ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei
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- From: Der Moonopool <the.moonopool AT googlemail.com>
- To: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
- Cc: Magnus Rosenbaum <piraten AT cmr.cx>
- Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand
- Date: Wed, 9 Oct 2013 00:51:07 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
- List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
Hallo Thomas,
Auch hier wieder: Überzeuge. Wen Du willst und wann Du willst. Das hat doch nix damit zu tun, ob bei der Abstimmung delegiert werden kann oder nicht.
Dirk
@moonopool
Am 8. Oktober 2013 22:15 schrieb Thomas <entropy AT heterarchy.net>:
Auf welche Beobachtungen fußt Du diese Vermutung? Wenn immer ich mit Inhabern vieler Stimmrechtsübertragungen gesprochen habe, konnte ich einen ziemlich verantwortungsvollen Umgang damit erkennen. Manchmal war ich anderer Meinung, aber ich habe das von Dir beschriebene nie erlebt.
Das Nachfolgende werde ich genauer ausgeführt noch verbloggen.
Ich halte Delegated Voting für Mist. Auf den ersten Blick eine nette
On 08.10.13 20:16, Slash wrote:
> Ich will hier gar nicht sagen:
> "Delegated Voting ist Mist; es gehört durch ein Rätesystem ersetzt."
Idee, aber wenn man es sich genauer überlegt, ein demokratischer
Rückschritt.
Deine Meinung ist Dein gutes Recht. Für die Behauptung jedoch wären gute Argumene angesagt, lieber Thomas.
Je nach Variante führt es mehr oder weniger zu:
1. Verantwortung:
- Förderung von Verantwortung an andere abzuschieben anstatt sich selbst
mit Inhalten auseinander zusetzen und zu entscheiden (fire&forget)
Anerkenntnis der eigenen Möglichkeiten und folgerichtig Spezialisierung der Teilnehmer, die sich so als Kristallisationspunkt der Diskussion tiefergehende Kenntnisse aneingen können.
- Weiterübertragung des Stimmrechts, obwohl bestenfalls dem ersten
Delegierten die fachliche Kompetenz zugetraut wird (Alles oder Nichts
Vertrauen)
Aus welchen Beweggründen delegiert wird, bleibt dem Delegierenden überlassen. Es gibt Menschen, die vertrauen inhaltlich, andere vertrauen darauf, dass der Deleagt gut vernetzt ist und einen vertrauenswürdigen Sachkundigen besser identifizieren kann als man selbst. Wieder andere finden den Delagaten einfach lustig und wollen, dass siene oder ihre Stimme lauteres Gehör findet. Vielleicht würfelt der Delegierende auch. Wer sind wir, ihm oder ihr vorzuschreiben, was mit seiner Stimme zu passieren hat.
- wenn Delegation auf Grund mangelnder Kompetenz geschieht, kann auch
kaum die Kompetenz eines anderen richtig eingeschätzt werden können
(Blender)
Auch hier wieder: Warum über andere Urteile fällen? Hast Du bei der Bundestagswahl gewählt? Wie stellst Du sicher, dass hier kein Blender am Werk war?
- Zwang für mehr als seine eigene Stimme Verantwortung zu übernehmen
(jeder ist Delegierter - Abschaffung des freien Souveräns)
Deswegen wird es im SMVcon-Antrag ein Modul geben, dass Menschen sich nicht als Delegationsempfänger zur Verfügung stellen können. Ein sehr wünschenswertes Modul, weil es die eigene Freiheit vergrößert und nicht die Freiheit anderer zu beschneiden sucht.
- es wird suggeriert, mit einer Enthaltung würde die wertvolle Stimme
"verloren" gehen. Aber bewusste Enthaltung kann u.a. Unschlüssigkeit,
Ahnungslosigkeit oder Überlassen der Verantwortung an die Abstimmenden
bedeuten
Dieses. Und eine Stimmrechtsübertragung würde das Überlassen der Verantwortung an eine/n anderen Abstimmende/n bedeuten.
