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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten


Chronologisch Thread 
  • From: milton2011 <milton2011 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten
  • Date: Wed, 25 Jan 2012 17:38:59 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Aloa,
ich habe mir mal Ihr ZGE-Papier angeschaut und festgestellt, überschlagsmäßig kostet Ihr Modell den Betrag gegenüber heute mehr als mein 50% NES-Modell und leistet mit 400 Euro ZGE nur die Hälfte von 800 Euro bGE.
Von einem Wissenschaftler hätte ich mehr erwartet.

1. Finanzierung

„- Lohnsummenausgleichssteuer für Arbeitgeber u.a. als Ersatz für Arbeitgeberseitig dann wegfallende Rentenversicherungsbeiträge für die Grundrente.“

Warum lassen Sie Arbeitgeberbeiträge wegfallen, um Sie dann als Lohnsummensteuer wieder zu kassieren. Unlogisch. NES nach Friedman legt sie einfach in die Einkommensteuer um wie alle Steuern. Dadurch wird aber NES lohnquotenunabhängig und eine Wertschöpfungssteuer.

„- Erhöhung des Eingangssteuersatzes von 14% auf 18% und des Spitzensteuersatzes von 42% bzw. 45% auf etwa 50% (gerechnet ohne Solidaritätszuschlag)“

Dann lieber gleich 50 % und bGE dafür. Da ist die Progression faktisch linear und ohne Mittelstandsbauch (Ein-Stufen-Tarif)

„- (opt: Wegfall des Ehegatten-Splitting, da Existenzminimumsgarantie durch Grundsicherung erfolgt)“

GG-widrig, da Ehegattensplitting den besonderen Schutz von Ehe und Familie erfüllt, kann es nur bei konstantem Steuersatz wie NES oder Kirchhof leer laufen.

„Als Posten für eine Einsparung ließen sich 30 Mrd Euro aus einem wegfallen des Ehegattensplitting dagegenrechnen.“

Kippt das BVerfG, Ehegattensplitting ist nicht Freibetrag, sondern Mittelung des Steuersatzes aus der Progressionskurve. Wegfall verstößt gegen Gleichheitsgrundsatz und Schutz der Familie.
Entfällt aber faktisch bei Einstufentarif. Sollten Sie eigentlich wissen ?

„- Umleiten von etwa 5% aus GKV und PKV-Beiträgen in die Grundkankenkasse"

Wozu 2 Krankenkassen? 2–Klassen-Medizin. Bei bGE finanziert die Steuer die volle KV-Kopfpauschale. Ist notwendig, weil die EU den Gesundheitsmarkt liberalisieren will. Freie Krankenkassenwahl.

„- Anheben der Körperschaftssteuer um 5%“

Warum nicht gleich wie bei Friedman Körperschaftssteuer und Einkommensteuer zusammenlegen. Unternehmenseinkommen sind Einkommen der Kapitaleigner.
Bei 50 % NES ist das erfüllt, die kommunale Gewerbesteuer wird vorabzugsfähig von der NES. Nur noch eine Unternehmenssteuer.

„- Vermögenssteuer von 0,5% bei 500.000 Euro Freibetrag“

Wird zur Finanzierung eines bGE als NES nicht gebraucht. Ist auch unsinnig, jeder wird versuchen, sie auf den Preis umzuwälzen. Dann gleich als NES als Konsum- und Einkommensteuer.

„Wie geschrieben würden aus der Lohnsummenausgleichsteuer etwa 57 Mrd Euro in die Rentenkasse fließen. Da die Rentenversicherung paritätisch aufgeteilt ist fließen je 28,5 Mrd an Arbeitgeber und Arbeitnehmer als Entlastung. Die Belastung der Arbeitgeber stellt über eine Ausweitung der Lohnnebenkosten eine Ausweitung
des Lohnes darstellt. Wird das aus Gewinnen kompensiert stellt das keine Ausweitung der Wertschöpfung (m.E. hier für das Verständnis „des BIP“) sondern nur eine Verlagerung von Gewinn- in Lohnanteil dar.“

Das wird aber nicht geschehen, die Preise werden steigen. Die Arbeitgeber werden zusätzlich belastet.

Ist bei NES erledigt, die AG-Sozialabgaben fließen in die Einkommensteuer und finanzieren bGE und damit auch KV, ein alter Vorschlag der Friedrich-Ebert-Stiftung.
RV und AV können die Arbeitnehmer bei NES allein finanzieren mit ihren bisherigen Beiträgen, sie erhalten ja bGE dazu.

Sie brauchen also ca. 100 Mrd. mehr als heute für ZGE als halbes bGE, volles bGE aus 50% NES braucht ca. 100 Mrd. weniger, weil sich der Aufwand für Öffentlichen Dienst, Renten und ALG 1 halbiert.

Jeder sieht, jedes andere Modell als 50% NES kommt teurer. q.e.d.

Sorry, aber was haben Sie gekonnt ? Jedenfalls haben Sie nicht den Sozialstaat von Lohnquote auf Wertschöpfung umgestellt, wie Friedman das forderte :

"Was aber passierte, wenn die Möglichkeiten zur Substitution menschlicher Arbeitskraft voranschritten, wenn es gemessen an der Wertschöpfungssteigerung vernünftig erschiene, die gegenwärtig noch besetzten, nach Maßgabe der Automatisierbarkeit aber ersetzbaren Arbeitskräfte auch noch zu entlassen?...
Erstrebenswert ist sie dann, wenn das Sozialleistungssystem so umgebaut wird, daß es nicht in erster Linie von Beitragszahlern abhängig ist, sondern von der Wertschöpfungsleistung, von der sie abschöpft. "

Darin sind Friedman und Werner sich einig, nur Friedman refinanziert die Wertschöpfungssteuer dann als Einkommensteuer. So entlastet er die Unternehmen und bleibt marktneutral, also preis- und einkommensneutral.
Er realisiert damit den verfassungsgebotenen Familien- und Sozialausgleich.




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