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Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei
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Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy
Chronologisch Thread
- From: Bernd Brincken <brincken_pp AT kanka.de>
- To: ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy
- Date: Thu, 29 Dec 2011 23:44:21 +0100
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
- List-id: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
Hallo,
On 29.12.2011 18:39, Christian Scholz wrote:
...
[BverG zu Wahlmaschinen]
Naja, wenn man nicht zählen kann, wird es auch bei einer Wahlurne schwierig
;-)
Viele Leute haben zB noch nicht mal die Desktop-Metapher verstanden, d.h. die Sache mit Fenstern, Maus usw. (hatte grad in der Verwandtschaft so einen Fall). Dann kann man solchen Leuten auch keine Browser-Anwendung vorsetzen.
Aber wenn eine Abstimmung nicht geheim ist, dann sollte doch auch online jeder
nachzählen können und damit die Entscheidung nachvollziehen können?
Natürlich will man die Möglichkeit zu geheimen Abstimmungen.
Problem
ist ja meist dann, wenn es geheim wird und dann noch kryptografische Verfahren
zum Einsatz kommen, das können dann eben nur Mathematiker überprüfen und
selbst da mag später auffallen, dass der Algorithmus vielleicht doch noch nen
Bug hatte.
Eine spannende Frage dabei scheint mir eher, ob die Leute der modernen Kryptografie (Shannon) vertrauen, zB dass ein Hashcode nur in der einen Richtung auflösbar ist, oder man noch in der Enigma-Denke ist, d.h. security-by-obscurity. Meiner Vermutung nach fällt zB ein BVerG-Richter eher in letztere Kategorie, zusammen mit den meisten Politikern, Lehrern, Ingenieuren usw.
Unter den Piraten mag es viele der ersten Kategorie geben, aber solche Dinge wollen dann vielleicht doch nochmal gründlich erklärt werden; ich bin kein Mathematiker und kann die Algorithmen darob auch nicht beweisen oder widerlegen - aber ich vertraue dem, was ich darüber las, und wo ich sie im professionellen Umfeld (und eigenen Anwendungen) angewendet sehe.
Klar ist das kein absolutes Vertrauen sondern immer nur relativ (zur Bedrohung), was wiederum manchen (LF-lern) schwer fällt zu differenzieren, und dann entstehen so Fundamentalismen "wenn es nicht 100% sicher geht, dann lieber ganz offen".
Bei geheim bin ich mir eben nicht sicher, wie genau kann dann jemand
nachvollziehen, dass nicht manipuliert wurde?
Der Code muss offengelegt sein, und man muss den Algorithmen trauen, siehe
oben.
Aber das ist ja bei allen anderen Verfahren nicht anders.
Zur Erinnerung: Bei der NRW-Wahl wunderten sich Piraten, dass in ihrem Stimmbezirk null Stimmen für die Piraten gezählt wurden, obwohl sie n Leute kannten, die das Kreuz da gemacht hatten. Nach langen Diskussionen mit dem Wahlleiter, Einsprüchen, Schriftwechseln, Presse usw. konnte schließlich eine Nachzählung erreicht werden, und da wurden die Zettel dann gefunden - und man hörte die Aussage "Och, die Piraten, sorry, das haben wir wohl als "Die Partei" gezählt, klingt ja so ähnlich".
So sieht die Praxis der Papierwahl aus - also da wäre mir eine elektronische Wahl lieber, wo mein Wahl-Hashcode veröffentlicht wird und ich direkt prüfen kann, ob er richtig gezählt wurde, und dann nix mit "sorry falsch abgelesen".
Man kann natürlich Pseudonyme nutzen und sicherstellen, dass jeder nur einen
Account bekommt, ... aber es bleibt dennoch die Gefahr,
dass so ein Pseudonym halt mal bekannt wird.
Man kann einfach für alles Hashcodes vergeben "Ein Pirat hat x gesagt, ein anderer y" - wozu braucht es überhaupt Namen?
Mir persönlich wäre ja vor der Abstimmung erstmal ein Tool hilfreich, mit dem
man sinnvoll Argumente sammeln, austauschen und bewerten kann und dies auch
später noch einfach nachvollziehen kann. Mailinglisten z.B. scheinen ja dafür
eher ungeeignet zu sein.
Was sprach nochmal gegen Wikis?
Die ganze Idee, Bedeutung oder Legitimität mit Zählalgorithmen zu ermitteln, ist ein sozialer (/organisatorischer) Trugschluss.
Gruß /
--
Bernd Brincken - Berlin
http://public-process.de
- [AG Liquid Democracy] Reanimation der AG Liquid Democracy, Jörg Witzel, 29.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Reanimation der AG Liquid Democracy, Bernd Brincken, 29.12.2011
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- [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Bernd Brincken, 29.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Jörg Witzel, 29.12.2011
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- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Christian Scholz, 29.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Bernd Brincken, 29.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Christian Scholz, 30.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Bernd Brincken, 30.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Arne Mueller, 30.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Bernd Brincken, 30.12.2011
- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Dirk H., 30.12.2011
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- Re: [AG Liquid Democracy] Strategie und Praxis / was: Reanimation der AG Liquid Democracy, Jörg Witzel, 29.12.2011
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