Zum Inhalt springen.
Sympa Menü

ag-soziale_marktwirtschaft - [Ag-soziale_marktwirtschaft] WG: Fwd: Fwd: 1. Abstimmung : Zentralbank-Politik und Bankenaufsicht

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

Listenarchiv

[Ag-soziale_marktwirtschaft] WG: Fwd: Fwd: 1. Abstimmung : Zentralbank-Politik und Bankenaufsicht


Chronologisch Thread 
  • From: stephan schaefer <steph_lagos AT yahoo.de>
  • To: "ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de" <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] WG: Fwd: Fwd: 1. Abstimmung : Zentralbank-Politik und Bankenaufsicht
  • Date: Wed, 26 Oct 2011 09:57:45 +0100 (BST)
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>

 
Hallo Otmar,
 
ich versuche es mal übersichtlich und kurz, dass fundamentalkritische bricht leider immer wieder aus. Weil:
 
-         Nicht der Monetarismus hat fertig, sondern der makroökonomische Common-sense des letzten Jahrhunderts. Dieser Versuch, ein komplexes Wirtschaftsystem in die Buchstaben I,A,K, usw. zusammenfassen und steuern zu können,  scheint doch falsifiziert und der Herr Keynes hat den Quatsch ja mit erfunden.
-         Um bei der Inflationsrate zu bleiben: Alle Iren, Spanier und Griechen, die nicht bei den Verschuldungsorgien der letzten Jahre mitgemacht haben, haben schon während der 2-Prozent-Politik der letzten Jahre einen massiven Wohlstandsverlust in Form von massiv steigenden Lebenshaltungskosten erlitten. Das findet nur wenig Berücksichtigung in dem statistischen Mittel so eines Makro-Warenkorbes. Man klammert ja auch gerne einfach mal Lebensmittel und Energiepreise aus. Ich weiss nicht, ob Du die Menschen dort von höheren Inflationsraten begeistern kannst. Und wenn man die Austeritätspolitik mit sinkenden Löhnen, Renten und Sozialleistungen fortführt und trotzdem höhere Inflationsraten anpeilt, dann werden diese nicht über eine erhöhte Realnachfrage, sondern durch erhöhte Vermögenspreise erzeugt werden. Aber es kommt auf das Ziel an. Um kurzfristig den Kollaps zu vermeiden, ist das sicherlich ein Weg. Langfristig scheint aus dem Vokabular gestrichen zu sein.
-         Stichwort Exportblase: Wen unsere Exportwirtschaft Kapazitäten aufbaut, weil die halbe Welt auf Pump bei uns einkauft, dann könnte es sehr gut sein, dass diese Kapazitäten nicht mehr ausgelastet sind, wenn die halbe Welt dazu nicht mehr in der Lage ist. Aber um nicht missverstanden zu werden: Ich will keine Blasen prognostizieren, ich will nur die Behauptung aufstellen, dass man diese eben nicht im Voraus erkennen und vermeiden kann.
-         Ich habe mich noch nicht ausführlich mit dieser Lohnsummenausgleichssteuer befasst, es ist auf der seitenlagen To-do-Liste. Aber auf den ersten Blick
-         Andere Länder sind nicht ungeschickter, deren politische Klasse ist nur schmerzfreier im auf-Pump-leben. Diese Haltung zieht sich ja durch die gesamte Geschichte von Italien, Griechenland, Frankreich, usw. Man könnte auch sagen, ihre Regierungen berechnen politische Maßnahmen mit einem niedrigen Zins – möglichst viel Geld möglichst schnell unter  die Leute bringen und nicht in die Zukunft investieren.
-         Wer hatte den den schönen Link zu dieser Studie gepostet? http://www.bcg.de/documents/file87307.pdf. Das finde ich mal diskusionswürdig.
 
-         Das Forum habe ich aufgegeben. Diese weltfremden Tiraden von Autonomen, Sozialisten, Kommunisten und sogar National-Autonomen (die gibt’s jetzt auch!) habe ich schon in der Uni ertragen müssen. Da die meisten noch nicht einmal Mitglied bei den Piraten sind, lohnt sich der Aufwand m.E. nicht.
 
