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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier


Chronologisch Thread 
  • From: "CAP (Christian)" <CAP AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier
  • Date: Tue, 15 Nov 2011 11:23:43 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


aloa5 schrieb:
Christian schrieb:
Du kannst die Entwicklungsprozesse in Ostdeutschland nicht mit denen in China vergleichen. In der EU sind wir auch schon recht dicht zusammen gerückt.
Doch, kann ich vergleichen. In China ist der entwickeltere Teil nur ein Bruchteil der Mrd Chinesen. Das dauuuuuert noch sicher 2 Jahrzehnte.
Du kannst es insofern nicht vergleichen, als dass Ostdeutschland erst deindustraliesiert wurde und dann mit zu hohen Löhnen und Sozialstandards am natürlichen Evolutionsprozess gehindert wurde. Das ist in China anders. Aber auch ich tippe auf noch ungefähr ein Jahrzehnt für China.

aloa5]
[quote schrieb:
aloa5 schrieb:

Die Untersuchungen u.a. des MIT haben gezeigt das der Rückfluss an Geld/Arbeitsaufträgen und Preisvorteil aus China geringer ist als das was man dort hinein steckt. Das führt zu deren Handelsüberschuß - und andernorts (außer in Deutschland) zu Defiziten.
Das hat aber nicht wirklich was mit "Heckscher-Ohlin" zu tun.
Doch. Exakt das sagen die Studien:
http://logicorum.wordpress.com/2011/05/21/essensmarken-und-hartziv-sind-handelspolitik-arbeitsplatzeffekte-des-handels-mit-china/

""/Die Arbeit an sich behandelt „lokale Arbeitsmarkt-Effekte“ (in den USA) welche aus dem Handel mit China resultieren. Dort wird dargestellt das die Arbeitsplatzverluste in der Produktion zwischen 1991 und 2000 in den USA zu 19% auf dem Handel mit China beruhen, zwischen 2000 und 2007 sogar 32%. In der zweiten Arbeit von Frank Levy und Tom Cochan welche die stagnierenden Löhne (um 10% gefallen) bei gleichzeitigem Produktivitätszuwachs um 78% zwischen 1980-2009 behandeln wird dann daraus geschlossen das das US-Handelsdefizit der letzten Beiden Jahrzehnte u.a. darauf beruhen und eine Rückkehr der Produktion in die Staaten als Lösung gefordert./""

Ein Drittel der "verschwundenen" Arbeit ist nach China abgewandert. Es ist mehr als wahrscheinlich das dies in anderen Staaten nicht anders aussieht. Und es ist wahrscheinlich das es sich dabei nicht um High-Tech Arbeitsplätze handelt. Und (als Resultat) hat man m.E. Heckscher-Ohlin (nämlich die billigeren Arbeitskräfte) als Ursache. Und als Wirkung (so die zweite Arbeit) eine Zunahme der Lohnspreizung bzw. Lohnstagnation während Gewinne zugenommen hatten. Gewinne aus dem Handel (Import wie Exportindustrie) unter ausnutzen der komparativen Vorteile jew. Beider Länder kommt nur wenigen zugute. Das ist Ursache wie im Resultat das Problem. Es gibt im Heckscher-Ohlin Modell keine Begründung dafür, dass Menschen arbeitslos werden. Es gibt darin nur eine Begründung dafür, dass sie sich auf relativ lohnendere Arbeiten verlegen. Die von Dir hier vorgebrachten Argumente betrachten nur die eine Seite der Bilanz und vergessen die andere Seite. Und insofern stehen sie auch nicht im Widerspruch zu dem von mir geschriebenen.
aloa5]
Wechselkurse sind da nur ein kleines Rädchen welches den komparativen Vorteil Chinas verstärkt. Der Wechselkurs hat den Vorteil aber nicht generiert (Importzölle für chinesische Waren und Exportzölle von dort kompensieren das teilweise).


Es gab viele Gründe, wie von mir schon angesprochen. China hat als Billiglohnland und Megamarkt gelockt. Auf dem Weg dahin haben viele Firmen ihr Know-how verschleudert oder sich bezüglich der aufgezwungenen Kooperationsmodelle verschätzt. So ist vieles nicht so eingetreten, wie erhofft. Aber auch die Strategie des niedrigen Währungswertes hat diese Expansionsstrategie stark unterstützt. Es ist ein sehr klassisches Kampfinstrument am Weltmarkt. Die Folge davon war die schnelle Industrialisierung Chinas und die noch zu beantwortende Frage, ob die Chinesen die exportierten Werte dem Ausland geschenkt haben werden oder auch wieder was dafür zurück bekommen.

Wir haben einen Exportüberschuß und wir sind erfolgreich und der Gewinn daraus kommt nur wenigen zugute. Das ist empirisch/theoretisch wie gefühlt der Fall.

Das Potential der Menschen welche freiwillig bereit sind gegen gutes Entgelt zu arbeiten zu nutzen ist groß. Es gibt kein "hex hex" (Innovationen) aus welchem sinnvolle Dinge (gar für den Handel) entspringen. Man kann die Infrastruktur verbessern oder/und man kann andere Dinge z.B. über die Lohnkosten "zurückholen" bzw. selbst produzieren, dazu zählt auch Energie (was den Import verringert).

