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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - VersuchKonsensfindung und Positionspapier
Chronologisch Thread
- From: Alexander Neißendorfer <alex AT neissendorfer.com>
- To: <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - VersuchKonsensfindung und Positionspapier
- Date: Sun, 20 Nov 2011 19:28:21 +0100
- Importance: Normal
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
Ahoi zusammen,
also ich überlege mal laut...
Wenn ein Unternehmer "Billiglöhne" bezahlt und dadurch günstigere Produkte anbieten kann, stockt der Staat das Einkommen des Arbeitnehmers auf. Das bedeutet aber doch, dass der Staat somit letztlich nicht den Arbeitnehmer unterstützt sondern eigentlich den Erwerber des günstigen Produkts, der einen höheren Preis zahlen müsste, wenn das Unternehmen seinen Arbeitnehmern "faire" (höhere) Löhne zahlen würde. Die höheren Preise durchzusetzen wäre hingegen wieder Aufgabe des Arbeitgebers, genauso wie bei anderen Steigerungen der Produktionskosten (z.B. Rohstoffe). Also nix Neues oder Ungewöhnliches.
Nun stellt sich doch die Frage, wieso die Allgemeinheit in Form der Staatskasse beispielsweise meinen Haarschnitt subventionierten soll. Oder meine Pizza vom Lieferservice (hier kenne ich einen konkreten Fall mit 3,- Euro Stundenlohn zzgl. Trinkgeld). Da sehe ich grundsätzlich keine Notwendigkeit, hierfür Steuergelder auszugeben.
Ich glaube man müsste wirklich erstmal klären, bei welchen Branchen (wohl ohne Tarifvertrag) so ein ML überhaupt Auswirkungen hätte. Da gibt es bestimmt schon eine Liste, die mir allerdings nicht bekannt ist. Der Friseur ist ja immer nur das gern zitierte Paradebeispiel...
Insofern halte ich "faire Löhne von denen man bei einer 40-Stunden-Arbeitswoche leben kann" erstrebenswert, um keine Fehlsubvention zu betreiben. Auch die Berücksichtigung von regionalen Unterschieden erscheint m.E. logisch, da die Lebenshaltungskosten in Deutschland sehr unterschiedlich sind und der Abstand zu Hartz4 gewahrt bleiben muss (wir vermieten eine Münchner Wohnung an ein arbeitsloses Pärchen, das die Miete von 700 Euro warm "vom Staat" erhält, während andernorts die Miete vielleicht nur 400 Euro beträgt - diese 300 Euro Differenz müsste sich m.E. auch beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt und somit dem regionalen ML wiederfinden).
Dass bei höheren Preisen die Schwarzarbeit attraktiver wird ist klar, allerdings sind Mehrwertsteuer und Sozialabgaben hierfür sicherlich die bedeutsameren Faktoren - und an diesen Themen arbeiten wir Piraten ja ohnehin, um eine sinnvollere Lösung zu finden. Auch behaupte ich einfach mal, dass es eine gewisse Hemmschwelle zur Kriminalität gibt. Ich behaupte außerdem, dass dadurch auch Teile der "Schwarzarbeit" bekämpft werden würde, da die Notwendigkeit und die Bereitschaft zur Gabe von Trinkgeldern eher reduziert wäre. Und mal ehrlich: Wer gibt schon seine tatsächlich erhaltenen Trinkgelder bei der Steuererklärung an? Stattdessen würde dieser Geldstrom tendenziell über die Löhne "offiziell" werden.
Dass durch den ML z.B. kleinere Gastronomiebetriebe an preissensiblen Standorten schließen müssten halte ich nicht für unwahrscheinlich. Allerdings stellt sich dann trotzdem die Frage, ob es erstrebenswert ist, solche Unternehmen durch Billiglöhne am Leben zu erhalten. Das erinnert mich ein wenig an den Kohlepfennig... Wäre es nicht volkswirtschaftlich sinnvoller, im Anbetracht des befürchteten Fachkräftemangels die Menschen zu qualifizieren und höher bezahlten Arbeiten zuzuführen anstatt sie als Billiglöhner auf niedrigstem Niveau durchs Leben zerren?
So, jetzt bin ich durch! Vielleicht war ja was Kluges dabei! :)
Eine schöne neue Woche euch allen!
Alex
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From: "Andena" <andena AT versanet.de>
Sent: Sunday, November 20, 2011 11:23 AM
To: <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - VersuchKonsensfindung und Positionspapier
Von: "aloa5" <piratenpartei AT t-online.de>
Solche Betriebe sind ggfs. an Verträge mit Preisen gebunden und stehen in Konkurrenz zueinander. Man kann also nicht ohne weiteres die Löhne ändern, denn dann müsste man die Preise ändern - was aber an den Gegebenheiten scheitert. Man bekommt ja nicht mehr Geld für die Milch oder mehr Geld vom Autobauer.
Schlaue Unternehmer haben in ihren längerfristigen Verträgen immer einen Passus drin, der besagt, dass bei Änderungen von zBsp gesetzlicher Basis Preisänderungen möglich sind bzw es ist für solche Fälle ein Sonderkündigungrecht vertraglich vorgesehen.
Die Auftraggeber sind im Tariflohn-Bereich, optisch fein heraus und haben ja ggfs. exakt aus dem Grunde Teilbereiche ausgelagert. Wer von den Auftragnehmern den Preis zuerst verändert oder verändern möchte hat ein Problem, gleich ob Milchbauer, Autozulieferer, Pflegeanstalt (Kassen/DRV-Bund sind Auftraggeber) oder Reinigungsdienstleister.
Das wäre dann ein gutes Argument für einen politischen Mindestlohn, denn dann sind alle gleichzeitig "betroffen" und es gibt keine Wettbewerbsverzerrungen durch Dumpinglöhne mehr.
Gruß, Andena
--
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