2. Machtkonzentration:
- höhere Gefahren von Missbrauch durch Machtkonzentration (effektive
Diktaturmöglichkeit, erleichterter Lobbyismus durch Fokussierung auf
weniger Personen)
Ein Lobbyismus läuft ins Leere, da bei aufkeimendem Verdacht eines solchen die übertragenen Stimmrechte sofort wieder entzogen werden können (wenn man als Delegierender nicht ohnehin selbst abstimmt und die Delegation damit aussetzt). Da alle Teilnehmer jederzeit selbst abstimmen und damit dem vermeintlichen "Diktator" die "Macht" entziehen können, scheint mir ein Diktatur-Vorwurf nicht nur sehr weit hergeholt, sondern grundsätzlich einfach falsch. Bitte dieses hier lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Diktatur
- Förderung von Oligarchien, in denen sich Superdelegierte ihre Macht
durch Absprachen gemeinsam noch erhöhen
Durch was sollen diese Absprachemöglichkeiten gefördert werden?
- Förderung von Superdelegierten durch Anreiz an Weiterdelegierende zu
delegieren um Stimme nicht verloren gehen zu lassen -> de facto
repräsentatives System, jedoch mit ungleichem Stimmgewicht (Verletzung
Gleichheit)
Ich konnte bisher in mir keinen Anreiz spüren, an Weiterdelegierende zu delegieren? Welche Anreize hast Du verspürt, an Weiterdelegierende zu delegieren Wenn "meine Stimme nicht verloren gehen soll," dann stimme ich einfach mit ab, oder suche mir jemanden, den ich für kompetent halte, oder von dem ich denke, dass er ein schönes Fahrrad hat. Ist doch meine Sache, oder?
- Es ist leichter viele Teilnehmer dazu zu bringen, eine dauerhafte
Delegation zu setzen, als jedes mal gemäß einer Vorgabe selbst
abzustimmen (Stimmenkauf)
Kann man Dich dazu bringen, eine dauerhafte Delegation zu setzen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nimmst Du das von anderen an?
3. Verletzung von Geheimheit, Freiheit, Allgemeinheit, Gleichheit,
Anonymität:
- Negation des Wahlgrundsatzes der Geheimheit, der ebenso auf
Delegation anzuwenden ist, da durch sie ebenso Ver-/Misstrauen
ausgedrückt wird -> sozialer Druck
Es geht beim Delegated Voting in allen mir bekannten Diskussionen in der Piratenpartei nicht um Wahlen, und auch nicht um geheime Abstimmungen. Bei den offenen Abstimmungen, um die es in diesen Diskussionen geht, ist aber Geheimheit gerade kein Problem, sondern eher das richtige Augenmaß bei der Gestaltung der Offenheit.
Zum Thema "sozialer Druck" empfehle ich den Besuch eines RL-Parteitages und die aufmerksame Beobachtung des Stimmverhaltens von Personen im Windschatten bestimmter Meinungsträger.
Zum Thema "sozialer Druck" empfehle ich den Besuch eines RL-Parteitages und die aufmerksame Beobachtung des Stimmverhaltens von Personen im Windschatten bestimmter Meinungsträger.
- Erfordernis von Computer-Systemen, um alle Delegationen aktuell zu
erfassen. Damit einhergehend die Probleme von Onlineabstimmungen,
verstärkt durch Machtkonzentration, stumme Delegation von inaktiven...
Dieser Punkt erschließt sich mir nicht. Selbstverständlich müssen alle Systemeinstellungen aktuell sein. Welche angeblichen "Machtkonzentrationen" dadurch verstärkt werden könnten, dass Systeme ordentlich eingestellt sind, müsste belegt werden. Stimmrechtsübertragungen von inaktiven Mitgliedern sollten schnellstmöglich verfallen. Wer bringt das Modul mit 30 Tagen Verfallsdauer bei Inaktivität ein?
- eine öffentliche, geheime Abstimmung ist damit de facto
ausgeschlossenen, insbesondere wenn spätere Kontrolle der
Delegiertenstimme gewünscht ist
Jep, genau. Das ist es. Ich glaube ganz fest, dass die Piraten nicht online geheim abstimmen wollen. Nicht mit Stimmrechtsübertragungen, aber auch nicht ohne. Es geht. Aber wir wollen es nicht. Mir ist auch keine ernsthafte Diskussion zu diesem Thema in der Piratenpartei bekannt. Welche Relevanz hat Deine Aussage dann im Zusammenhang einer Bewertung von Delegated Voting?