Gruß
 
Stephan

----- Weitergeleitete Message -----
Von: aloa5 <aloa5 AT news.piratenpartei.de>
An: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Gesendet: 13:45 Dienstag, 25.Oktober 2011
Betreff: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Fwd: Fwd: 1. Abstimmung : Zentralbank-Politik und Bankenaufsicht


Ich habe Schwierigkeiten Deine Quotings von Deinen neuen Anmerkungen zu trennen.

Grundsätzliches zum folgenden: Fundamentalkritik ist berechtigt. Im Prinzip hat der Monetarismus "fertig". Die größeren Räder laufen in der Realwirtschaft ab und wenn man mich fragt spielt der Monetarismus nur eine moderat wichtige Rolle.

>> /....In Europa hingegen sollten die Notenbanker nur darauf achten, dass der Euro eine harte Währung bleibt. Alles andere hatte sie tunlichst nicht zu interessieren. Ausdrücklich verboten wurde der EZB sogar, die Schulden der Mitgliedstaaten über die Notenpresse zu finanzieren.
>>
>> Viele Jahre lang ging das gut. Der Euro war sogar stabiler als die D-Mark zuvor, die Inflation geringer. Dann aber zwang die Finanzkrise Europas Staaten, die Banken zu retten. Und anschließend mussten die hoch verschuldenen Staaten selbst gerettet werden..../
>
> Und das lag tatsächlich am Euro?
Es wird angenommen das dies in Teilen der Fall war. Die Begründungen dafür sind unterschiedlich. Werner Sinn spricht über harmonisierte Schuldzinsen und Fehlentscheidungen der Märkte. Ander über die Inflation. Vielleicht magst Du diese Artikel lesen:
http://kantooseconomics.com/2011/08/09/the-continued-embarrassment-that-is-european-monetary-policy-economists/
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2008/04/17/ohne-neues-inflationsziel-scheitert-die-ezb_306

> Oder lag es an den global niedrigen Inflationsraten, die wohl eher auf die fortgeschrittene Integration Asiens, insbesondere Chinas, zurückzuführen ist (Stichwort: Great Moderation)?
Das ist sicher auch ein bzw. das Thema. Das kann die EZB aber m.E. nicht lösen. Wenn dem aber so wäre - worin läge dann das Problem einer Inflation von >2%?

> Und überhaupt; wenn hunderttausende Arbeitsplätze ausgelagert werden und das Argument angeführt wird, davon würde der europäische Verbraucher in Form von sinkenden Lebenshaltungskosten profitieren, warum haben wir eigentlich positive Inflationsraten?
Das ist eine vielschichtige Frage. Energiepreise. Höhere Umlagen der noch beschäftigten, Verteilungsfunktion, Sparen, Verbrauchssteuer-Erhöhungen usw..

> Der Euro war "stabil" - was heisst das genau? Im Wechselkurs zum Dollar? Dem Dollar, der im selben Zeitraum wie verrückt gedruckt wurde? Wie bemisst man die Stabilität einer Währung, wenn alle Referenzwährungen evtl. auch instabil sind?
Auch. Das kommt schon alleine daher das Waren aus anderen Währungsgebieten über den Import im Warenkorb landen.

> Und dann kam die Finanzkrise, unvorhergesehen, aus keiner Statistik ablesbar und völlig überraschend. Wie wurde der boomende Immobilienmarkt in Spanien und Irland vor Ausbruch der Krise beurteilt? Als drohende Gefahr oder als willkommender Wachstumsmotor?
Ich denke weder-noch. Eher als "ist halt so". Irland galt als liberales Musterland und Boom-Land.
> Wie wurde auf den offensichtlichen Bruch der Stabilitätskriterien von zunächst Deutschland und Frankreich, im späteren Verlauf aber von den meisten Ländern reagiert? Gibt es einen Beschluss, dise Kriterien einzuhalten? Gibt es irgendeine Konsequenz aus den offensichtlich nicht erkannten Fehlentwickungen? Oder wollen EZB und Regierungen nur schleunigst zurück zu irgendeinem kurzfristigen Boom?
Diese Kriterien sind eher psychologisch-moralische Hürden als tatsächliche. Die einzige Sanktionierung gegen ein sich verschuldendes Land wären Geldzahlungen welche wiederum nur Schulden nach sich ziehen - also m.E. lächerlich. "Tun" kann man nichts. Und Länder wie Spanien haben sogar Staatsschulden zurückgefahren seit dem Euro... während Sünder Deutschland aktuell exzellent dasteht. Wenn es also darum ginge hätte Spanien damals eine Lobpreisung und Deutschland Mrd-Auflagen erhalten.
Das Problem waren ja nicht die Staatshaushalte. Die haben die Häuser ja nicht gebaut.

