ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei
Listenarchiv
- From: fukami <fukami AT piratenpartei-nrw.de>
- To: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
- Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?
- Date: Sat, 10 Jul 2010 11:07:36 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
- List-id: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
Hallo Hans!
On 08.07.2010, at 17:42, Hans Brucker wrote:
> Unbefristet (in Berlin momentan 1 Jahr kein Login) heisst, du vertraust ihm
> *ohne Kenntnis darüber zu haben, was er tut*.
Ja und? Ich kann doch jemanden vertrauen, oder etwa nicht? Interessanterweise
habe ich z.B. globale Delegationen von Leuten, mit denen ich mich permanent
auf Mailinglisten bashe, schlicht aus dem Grund, weil die Personen mir
vertrauen und ich einer der wenigen bin, die ihren Arsch bewegen um in
stundenlangen Sitzungen über Pöller im Aussenstadtbereich zu diskutieren.
Dieses Vertrauen ist, aus meiner bescheidenen Sicht, eben auch eine der
Grundlagen von Politik.
> Aber was bedeutet das im Hinblick auf das Phänomen Populismus?
Ich sehe den Zusammenhang nicht. Du nennst es Populismus, ich sehe, dass mir
Vertrauen gegenüber entgegengebracht wird, weil ich einerseits meine Meinung
sage, aber andererseits auch zuzuhören kann und Argumente von politischen
Mitbewerbern gegenüber aufgeschlossen bin. Bin ich deswegen Populist?
Vielleicht bin ich aber auch mittlerweile zu sehr im realen Politikbetrieb
angelangt und habe dadurch eine vollkommen andere Sicht entwickelt. Denn wenn
ich mit den Vertretern in anderen Fraktionen in Ausschüssen oder
Arbeitskreisen rede, dann ist das einzige, mit dem ich momentan öffentlich
hinter dem Berg halte, meine massive Kritik an der Politikfähigkeit der
Piraten, weil ich ihnen nicht schaden will. Ansonsten ist nunmal in der
konkreten politischen Arbeit so wie ich sie erlebe die Diskussion die, was
das Beste für $Verwaltungseinheit bzw. dessen Bürger ist - idR ohne grosse
Rücksicht auf Parteigrenzen oder Ideologie (aber zugegeben: In der
Öffentlichkeit von Sitzungen gelten andere Regeln als einer "kleinen"
Öffentlichkeit.
> Ich denke politische Teilhabe a.k.a. Partizipation ist eine Chance, ein
> Angebot.
Genau, es ist aber auch ein Angebot, bei dem ich mir einen Vertreter suchen
kann, den ich für geeignet halte. Und meiner Erfahrung nach gibt es in den
wenigsten Fällen zu den Themen, um die es geht, jeweils wirklich "echte"
Spezialisten - mal davon abgesehen, dass ich ohnehin nicht davon überzeugt
bin, dass Systeme, die rein auf Experten ausgerichtet sind, politisch
wirklich immer bessere Ergebnisse erzielen. Aber das ist auch noch mal einen
vollkommen andere Diskussion.
> Und ein System, das Delegationen ohne Diskursteilnahme durch Anbieten
> entsprechender Funktionen fördert ist ein Partizipations-Placebo, das im
> Endeffekt die aktive Teilhabe am Diskurs verringert, weil die Teilnehmer
> von den Nichtteilnehmern sowieso überstimmt werden, und das Ergebnis sich
> aus sachlicher Sicht einem Zufallsergebnis annähert.
Auch Software wie LF ist eine Nebelkerze. Ich sehe in NRW die Beteiligung in
noch geringerem Maße als das bei Real Life MVs der Fall ist. Der einzige
Vorteil von Softwarelösungen gegenüber Treffen ist Nicht-Örtlichkeit und
Nicht-Gleichzeitigkeit - nicht mehr aber auch nicht weniger. Ob man nun
Delegationen einsetzt oder nicht ist zweitrangig aus meiner Sicht.
> Eine grosse Einschränkung hierzu: Zugangsbarrieren zu diesem Diskurs dürfen
> natürlich *in keinster Weise* existieren. Das ist dann eben wie beim
> Parteitag: Wer da ist, stimmt ab. Nur dass das 'da' in diesem Falle nur
> einen Klick entfernt ist.
Also die Software, die ich im Moment sehe, ist eine einzige Zugangsbarriere.
Wenn wir, wie in NRW, Workshops anbieten müssen, um Leuten eine Software zu
erklären, dann ist das die Antithese von Eintrittsbarriere.
Schönen Tag noch,
fukami
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, (fortgesetzt)
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Hans Brucker, 08.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Alexander Morlang, 08.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Hans Brucker, 09.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Alexander Morlang, 09.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Hans Brucker, 09.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Alexander Morlang, 12.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Hans Brucker, 12.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Andena, 08.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Alex Morlang, 08.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Andena, 08.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, fukami, 10.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, bvdb_pp, 10.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Hans Brucker, 13.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, bvdb_pp, 08.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Hans Brucker, 05.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, Andena, 05.07.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wozu Delegationen?, rka, 05.07.2010
- [AG Liquid Democracy] Kommunikative Delegierung / was: Wozu Delegationen?, bvdb_pp, 08.07.2010
Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.