- die erhöhte Komplexität des System schließt Personen ohne gute
Computerkenntnisse oder dessen Verständnis aus
Auch Personen mit ansonsten guten Computerkenntnissen werden die Details der für geheime, nachvollziehbare Abstimmungen benötigten Verschlüsslungssoftware nicht ohne weiteres nachvollziehen können. Es mag durchaus sind, dass das ein Grund dafür ist, dass dieses Thema in der Piratenpartei eigentlich nie ernsthaft diskutiert wird. Ob im Zusammenhang mit Delegated Voting oder nicht.
Ceterum censeo, dass keine Sau überhaupt irgendeine Software versteht. Mich persönlich überrascht immer wieder sogar die, die ich selbst geschrieben habe ;)
- Da nicht garantiert ist, dass jeder gleiches Stimmgewicht hat, und man
mit wenigen Delegationen relativ Einfluss verliert, ist man dazu
gezwungen um Delegationen werben. Dafür kann man aber nicht anonym
bleiben, weil sonst andere nicht wüssten, auf wen sie Delegieren.
Jeder, der effektiv mitbestimmen will, ist also gezwungen seine
Anonymität aufzugeben, um Delegationen zu erhalten und die Stimmgewichte
nicht zu sehr vom Gleichstand abdriften zu lassen.
Aber nein. Dein Einfluss ist immer gleich groß, auch wenn einige andere Teilnehmer ihr Stimmrecht auf eine andere Person übertragen. Die Folgerung, dass man um eigene Delegationen werben müsste, um sienen eigenen Einfluss zu vergrößern, erschließt sich mir nicht. Denn Dein Einfluss wird durch mehr eingehende Delegationen nur dann größer, wenn Dein Stimmverhalten den Wünschen Deiner Delegaten entspricht. Praktisch musst Du also zum vorgeblichen "Machterhalt" sogar vorsichtiger und bewusster mit den Dir anvertrauten Stimmen umgehen. Damit bricht aber auch der Rest Deiner Argumentationskette in sich zusammen. Jeder bestimmt effektiv gleich mit.
Es könnte allerdings sein, dass dein persönliches Ohnmachtsgefühl größer ist, wenn eine Person im Auftrag vieler gegen Deine Meinung abstimmt, als wenn diese vielen ihre Stimme einzeln abgeben. Praktisch fühle ich persönlich mich aber viel wohler dabei, wenn ich weiß, dass da ein Mensch viel Vertrauen hat, als wenn ich mir Verschwörungstheorien zurechtlegen muss, um das merkwürdige Abstimmungsverhalten der Menschen zu erklären, die da abstimmen.
Übrigens muss jeder der in einer offenen Abstimmung mitstimmen will, ein Stück weit bereit zur Aufgabe der eigenen Anonymität bzw. der Preisgabe seiner Meinung sein. Das ist übrigens auch auf RL-Parteitagen so. Es hätte sich hier übriges eine Möglichkeit ergeben, ein wirklich ernsthaftes Problem nicht geheimer elektronischer Abstimmungssysteme zu besprechen. Aber das hat nix mit Stimmrechtsübertragungen zu tun...
Es könnte allerdings sein, dass dein persönliches Ohnmachtsgefühl größer ist, wenn eine Person im Auftrag vieler gegen Deine Meinung abstimmt, als wenn diese vielen ihre Stimme einzeln abgeben. Praktisch fühle ich persönlich mich aber viel wohler dabei, wenn ich weiß, dass da ein Mensch viel Vertrauen hat, als wenn ich mir Verschwörungstheorien zurechtlegen muss, um das merkwürdige Abstimmungsverhalten der Menschen zu erklären, die da abstimmen.
Übrigens muss jeder der in einer offenen Abstimmung mitstimmen will, ein Stück weit bereit zur Aufgabe der eigenen Anonymität bzw. der Preisgabe seiner Meinung sein. Das ist übrigens auch auf RL-Parteitagen so. Es hätte sich hier übriges eine Möglichkeit ergeben, ein wirklich ernsthaftes Problem nicht geheimer elektronischer Abstimmungssysteme zu besprechen. Aber das hat nix mit Stimmrechtsübertragungen zu tun...
-> Verletzungen zu sämtlichen Grundprinzipien der Wahlgrundsätze (siehe
auch Machtkonzentration und Information)
äh, nein. Nicht nur, weil es gar nicht um Wahlen geht. Ich hoffe, ich habe das oben im Einzelnen ausführlich genug dargelegt.
