ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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- From: "CAP (Christian)" <CAP AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Realisierung des BGE
- Date: Sun, 20 Nov 2011 15:57:47 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
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Hallo Otmar
@ A) Heckscher-Ohlin
Verwerfungen kannst Du damit m.E. nicht darstellen. Du kannst nur Veränderungen in den Tauschpunkten begründen. Und mit der Veränderung sind Anpassungsprozesse notwendig. Und mit den Anpassungsprozessen kommt die Funktionsfähigkeit (Dynamik) des Marktes ins Spiel.
@ A) Branchen
s.o.
@ A) Lohnunterschiede
Da hast Du in der Wiki eine Theorie der Konsumgrenzen aufgestellt, die ich absolut nicht stützen würde. Wenn man mal in die Luxussegmente hinein schaut, erlebt man schnell, dass dort Detailnutzen zu unglaublichen Preisen produziert wird (Bsp. Yacht, die mit 20 Mann Crew 365 Tage im Jahr bereit ist, den Chef zu empfangen und der vielleicht 4 mal im Jahr kommt)
@ B) Kapitalbedarf
Grundsätzlich sind ja alle Produktionsfaktoren knapp. Und wenn sie knapp sind, werden die besten Verwendungen heraus gesucht. Und wenn der Markt nicht funktioniert, finden die Faktoren in der besten Verwendung nicht zusammen. Und schon haben wir das Problem. Aber irgendwelche Kombinationen werden sich immer finden, aber schon da mögen falsche Anreize das Zusammenkommen behindern.
@ C) Das sind natürliche Marktzugangshürden. Aber gerade in einer Volkswirtschaft sind sie im Rahmen der Lebensplanung nur recht schwach. Wenn der Markt funktioniert, dann schlagen alle im richtigen Verhältnis die Berufswege ein. Aber auch da sind wir wieder beim Markt und seiner Informationstransparenz. Naja und bei den Ausbildungskosten -und Zeiten, die die wechselhürden darstellen. Aber das Wissen ist da und erlernen kann das fast jeder, der hier wohnt.
z.B. die Fähigkeit Autos zu bauen in Deutschland, aber nicht in Griechenland existiert. Aber innerhalb einer Volkswirtschaft sehe ich die Begründung nicht.Das mag über die Volkswirtschaften hinweg durchaus ein Thema sein, da
@ Perfekter Markt
Es macht nicht wirklich viel Sinn, erst bei den Theorien zu suchen, wenn deren Annahmen nicht realistisch sind. Da macht es doch viel mehr Sinn, ersteinmal zu schauen, was den realen MArkt vom perfekten Markt unterscheidet. Dann kann man das vielleicht näher zusammenbringen und damit die Wirkung der in der VWL bestehenden Theorien erst ermöglichen.
@ Rendite
Du bringst da was durcheinander. Wenn Du 2% Wachstum und 10% Aktienrendite als nicht zusammenpassend beschreibst, dann übersiehst Du, dass Rendite nicht nur durch Wachstum sondern auch durch Knappheit getrieben wird. Erst wenn Wachstum nachhaltig aus bleibt, wird Kapital weniger knapp und die Rendite sinkt damit.
@ Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung
Das stimmt nur begrenzt. Arbeitslosigkeit resultiert ja auch aus der Dauer der realen Transferprozesse und wenn Du, wie aktuell, einfach eine sehr verdüsterte Perspektive hast, dann investieren die Leute auch nicht und damit dehnen sich die Prozesse. Und damit hast Du Dein Konjunkturproblem. Gleichgewicht würde ich das nicht nennen. Denn es veränderte sich immer.
"…Märkte und Preise trugen den Risiken der Investitionen nicht angemessen Rechnung. Dass beispielsweise die Schuldtitel verschiedener Mitgliedstaaten nicht alle dieselbe Bonität hatten, war seit längerem absehbar…."Nicht unbedingt. Es mag an der fehlenden Informationstransparenz gelegen haben oder aber die Anleger waren tatsächlich so ausgefuchst und haben erkannt, dass es, solange es keine Regeln für die Staatsinsolvenz und auch keine wirkliche Risikotragfähigkeit im Finanzesektor gibt, da auch kein echtes Ausfallsrisiko gibt.
Toll, nicht? Marktversagen! Da rauscht es im neoklassisch/liberalen Karton. Da helfen Aussagen das man Geld nicht essen kann und das man das ja vorhersehen hätte können nur bedingt weiter. Das nächste Mal geschieht es nämlich deswegen trotzdem wieder.
Und so helfen Deine Annahmen das auf einem idealen Markt Kapitalhürden keine nachhaltige über die maximal mögliche Wertschöpfung den Lohn multiplizierende Wirkung entfalten nicht weiter. Deswegen ist es trotzdem der Fall - auch wenn hinterher ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung besteht und das ganze in sich zusammenfallen müsste. Macht es ja auch - auf nationaler Ebene (arm/reich) wie auf internationaler Ebene (Handelsbilanzen; also auch arm/reich) durch Kredit-Krisen.Das kann ich gerade nicht nachvollziehen.
International kannst Du das noch etwas eingrenzen wenn Du Deine Währungsanpassungen nimmst. National geht das ob der einheitlichen Währung dann nicht mehr (Ost/West; arm/reich; auch in der Euro-Zone nicht). Grundsätzliche idealtypische Annahmen welche nur in der Theorie existieren markieren also niemals Lösungen sondern sind lediglich Vergleichsbausteine für die Abweichungsanalyse.Da gebe ich Dir recht, soweit ich Dich hier verstehe. Innerhalb eines Währungsraums sind lokale Anpassungen immer schwerer, weil dafür entweder lokale Differenzierungen oder Faktorbewegungen möglich sein müssen. Und bei beiden kann die erfolgreiche Anpassung durch die Zwänge zu hoher Verschuldung noch schwerer oder gar unmöglich gemacht werden.
Und mit Deinem letzten Satz sagst Du doch genau das, was ich die ganze Zeit sage ;) Wir müssen Abweichungsanalyse betreiben !!!
LG
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Realisierung des BGE, CAP (Christian), 20.11.2011
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