ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei
Listenarchiv
- From: Jacob Kanev <j_kanev AT arcor.de>
- To: Thomas <entropy AT heterarchy.net>
- Cc: Magnus Rosenbaum <piraten AT cmr.cx>, ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand
- Date: Thu, 17 Oct 2013 13:13:19 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
- List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
Ich habe alle Deine Argumente gelesen, aber damit das eMail jetzt nicht noch länger wird, fasse ich mal zusammen statt einzeln zu antworten.
Dich stört am Delegated Voting, daß
1. Der Wähler blind vertraut, d.h. seine Stimme deligiert, die Entscheidung dann nicht selbst trifft, aber trotzdem seine Stimme voll gezählt wird.
2. Es nicht eine in den Köpfen der Wähler getroffene Entscheidung mißt, sondern eigentlich ein Entscheidungsfindungstool ist und somit Entscheidungsfindung unterstützen sollten, was es nicht tut.
3. Es unerwünschte soziale Effekte gibt, wenn bestimmte Wähler mehr Stimmen auf sich vereinigen als andere.
Habe ich das so richtig zusammengefaßt? Wenn nicht korrigiere mich bitte, ich bin da etwas unsicher.
Ein paar Gedanken:
Die Sache mit der Entscheidungsfindung scheint für Dich recht zentral zu sein. Ich sehe -- im Gegensatz zu Dir nehme ich an -- das Deligieren als bewußte Willensäußerung, völlig gleichwertig mit einer direkten Stimmabgabe. Der Knackpunkt ist die Annahme, daß die/derjenige, auf die/den ich deligiere, haargenauso abstimmt wie ich abgestimmt hätte, wenn ich mich mit dem Thema beschäftigt hätte. Daß diese Annahme nicht immer zutrifft, tut der Idee keinen Abbruch, diesen "Kompetenzverlust" hat man bei einer normalen Wahl viel stärker. Die Gefahr, daß ich anders entschieden hätte wenn ich mich mit dem Thema mehr beschäftigt hätte, ist hier viel größer. Für mich ist deshalb Delegated Voting genauso ein Meßgerät für eine bereits getroffene Entscheidung wie eine gewöhnliche Abstimmung, es ist lediglich etwas komplexer konstruiert. Und kann die vorher getroffene Entscheidung deshalb viel genauer messen.
Ich kann allerdings Deinen Ansatz nachvollziehen, Delegated Voting als Entscheidungsfindungssystem zu betrachten. Wenn man, wie Du, beide Systeme als Werkzeuge zur politischen Willensbildung vergleicht, kommt das Empfehlungssystem wahrscheinlich besser weg. Wenn man, wie ich, beide Systeme als Abstimmungstools betrachtet, kommt Delegated Voting wahrscheinlich besser weg.
Ich bin nicht sicher, ob diese Unterscheidung tatsächlich zu etwas führt. Mir scheinen beide Systeme verschiedene Realisierungen der gleichen Idee zu sein, und der Übergang von einem reinen Empfehlungssystem zu einem reinen Delegated-Voting-Sstem ist eher fließend, je nachdem, was man sich zusammenbaut. Sämtliche weiteren Deiner Argumente lassen sich in einem geeignet konstruierten System umgehen, insbesondere Dein Hauptargument, daß jede/r seine Stimme nur im Stück deligieren kann. Vorschläge kamen in den letzten Mails eigentlich von uns beiden, hier lediglich als Wiederholung:
01 Zwei Stadien. Es wird erst allgemein mit Delegationen abgestimmt, das Ergebnis ist nicht offiziell. Dann wird wiederholt. Das zweite Mal ist offiziell. Mehrere Möglichkeiten: Beim zweiten Mal
a ist deligieren nicht möglich, hier muß direkt abgestimmt werden
b müssen alle Delegationen neu bestätigt werden
c bleiben alle Delegationen erhalten wenn sie nicht widerrufen werden
02 Entscheidungssplitting. Ich kann mich nicht nur für oder gegen eine Lösung entscheiden, sondern Prozente vergeben; etwa bin ich 20% dafür und 80% dagegen. Wenn mehrere Lösungen zur Auswahl stehen, kann jede eine Prozentzahl bekommen, ich kann mich also zu 10% für Lösung 1, zu 40% für Lösung 2 entscheiden und zu 50% beide ablehnen (i.e. enthalten).
03 Delegationssplitting. Ich deligiere meine Stimme nicht komplett sondern kann fraktionieren, z.B. kann ich zu 10% auf Person A, zu 50% auf Person B deligieren und zu 40% selbst entscheiden.
04 Kommentare. Ich kann an mein Abstimmungsergebnis einen Kommentar anfügen, mit dem ich meine Wahl begründe oder erkläre.
Das Geheim-Offen-Problem ist damit nur lose verknüpft denke ich, das könnte man getrennt diskutieren. Nur so viel: Im zwei-Stadien-Modell sollte man Leute, auf die deligiert wird, offenlegen. Damit ist dann automatisch notwendig, daß man Delegationen ablehnen können muß. (Haben wir aber auch schon als Modul im SMVCon3-Pad).
Mit 01a+02+03+04 hätte man dann Dein Empfehlungssystem in Reinkultur (ich kann anders abstimmen als ich empfehle, oder als mir empfohlen wird, oder was dazwischen, der Informationsfluß ist kein Baum mehr sondern ein DAG, und so weiter). Mit nur 01c (oder ganz ohne) hätte man reines Delegated Voting. Alles andere ist irgendwas dazwischen. Was meinst Du zu diesen Splitting-Sachen? Was meinen die anderen?
Viele Grüße, Jacob.
P.S.: Ich finde es schade, daß die AG Liquid Democracy und die AG Entscheidungsfindungstool getrennt diskutieren. Wollen wir das nicht ändern?
--
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Prickle-Prickle, 70th of Bureaucracy, 3179.
jacob kanev
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