4. mangelnde Chancengleichheit:
- Fehlen von Chancengleichheit bei der Erlangung von Delegationen
(Pflicht in repräsentativen Systemen) - stattdessen Vorteil von gut
Vernetzten oder Populären (externe Legitimation)
Vernetze Dich gut und werde populär. Welche Chancen dazu stehen Dir nicht zur Verfügung? Aber was bringt es Dir? Du hast genau dieselbe "Macht" im System, wie jedes ander Teilnehmende auch.
- Förderung von Mehrklassengesellschaft, in denen sich jemand mit mehr
Delegationen anderen mit wenigen Delegationen nicht zur Rechenschaft
schuldig fühlt - eine Debatte wird nicht gefördert
- Selbstverstärkende Effekte (Matthäus Effekt): wer viele Delegationen
hat, erhält noch mehr; wer wenige hat, verliert diese eher
Auch hier wieder die Frage, auf welchen Beobachtungen diese Vermutung fußt. Beobachtungen aus dem aktuellen Bundesliquid halte ich wegen der mangelnden Verbindlichkeit übrigens nicht für sehr aussagekräftig, denn hier sind die Delegationsanhänger konstruktionsbedingt in der Mehrheit, weil die Menschen, die Stimmrechtsübertragungen grundsätzlich ablehnen nicht etwas ihr unübertragenes Stimmrecht ausüben, sindern dem System ganz fernbleiben.
-> quasi marktradikaler Stimmenmarkt ohne Kartellamt und ohne Förderung
von Existenzgründern
Hä? Auch wenn ich mich redlich bemühe, den Gehalt hinter der Kampfrhetorik freizulegen - bei dieser Aussage will es mir nicht gelingen. Da kein Handel betrieben wird, sondern Delegierende freiwillig und ohne Gegenleistung handeln, ist auch kein Regulierungsbedarf zu erkennen. "Existenzgünder" bekommen keine Extrawurst gebraten, sondern haben ein Stimmgewicht von 1. So wie jeder andere Teilnehmer auch.
Und da es nirgendwo so richtig hinpassen will, vielleicht an dieser Stelle der Hinweis, dass (Vorsicht: Text enthält Kampfrhetorik) die "Superdelegierten" eine Art auf Widerruf gewählte Fachregierung darstellen. Wir geben ihnen keine Macht (diese haben sie weiterhin nur über ihre eigene Stimme), sondern wir verleihen ihnen (durch flüchtiges Übertragen unseres Stimmrechts) Einfluss, solange wir ihnen vertrauen. Anders als bei gewählten Abgeordneten oder Amtsträgern kann sich dieses Vertrauen aber nicht in Macht aushärten, weil es durch die jederzeitige Option, selbst abzustimmen oder die Delegation zurückzunehmen, so gar nicht als Basis diktatorischer Anwandlungen eignet.
5. Information:
- Rückmeldung über Verwendung des Stimmrechts durch die Delegierten erst
nach der Entscheidung, wenn es zu spät ist (Feedback), die jedoch, wenn
die Delegation auf Grund von Zeitmangel oder Inkompetenz vergeben wird,
wertlos ist und wohl kaum genutzt wird (siehe auch Verantwortung)
Ich finde e simme rwieder sportlich, bei demokratischen Prozessen die Inkompetenz der an der Abstimmung teilnehmenden zu bemühen. Ja, verdammt noch mal*, es ist Dein gutes Recht, deine Stimme inkompetent einzusetzen. Menchmal möchte man sagen: "leider". Aber dann doch leiber "Gottseidank", denn wer wollte beurteilen, wer kompetent ist? Äh, halt, ich korrigiere mich: das wollen sicher viele, deswegen frage ich lieber: Wer möchte, dass seine Kompetenz von anderen beurteilt wird? Deswegen lassen wir doch lieber jedes seine Stimme einsetzen, wie es das möchte.
*) O-Ton K. Nocun
Dass das Abstimmungverhalten erst nach Ende der Abstimmung öffentlich wird, hat ganz offensichtliche und sehr gute Gründe. Die Gefahr dadurch ist minimal: Erstens ist in der Regel schon im Vorfeld die Ansicht des Delegierten erkennbar, und wenn er doch einmal ganz gegen die Ideen der Delegierenden abstimmen sollte, dann wird es die ihm übertragenen Stimmen ganz schnell los. Und das passiert auch. Wirklich.
