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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier


Chronologisch Thread 
  • From: TheAlien <TheAlien AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier
  • Date: Thu, 24 Nov 2011 11:14:14 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Vorab: Ich gebe zu, dass ich mich (noch) nicht durch den ganzen Thread durchgearbeitet habe. Kann also sein, dass ich Punkte nochmal anspreche, die bereits angesprochen wurden.

Was mir soweit (nicht nur hier sondern auch in der öffentlichen Diskussion) aufgefallen ist, ist Folgendes:

Die Diskussion über den Mindestlohn wird so geführt, als wäre sie entweder ein Allheilmittel oder der Untergang unseres Wirtschaftssystems. Weder das eine noch das andere ist richtig. Notwendig - in meinen Augen - ist eine grundlegende Veränderung unseres gesamten Systems, bei der ein gesetzlicher Mindestlohn nur eine der notwendigen Veränderungen darstellt.

Fakt ist, dass unsere Sozialkassen kurz vor dem Kollaps stehen. Als Allheilmittel der etablierten Politiker und Parteien gilt es zu sparen. Damit wird aber nur am Symptom herum gedoktert, statt dass die Krankheit kuriert wird.

Warum sind die Kassen denn leer? Weil immer weniger Menschen immer weniger einzahlen und immer mehr Leistungen beziehen (müssen!). Schröders "Arbeitsmarktreformen" (Ich schlage vor, dass Wort "Reform" zum Unwort des Jahrhunderts auszurufen) und anderer politischer "Bildzeitungsaktionismus", aber auch Entwicklungen wie die Wiedervereinigung (mit der heißen Nadel gestrickt) oder die wirtschaftliche Globalisierung, tragen die Verantwortung für die Situation in der sich unsere Sozialkassen heute befinden.

Im Einzelnen sehe ich es so:

Durch die Einführung der 400€-Job's wurden zahlreiche Vollzeitarbeitsplätze - Beispiel Einzelhandel - vernichtet. Als Folge daraus zahlen die Arbeitgeber nur marginale Anteile an die SV's, wo zuvor volle Anteile von AN und AG bezahlt wurden.
Durch das "Outsourcing" in "Beschäftigungsgesellschaften" mit niedrigeren Löhnen, die immer mehr um sich greifende Nutzung von Zeitarbeit - ebenfalls mit niedrigeren Löhnen und entsprechend niedrigeren SV-Beiträgen - und das Einfrieren des AG-Anteils bei der KV sind die Einnahmen drastisch gesunken.
Von Arbeitgebern gegründete und finanzierte "Gewerkschaften" (Beispiel GÖD, CGW) unterlaufen durch ihre "Tarifverträge" bisher bestehende Tarifregelungen.

Dem stehen gegenüber die zusätzlichen Rentner der beigetreten Bundesländer, Massenarbeitslosigkeit und "Nullrunden" bzw. Lohnkürzungen und eine ständig steigende Inflation.

Der Mindestlohn ist in diesem Zusammenhang nur ein Instrument, die Probleme zu lösen. Ein gesetzlicher Mindestlohn schafft zumindest eine Basis damit Arbeitnehmer von einem Vollzeitarbeitsplatz auch wieder normal leben können, ohne auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein _und_ hebt deutlich die Einnahmen der SV.
Gleichzeitig müssen aber auch derzeit bestehende gesetzliche Regelungen so verändert werden, dass effektiv voll sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen und die bestehenden Umgehungsmöglichkeiten für die Arbeitgeber soweit wie möglich ausgeschaltet werden. (z.B. die Beschränkung von 400€-Stellen auf den Privatbereich oder Kleinbetriebe und der Zwang zur branchentariflichen Zahlung für Zeitarbeitsfirmen).

Die Argumentation, ein Mindestlohn würde Arbeitsplätze vernichten, weil der Unternehmer die entsprechenden Gewinne nicht erwirtschaften kann und deswegen Stellen abbauen müßte, greift nicht - zumindest nicht was den Inlandsmarkt angeht, der für den Arbeitsmarkt am wichtigsten ist (Was mit einer Wirtschaft passiert, die fast ausschließlich auf Export ausgerichtet ist, zeigen die jüngsten Beispiele). Lohndumping kann nur bestehen, wenn Unternehmen die Möglichkeit haben, Mitbewerber zu unterbieten. Dann entsteht eine Abwärtsspirale, die die ganze Wirtschaft und auch das Sozialwesen betrifft. Ein branchenübergreifender gesetzlicher Mindestlohn setzt aber eine Grenze dafür, in wieweit ein Unternehmen die Konkurrenz unterbieten kann, wirkt also genau dieser Abwärtsspirale entgegen.

Ziel der sozialen Marktwirtschaft muß es wieder werden, dass _ein_ Einkommen in einer Familie auch wirklich ausreicht, um die Familie zu unterhalten. Ein gesetzlicher Mindestlohn ist nur eines der Werkzeuge - aber ein wichtiges!

MfG TheAlien




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