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ag-geldordnung-und-finanzpolitik - Re: [AG-GOuFP] Wissenschaftliche Quellen zu Geld

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Betreff: Kommunikationsmedium der bundesweiten AG Geldordnung und Finanzpolitik

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Re: [AG-GOuFP] Wissenschaftliche Quellen zu Geld


Chronologisch Thread 
  • From: Sebastian Alscher <sebastian.alscher AT piratenpartei-hessen.de>
  • To: Arne Pfeilsticker <arne.pfeilsticker AT piratenpartei-hessen.de>, ag-geldordnung-und-finanzpolitik AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [AG-GOuFP] Wissenschaftliche Quellen zu Geld
  • Date: Sun, 7 May 2017 11:03:54 +0200

Ich war selber kein Fondsmanager, aber Fonds waren meine Kunden, und ich habe Fonds strukturiert. (OGAW, AIF)
Wir können ja mal überlegen, ob/wann wir einen Mumble machen, um darüber zu sprechen, wenn Interesse besteht. Dazu könnte ich ein wenig über Fonds erzählen (wenn es etwas weniger hektisch ist), vielleicht kann ich ja auch einen Fondsmanager dazuholen. 

Was verstehst du unter dem Stimmrecht „am Fonds selbst“?

Es gibt verschiedene Vermögensverwaltungsmodelle, dass man einen Fondsmanager einschaltet ist eins. Dazu hat er natürlich Freiheiten, was er selbst in seinem Fonds kauft, aber die Kapitalflüsse sind im Fonds Prospectus ziemlich klar geregelt.
Für einen Fonds brauchst Du neben einem oder mehreren Investoren eine Depotbank, jemanden, der die Bewertungen macht und einen Manager. Diese Rollen, insbesondere Bewertung und Verwahrung, werden oft von einer Gesellschaft übernommen, muss aber nicht. Fonds-Manager kann so gut wie jeder sein - du kannst ein Komitee bestimmen, oder eine Person. Der Manager wie auch Verwahrstelle und Bewerter wollen in der Regel bezahlt werden - wie er bezahlt wird, dass kann der Eigentümer/Investor des Fonds auch bestimmen. Also ob es eine feste monatliche Zahlung gibt, oder Performance-abhängig, oder in Abhängigkeit des verwalteten Vermögens. 
Wenn eine Gesellschaft einen Fonds selbst auflegt und den für öffentliche Investoren anbietet, dann besteht der Fonds, und diese anfänglichen Entscheidungen sind ja schon gelaufen. Aber zur Genehmigung durch die BaFin sind all diese Details im Prospekt hinterlegt worden, genauso wie die Investment-Vorschriften. 

Wer in einen Fonds investiert, dem ist sein Geld entweder wichtig oder unwichtig. in letzterem Fall verlässt er sich dann vielleicht lediglich auf den Namen der Investmentgesellschaft oder des Fondsmanagers. Falls es ihm wichtig ist, dann schaut er sich an, wem er sein Geld gibt, und wohin/wofür... Dazu gehört auch, wie das Geld verteilt wird und sonstige Details im Prospekt.

Und so zu der Frage wieviel Geld bei dem Fondsmanager hängenbleibt und wieviel bei den Kapitalanlegern:  
Das Geld, was die Investoren einzahlen, geht zur Depotbank. Der Manager kann dann die Depotbank anweisen, bestimmte Investments einzugehen, die im Rahmen der Richtlinien sind. Die Bewertungsstelle liefert der Depotbank immer wieder die Infos über die Preise, Sektoren etc, damit die Depotbank das gegenprüft. Der Fondsmanager sollte diese Infos ohnehin selber haben. Wie fliesst nun das Geld? Je nach vereinbarter Abrechnungsperiode entnimmt die Depotbank aus den Geldbeständen der Fonds die Knete für die eigenen Dienste und die für den Fondsmanager (ich habe jetzt einfach mal das, was du als „Emittenten“ bezeichnest als Fondsgesellschaft interpretiert). Der Rest bleibt im Sondervermögen und damit bei den Investoren. 