- Willensbildung besteht aus mehr als Abstimmung. Die Meinung eines
Teilnehmers ändert sich häufig im Laufe der Debatte und könnte zu einer
Änderung der Delegation führen. Der Delegierende hat wohl gerade keine
Zeit für die Debatte, sonst würde er nicht delegieren. Die
Entscheidungen würden wohl anders ausfallen, als wenn sich jeder
Abstimmende selbst informieren würde (siehe Ossege 2012, Unzulässigkeit
der Stimmrechtsübertragung in Parteien)
Wenn sich jedes Abstimmende immer informieren würde, und dann noch folgerichtig abstimmen, dann htten wir jetzt nicht 40% CDU im Bundestag. Aber es ist nicht so. Freuen wir uns lieber, dass ein paar Menschen statt ihre Stimme aus einem Impuls heraus abzugeben, diese lieber durch jemanden abgeben lassen, dem sie eine hohe Kompetenz in der betreffenden Frage zutrauen. Woher kommt eigentlich immer dieses Misstrauen gegen die Anderen? Lass sie doch mit ihrer Stimme machen, was sie wollen, und freue Dich daran, dass Du mit Seiner Stimme machen kannst, was Du willst.
- Fehlende Vorfilterfunktion für das Problem "Millionen Meinungen, aber
keiner will/kann hinhören" - dadurch Informationsüberfluss, Abwenden von
Teilnehmern und wieder Filterung durch extern
Legitimierte/Superdelegierte/Zeitelite, so wie das Untergehen von guten
Ideen
Jetzt verwirrst Du mich: einerseits wünschst Du dir eine Vorfilterfunktion, andererseits lehnst Du die vorhendene ab. Obwohl sie, wie man z.B. regelmäßig im Bereich "Gesundheit" bewundern kann, hervorragend funktioniert. Gerade durch das aufmerksame und verantwortungsvolle Hinschauen von Menschen, die Ahnung haben und Vertrauen genießen, werden ja gerade die guten Ideen aus dem Rauschen gefiltert, wie Du es Dir wünschst. Dass das speziell im Bereich LQFB-Weiterentwicklung im Bundesliquid nicht wirklich funktioniert, liegt vielleicht daran, dass die Leute, die dort Vertrauen genießen, das System natürlich so mögen, wie es sit und die, die es gern anders hätten, bleiben ihhm eher fern.
- durch Überforderung de facto Zwang zur Delegation, wenn man sich nicht
nur enthalten will
Welchen Zwang? Stimm doch einfach mit ab, wenn Du dich kompetent fühlst. Oder mach es so wie die meisten bei der Schiedsgerichtsordnung im Neumünster. It's up to you. Das alles hat odoch mit delegated voting gar nix zu tun.
- Vermeintliche Offenlegung von Machtstrukturen würde nur unter Annahme
geschehen, das jeder Teilnehmer sie offenlegen will, anstatt einfach nur
das zu befolgen, was er auf externem Wege gesagt bekommt
Ja, so ist das. Praktisch wird es viel einfacher sein, die Möglichkeiten des Systems zu nutzen, als mühsam darum herum zu navigieren. Genauso wie die Menschen alle iPhones benutzen, obwohl sie wissen, dass da jeder Klick abgehört werden. Die Bequemlichkeit ist Dein Freund. So schlimm es ist. Sie ist es ;)
u.v.m
Angesichts all dieser Probleme, und dessen, dass Beschlussempfehlungen
diese vermeiden können und gleichzeitig noch Vorteile bieten,
gibt es mE überhaupt keinen Grund sich noch weiter mit Delegated Voting
zu beschäftigen, auch wenn man mit QuickHacks einige Probleme reduzieren
könnte.
Dafür, dass Du dich nicht damit beschäftigen willst, ist dieses Mail aber ziemlich lang geworden. Ausserdem betrachtest Du sorgfältig immer nur eine Seite der Medaille und wägst nicht zwischen den Vor- und Nachteilen verschiedener Eigenschaften von Stimmrechtsübertragungen ab. Beschlussempfehlungen, andere nennen es Zeitung, ändern übrigens an den in Frage gestellten Prinzipien überhaupt nix.