Nichts ist jedoch sinnloser als sinnloses. ;)
Wir in der Region Deutschland vielleicht. Aber wir als Wirtschaftseinheit sind die Eurostaaten ;)

Dass der Gewinn nur wenigen zugute kommt, ist aber auch sehr häufig sehr speziellen Regeln zu verdanken, die diese Menschen voll auskosten. Für mich ist das kein Naturgesetz.

Komperative Vorteile haben nichts mit absoluten Vorteilen zu tun.

[quote schrieb:</cite>aloa5 schrieb:
Das ist so aber nicht sinnvoll, würde auch nicht funktioneren. Die Abgaben welche der Exportsektor zu leisten hätte wären zu hoch und würden nicht durch Arbeiten der anderen Sektoren kompensiert. Wir würden Enden die die USA und Frankreich - der Exportsektor würde ebenfalls teilweise abwandern und wir würden im Defizit landen. Das kann man sich ein, zwei Jahre leisten, auch fünf im Extremfall. Aber was macht man dann die restlichen 15 Jahre?
Dabei vergisst Du den Wechselkurs. Und da wir in Europa den nicht unter den Staaten haben, erleben wir auch gerade das, was Du da skizzierst. Das Fehlen des flexiblen Wechselkurses stellt noch viel höhere Anforderungen an die Lohnentwicklung und die Entwicklung der Wirtschaft.
Lohn-kosten-entwicklung.
Da sind aber Wechselkurse und vieles andere schon drin ;)

Hätten die Spanier in der Boom-Zeit in den letzten 10 Jahren eine Lohnsummenausgleichssteuer besessen (anstatt steigende Mindestlöhne) hätten sie nicht das gleich Problem wie heute. Die Lohnkosten wären geringer, die Wettbewerbsfähigkeit größer, der Beschäftigungsgrad höher.

Man kann es sich nicht dauerhaft erlauben "für sich" zu produzieren (in Spanien, GB und den USA in Form von Immobilien) und ansonsten im Ausland einzukaufen. Da geht man ein. Wechselkurs ist das eine. Dem kann man jedoch begegnen, während am Wechselkurs nur wenig gedreht werden kann wenn die Chinesen nicht wollen.
Du sprichst die Immobilien an. Sie sind ein Hauptproblem. Baut man Immobilien (auf Kredit von woanders) steigt vor Ort das Einkommen. Steigt vor Ort das Einkommen, steigt die Miete und der Immobilienwert. Steigt der Immobilienwert steigt die Immobiliennachfrage. An diesem Punkt muss aber auch die andere Wertschöpfung mitziehen, denn sonst sind keine nachhaltigen Erträge aus den Immobilien möglich. Stoppt der von außen angekurbelte Immobilienboom, da kein nachhaltiges wirtschaftswachstum vor Ort entsteht, welches nachhaltige Immobilienrenten verspricht, so fällt die Erwartung zusammen und damit der Zahlungsstrom in die Region und die damit die Wirtschaft vor Ort. Das erleben wir dort gerade. Der Boom lief auch verhältnismäßig lange, weil die Immobilien auch als Feriendomizile mit Wertsteigerung gesehen wurden und somit mehr von der lokalen Wirtschaftsperspektive entkoppelt waren.
Auch deswegen fordere ich eine Bodensteuer, die die Renten der externen Effekte abschöpft. Sie würde einen solchen "Spekulations"mechanismus deutlich dämpfen.

aloa5 schrieb:
Aber dass da was zu tun ist, ist uns beiden klar. Ein moderater Mindestlohn stört in meinen Augen nicht. Aber er hilft auch nicht viel.
Das sehe ich auch so. Ein ML ist hauptsächlich Aktionismus und Heftpflaster. "Wir tun was". Jo denn.... wenn es unbedingt sein muss. Ich würde den ML-Befürwortern aber die SV-Reform als (Vor)Bedingung aufs Auge drücken wollen. Dann hätte es wenigstens einen Sinn erfüllt. Das übliche politische schachern eben, wobei ich nichts gegeben aber etwas erhalten hätte.
ok, und welche SV-Reform willst Du einfordern? Da sind wir ja auch noch bei weitem nicht eins ;)

Steht in PA278. Breitere Grundlage führt zu einem niedrigeren Satz. Im Falle der LsSt noch zu einem progressiven Satz. Das führt zu niedrigen Lohnkosten bei höheren Nettolöhnen und damit mehr Beschäftigung. Geschickt eingesetzt sind locker 1-2mio mehr Beschäftigte drin ohne umwälzend viel getan zu haben. Lediglich die bestehenden Beiträge leicht anders erhoben und verteilt.

Der PA278 ist für mich recht aussagefrei.
Die LsSt wirkt ja ebensfalls über ihre Lenkungsmechanismen bremsend wie ein Mindestlohn, nur dass sie aufgrund der Abgaben das Zustandekommen der schlechter entlohnten Jobs auch deutlich erschwert.




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