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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier


Chronologisch Thread 
  • From: Jesper Portus <Jesper+Portus AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier
  • Date: Thu, 17 Nov 2011 08:12:41 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Ich hab hier die ersten Seiten alles gelesen, danach eher überflogen. Am Ende kamen Punkte zum Mindestlohn zur Sprache, die mich diesen Befürworten lassen. Aber mal von Anfang an:

Jeder Mensch sollte würdig leben können.
Den Standard dafür kann die Gesellschaft festlegen.
Die Gesellschaft sollte solidarisch sein.
D.h. auch, jeder soll nach seinen Möglichkeiten zur Gesellschaft beitragen.
Der Staat bekommt zur Durchsetzung der Solidarität genau definierte Befugnisse.
Die Gesellschaft muss den Staat kontrollieren können. (Transparenz, Bürgerbeteiligung, /Piraterie/ ;-) )

Wir brauchen also zunächst eine Festlegung eines Lebensmindeststandards. Daraus leitet sich ab, was jeder an Mitteln (Einkommen) zur Verfügung haben muss. Da die Gesellschaft solidarisch sein soll, muss er dass nicht alleine erwirtschaften, wenn er aus der Solidargemeinschaft Hilfen erhalten kann.
Da jeder Mithelfen soll, gibtb es eine Unterscheidung in Bürger, die dies können, und denen, die das nicht können. (Kranke, Kinder, z.T. Behinderte, etc.)

Hinter Mindestlohn steckt die Idee, dass die Bürger, die was zur Gesellschaft beitragen (arbeiten), keine Mittel aus der Solidargemeinschaft in Anspruch nehmen sollen. Das ist ein rein ideologischer Wunsch. Er hat mit Solidarität, Würde des Menschen etc. überhaupt nichts zu tun. Es geht rein um die Frage, wie verteilt wird. Ohne ML kann es sein, dass aufgestockt werden muss. Mit ML kann es sein, dass die Gesellschaft weniger "Überschüsse" aus den Solidaritätsbeiträgen der Mitglieder zum Verteilen hat - aber ja auch weniger verteilen muss. Gretchenfrage. Kann keiner beantworten, bzw. besser gesagt, die Auswikrungen hängen von der Höhe des ML ab. Bewegt er sich tatsächlich in Bereichen der Sicherung des Mindestlebensstandarads, dann dürfte es wirklich eine Gretchenfrage sein. Ist er zu niedrig, passiert nichts außer Bürokratisierung. Ist er zu hoch, schadet er unserer Gesellschaft, die im Wettbewerb mit der Welt steht, da ein zu hoher wirtschaftlich nicht erzielbarer Lebensstandard zwanghaft erreicht wird (siehe Griechenland, ging da nur mit Schulden...).

Bewegt sich der ML also im Bereich der Mindestlebenssicherung hat er mMn nur folgende Auswirkungen:

1.) Evtl. mehr Bürokratie, wegen neuen Regeln. Muss aber nicht sein. Kann je nach Umsetzung evtl. sogar Bürokratie abschaffen, wenn andere Instrumente zur Verteilung vereinfacht werden / wegfallen können.
2.) Besseres "Gefühl" für die Arbeitenden, da sie keine "Hilfen" benötigen. Das ist durchaus wichtig. Selbstwertgefühl ist höher. Und wer das alleine schon nicht für sinnvoll und erstrebenswert hält: Es dürfte auch die Motivation und damit die Produktivität steigern.
3.) Kontrolle ist effektiver. Derzeit wird die Einhaltung von Tariflöhnen nicht effektiv kontrolliert. Wo kein Tarifvertrag vorliegt, greift nur der Markt. Hier ist die Marktmacht der AN idR niedriger, als die der besser organisierten AG. Entweder die AN organisieren sich (Tarifverträge) oder sie laufen Gefahr, ausgebeutet zu werden (muss nicht sein). Dann brauchen Sie Hilfen von der Gesellschaf.t Zurück zu Tariflöhnen: Es ist oft der Fall, dass Arbeiter zu niedrig eingestuft werden. Dagen kann sich nur der Einzelne wehren - und nicht jeder geht zum Anwalt. Mindestlöhne werden vom Zoll kontrolliert und Nichteinhaltung ist der Straftatbestand der Schwarzarbeit. Da kommen Zöllern mit Waffen im Holster in den Betrieb. DAS WIRKT!

D.h. Mindestlöhne habe im moderaten Bereich mMn den Effekt, dass schwarze Schafe es schwerer haben.

Aber: Ein Mindestlohn der für Ost und West und alle gilt, wäre wohl so niedrig, dass er in 90% der Berufe keine Auswirkung hätte. Da bräuchte es noch Berufs- bzw. Branchenbezogene Mindestlöhne - was es ja schon sehr lange gibt.

Fazit: Wegen 2) und 3) würde ich einen Mindestlohn von 7,- € (Höhe diskutierbar) foordern. Dazu unbedingt je nach Branche Aufschläge. Das können die Branchen aber unter sich Regeln. In Branchen, für die die 7,- € ML wirtschaftlich nicht tragbar währen, muss je nach Einzelfall unrtersucht werden, warum dem so ist. Falls es der Solidargemeinschaft nützt, muss evtl. diese Branche gezielt unterstützt werden.

Mal zwei Beispiele:
Gastronomie: ML würde hier, wenn nicht Entlassen werden soll, höhere Preise bedeuten. Da diev Gastronomie in Konkurrenz zum Selbstversorgen steht wird angenommen, dass weniger Kunden kommen. Wenn diese aber durch ML und Branchenzuschläge mehr Geld hätten, dann wäre dem wohl nicht so. Gerade bei Familienbetrieben kan die Gesellschaft aber hier auch anderweitig eingreifen. Diese Betriebe müssten dann weniger Steuern zahlen, da sie über die ML jetzt mehr zur LSt und SV beitragen.
Friseure: ML bedeutet, alle Friseuere werden teuerer. Hier dürfte bei Friseurkunden die Gefahr der "Selbstversorgung" gering sein. Damit steigen die Preise und werden auch bezahlt. Gibt es ja nirgends mehr billiger.

Soviel mal in einer Stunde "erdacht". Bin auf die weitere Diskussion gespannt. :)




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