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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?


Chronologisch Thread 
  • From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?
  • Date: Mon, 07 May 2012 17:04:06 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Das Problem ist nach Ansicht der Österreicher nicht die, dass mit relativ viel Fremdkapital gearbeitet wird, sondern mit zusätzlichem Kapital, was nicht 1:1 echtem Ersparten entspricht. Also kurz gesagt geht die Theorie so, wie es sein sollte:
Es ist gegeben, dass ein Teil des Einkommens in den Konsum fließt, der andere Teil gespart/investiert wird (was dasselbe ist). Der Marktzins setzt sich aus diesem Angebot des Ersparten und einer Nachfrage zusammen. Ändert sich die Zeitpräferenz, und wird mehr gespart, sinken die Zinsen, wodurch mehr Kredite nachgefragt werden. Bei niedrigeren Zinsen werden grundsätzlich langfristige Investitionen durchführbar (Investition in Kapitalgüter). Der Sparer sagt hier "Ich kann warten, habe heute weniger, dafür in der Zukunft um so mehr". Der Investor, der sich eben dieses Geld leiht, hat dieselbe Präferenz, wenn er in diese Kapitalgüter investiert, die sich eben erst in ferner Zukunft amortisieren. Die gesamtwirtschaftliche Präferenz der Sparer und der Investoren (die mit dem Kapital der Sparer arbeiten) ist gleich. Wenn nun mehr in Kapitalgüter investiert wird (als Beispiel mal Forschung, Immobilienbau etc.), bedarf es dazu mehr Ressourcen (Materialien, Arbeitskräfte etc.), wodurch die Preise steigen. Da aber ein höherer Investitionsgrad im Bereich Kapitalgüter vorausetzt, dass die Zinsen niedriger sind, was voraussetzt, dass mehr gespart wird, was voraussetzt, dass weniger in den Konsum fließt (zB. Kino, Restaurant), sinkt die Nachfrage nach Konsumgütern, wodurch dort Preise fallen. Das kann sagen, dass die Trucks, die vorher für die Konsumgüterproduktion transportiert haben nun frei werden, um für die Kapitalgüterproduktion zu transportieren. Alles passt. Ändert sich die Zeitpräferenz der Sparer wieder, so dass sie wieder mehr konsumieren, steigt der Zins und Ressourcen werden wieder vom Kapitalgüterbereich zum Konsumgüterbereich tranformiert. Die Präferenz ändert sich ja nur langsam.
Was passiert aber nun, wenn der Zins niedriger liegt, sei es durch Kreditexpansion der Zentralbanken (zB. niedriger Leitzins), sei es durch Geschäftsbanken (Teilreserve), da das Angebot an Kapital höher ist? Die Sparer wollen noch genauso viel konsumieren, jedoch wird mehr im Kapitalgüterbreich investiert. Die Nachfrage insgesamt nach den knappen Ressourcen steigt, wodurch Preise steigen (Löhne, Verbraucherpreise) und und es sieht nach einem normalen Wirtschaftswachstum aus. Die Trucks werden zB. nun an zwei Ecken gebraucht, also werden sie teurer. Nun steigen die Preise als höher als erwartet und langfristige Investitionen stellen sich als nicht profitabel heraus. Zeitgleich stellen die Sparer fest, dass sie ihre Zeitpräferenz nicht erreicht haben (sie können sich aufgrund höherer Preise weniger kaufen), wodurch diese noch weniger sparen und noch mehr konsumieren. So kommt es irgendwann zu einem Crash.

Ich persönlich halte diese Theorie für stichhaltig. Geld wird hier als reale Ressource betrachtet, was sie auch ist. Geld ist nur ein Medium des direkten Tausches. Bei jedem Projekt, für das man sich Geld leiht, wird dieses Geld in reale Ressourcen wie Arbeitskraft, Öl, etc umgewandet.

er Collateral wird verwertet (sprich verkauft)
Was meinst du hier mit Collateral und warum wird er verkauft? Dann kann ich erst darauf eingehen.

Hier die "Reinigung" zu verlangen überschiesst das Ziel total, kreiert
unnötige Staats-/Banken-/Unternehmenspleiten und damit extreme soziale
Probleme.
Kurzfristig tut es sehr weh. Wie ein Drogenentzug. Langfristig wird man besser dran sein. Wenn der nächste Bust kommt und die Staaten nicht mehr so viel Spielraum für Schulden haben, werden wir sehen. Selbst wenn man heute erkennt, dass niedrige Zinsen zu Blasen führen und man das Zinsniveau erhöhen könnte, wäre das unmöglich, da die Staaten heute viel zu überschuldet sind. Die würden dann alle umfallen. Noch mehr Schulden verringern das Problem nicht.

Es bedarf hier kurzfristig eines "Lenders of Last Resort"
Durch diese Notenbank kann die Teilreserve ja erst so niedrig gehalten werden, wodurch wiederum die Zinsen sind. Das schlimmste, was einer Bank passieren kann, ist, dass sie kurzfristig illiquide werden, auch wenn es nur ein paar Kunden betrifft und auch nur 5min. Da aber über Nacht bei der Zentralbank was geliehen werden kann, kann man die Barreserve so niedrig halten.




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