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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten
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- From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten
- Date: Mon, 05 Mar 2012 13:18:57 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
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"Mit bGE werden dieses Firmenbezugskosten weniger, da die Gesamtkosten der Arbeit mit Wegfallen der Belastung durch die Sozialabgaben geringer werden. Die proportionale Belastung für die Firma bleibt gleich, der reale Wert dadurch geringer. "
Ja Wegfall der Sozialabgaben wird aber auch der Lohn geringer. Dem Arbeitnehmer geht es um das Netto, dem Arbeitgeber um die Gesamtkosten. Wird das Netto des Arbeitnehmers mehr, da eine Steuer oder Abgabe wegfällt, wird neu verhandelt.
"Warum bist du der Meinung, dass BIP würde einfallen??
Meine Annahme ist, dass das BIP sich erhöht, da ein wirkliches Mehr an Kaufkraft und damit Binnennachfrage erzeugt wird, ohne die Geldmenge zu erhöhen. "
Also was wie genau passiert, ist schwer zu sagen. Wenn dem aber so wäre, würde man so etwas wenigstens in den Wirtschaftswissenschaften diskutieren. Tut man aber nicht. Die raten zu niedrigeren Steuern und Abgaben, um mehr Wachstum zu ermöglichen. Ich sag mal so: Wenn der Staat nun theoretischerweise 100% des Einkommens ein verlangen würde und gleichmäßig an alle Bürger verteilt, würde da nicht auch die Kaufkraft deiner Meinung nach steigen? Du meinst sicherlich, dass "Arme" immer 100% ihres Einkommens in den Konsum fließen lassen und Reiche nicht, oder? Du verurteilst hier das Sparen, was volkswirtschaftlich keineswegs etwas Schlechtes ist.
Kaufkraft ist nicht alles. Wenn jeder Gewinn oder jedes Einkommen gleich ausgegeben würde, klingt das erstmal ganz gut, aber von welchem Geld baut man die neue Produktionshalle? Das Unternehmen braucht dafür Geld, welches eben NICHT in den Konsum fließt. Wenn nichts hergestellt wird, kann man auch nicht kaufen. Die Kaufkraft würde sinken. Dazu finden sich weniger zu einem Vertrag, wenn die Steuer so hoch ist. Beispiel:
Du willst eine bestimmte Kamera kaufen, aber willst maximal 500€ ausgeben. Saturn will für die Kamera mind. 400€, um seine Kosten zu decken. Klar, der Preis liegt dann irgendwo dazwischen zB. bei 450€ und du und Staturn sind glücklich, oder? Jetzt setz hier mal eine 100% Umsatzsteuer ein. Nun willst du weiterhin maximal 500€ bezahlen, aber Saturn muss nun mind. 800€ verlangen, um seine Kosten decken zu können. Also kannst du die Kamera nicht kaufen, und Saturn kann die Kamera nicht verkaufen. Ihr seid beide unglücklich, also beidseitige Wohlfahrt wird verhindert.
"Das KinderbGE = 82 Mio x 20% = Anzahl der Kinder x 940 .- € = 15.416.000.000 €
hab extra nochmal nachgerechnet. "
* 12 Monate ;)
"Du hast Recht, die Staatsquote liegt dann etwa bei 70%. Ich glaube Schweden war da auch schon mal, ist also international kein Beinbruch. "
Nein, du glaubst es, ich weiß, dass es nicht so war. Auch darfst du das nicht über einen Kamm scheren. Schwedens Arbeitslosenversicherung ist privat und zeitlich begrenzt, dazu muss man einen Job annehmen, auch wenn man netto schlechter da stünde. Das hat man alles bei uns nicht. Die staatlich garantierste Sozialhilfe liegt deutlich unter unsrem Hartz4 Niveau.
"Ein Mitarbeiter mit 66 T€ Jahresgehalt, (ist ja schon was) hat eine Effektivbelastung von knapp über 40% durch das bGE, obwohl der Steuersatz schon bei 70% angelangt ist. "
Die Effektivbelastung interessiert niemandem. Das BGE gibt es frei Haus. Schau: Stellt dir vor, der Steuersatz liegt bei 100%, das BGE bei 1000€ und das Einkommen bei 1000€. Dann liegt der Steuersatz effektiv auch bei nur 0%, oder? Ist ja klasse, da lohnt sich Arbeit aber, oder?
"Ich würde zuerst mal niemanden als Blöde bezeichnen, der in einer homogenen friedlichen Gesellschaft seinen möglichen Beitrag zur Gemeinschaft trägt."
