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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Antrag #130 Wirtschafts- und Sozialpolitik: Ergänzung neben Hartz 4

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Antrag #130 Wirtschafts- und Sozialpolitik: Ergänzung neben Hartz 4


Chronologisch Thread 
  • From: Bratenbengel <Bratenbengel AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Antrag #130 Wirtschafts- und Sozialpolitik: Ergänzung neben Hartz 4
  • Date: Mon, 07 Nov 2011 07:56:02 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


CAP schrieb:
@ Unternehmen meldet Bedarf an
Hier kommen zwei Dinge zusammen. Wirkliche Arbeit auf benötigten Arbeitsplätzen wird das Unternehmen nicht über Einkommensplätze besetzen. Dafür fehlt die Zuverlässigkeit, die Du z.B. am Band der Autoindustrie brauchst. Hier wäre eher das im Buch beschriebene Modell der Arbeitsmarktdatenbank dasjenige welche.

So, da ist ein ganz konkreter Faktor. Die Datenbank.
Das ist für beides anzuwenden. Nach Berufsgruppen oder der Berufskennzahl trägt man sich ein.
Für Auszubildende ergibt sich aus dem Eignungstest eine gewisse Zuordnung in ein Berufsgruppe die man nach 6 Monaten innerhalb einer Ausbildung nochmals wechseln kann.
Auch die Unternehmen werden nach Kennzahlen oder Branche zugeordnet, wenn sie an dieser Datenbank teilnehmen wollen.
Z.B. kann man saisonale Schwerpunkte gut einbauen.
So weit ich weiß haben wir soetwas bereits.
Für Berufsanfänger kann man sich über die Arbeitsagentur eintragen lassen und gibt dort eine Kurzbewerbung ab, die anonym ist und die Unternehmen stehen im Branchenbuch.
Wenn ich dich richtig verstehe geht es also wieder um eine Koordinierung und Zusammenfügung, die mit einem Verwaltungssystem gekoppelt ist.
Dass dies so sein muss beweist ja allein die Tatsache, dass ich jede Firma im Netz finde und über die Arbeitsagentur als Unternehmer Personal abrufen kann, sofern dort etwas für mich vorhanden ist.
Erlebt mein Sohn gerade.

Wie ist denn der Ablauf heute wenn man Arbeitslos wird?
Man meldet sich bei der BA, gibt seine Kurzberwerbung ins Netz und schreibt Bewerbungen an Unternehmen die man selbst oder mit Hilfe der BA gefunden hat.
In der Zwischenzeit kann man Gelegenheitsjobs machen. z.B. das Wochenblatt am Mittwoch austragen.
Das Unternehmen das die Wochenblätter verteilen lässt, findet man in den vorhandenen Medien.
Da brauche ich keinen Einkommensplatz oder jemanden der mich zuteilt oder beschäftigt.
Liberal gesehen macht die BA genau das was du vorgeschlagen hast. Sie gibt dir Geld nach ALG I und du musst dich kümmern.
Nichts anderes geschieht am Einkommensplatz.
Da gab es mal diese "Tagelöhnerbörse" bei der Hamburger BA. Ich weiß nicht ob die noch existiert, aber da kam wer wollte früh Morgens hin, wartete auf Anfragen von z.B. Umzugsunternehmen und ein Sachbearbeiter verhandelte den Stundenlohn und gab die Arbeit an die Wartenden weiter. Der Rest der keine Arbeit an dem Tag fand saß Stundenlang im Warteraum.
Klar hätte man da schon Bewerbungsprobleme lösen oder innerhalb der Behörde oder der Kommune Hilfsarbeiten anbieten können. Arbeit gab es damals und gibt es heute so viel für ungelernte Kräfte in der Stadt.
Doch Hamburg sah darin keine Notwendigkeit und unterlag schon damals den gesetzlich vorgeschriebenen Ausschreibungsverfahren für öffentliche Arbeiten und konnte die Unternehmen nicht dazu bewegen aus dem Tagelöhnerpool das zusätzliche Personal abzugreifen, weil es um knallharte Kalkulationen ging, um den Auftrag überhaupt zu bekommen.
Der Einkommensplatz existierte demnach schon, aber es gab andere Hürden die eine effektive Verwendung der vorhandenen Arbeitskräfte verhinderte. Das ist heute nicht anders bzw. noch schlimmer und würde, auch nach deinem Konzept, nur durch Gesetze ausgehebelt und zunichte gemacht werden.
Das Problem Einkommensplatz ist in den 90'ziger Jahren gelöst worden und konnte aus Rechtsgründen nicht funktionieren.

