ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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- From: sepp25 <sepp25 AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich
- Date: Mon, 26 Mar 2012 12:46:04 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
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blackdrag schrieb:
sepp25 schrieb:
Bestimmte Arbeiten können durchaus teurer werden. Auch die Investitionen für die Automatisierung kann ich nachvollziehen. Da aber durch die gewonnene Kaufkraft der Menschen auch der Binnenmarkt gestärkt wird, ist die Möglichkeit zum Investment in den Firmen gegeben.Wenn die Preise steigen ist es eben die Frage ob da wirklich die Kaufkraft in der Summe steigen wird. Wenn du heute 120 Euro hast, kannst du dafür grob Waren im Nettowert von 100€ kaufen. Wenn es 80% Konsumsteuer gibt, dann musst du für die gleichen Waren 180€ ausgeben. Das sind 50% mehr. Rechnet man nur mit diesen 20% vs. 80%, dann muss jemand in diesem BGE-System insgesamt 50% mehr verdienen, nur um sich das gleiche Leisten zu können wie jetzt. Rechne ich zum Beispiel beim HartzIV-Regelsatz von 374€ mit einer Kaufkraft von 312€, dann muss das BGE bei 80% Konsumsteuer mindestens 562€ betragen um auch nur auf den Regelsatz zu kommen.
Der letzte Satz zuerst als Antwort:
Ich gehe von einem bGE von 1254.- € aus, und das individuell, ohne Bedarfsgemeinschaften und dergleichen Perversionen. Damit hätte sogar mit deiner Rechnung der ALG2 Empfänger gut 110% mehr Kaufkraft zur Verfügung. Stimmt nicht ganz, liegt warscheinlich nur bei 30 - 50% denn die Miete hast Du ja noch nicht berücksichtigt.
blackdrag schrieb:
sepp25 schrieb:
Die 80% Konsumsteuer relativiert sich doch durch die wegfallenden Lohnnebenkosten. Und die EK-Steuer in den unteren Lohngruppen ist sehr gering. Das hält die Aufnahme von Arbeit zusätzlich zum bGE weiter attraktiv.Sie relativieren sich, ja, für Produkte aus dem Inland, die fast ausschließlich durch menschliche Arbeit erzeugt wurden. Was ist zum Beispiel mit Obst aus Spanien? Was mit den unzähligen Produkten aus China und Vietnam? Was mit Produkten, die überwiegend mit Maschinen erzeugt werden? Die werden alle immens teurer. Und da frage ich mich schon, wie sehr sich das nun relativiert.
Das ist auch ein Punkt, wodurch der Binnenmarkt und der regionale Absatz gestärkt werden. Damit wird einer Landflucht entgegengewirkt, da sich regionale Marktkreisläufe wieder lohnen.
Zu den Produkten aus Spanien oder China: " Müssen diese wirklich sooooo billig sein, dass sie unsere heimische Produktion untergraben?"
Gut, beim Obst ist es sicher schön, wenn ein Pfund Orangen 2.- € kostet. Die Orangen würden aber auch einen Markt finden, wenn das Pfund 4.- € kostet. Vielleicht nicht mehr das ganze Jahr, sondern mehr in der Saison um Weihnachten und Neujahr, das fördert aber wieder einen ökologischen Anbau, wo nicht künstlich die Erntezeiten beeinflusst werden.
Muss die Banane unbedingt für 99 ct angeboten werden, um dann zu 60% im Müll zu landen, oder werden die Kunden dann darauf achten, dass diese zu 100% genutzt wird, wenn das Obst dann 1,89 € kostet??
Den maximalen Steigerungssatz für 100% per automatischer Produktion hergestellten Gütern habe ich anhand eines USB-Sticks dargestellt. Die Preissteigerung wäre bei 66% mit den 80% Mwst-Modell. Das zeigt aber auch das Missverhältnis zu den heutigen Umständen auf. Heute sind maschinell erstellte Güter eben weitesgehend steuerfrei. Diese Wirtschaftsgüter und die fortscheitende Automatisierung tragen nichts zum Allegemeinwohl bei. (Eine Einkommensteuer kann das nicht abfangen, da wieder nur menschl. Arbeit besteuert wird.) Mit der drastischen Erhöhung der Mwst. auf 80% sind diese Güter am Sozialwesen beteiligt.
blackdrag schrieb:
milton2011 schrieb:Genau, da geh ich voll mit. Wichtig ist erst mal die Sicherung der Kinder und der Rentner. Dann die Abschaffung der Sanktionen für ALG2. Auch eine Anpassung des ALG2 wäre notwendig.
Ich bin inzwischen auch soweit, dass ich einen schrittweitweisen Einstieg ins bGE nachvollziehen und befürworten kann.Interessant wäre es ja mal zu überlegen welche Schritte das sind. Vielleicht lassen sich ja viele gemeinsame Schritte mit anderen BGE-Modellen finden. Vielleicht sogar Schritte, die allen gemein sein können. Das wären dann konkrete Ziele, auf die man hinarbeiten könnte, ganz unabhängig davon, welches Modell man letztlich will.
