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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?


Chronologisch Thread 
  • From: "Daniel " <ppdaniel71 AT googlemail.com>
  • To: "'milton2011'" <milton2011 AT news.piratenpartei.de>, <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
  • Date: Tue, 8 May 2012 20:55:28 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>

Es ist grob gesagt so, dass es früher einfacher war Kapital an der Steuer
vorbei ins Ausland zu transferieren (illegal!), hier aber heute mehr
versucht wird dagegen anzukämpfen. Heute ist es dafür einfacher sich selbst
mit seinem Kapital ins Ausland zu transferieren.

In der Schweiz (ich bin Schweizer) leben absolut gesehen ziemlich genau
gleich viel Milliardäre wie in Deutschland, obwohl das Land nur ein Zehntel
der Einwohner hat (Auch um in die Liste der xHundert Reichsten zu kommen
braucht es etwa gleich viel Vermögen in der Schweiz wie hier). Grund ist,
dass viele der Milliardäre Ausländer sind, die ihr Vermögen zwar im Ausland
gemacht haben aber dann in die Schweiz gezogen sind auch aus dem Grund, dass
sie dort insgesamt erheblich weniger Stuern zahlen müssen.
Wenn man mal die Problematik mit der illegalen Steuerflucht beseite lässt,
so hat die Schweiz etwas gut gemacht: Sie hat ein sehr breites
Steuersubstrat (es gibt auch eine Vermögenssteuer und eine
Börsenumsatzsteuer) aber mit generell tiefen Sätzen. Die Vermögenssteuer ist
je nach Kanton und Vermögenshöhe unterschiedlich und beträgt zwischen 0,02%
und 0,3%! Ebenso sind die Einkommenssteuersätze bekanntermassen tiefer als
hierzulande. Bei Kapitalerträgen werden nur Zinsen und Dividenden besteuert
(mit dem persönlichen Steuersatz aber maximal 35%) aber keine Kursgewinne.
Positiv ist zu vermerken: Man kann eine Vermögenssteuer erheben, ohne dass
sie stark negative Effekte auf die Wirtschaft hat.

Aber: Wenn die Vermögenssteuer sehr groß ist, dann werden vermögende
Personen viel daran setzen sie zu umgehen. Ein Beispiel: Vermögenssteur von
2%. Jemand der 100Millionen Euro hat, müsste also pro Jahr 2Mln an
zusätzlichen Steuern zahlen. Das kann man als gerecht empfinden. Aber ich
glaube nicht, dass eine große Anzal der Personen mit so einem Vermögen das
einfach hinnehmen würde. Also wird man einiges dran setzen, die Steuer zu
umgehen und ansonsten halt wegziehen. Dann hätte man hier gar nichts mehr an
Stuereinnahmen. Ich weiss auch von meinen Bekannten in der Schweiz (gerade
jenen aus der Romandie), dass seit sich ein Sieg von Hollande in Frankreich
abgezeichnet hat, die Nachfrage nach Immobilien von Franzosen stark
zugenommen hat (die wollen sich vorsorglich einen Zweitwohnsitz zulegen, um
allfällig schnell wegziehen zu können).

Ich finde das hier ist kurz und knappt und klingt gar nicht so unvernünftig:
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.378374.de/11-36-4.pdf

Ein Steuersatz von 0,5% oder eben höhere Besteuerung von Kapitalerträgen
erscheint sinnvoll, aber massiv höhere Besteuerung (also z.B. höhere
Besteuerung von Kapitalerträgen und höhere Vermögenssteuer gleichzeitig)
wird gesamtwirtschaftlich kaum positive Effekte haben (eher bei den
Steuereinnahmen der Schweiz oder anderen Ländern).

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ag-soziale_marktwirtschaft-bounces AT lists.piratenpartei.de
[mailto:ag-soziale_marktwirtschaft-bounces AT lists.piratenpartei.de] Im
Auftrag von milton2011
Gesendet: Dienstag, 8. Mai 2012 20:16
An: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft]Warum immer Einkommen besteuern?


Patrik74 schrieb:
> Schmunzel,
>> dann kaufe ich mir eine Firma auf den Caymans und handle mit
>> Rohstoffen völlig steuerfrei.:)
> Ok, führen wir diese Debatte auf geistigem Tieffliegerniveau:
>
> 1) Wenn sie das Weltgeldvermögen zugrunde legen, ist es egal ob sich
> das Geld in Botrop oder auf den Caymans befindet
> 2) Deutschland hat seit über einem Jahrzehnt keine Vermögenssteuer
> mehr, unsere Nachbarn schon, trotzdem strömte das Geld in den letzten
> (Vorkrisen-)Jahren nicht grade nach Deutschland. Komisch, oder? Sind
> die blöd?
> 3) Die Caymans sind schon seit Jahrzehnten ein Tax Haven, trotzdem
> befindet sich nicht das ganze Weltgeldvermögen dort, woran mag das
> liegen? Annahmeschluss?
> 4) In den USA gibt es eine Vermögenssteuer, trotzdem fließt regelmäßig
> Geld hin. Alles Idioten?
> 5) In Deutschland sind die realen Zinsen negativ, und trotzdem fließt
> uns grade jetzt Geld zu. Wie passt das zur Theorie?
>
> Oder könnte es sein, dass ihre Steuerfluchtrhetorik einfach nur das
> letzte argumentative Aufgebot ist, um nur ja nicht ihre
> Fundamentalopposition aufgeben zu müssen?
>
> Steuerflucht kann man bei jeder Steuer als Schreckensszenario aufbauen
> - auch bei der NIFT - hat nur leider nichts mit der Realität zu tun.
>
> Nachgetreten:
>
> Die skandinavischen Länder haben mit die höchsten Abgabenquoten
> weltweit. Trotzdem gibt es dort Industrie und substantielles Vermögen.
> Wie erklären sie das? Haben die irgendetwas nicht bekommen, weil sie
> ständig besoffen sind?
>
> Oder sind ihre Einwendungen einfach nur sinnlose Polemik?
>
> Ich freue mich auf logische und sachliche Erläuterungen, falls die zu
> anderen Äußerungen als mantraartigen Wiederholungen überhaupt in der
> Lage sind.

Ach Patrik,
Ihre Naivität ist grenzenlos.
In USA und Schweden gründet man vermögenssteuersparende Stiftungen, die man
dann beherrscht und lässt sich in der Presse als Wohltäter feien, Bill Gates
trennt sich mal wieder von seinem Vermögen.:)
--
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Ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
https://service.piratenpartei.de/listinfo/ag-soziale_marktwirtschaft





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