Zum Inhalt springen.
Sympa Menü

ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

Listenarchiv

Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten


Chronologisch Thread 
  • From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Maßnahmenkatalog Sozialstaat, Grundfürsorge und Lohnnebenkosten
  • Date: Wed, 07 Mar 2012 17:24:45 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


"Ich hoffe die Frage zu der Zeile "Verrechnung" konnte ich vorab klären?."
Nö, egal, ist wohl auch nicht so wichtig. Vielleicht solltest du aber nen Stern machen und in einer Fusszeile darauf hindeuten, was du meinst.

"Also bei gleichbleibendem Nettolohn für den Arbeitnehmer würde der Bruttolohn um 25% sinken und die Kosten für das Unternehmen sich fast halbieren. (Das wäre doch ein Jobmotor). "
Der Nettolohn bleibt aber nicht gleich. So würde ja nur der Unternehmer von der Steuersenkung (bitte sag mir, dass du das grad meinst) profitieren. Steuersenkungen sind immer ein Jobmotor, haben aber den Nachteil, dass soziale Wohltaten durch den Staat schlechter finanziert werden können.

"Die Extreme mit 100% Verteilung oder 0% Verteilung möchte ich nicht mitspielen."
Ich verwende die ja nur, um das Prinzip klar zu stellen. Wenn du 100% des BIP einverleibst und gleich verteilst, wird niemand mehr arbeiten wollen. Bei 80% schon noch, aber wohl nicht mehr so viele. Bei 60% sind es mehr. Bei 40% noch mehr. Und bei 20% wie heute, noch mehr. Was mir in dem Forum immer wieder auffällt, ist, dass der Anreiz zu arbeiten (bzw. Alternativen, wie Schwarzarbeit, Auswandern, nichts tun) wie die Motivation falsch eingeschätzt werden. Dazu wird rumgerechnet und plötzlich kommt dabei heraus, dass durch eine simple Umverteilung plötzlich die Löhne sinken, aber jeder mehr Einkommen hat, was ja toll sei. Aber da muss doch der gesunde Menschenverstand leuchten und sagen, dass da etwas nicht stimmen kann.

"Mit persönlichem bGE würde sich die Liquidität des Arbeitnehmer dann fast verdoppeln.
--- Wenn das kein Konjunkturprogramm ist?"

Und was ist mit der Arbeitermotivation? Es kommt nicht auf die Liquidität an, sondern wie viel man durch das Erwerbseinkommen *mehr *bekommt. Bei einer 100% Steuer, arbeitet niemand, auch wenn die Liquidität womöglich höher wäre als der Lohn. Wenn mein Bruttolohn bei 1000€ liegt, dann 100% davon wegbesteuert werden und ich 1000€ BGE bekomme, bleibt der Steuersatz bei 100% und nicht "effektiv sinds 0%". Weils so wichtig ist, nochmal:

Der Bäckergeselle verdient heute brutto 1300€, netto bleiben ihm 900€. Mit BGE und 100% Steuersatz: Brutto verdient er 1300€, davon bleiben netto 0€, aber mit BGE kommt er auf 1000€. Würdest du sagen, dass der Bäcker hier den Lohn ja auf 100€ senken könnte, und trotzdem hätte der Geselle 100e mehr im Monat. Wau, so spart der Bäcker 1200€ und der Geselle hat trotzdem mehr. Wenn das keinen Jobboom auslöst??? (ach, ich seh grad, dass ich das eh schon erklärt hab und mit den Worten "Das beweist gar nichts" abgewehrt wurde. Puh...)

Ja, die Schwedens ;) Also ich sag mal so: Sozialismus funktioniert auch gut, wenn die Bevölkerung dahinter steht. Aber bei den skandinavischen Ländern ist es so, dass die zwar ne hohe Staatsquote haben, aber eben an anderen Stellen weniger stark in den Markt eingreifen wie zB. bei Kündigungsschutz. Damit kann man wieder viel ausgleichen.