Damit steht dein Vorschlag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit und Förderung der sozialen Integration mittels Einkommensplatz ganz oben, aber davor stehen Gesetze die gekippt werden müssen.

Kannst du nicht deinen Vorschlag darauf ausrichten?
Wie du siehst gab es das schon und ein Stundenlohn von damals 10 - 15 DM (heute ca. 7,50 bis 10 €) war nicht unbedingt schlecht. Ich hab als Gelegenheitskellner ohne diese "Tagelöhnerbörse" im Hotel Steigenberger 10 DM die Stunde gehabt.

CAP schrieb:
@ (überbetriebliche) Ausbilung
Das ist wohl auch ein recht komplexes Thema, wo viele Einflüsse zusammen kommen. Das sollte man entweder mal zusammen erarbeiten oder anhand eines recht konkreten Vorschlages besprechen. Denn sonst besteht die Gefahr, das jede Menge stillschweigende Annahmen bei den einzelnen Schreibern ganz unterschiedliche Verständnispositionen zur Folge haben. Außerdem sind wir da im Thema auch ganz woanders.

So Komplex es sein mag, ist es doch relativ einfach zu erkennen was geändert werden muss, um die Voraussetzungen für einen fließenden Übergang von Schule und Berufsausbildung zu schaffen, ohne gleich die Kiddis in Existenznöte zu stürzen, weil sie vielleicht nicht so toll in der Schule waren und arbeitslos werden müssten.
Da ist dieser Einkommensplatz doch genau das richtige. Für diese Integration und Hilfe zur Selbstfindung im Berufsleben muss es kein Dauervertrag mit einem Unternehmer sein.
Gerade hier bietet sich das frühzeitige Fördern vor Ort sehr gut an.
Das gibt es übrigens auch schon in Hamburg.
Jugendliche mit Bewerberproblemen gehen nach Barmbek in eine Fördergruppe müssen den ganzen Tag Unternehmen aus dem Netz suchen und Bewerbungen schreiben und haben einen Mitarbeiter an der Seite, der ihnen hilft oder sogar bei einem Unternehmer dabei ist, wenn es um das Vorstellungsgespräch geht und Geld erhalten sie auch nach SGB II.
Warum funktioniert es nicht richtig?
Weil die Unternehmen keine Ahnung von diesem Projekt haben und nichts von vorhandenen Ansprechpartnern wissen, die den Prozess begleiten.
Gedacht war es für eine Übergangsphase bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Jetzt ist es nur noch Beschäftigungstherapie.

Wenn ich dir hier die Varianten aufzeige die es gab oder noch gibt fällt dir bestimmt auf, dass man deinen Einkommensplatz für AN und Lehrlinge schon erfunden und umgesetzt hat.

Es geht also grundsätzlich um den Ausbau und die genaue Strukturierung des vorhanden Systems.
Es geht um die Veränderung von Gesetzen die alles ausbremsen.

CAP schrieb:
@ Antragsentwicklung
Jetzt haben wir ja wieder viel Zeit ;)

Nutzen wir die Zeit und beginnen mit der Suche nach den vorhandenen Möglichkeiten die den Einkommensplatz bilden (heutiges SGB der Bücher I bis XII) und nach den Gesetzen die eine Weiterentwicklung verhindern oder die Umsetzung nicht zulassen.
Das wäre das erste was wir machen müssen.

Im Fall der AN würde mir hier als erstes der Zwang von Ausschreibungen für Kommunen ins Auge springen, den man getrost bei städtischen Hilfs- und Zuarbeiten ausklammern könnte. Bei den 1,00 € Jobs ging es doch auch, obwohl es erniedrigend, ökonomisch- sozial schädigend und verfassungswidrig ist.

Bei den zukünftigen Azubis muss es die Außenwahrnehmung sein, die bei Unternehmen nicht ankommt oder so negative Gedankengänge auslöst, dass die Kiddis schon verloren haben bevor sie begannen sich zu bewerben, weil sie in einer soclhen Fördergruppe ware. Dieses Negativbild verliert sich, wenn jedem der Weg geebnet wird, egal ob Abi oder "heute noch" Hauptschule.




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