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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Erwerbslosenquote

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Erwerbslosenquote


Chronologisch Thread 
  • From: LeChuck <LeChuck AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Erwerbslosenquote
  • Date: Sun, 03 Jun 2012 16:11:21 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Richard C schrieb:
Über 4 Millionen ausschließlich Minijobbende gelten nicht als erwerbslos, aber das ändert ja nichts daran, daß sie ohne staatliche Unterstützung oder andere Einkommensquellen keinesfalls imstande wären, mit ihrer Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Weniger als 1.4 Mio Aufstocker (hab jetzt nicht gesucht. Sollte irgendwas zwischen 1.2 und 1.4 Mio sein). Findest du auch im Bericht. Die Hausfrau, die einmal die Woche halbtags irgendwas arbeitet, die ist auch ein Minijobber. Und wenn sie das macht weil ihr einfach langweilig ist, und obwohl ihr Mann mit 100 000 € pro Jahr nach hause geht, dann ist sie alles, aber sicher kein Sozialfall.

Sämtliche 4,89 Millionen Minijobber https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Aktuelles/Eckwertetabelle.html, die das nicht im Nebenjob machen, sind aber in der Statistik bei den Erwerbstätigen mitenthalten und damit auch Bestandteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose), die wiederum die Basis der Berechnung der Arbeitslosenzahlen ist. Es gibt also eine entsprechend hohe Zahl von Erwerbstätigen, die in Wirklichkeit entweder vom Staat oder von irgendwem anders ernährt werden müssen, obwohl sie als erwerbstätig gelten. Es hat aber auch auch einen verzerrenden Einfluß auf die Arbeitslosenzahl, wenn die Berechnungsbasis der Erwerbspersonen fast fünf Millionen Minijobber, einschließlich deiner Hausfrauen, die du für so bedeutungslos hältst, mit einschließt.

Es gibt aber natürlich auch Faktoren, die in keiner Statistik auftauchen und gar nicht auftauchen können, weil ihr Einfluß mit statistischen Mitteln gar nicht erfaßt werden kann. Das kann man gar nicht oft genug unterstreichen, daß diese Statistiken, auch wenn die Zahlen und deren Berechnung korrekt sind, nie die /ganze/ Wahrheit erzählen können. Ich bin von Statistiken ziemlich fasziniert, aber wenn ich sogenannte Fachleute sie interpretieren höre, rege ich mich meistens auf, weil sie immer so tun, als hätten sie ein unanzweifelbares Evangelium zu verkünden.

Dabei finde ich die stille Reserve eigentlich weniger interessant als die Fluktuation, denn die ist meinem Eindruck nach seit Jahren extrem niedrig. Eine Fluktuation gibt es im Moment vor allem von Erwerbstätigen in die Arbeitslosigkeit und umgekehrt, aber sehr viel weniger als früher vom einen Arbeitsplatz zu einem anderen Arbeitsplatz. In vielen Qualifikationen ist das im Moment nämlich fast unmöglich, weil fast nur Zeitarbeit angeboten wird. Normal wäre es aber eigentlich, daß viele Erwerbstätige gelegentlich aus Gründen, die mit ihrem bisherigen Job oder ihnen selbst zu tun haben, einen neuen Job suchen: Weil ihr Chef sie nervt, weil sie sich über- oder unterfordert fühlen, sich zu Höherem berufen fühlen, etwas ganz anderes machen wollen, weil das Betriebsklima nicht stimmt und so weiter. Man sitzt aber momentan auch als Arbeitsplatzbesitzer oft ziemlich in der Falle, wenn irgendwas Grundsätzliches bei der Arbeit nicht in Ordnung ist oder die Chemie nicht stimmt.

Ich vertrete die These, daß es eine recht plötzliche Kettenreaktion geben wird, wenn bei einer kritischen Masse von Unternehmen einmal der Groschen gefallen ist, daß sie Fachkräfte an sich binden sollten, anstatt sie am ausgestreckten Arm verhungen zu lassen. Sobald eine Jobsuche aus einem festen Arbeitsverhältnis heraus wieder sinnvoll ist, wird es erst mal ein großes Stühlerücken geben, weil dann jeder, der in einem unbefriedigenden Arbeitsverhältnis sitzt, die Chance endlich nutzen will. Und das wird die Arbeitslosigkeit - ohne einen einzigen Arbeitsplatz mehr - um den einen oder anderen Zehntelprozentpunkt weitersinken lassen.

Rein aus dem Bauch heraus tippe ich darauf, daß das ungefähr bei einer Arbeitslosenquote (offizielle Zahl) von 5 Prozent geschehen wird, aber das ist rein spekulativ.

Ich halte Vollbeschäftigung auch wieder für erreichbar, und zwar nicht nur nach der lächerlichen ILO-Definition, die ja keineswegs bedeuten würde, daß jeder, der arbeiten will, damit auch nicht mehr auf finanzielle Alimentierung durch den Staat oder andere Geldgeber angewiesen wäre. 4 Prozent Arbeitslosigkeit nach unserer derzeit gebräuchlichen Berechnungsmethode wären da schon näher dran. Das entspräche einer Arbeitslosenzahl von ca. 2 Millionen. An diesen Wert könnten wir vielleicht sogar schon in ziemlich kurzer Zeit rankommen, wenn diese unsägliche Minijobregelung endlich ersatzlos gestrichen würde und damit die Fehlanreize zum Verhackstücken von geringqualifizierten Tätigkeiten auf Minijobportionen wegfallen würden. Immerhin gibt es ca. 7 Millionen dieser Minijobs.




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