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32009L0065
https://www.dws.de/assetdownload.ashx?assetGuid=55fba077-e06b-488d-acfd-ca1407a1809d&publishLocationGuid=2057b648-955b-42d4-8dd6-80d84e3261fd 


Dann schreibst du über Derivate in der Finanzkrise, und schmeisst auch viele Sachen in einen Topf, die nichts miteinander zu tun haben. Derivate, Zweckgesellschaften, Fonds… da ich da ja auch eher dicht dran war, würde ich dazu einen weiteren Mumble empfehlen. Denn das wird per email zu lang, schätze ich mal (wenn ich da anfange zu erzählen…. ;) )

einen schönen Sonntag,


Seb

Am 7. Mai 2017 um 01:30:09, Arne Pfeilsticker (arne.pfeilsticker AT piratenpartei-hessen.de) schrieb:


Am 06.05.2017 um 23:17 schrieb Sebastian Alscher <sebastian.alscher AT piratenpartei-hessen.de>:

Hast du mal mit jemandem gesprochen, der einen Fonds verwaltet, um Dir da einen Eindruck zu verschaffen, wie das in der Regel so ist? Oder vergleichst du in dem Fall nur die Einträge in der Tabelle?

Hallo Seb,
ich habe bei Banken und Versicherungen Software zur Vermögensverwaltung entwickelt und da war die Verwaltung von Fonds mit dabei.

Aber wenn du selbst Fondsmanager bist oder gute Kontakte zu Fondsmanager hast, dann bin ich gerne bereit dazuzulernen.


Natürlich hat ein Aktieninvestment, was man in einem Sondervermögen bündelt (und das dann anteilig an die Fonds-Investoren ausgibt) Aktiencharakter vergleichbar mit einem direkten Eigenkapitalinvestment.

Es geht mir bei meinem Vergleich nicht um das Stimmrecht aus dem Aktieninvestment des Fonds, sondern um das Stimmrecht am Fond selbst. 

Weil Du aber - wenn du 1000 EUR in einen diversifizierten Fonds investiert - unter Umständen nicht einmal eine einzelne Aktie hältst, hast du für dieses Unternehmen kein Stimmrecht. Der gesamte Fonds dann aber schon. 

Wie gesagt, ist das nicht das was ich gemeint habe.

Wenn man also Wert darauf legt, mitzubestimmen, kauft man sich besser eine Aktie. Ansonsten ist das genau die Leistung, für die du den Fondsmanager bezahlst, nämlich das Management deines Vermögens.

Richtig. - Auf was du ansprichst ist m.E. der idealtypische Fall, den ich in der Praxis so nicht erkennen kann. Die Derivate, die zur Finanzkrise 2007/2008 geführt haben sind hierfür ein Beispiel. Auch hier sollten die Manager der Zweckgesellschaften im Sinne der Kapitalanleger fungieren, aber tatsächlich war das ganze Spiel ein groß angelegter Betrug. 

Du WILLST, dass er Entscheidungen trifft.

Auch in einer Aktiengesellschaft treffen die Aktionäre nicht die Entscheidungen des Tagesgeschäfts, sondern der Vorstand, aber die Aktionäre habe über die Hauptversammlung gewissen Beteiligungsrechte.

Sonst kannst du das ja auch gleich selbst machen. 

Ein Fonds dient daher in der Regel genau dieser Komplexitätsreduktion - weil man nicht sein eigenes Portfolioinvestment zusammenstückeln möchte.  

Das ist der gute Absicht. - Hast du konkrete Zahlen über einen längeren Zeitraum, die darüber Auskunft geben, wieviel Geld bei den Fondsmanagern und Emittenten einerseits und wieviel bei den Kapitalanlegern andererseits hängen geblieben ist.