> Das Abwägen in den Kategorien besser/billiger setzt ja voraus, dass man das objektiv bewerten kann. Am besten/billigsten für uns/unsere Regierungen wäre wohl, wenn man die Banken weiterhin machen lässt, was sie wollen, so lange sie uns versprechen Kredite zu vergeben und Staatsschulden zu finanzieren.
Sagen wir es wäre das einfachste - sie müsste nichts tun wovon sie eh´ nichts versteht. (Vom /nichts tun/ versteht sie dementsprechen eine Menge)

>>> Aber:
>>> - Die Zinsen wären ohne den Euro in Deutschland signifikant höher
>> Nope - sie wären /niedriger./ Wir haben eine nivellierten Zins. Die Spanier hätten (eigentlich) einen höheren Zins, wir einen niedrigeren.
> Entschuldigung? In der Gegenwart? Wir würden steigenden Inflationsraten mit niedrigen Zinsen begegnen?
Da hatte ich Dich falsch verstanden (also was den Zeitraum angeht).

Aber: es besteht aktuell m.E. kein Risiko. So weit man sehen kann ist die Neuschuldenaufnahme trotz niedrigerer Zinsen nicht wirklich hoch um es vorsichtig auszudrücken. Was im Umkehrschluß bedeutet das eine Inflation aufgrund dessen wohl nicht zu erwarten steht bzw.... was hätte dann ein höherer Zins /mit/ dem Euro (auf DM-Niveau) für einen Sinn?

Antwort: wohl keinen. Noch höher und wir könnten Spanien, Italien und Co. völlig abheften. Damit wäre uns wohl nicht geholfen.

> Und wie wollen wir dauerhaft besser, weil billiger sein und gleichzeitig mehr Umverteilen? Umverteilen muss man doch die Gewinne, die aus dem billiger/besser entstehen. Irgendwie beisst sich das, auch wenn ich es begrüßen würde.

Meine Variante war die Lohnsummenausgleichssteuer. Bzw. um es grundsätzlich zu sagen geht der Weg über die Sozialversicherungen. Siehe hier:
http://logicorum.wordpress.com/2011/01/01/serie-i-der-weg-aus-der-krise-abgaben-steuern-und-soziales/
Und zum Themenkomplex gehörig dieses hier:
http://logicorum.wordpress.com/2011/06/03/was-das-eigentliche-problem-deutschlands-mit-dem-euro-darstellt-die-verteilungspolitik/

Das beißt sich nicht. Es würde wenn man so möchte eine eigene Währung "simulieren". Stelle Dir einmal drei Arbeiter vor. Ein arbeitsloser, ein niedriglöhner und einen Bestverdiener. Der Bestverdiener erhält aus einem Exportgeschäft 5 DM mehr., wir erwirtschaften Überschuß. Mit verschiedenen Währungen würden wir aufwerten(andere abwerten) und die Beiden anderen hätten bei gleichbleibenden Einkommen m.E. mehr Kaufkraft.

Die LsSt simuliert ähnliches. Der für den Bestverdiener negative Effekt der Aufwertung wird wieder hergestellt - allerdings wird er (und das ist ein Vorteil) mit dadurch kompensiert das es die Lohnkosten der anderen senkt. Man wird im gesamten sogar noch wettbewerbsfähiger. Es darf dabei jedoch nicht überzogen werden. Die LsSt darf keinen größeren Verteilungseffekt als der tatsächlich erwirtschaftete Vorteil erzielen, da ansonsten der Bestverdiener evtl. den international lukrativen Job verliert. Im Idealfall sollten so alle wettbewerbsfähiger werden und die Binnenwirtschaft anziehen.

