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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?

ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

Listenarchiv

Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?


Chronologisch Thread 
  • From: Hans Brucker <hb AT anubia.de>
  • To: Don_Xicote AT gmx.de, LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?
  • Date: Wed, 14 Jul 2010 12:31:04 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>

On 14.07.2010 11:14, Don Xicote wrote:
Am 10. Juli 2010 01:48 schrieb Friedrich Lindenberg <friedrich AT pudo.org>:

(1) Globaldelegationen fördern die Aufmerksamkeits-Delegation und
bewirken eine starke Gewichtung der Desinteressierten. Ich halte sie
daher nicht für wünschenswert.

Kann ich so nicht nachvollziehen!
Wieso bewirkt das eine starke Gewichtung der Desinteressierten? Das habe ich nicht verstanden!

Hi Don,

zunächst mal sind die tendentiell eher Desinteressierten in der Überzahl. Jeder einzelne hat da sicherlich seine mehr oder weniger guten Gründe warum das so ist, für die Tatsache an sich ist das aber irrelevant.

Wird jetzt inhaltlich an einzelnen Themen gearbeitet, kommt noch hinzu, dass allein bedingt durch das jeweilige Thema nur ein Bruchteil der prinzipiell Aktiven interessiert sind, weil sie das Thema einfach nicht betrifft.

Bietet man jetzt ein Werkzeug an, das es jedem interessierten erlaubt bei jedem Thema mitzuarbeiten, so er/sie dies wünscht, skaliert sich das automatisch. Die Leute arbeiten eben bei denjenigen Themen mit, die sie interessieren und/oder betreffen. Zugangshürden darf es hierbei natürlich keine geben.

Globale Delegationen hebeln das aber aus.

Bauen wir uns mal ein kleines Beispiel:

Es wird diskutiert, ob für die Grundschule die Turnhalle renoviert, das Grundstück neu gestaltet, das Dach neu gedeckt, oder ein Budget aufgemacht werden soll, mit dem für mehrere Jahre englische Native-Speaker für den Englisch-Unterricht bezahlt werden können. Jemand schlägt auch noch vor, den Computerraum (und die Computer!) zu renovieren. Die sind nämlich schon 6 Jahre alt.

Alle Beteiligten, Lehrer, Eltern mit Kindern an der Schule, Eltern mit Kleinkindern, die demnächst die Schule besuchen sollen, Anwohner, Mitarbeiter der Kommunalverwaltung, die Details kennen, engagierte Nachbarn, Bürger und Steuerzahler diskutieren, bringen ihre Argumente vor, und es wird ein Meinungsbild erstellt, das für die Entscheider eine gute Entscheidungsgrundlage bietet.

Durch die Beteiligung und Diskussion entsteht ein Informationsraum, der dazu führt, dass man als Mitdiskutant mit allen Argumenten wenigstens einmal konfrontiert wird.

Sagen wir mal, dass da rund 500 Leute mit drin sind, insgesamt, die da Demokratie leben.

Jetzt ist das aber in Berlin. Und da haben wir einen netten Bürgermeister, dessen Haus zufällig neben der Schule liegt, und dem das verlotterte Grundstück nicht gefällt. Das hat zwar mit dem Bildungsauftrag der Schule nichts zu tun, aber dem gefällt das eben nicht.

Weil er so ein kesser und sympatischer Partygänger ist, gut reden kann, und durch seine Medienpräsenz als Bürgermeister von einem ganz erheblichen Bekanntheitsbonus profitieren kann, haben ihm mal ganz locker 5000 Berliner ihre Stimme gegeben. "Damit meine Stimme nicht verlorengeht, wenn ich im Urlaub bin", oder so.

Im Ergebnis kann also eine einzige Person, dessen Stimmen aus einem komplett anderen Kontext stammen, über die Köpfe der engagierten Stakeholder hinweg entscheiden. Der Preis der Partizipationssimulation durch die Lebenslüge "Delegation = Partizipation" ist, dass echte Partizipation derjenigen, die betroffen sind und sich engagieren, unmöglich wird.

Deswegen sind globale Delegationen inkompatibel mit einer konstruktiven Implementierung einer Flüssigen-Demokratie-Anwendung, die zu einer echten Verbesserung der Partizipationssituation der Bürger führt.

Sommergrüsse
Hans




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