Zum Inhalt springen.
Sympa Menü

ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Erwerbslosenquote

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

Listenarchiv

Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Erwerbslosenquote


Chronologisch Thread 
  • From: LeChuck <LeChuck AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Erwerbslosenquote
  • Date: Mon, 04 Jun 2012 18:47:54 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Richard C schrieb:
Ich habe keine Ahnung, in welcher abseits gelegenen Hirnwindung bei dir die Vorstellung entstanden sein könnte, daß meine Forderung etwas mit Planwirtschaft zu tun haben könnte. *Eine realistische Chance, Hartz IV zu vermeiden, hat jedenfalls jeder Arbeitssuchende, wenn es ausreichend offene Stellen gibt.* Hast du irgendwelche Einwände gegen diese These? Und ja, diesen Zustand wiederherzustellen,* IST Aufgabe der Politik.*
Nur durch ordnungpolitische Maßnahmen wie die Agenda 2010. Jobs im Staatsdienst oder über Steuergelder zu schaffen geht nicht.
Aber ich habe immer noch nicht verstanden, was du willst.

Was an dem fettmarkierten Satz schwer zu verstehen sein soll, das verstehe, wer will.

Du verstehst so manches andere aber auch nicht. Wenn auf der einen Seite zwei Millionen sv-pflichtige Arbeitsplätze verschwinden und auf der anderen Seite drei Millionen Minijobs entstehen, muß man schon ziemlich vernagelt sein, um zwischen diesen beiden Tatsachen einen Zusammenhang abzustreiten. Daß daneben im selben Zeitraum rezessionsbedingt Arbeitsplätze auch ganz verschwunden sind (was schon vor der Minijob-Neuregelung eingesetzt hatte, weil die Rezession ja auch schon vorher begonnen hatte, nur fürs Protokoll), hatte ich erwähnt, du hast es nur ignoriert. Daß jemand, dessen Arbeitsplatz in drei oder vier Minijobs aufgeteilt wurde, auch noch glücklich darüber sein soll, daß er einen davon als Hinzuverdienstmöglichkeit zu Hartz IV bekommen konnte, ist hoffentlich nicht dein Ernst.

Sag mal dein Konzept, wie du Jobs schaffen möchtest.

Ich will mehr als nur "Jobs schaffen". Ich will, daß die Leute von diesen Jobs auch leben können. Mein Konzept lautet: Minijob-Regelung abschaffen, Mindestlohn von 8,50 Euro und eine Equal-Pay-Regelung für Zeitarbeiter ab der siebten Woche im Einsatzbetrieb.

Alleine dadurch, daß es sich nicht mehr lohnt, drei oder vier Minijobber anstelle eines Vollzeitbeschäftigten einzustellen, werden hunderttausende, im günstigsten Fall sogar eine Million oder mehr Vollzeitstellen geschaffen werden, ein großer Teil davon auch geeignet für Geringqualifizierte. Resultat: Von dem Stellenzuwachs wird gerade der Teil der Arbeitslosen am meisten profitieren, der bislang die schlechtesten Aussichten auf Beschäftigung hat.

Die Zeitarbeits-Neuregelung wird dafür sorgen, daß es sich verteuert, Mitarbeiter, die dauerhaft im Betrieb eingeplant sind, über Zeitarbeit zu holen. Das wird zu mehr Festanstellungen führen. Das wiederum wird bewirken, daß auch mehr Festangestellte, die bislang oft nicht wechseln konnten, weil man ja wahnsinnig sein müßte, einen festen Arbeitsplatz für einen Zeitarbeitsjob aufzugeben, auf Jobsuche gehen werden. Resultat: Die Fluktuation nimmt zu, auch das bewirkt einen Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen.

Der Mindestlohn und die steigende Entlohnung bei der Zeitarbeit werden bewirken, daß die Zahl der Hartz-IV-Leistungsempfänger zurückgeht.

Unter dem Strich wird die Zahl der Arbeitslosen auf diese Weise ein gutes Stück in Richtung Vollbeschäftigung heruntergehen. Das gilt auch dann, wenn ein großer Teil der Minijobs in die Schwarzarbeit abwandert und ein Teil der Zeitarbeitsjobs in Scheinselbständigkeit - womit ich rechne. Wenn für Arbeitslose genügend andere Wahlmöglichkeiten bestehen, ist es aber schwieriger für Unternehmen, für scheinselbständige Tätigkeiten Leute aufzutreiben, die verzweifelt genug sind, um das besser als gar keine Arbeit zu finden.

Wenn man von 4 Prozent Arbeitslosen nach der hierzulande üblichen Berechnung als Vollbeschäftigung ausgeht, dann wäre bei ca. 1,6 Millionen Arbeitslosen Vollbeschäftigung erreicht. Ob das alleine mit diesen Maßnahmen erreichbar ist, sei dahingestellt, aber es wäre jedenfalls ein großer Schritt dorthin.




Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.

Seitenanfang