Zur Umsetzung würde ich jeweils eine Anpassung der Höchststeuersätze und Einführung der Kapitalertragssteuer, Börsenumsatzsteuer. Weiter sollte die Vermögensteuer in Stufen eingeführt werden. Stufe 1 = bis 500 T€ steuerfrei. Stufe 2 = ab 500 T€ - 2 Mio€ = 1% VSt. Stufe 3 = ab 2 Mio€ - 5 Mio€ = 2%VSt. Stufe 4 = ab 5 Mio€ = 3%.
Weiter wäre eine Verlagerung der Lohnnebenkosten auf die Konsumseite schrittweise zu vollziehen. z.B. SV AG u AN Abbau von 10% = Erhöhung der Mwst um 15%.
usw.
blackdrag schrieb:
sepp25 schrieb:Wenn die Produkte aus der Region auch noch preislich attraktiv werden, stärkt das den Markt. Es entstehen wieder regionale Strukturen, die unabhängig von weltwirtschaftlichen Wirren handeln. --- Global denken, regional handeln. --
Die regionalen Märkte stärken sich, weil der Transport durch die Teuerung von Sprit sehr teuer wird. Auch haben die Menschen durch das bGE nicht die Notwendigkeit unbedingt der Arbeit hinterherzuziehen. Dadurch bleiben Kompetenzen am Ort.Nur leider ist DE nicht unbedingt ein Land, dass mit natürlich Ressourcen reich gesegnet ist. Schon heute kaufen die Leute gerne Produkte aus der Region... ist gerade modern.
Ich bin überzeugt, dass nicht alle auf der faulen Haut liegen werden, dann machen die was am Ort. Strukturen entstehen und regional werden die Ressourcen genutzt.
blackdrag schrieb:
milton2011 schrieb:
Das es in den Städten die besseren Schulen gibt, wag ich zu bezweifeln. Man muss auch so denken. Wenn die Menschen sich mehr um ihre Kinder kümmern können, werden sie auch bei den Schulen mehr mitreden. Damit steigt die Qualität der Einrichtungen.Das Problem mit den Schulen auf dem Land ist jetzt nicht unbedingt die Qualität der Lehrer. Das will ich nicht gesagt haben. Aber Schulen haben eine gewisse Mindestgröße, und die wird nun mal nicht unbedingt im Dorf erreicht. Die Vielfalt des Angebotes neben den Pflichtfächern richtet sich nach den Qualifikationen, die die Lehrer sonst noch so mitbringen. Und ob ein spezieller Kurs zustande kommt richtet sich neben dem Lehrer auch nach der Menge der Schüler dafür. In einer großen Schule ist es wesentlich wahrscheinlicher dass es zum Beispiel einen Leistungskurs Geschichte gibt, oder neben Französisch und Latein auch noch eine andere Sprache angeboten wird, als in einer kleinen Schule. Und groß muss die Schule nicht unbedingt sein eigentlich. Es kann auch Kooperationen der Schulen untereinander geben. Dann arbeiten halt mehrere kleine Schulen zusammen um ein Angebot zu schaffen, wie eine große. Das geht auf dem Land nicht, weil die Masse an Schülern garnicht erst vorhanden ist.
Das ist primär mal ortsunabhänging.
Und das die Qualität der Schulen steigt, wenn die Eltern bei diesen mehr mitreden.... vielleicht wenn sie mitarbeiten, ja, aber das ist nur sehr eingeschränkt möglich.
Jetzt stell dir mal vor, von 10 Müttern sind noch 2 Arbeitstätig. Wenn die Organisation der Schulen entsprechend aufgebaut wird, sind von diesen 8 Müttern oder Vätern gut 3 dabei die Schule mit zu unterstützen. -- Gerade auf dem Dorf. --
Es entstehen ganz andere Dorfgemeinschaften und "Patenschaften", die sich wieder über "Fördervereine" organisieren können. -- Wenn die Eltern den Leistungskurs wollen, werden sie dann einen Weg finden, den einzurichten. -- Zeit und Geld dafür ist mit bGE vorhanden.
Die Mitarbeit von Eltern ist im Schulgesetz geregelt. Diese Kuratorien sollten eigendlich ein deutliches Mitspracherecht in der Gestalltung und Ausstattung der Schulen haben. Leider werden diese meist schwach besetzt und vom Ministerium auf Abstand gehalten. Dadurch gestalltet sich eine Einflussnahme wie in allen Politikfeldern meist schwierig.
Die Möglichkeiten sind vorhanden, doch es braucht Kampfgeist und Durchhaltevermögen, wenn man was bewegen will.
Eltern mit bGE müssen zumindest nicht mehr auf gesellschaftliche und ökonomische Zwänge in dem Massen Rücksicht nehmen, wie es heute der Fall ist. Dadurch kommt schon viel in Bewegung.
...
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, (fortgesetzt)
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, milton2011, 21.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 24.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, milton2011, 24.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 25.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, sepp25, 20.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 21.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, milton2011, 21.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, sepp25, 22.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, Ulrike Mös, 22.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 24.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, sepp25, 26.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 26.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, sepp25, 26.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 27.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, blackdrag, 28.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Lohnnebenkosten nicht nebensächlich, sepp25, 07.03.2012
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