Mit Beschlußempfehlungen hat man im Gegenteil:
* elaboriertes Feedback _vor_ der Abstimmung
Wann diskutiert wird, hat null, nada, gar nix mit der Frage delegated oder nicht zu tun. Die Kraft des Argumentes, bzw die Machtlosigkeit leerer Worte, wird sich immer Bahn brechen.
* die Information und Debatte steht im Fokus, nicht die Stimme
Wie gesagt: Die Art der Stimmabgabe hat grad gar nix mit dem (leider oft vernachlässigten) Diskurs zu tun. Dass wir hier so einen geringe Qualität auf die Bretter kriegen hat eher mit der Voreingenommenheit von Menschen zu tun, die immer schon wissen, was richtig ist, bevor sie in die Diskussion gehen. Daran allerdings ändert delegated voting auch nix. Leider.
* ständige Überzeugungsarbeit durch die Empfehlungsgebenden
Auch hier wieder: Überzeuge. Wen Du willst und wann Du willst. Das hat doch nix damit zu tun, ob bei der Abstimmung delegiert werden kann oder nicht.
* ein Baum von Einflüssen an den Empfänger und beliebigen Funktionen die
Informationen zu kombinieren anstatt eines statischen
Stimmrechtsübertragungspfades
Da jeder Teilnehmer jederzeit im System selbst abstimmen kann, stehen diesen Einflüssen doch alle Türen offen. Es kommt immer auf den Menschen an, der sie aufnimmt oder eben nicht.
* Eigenverantwortung durch jeden Teilnehmer - mündiger, informierter Bürger
...der mit seiner Stimme mündig und informiert umgeht, und dem man daher sehr gut selbst überlassen kann, ob er sie selbst ausübt, an andere überträgt oder ruhen lässt. Ja :) Thomas, es _ist Mündigkeit, mit meiner Stimme machen zu können, was ich für richtig halte.
* mit geheimer Abstimmung vereinbar, da das System unabhängig von der
Abstimmung ist
Genau. Gut so. Wir wollen nicht online geheim abstimmen bei den Piraten.
* Empfehlungen zu geben ist freiwillig und kann auch auf Vertraute
eingeschränkt werden
Und ich hoffe, das Modul, dass men keine Delegationen annehmen muss, wird angenommen. Du kannst dazu beitragen ;)
* man kann anders abstimmen, als man anderen empfohlen hat
Auch wenn es mir schwer fällt, hier ernst zu bleiben: Warum sollte mensch das tun wollen? Außer mensch hat es inzwischen besser verstanden. Und dann wäre ja die Reparatur im Delegationsfall noch einfacher, als den Empfehlungen irgendwelche Korrekturen hinterherzuschicken.
* Möglichkeit computergestützt Leute mit ähnlichen Ansichten zu finden
und Newcomer zu fördern (collaborative filtering)
Wer schreibt das LQFB-Addon dafür? Nein, ernsthaft, das geht in allen System mit offener Stimmangabe und hat auch wieder mit Delegationsmöglichkeiten rein gar nix zu tun.
Und übrigens: Nein, ich will das nicht. Wenn ich jemanden suche, der genauso abstimmt wie ich, dann schaue ich in den Spiegel. Ich brauche Menschen, mit denen ich einen konstruktiven Diskurs führen kann, die die Gegenansichten zu meinen Meinungen vertreten, denn sonst kann sich Pro und Con nicht gegeneinander abwägen und sonst sehe ich nur die eine Seite der Medaille, wie Du es beim delegated voting vormachst (was übrigens Dein gutes Recht ist :)
Und übrigens: Nein, ich will das nicht. Wenn ich jemanden suche, der genauso abstimmt wie ich, dann schaue ich in den Spiegel. Ich brauche Menschen, mit denen ich einen konstruktiven Diskurs führen kann, die die Gegenansichten zu meinen Meinungen vertreten, denn sonst kann sich Pro und Con nicht gegeneinander abwägen und sonst sehe ich nur die eine Seite der Medaille, wie Du es beim delegated voting vormachst (was übrigens Dein gutes Recht ist :)
* im ungünstigen Fall Degeneration zu quasi-delegated voting durch
ungeprüfte Übernahme von Empfehlungen
Delegation ist kein "ungünstiger Fall" und keine "Degeneration", sondern eine Willenserklärung. Du kannst es machen. Oder Du kannst es lassen. Ich frage mich immer wieder, warum Menschen so oft anderen Menschen sagen wollen, was sie zu tun, bzw. in diesem Fall zu lassen, haben. Du willst Empfehlungen? Gut! Bitte Menschen um Empfehlungen und gib Menschen Empfehlungen. Andere wollen ihre Stimmrecht übertragen? Gut. Lass sie ihr Stimmrecht übertragen.