""Bis zur Beitragsbemessungsgrenze bei etwa 58% und ab der Beitragsbemessungsgrenze dann 21 - 35%. Das kann nicht gerecht sein!!!""
Auch wenn der höchste Abgabensatz bei etwa 52% für jemanden, der 6000€ brutto im Monat verdient ist, hab ich auch lange so argumentiert. Du kannst hier auch noch die GEZ-Gebühren dazurechnen. Das sind für winzige Einkommen ein hoher Prozentsatz, für ganz Hohe praktisch nichts mehr. Wenn du dann noch die Lebensmittelpreise dazurechnest, wirst du gleichenfeststellen.
Nimm mal an, die Sozialversicherungsleistungen werden unabhängig vom Staat erbracht. Naja, jemand dem netto 1000€ bleiben, zahlt in eine Rentenversicherung 200€ ein, in eine AV 50€, in eine KV 200€. Das wären 45%, jedoch sind die Preise unabhängig vom Einkommen. Genauso wie Gebühren ala GEZ. Diese Beiträge steigen linear zum Einkommen, haben aber eine Grenze. Steuern steigen progressiv und ohne Grenze.
-> Alle Preise, die unabhängig vom Lohn sind, machen bei kleineren Einkommen einen höheren Prozentsatz aus. Ob es nun ungerecht ist, dass der Döner für dich genausoviel kostet wie für Ackermann? Hm...

"Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das Volk frisst sich in Hass und Neid selbts auf, und sucht immer neue Feindbilder. Das können wir nicht wollen??"
Nein, aber ich bin fest davon überzeugt, dass man durch ein BGE da nichts ändern wird und wenn am Ende alle weniger haben, ist mir diese scheiß Schere auch egal.

"Das ist immer so extrem, wenn du etwas kritisierst. Gehts auch konstruktiv?"
ja, es macht einen Unterschied, wenn du 100€ freiwillig nach Afrika spendest und wenn ich in dein Haus einbreche, das Geld stehle und nach Afrika sende. Ersteres ist auch effizienter, denn wie will ich herausfinden, was du wie viel wohin spenden willst. Wenn ichs nach Bangaldesch sende, ist das ja was anderes.

"Daraus folgere ich, dass mein Modell keine Inflation hervorrufen würde??
Dann wäre dieses Modell ohne Risiko sofort umsetzbar!"

Inflation bedeuten steigende Preise. Nichts anderes. Da aber durch dein Modell hauptsächlich nur umverteilt wird, steigt zumindest nicht die Geldmenge. Anderwertig steigt und sinkt die Kaufkraft von vielen Menschen, was Preise va. kurzfristig ändern wird.

"Allein die Steuerfreibeträge, die in der aktuellen Steuerstatistik nicht eingebaut sind, betragen pro Pflichtigen ca 9000.- €."
Nein, der ist da schon dabei. Andere Freibeträge wie ein Freibetrag für Alleinerziehende oder Rentner, oder dass ein Teil der Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden können, sind nicht dabei. Mein Tipp: Nimm einfach das Volkseinkommen als Grundlage. Dieses teilt sich auf: Einmal in Arbeitnehmerentgelte (inklusive Lohnnebenkosten). Dann noch die Unternehmens/Kapitalvermögengewinne. Warum glaubst du, rechnen hier alle mit einem einheitlichen Steuersatz? Hauptsächlich weil man einigermaßen gut einschätzen kann, wie die Einnahmen aussehen. Nimmt man Progressionsstufen, wird es schwierig. Da kannst du dich leicht um 100Mrd. vertun...

"Schwararbeit wäre nach meinem Modell sowohl für den Arbeiter, als auch für die Firma uninteressant. Damit würde dieses Problem schon mal wegfallen. "

Ähm wenn mein Nettogehalt höher wird und der Unternehmer weniger bezahlen muss, lohnt sich das für beide Seiten sehr. Die 1500€ Grundeinkommen stehen fest, wie ein Fels in der Brandung. Ob ich da nun schwarz 1500€ oder legal 1000€ dazu verdiene, macht einen Unterschied. Und ob der Unternehmer 1500€ schwarz bezahlt, oder 2000€ legal, macht auch für ihn einen Unterschied.

"Na ja, wie lange noch. - Aber wie gesagt, "Reisende soll man nicht aufhalten". "
Also ich würde einen Ackermann eher halten wollen und auch die Unternehmern, die so einen Ackermann wollen. Sonst hauen die gleich mit ihm ab.




Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.

Seitenanfang