ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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- From: Patrik74 <Patrik74 AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
- Date: Wed, 09 May 2012 20:50:46 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
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Daniel schrieb:
Danke für deine Mail. Ich denke, wir sind gar nicht weit voneinander weg. Sprich: Man kann eine Vermögenssteuer einführen aber sollte es mit den Steuersätzen nicht übertreiben. Auch sollte man sich davon nicht versprechen, Unsummen einzunehmen.
RIchtig, aber bspw. 2% von 3 Billionen sind immer noch 60 Mrd. und damit könnte man die Zinsen bezahlen, die die öffentlichen Haushalte aufzubringen haben.
Noch etwas Grundsätzliches: Ich sehe ein ideales wirtschaftliches System folgendermassen:
1. Weniger Bürokratie, mehr Freiheiten für die natürlichen/juristischen Personen. Damit meine ich, dass es einfacher werden sollte z.B. ein Unternehmen aufzubauen und zu führen. Der Aufwand hierfür (Kosten und Zeit) ist in Deutschland enorm und die Freiheiten bzgl. unternehmerischen Waltens sind geringer als an vielen anderen Orten. Es wäre wünschenswert, wenn man hier den Wirtschaftsstandort verbessern würde.
Eben da könnte eine Vermögensteuer hilfreich sein: Senkt man bspw. die Lohnsteuer, sprich Einkommensteuer, dann sinken damit auch die Arbeitskosten und damit auch die Gesamtkosten. Es wird einfacher Unternehmen zu gründen, weil das Kostenrisiko geringer ist. Gleiches gilt für das Einkommen des Unternehmers. Muss er weniger (Einkommens)-Steuer abführen, dann kommt er früher in die Gewinnzone und ist motivierter a) überhaupt die Tätigkeit aufzunehmen, b) sein Einkommen zu reinvestieren - oder anders gesagt: sinkt die Abgabenlast, steigen die Renditen und damit die Neigung (real) zu investieren. Werden gleichzeitig Geldvermögen stärker belastet, sinken dort die Renditen und die Neigung nimmt ab, dort zu investieren.
Dies beinhaltet aber auch so unangenehmes wie weniger Kündigungsschutz. In der Folge wird es für alle einfacher wirtschaftlichen Erfolg zu generieren, bzw. makro-ökonomisch steigt das Trendwachstum
Interessantes Thema, ist aber vielleicht einen eigenen Thread wert und gehört nicht unmittelbar zum Thema.
2. Mehr Umverteilung ist notwendig. Es wird leichter wirtschaftlichen Erfolg zu generieren aber es wird dadurch auch zu mehr Ungleichverteilung kommen, bzw. man kann eben auch leichter seinen Arbeitsplatz unverschuldet verlieren. Dies kann man über mehr Umverteilung (höherer Spitzensteuersatz etc. einerseits und stärkeres soziales Netz andererseits) ausgleichen. Sprich längere/höhere Zahlungen bei Arbeitslosigkeit etc. (oder eben in der Extremform ein BGE).
Auch das BGE hat nicht unmittelbar etwas mit der Fragestellung der Gewichtung der Substanz- oder Ertragssteuer zu tun, das ist Mittelverwendung. Aber ich gebe dir Recht, im Kern eine gute Idee, die entscheidende Frage ist natürlich: Wie hoch? Aber auch das sollte in einem anderen Thread geklärt werden.
Dadurch, dass man das Trendwachstum mit diesen Maßnahmen steigert und mehr umverteilt haben am Ende des Tages ALLE etwas davon. Das Problem bei nur mehr Umverteilung (die Linke) ist, dass es die "Reichen" irgendwann nicht mehr mitmachen werden. Das Problem bei nur mehr Flexibilisierung ist (FDP), dass es zu noch größeren sozialen Problemen führt und dadurch zu Leid in großen Teilen der Gesellschaft. International kann man gut zeigen, dass eine Kombination aus 1. + 2. ganz gut funktioniert.
Bei uns funktioniert es im internationalen Vergleich auch nicht sooo schlecht, nur halt - typisch deutsch - unnötig kompliziert und letzthin sozial unausgewogen, weil die wirklich reichen aus Steuerfluchtparanoia lieber gleich überhaupt nicht mehr herangezogen werden - nach der bestechenden Logik: besser es zahlen 100% gar nichts, als 90% ein bisschen und 10% nichts.
Wie du ja auch erwähnst geht es bei Menschen und Unternehmen immer um ein Gesamtpaket der "Standortqualität" und wenn das Gesamtpaket stimmt, dann ist es in Ordnung bzw. dann ist man auch bereit ein/zwei Kröten zu schlucken (wenn ich leichter mehr Einnahmen generieren kann, dann bin ich auch bereit einen größeren Teil davon abzugeben, sprich netto habe ich dann immer noch mehr).
Es soll sogar reiche Leute geben, die es ganz angenehm finden, nicht in einer gepanzerten Limousine von ihrer gated community in die Tiefgarage ihrer Firma fahren zu müssen und sich nicht ständig sorgen zu müsen, ob ihre Kinder entführt werden, wenn der Bodyguard grade mal pinkeln ist. Diese reichen sind auch bereit einen Beitrag zu leisten und sind keine pathologischen Steuervermeider - und diese reichen sind in der Mehrheit, und deshalb werden wir auch keinen Massenexodus erleben, wenn eine Geldvermögenssteuer eingeführt würde - so wie es sie auch in den meisten Ländern der Welt gibt.
Ich bin als Person aber auch bereit Abstriche beim Kündigungsschutz hinzunehmen, wenn ich dafür im Falle der Arbeitslosigkeit nicht gleich ins Bodenlose stürze.
Wie gesagt, anderes Thema, anderer Thread.
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, (fortgesetzt)
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Daniel , 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Daniel , 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Daniel , 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik Pekrul, 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 08.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Christian Schmidt, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Patrik74, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Christian Schmidt, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Christian Schmidt, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, Christian Schmidt, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?, milton2011, 09.05.2012
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