Anders als bei der Bundestagswahl _musst Du ja nicht Deine Stimmrechte an irgendeinen Haufen übertragen, bei dem Du minimal aussuchen kannst was der macht. Nein, Du kannst einfach abstimmen. Immer. Und nicht irgenwie indirekt, sondern direkt in der Sachfrage. Geil. Und wenn Du nicht selbst willst, dann kannst Du jemand anders beauftragen. weil Du es willst. Und wen Du willst. Geil. Viel besser als bei der BTW.
u.v.m.
> Viel eher denke ich, dass es eine sehr nützliche Erweiterung ist,
> weil durch diese zusätzliche Stellschraube die Delegations-Frage in
> einem ganz anderen Licht steht.
> Wenn es nun zusätzlich ein Rätesystem gäbe, würden beschneidende
> Eingriffe bei Delegation massiv entschärft werden.
Das "Rätesystem" gibt es. Auf Mailinglisten, in Blogs, im Mumble, auf Twitter, in der Zeitung, beim Deutschlandfunk und in der Hürriyet. Benutze es.
Der einzige "Nachteil" von Beschlußempfehlungen ist, dass die
Teilnehmer, zumindest bei einer geheimen Abstimmung, selbst abstimmen
müssten.
Wenn man die Abstimmungszeiträume lange genug wählt und Vorfilter so
gestaltet (z.B. Quoren, Blockabstimmungen), dass _allen_ Teilnehmern
zumutbar ist, sich mit jedem Sachverhalt zu beschäftigen, dann ist auch
das kein Problem mehr. Wer wirklich mitbestimmen will, wird sich die
paar Klicks noch leisten können.
Meine Rede: Abstimmen, wo man Ahnung hat, und da ist auch eine etwas komplexe Bedienung oder so kein wirkliches Problem. Jedenfalls in aller Regel nicht im Vergleich mit dem inhaltlichen Problem, über das gerade abgestimmt wird. Und bei den andern Sachen einfach machen, was man möchte: auswürfeln, kurzentschlossen abstimmen, delegieren, oder eben enthalten. Super.
Genauso ist der Basisentscheid konzipiert.
Naja. Also er kann jedenfalls keine Delegatioen, das ist wahr. Aber er wird uns auch nicht dabei helfen, die kurzfristigen Entscheidungen wieder (oder erstmals) der Basis zurückzuerobern. Eine Durchsatzbeschränkung könnte man übrigens auch wieder jedem System aufdrücken, ganz unabhängig von der Möglichkeit zu Stimmrechtsübertragungen. Warum man das tun sollte, ist aber noch nicht überzeugend dargelegt worden.
Übrigens finde ich es schade, dass gerade wegen solch holzschinttartiger Pauschalablehnungen, gerne und reichlich vermischt mit Dingen, die gar nix mit dem Thema zu tun haben, so selten ein ernsthafter Diskurs über die wirklichen Probleme der Stimmrechtsweitergabe entsteht.
Lieben Gruß,Dirk
@moonopool
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, (fortgesetzt)
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Jacob Kanev, 04.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, escaP, 05.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Semon, 07.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, André U . /anue, 07.10.2013
- Nachricht nicht verfügbar
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Kattuhl 7, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Jacob Kanev, 04.10.2013
- Nachricht nicht verfügbar
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Thomas, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Slash, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Der Moonopool, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Slash, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Thomas, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Der Moonopool, 09.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Thomas, 10.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Thomas, 13.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Thomas, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Jacob Kanev, 09.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, moonopool, 09.10.2013
- Nachricht nicht verfügbar
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Jacob Kanev, 17.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, lotta, 17.10.2013
- Nachricht nicht verfügbar
- Nachricht nicht verfügbar
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Der Moonopool, 18.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, lotta, 18.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Slash, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Der Moonopool, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Slash, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Thomas, 08.10.2013
- Re: [AG Liquid Democracy] Diskussionsstand, Sebastian Bork, 20.10.2013
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