So etwas freiwillig zu machen, ist etwas anderes als gezwungenermaßen so viel abzugeben. 99% Erbschaftssteuer ist was anderes als 99% am Ende zu spenden.
"Wie und wo du 125 % gefunden hast konnte ich nicht ermitteln?"
In der Tabelle heißt es "Verrechnung"(keine Ahnung, was du damit meinst), dann in der nächsten Zeile (80% Mehrwertssteuer), was 80% der Verrechnung entspricht. Allerdings ist das ein Umsatzsteuersatz von 125%, nicht 80%.
Wenn heute etwas 100€ kostet, liegt der Umsatzsteueranteil bei knapp 16€ und nicht 19€. 84€ ist der Nettopreis, worauf 19% (0,19*84) addiert werden. Keine große Sache, ich wollts nur mal einwerfen. 125% entspricht einem Steuersatz von 80%.
"Dieser Faktor "Inflation" macht mich unsicher. Nach meinem Kenntnisstand ist bei gleichbleibender Geldmenge und Zinsen keine Inflation möglich. "
Inflation bedeutet nur Preissteigerung (inklusive Löhne). Der Leitzins der Zentralbank beeinflusst die Geldmenge. Steigt die Geldmenge, steigt die Inflation. Der Wert des Geldes bestimmt sich aus dem Verhältnis von Geldmenge zu Menge an Waren und Dienstleistungen. Über Umverteilungsprozesse wie dem BGE kann man da nicht arg viel ändern, zumindest keine gesunde Veränderung. Das ist Wunschdenken, dass ich auch ehrlich gesagt auch mal hatte.
Sorry, das mit deiner Steuerrechnerei auf Seite 11 hab ich falsch gesehen. Ich dachte du schreibst wie üblich aus, wie viel jemand mit Einkommen X an Steuern abgeben müsste. Trotzdem sind deine Zahlen falsch, da Einkommen nicht so verteilt sind, wie du rechnest.
Also es gibt wohl 975 000 Steuerpflichtige, die zwischen 0 und 2500€ steuerpflichtiges Einkommen haben, mehr nicht. Das heißt nicht, dass die alle genau 2500€ stE haben. Genau liegen 35 000 Steuerpflichtige zwischen 500 000 und 1 000 000. Das heißt nicht, dass genau 35 000 1 000 000 verdienen.
Du könntest aber Annährungen machen. Grob:
Es ist logisch anzunehmen, dass zwischen 500 000 und 600 000 mehr Steuerpflichtige liegen als zwischen 900 000 und 1 000 000. Ganz einfach weil die Zahl der Verdiener mit der Höhe des Einkommens immer weiter abnimmt.
Ich würde als Annäherung hier (x€ - y€)*1/3 nehmen. Also (1 000 000 - 500 000) * 1/3. 166 000 und das dann mal 70% * Zahl der Steuerpflichtigen.
Wobei du den Effekt der Lafferkurve mal in Betracht ziehen solltest. Liegt der Steuersatz bei 0€, nimmt der Staat logischerweise 0€ ein. Liegt der Steuersatz bei 100%, nimmt er aber auch nur 0€ ein, da niemand arbeiten würde bzw. jeder schwarz oder im Ausland arbeiten würde. Irgendwo dazwischen gibt es folglich ein Optimum. Läge dieses Optimum bei 50%, hieße das, dass die Staatseinnahmen bei 40% niedriger wären, aber bei 60% genauso niedriger.
Ebenfalls gilt die These: Senkt man den Steuersatz unter dieses Optimum, ist mehr Wachstum möglich, wodurch so in einigen Jahr der Staat genauso hohe Einnahmen erzielen könnte mit einem niedrigeren Steuersatz.
"Wer kann oder besser muss 2 Mio im Jahr ausgeben????
Und warum müssen es unbedingt mehr als 2 Mio sein? "
Das spielt keine Rolle. Was eine Rolle spielt, ist, dass man für die gleiche Arbeit in der Schweiz drei mal so viel netto bekommt bei dann sogar niedrigeren Preisen auf Waren und Dienstleistungen.
Gruß
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, (fortgesetzt)
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, sepp25, 04.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, milton2011, 04.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, Günter Weller, 05.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, milton2011, 04.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 04.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 05.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 05.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 05.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, milton2011, 05.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 07.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, milton2011, 07.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, Sir Thomas Marc, 09.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 10.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, milton2011, 11.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, porcupine87, 11.03.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten, sepp25, 04.03.2012
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