Gruß
Arne

Darüber hinaus kannst du natürlich auch einen Anleihenfonds kaufen, da wirst der Fondsmanager eher selten Themen mit seinen Unternehme zu besprechen haben, bei denen du Angst haben könntest, dass er an Dir vorbei entscheidet.



Am 6. Mai 2017 um 23:02:40, Arne Pfeilsticker (arne.pfeilsticker AT piratenpartei-hessen.de) schrieb:


Am 06.05.2017 um 19:22 schrieb Sebastian Alscher <sebastian.alscher AT piratenpartei-hessen.de>:

Hi Arne!

Was genau meinst du damit, dass Fonds-Verwalter auf Risiko der Anteilseigner spekulieren? 

Hallo Seb,
wenn man Eigenkapital mit Fondsanteilen vergleicht, dann stellt man fest, dass Fondsanteile eine Art Eigenkapital ohne Mitspracherecht ist.




Sie sind ja treuhänderisch tätig - für das Sondervermögen, das den Anteilseignern gehört.

„treuhänderisch“ ist die Verbrämung der Tatsache, dass der Treuhänder allein die Entscheidung über die Geldanlage trifft und seinen Gewinnanteil sichert er sich über die Verwaltergebühr unabhängig vom Erfolg.

Das ist genau der Sinn und Zweck von Fonds!! Du hast ein leichteres Leben und er nimmt sich Geld dafür. 

Du sagst, er hätte kein Risiko. natürlich ist seine Gebühr vom Wert des Fonds abhängig. Etwa zu tun, was den Wert deines Investments schmälert ist eher nicht in seinem Interesse.




Bestenfalls haben sie also die Möglichkeit, über die Höhe der Gebühren davon zu profitieren. Gleichzeitig ist ihnen aber durch die Fondsbestimmungen ein ziemlich enger Rahmen gesteckt.

Der durch die Fondsbestimmungen gesteckte Rahmen ist m.E. trotzdem groß genug um gleichzeitig auch eigene Interessen des Verwalters zu verfolgen. Der Wettbewerb setzt den Verwalter zwar unter einen gewissen Erfolgsdruck, aber interessant wäre zu wissen, was unterm Strich und auf längere Sicht für den Verwalter hängen bleibt und was für den Anteilseigner.

Gruß
Arne


Was sind denn in deinen Augen die Interessen des Verwalters (die zu deinen Lasten gehen könnten)?




Denkst du da an ein bestimmtes Beispiel?

Grüße,


Seb

Randbemerkung: Mit dem Bündeln zu einem Korb an Risiken üben Fonds auch eine Risikotransformationsfunktion aus.

Am 6. Mai 2017 um 15:07:27, Arne Pfeilsticker (arne.pfeilsticker AT piratenpartei-hessen.de) schrieb:


> Am 06.05.2017 um 14:14 schrieb moneymind <moneymind AT gmx.de>: 
>  
>> Beim Darlehen, das die Bank B1 bei der Bank B2 aufnimmt hängt die Fälligkeit an den vereinbarten Konditionen. 
>  
> Zunächst eine Frage: 
>  
> Was genau ist für dich "Fristen- und Risikotransformation", und welche Rolle spielen diese für Dein Verständnis des Bankensystems? 

Zur Begrifflichkeit und was mein Verständnis anbelangt siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Risikotransformation und https://de.wikipedia.org/wiki/Fristentransformation .  

Durch Fristen-, Losgrößen- und Risikotransformation erfüllen Banken eine wichtige Funktion nicht nur innerhalb des Bankensystems, sondern für die gesamte Volkswirtschaft. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass Banken sehr viel tun um genau nicht diese Funktionen zu erfüllen. Am Auffälligsten ist für mich bei der Risikotransformation. Font-Anteile sind z.B. so konstruiert, dass der Anteilseigner das gesamte Risiko hat, aber er hat nichts mehr zu sagen. Die Fontverwalter spekulieren so auf Risiko der Anteilseigner. 






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