kundenbetreuung in diesem Land. Wieso das plötzlich in einem Freien Markt anders sein soll, ist mir immer wieder ein Rätsel.

:) Dann geh in die USA. Die haben eine größere Kundenbetreuungskultur ;) Nein, es ist so. Wer mehr Kundenbetreuung will, muss mehr für das Produkt bezahlen. Wenn ich mir zB. Klamotten kaufe, dann wimmle ich diese Angestellten immer ab, weil ich das nicht will. In Deutschland bin ich damit nicht allein. Bei den Amis erwartet man eher, dass da jemand zur Beratung kommt. Wenn du nun der einzige Kunde bist, der eine ausführliche Beratung will und dafür auch bereit wäre, 10% mehr für das Produkt zu bezahlen, stellt sich nicht der gesamte Betrieb nur wegen dir um. Ich weiß: Demokratie ist nur toll, wenn man auf der Gewinnerseite steht, oder? :) Durch den Markt wirst du aber zu jedem beliebigen Produkt Anbieter finden, die deinen Kundenbetreuunsgswünschen nachkommen werden. Dann kannst du aber eben nicht die niedrigen Preise erwarten. Entscheide selber, was du willst.
Bei deinem Kommunismus ist das auch wieder so eine Frage: Wie hoch soll der Grad der Kundenbetreuung sein? Soll das auf dich und Gleichgesinnte abgestimmt werden? Oder auf mich und Gleichgesinnte? Wobei Letzteres ja Quatsch wäre, denn das Produkt wird für mich ja nicht teurer oder günstiger, egal wie viele Kundenbetreuer da beschäftigt werden. Ich nehme es mir ja einfach.

Noch was zum Anarchismus:
Von wem mit welchem Recht, ist da die Frage? Selbstjustiz der Dorfbewohner über die Auswärtigen oder wie?
Du bist doch selber Anarchist, wenn du Kommunist bist. Wie funktioniert das denn bei dir?
Im Anarchokapitalismus, der übrigens völlig kompatibel mit deinem Kommunismus wäre, wäre denkbar, dass Konflikte so gelöst werden, dass die Konfliktparteien (bzw. deren Sicherheitsfirmen) sich auf einen Richter einigen(den beide als fair erachten), der seine Meinung dazu abgibt, die dann beide akzeptieren. Oder sie hauen sich die Schädel gegenseitig ein.
Wenn du mal was Cooles lesen willst:
http://en.wikipedia.org/wiki/Xeer

Gruß




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