> Exportblasen gibt es m.E. nicht, da diese realwirtschaftlich ablaufen. Man könnte positive Außenhandelssalden als "Blase" bezeichnen wenn deren Wert nie eingetrieben werden kann. Wir werden m.E. nie die 1 Billion Guthaben wiederbekommen welche wir "besitzen". Aber diese Blase wird nicht durch Zinsen erzeugt - bei uns wird nicht zu viel auf Pump investiert.... eben.
>
> Und dieses Investieren auf Pump wird nicht durch niedrige Zinsen begünstigt?
Doch - im Ausland, aber nicht bei uns. Hier geraten die Argumente etwas durcheinander. Wenn wir über Inflation und höhere Zinsen bei uns sprechen wäre die Gefahr /bei uns/ zu suchen. Die besteht (siehe vor) eigentlich nicht.
Man /kann/ argumentieren das die Gefahr niedriger Zinsen /in Spanien/ und Co. zu suchen ist (auch in den USA). Eben weil niedrige Zinsen ggfs. zum "Zocken" und für Fehlinvestitionen genutzt werden. Die Frage wäre dann, wie man das verhindert. Der Zins als solches kann es aber imho nicht richten. Dann verhindert man nämlich Beides - die Fehlinvestition und die notwendige um das BIP zu halten.

> Und zum Thema Exportblasen würde ich ja gerne mal deine Meinung zu China hören. Die haben eine riesige Exportwirtschaft, denen gerade die Kunden abhanden kommen, bzw abhanden kommen werden, wenn hier mal richtig Krise ist.
Wir haben mit China ein gemeinsames Problem. Das ist der Überschuß - und wie Du sagst daraus resultierend schlechte Käufer. Eine Blase in dem Sinn ist das nicht. Es ist das simple Ding das wenn der eine immer Gewinne fährt irgendwann Ende ist mit lustig - wenn man alles hat. Das ist Realwirtschaft. Was zu tun wäre, wären Effizienzsteigerungen vor allem im Ausland aber auch (siehe Lohnsummenausgleichssteuer) auch bei uns. Wir könnten uns viel mehr leisten und auch mehr produzieren. Nur sitzen wir auf dem Geldsack. Das wäre als ob die Emirate Geld mit Öl scheffeln ohne Ende, aber die eigenen Straßen verlottern lassen damit ja das Scheffeln kein Ende nimmt. Das ist keine Blase sondern Dummheit.

Andere Länder sind noch ungeschickter. Deswegen haben sie auch noch größere Probleme - nämlich Defizite. Die gönnen sich um in der Analogie zu bleiben goldene Straßen, obwohl es geteerte auch tun würden.

> Kenn ich im Detail nicht. Wenn man aber unteree Lohneinkommen von der SV-Pflicht befreit, wäre es für Unternehmen lukrativer, untere Lohneinkommen zu zahlen.Bis man da alle Umgehungsmöglichkeiten und Trittbrettfahrerverhalten ausgeschlossen hat, ist man wieder bei 23645256 Seiten Gesetzestext.

Siuehe oben: Lohnsummenausgleichssteuer. Das ist in Einführung und Ausführung völlig trivial. Wäre jederzeit machbar. (Nur das umschreiben der zig Renten- und Pensionsgesetze für die allgemeine Grundrente würde Juristen etwas Kopfschmerzen bereiten)
>> B) innerhalb der Euro-Zone muss mehr Geld in Problemfelder fließen. Da gibt es imho keine Weg darum herum. Zudem müssen die Länder der Euro-Zone Ihre Politik etwas feiner und schneller abstimmen. Da sind die Bürger mit gefragt.
> In welche Problemfelder? Wer überwacht die Profiteure? Wer kriegt momentan die Agragrsubventionen, die kleinen Bauern oder die Agragrmogule?
In die schwächere Peripherie. Die Kontrolle dort - das ist dann EU-Angelegenheit. Das könnte sie auch selbst machen, da es dabei um ihr eigenes geld geht.

>> Das Problem dabei ist: wenn man effizient ist, fallen die anderen hinten ´runter. Also hat man das Problem das man sich in der Tat mit an den "stupids" zu orientieren hat.
> Staatlich verordnete Effizienz ist ein Märchen, an das man viel zu lange geglaubt hat. Effizienz ist das, wonach die einzelnen Unternehmen im Wettbewerb suchen müssen.
Steuer- und lohnpolitische Effizient meinte ich, sorry.

> P.S. Könnte man diese Zitierfunktionen nicht so nutzen, dass man schneller erkennt, wer, was geschrieben hat? Ich bin leider Computerlegastheniker und hilflos...

Am einfachsten geht es über das Forum. Dort gibt es einen Zitier-Knopf.

Grüße
Otmar
-- Ag-soziale_marktwirtschaft mailing list
Ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
https://service.piratenpartei.de/listinfo/ag-soziale_marktwirtschaft




Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.

Seitenanfang