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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?


Chronologisch Thread 
  • From: "Daniel " <ppdaniel71 AT googlemail.com>
  • To: "'Patrik Pekrul'" <patrik.pekrul AT hotmail.de>, "'Andreas1964'" <Andreas1964 AT news.piratenpartei.de>
  • Cc: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?
  • Date: Fri, 4 May 2012 09:03:14 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>

Vermögenssteuer und höheres Inflationsziel sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wenn es nur darum geht, die Verschuldung des Staates zurückzufahren, dann ist höhere Inflation das überlegenere Mittel (wurde auch schon oft erfolgreich angewendet, ohne dass es zu Hyperinflatiion geführt hat).
Es braucht auch gar nicht viel höhere Inflationsraten. Ein Beispiel: Deutschland hat aktuell ein Budgetdefizit von 1%. Annahme ist, dass das so bleiben würde (sprich ALLE Mehreinnahmen über höhere Inflation würden auch ausgegeben, dadurch hätte kein Angestellter im öff. Dienst oder Empfänger von Sozialtransfers oder Erbringer von Leistungen für den Staat real eine Einbusse). Reales Wachstum 1.5% (also weniger als die letzten Jahre, etwas unter Trend). Verschuldung jetzt: 80% (zum GDP). Innerhalb von 5 Jahren würde die Verschuldung relativ zum GDP (und das ist die wichtige Maßzahl) bei einer Inflation von 2% auf 72% fallen und bei einer Inflation von 5% auf 62% fallen (also um fast ein Viertel). Innerhalb von 10 Jahren bei 2% Inflation auf 65% und bei 5% Inflation auf 50%.
Ein paar Anmerkungen dazu: 
1. Empirisch scheint für die wirtschaftliche Stabilität/Entwicklung eine Inflationsrate von rund 3% optimal zu sein (es braucht etwas Inflation, damit sich die relativen Preise anpassen können, bei erheblich höherer Inflation nimmt aber die Inflationsvolatilität zu und die führt zu einer Fehlallokation der Ressourcen). Negative volkswirtschaftlich Effekte von einer Inflation von 4% oder 5% statt 1-2% dürften somit nicht erheblich sein.
2. Die Reduktion in der Verschuldung ist mittels Inflation sehr schnell und effektiv zu bewerkstelligen. Ein erhöhtes Steueraufkommen allein bringt wenig (und hat eben auch negative Effekte). Das sieht man aktuell übrigens sehr gut in z.B. Spanien/Griechenland etc. Massiv höhere Steuern/tiefere Sozialausgaben erodieren das Wachstum (und drücken auf die Inflation) und somit steigt die Verschuldung sogar noch weiter an.
3. Die  Eurozone ist ein wenig homogener Wirtschaftsraum, in der Folge wäre es für das Funktionieren der Eurozonen Wirtschaft von großem Vorteil, wenn das Inflationsziel höher wäre (es würde die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit in der Peripherie erheblich erleichtern und in Deutschland könnte man eben die Verschuldung sehr schnell zurückfahren). Auch hier gilt: Je weniger homogen ein Wirtschaftsraum ist, desto wichtiger sind relative Preisanpassungen und deshalb sollte das Inflationsziel eher höher als tiefer sein.
 
Wer zahlt bei einer Inflationserhöhung: Zuerst zahlen mal alle, die eine vordefinierte nicht änderbare fixe Zahlung erhalten. Dies sind aktuell vor allem die Eigentümer von Anleihen (Staatsanleihen aber auch Anleihen von Unternehmen etc.). Deutschland kann aktuell 10J. Staatsanleihen zu 1,61% begeben. Das heisst, wenn jemand diese Anleihen kauft (Und da gibt es aktuell viele davon, deshalb sind die Zinsen so tief), dann bekommt er in den nächsten Jahren 1,61% Zinsen (und diese Zahlung ändert sich nicht). Wenn jetzt die Inflation auf 5% steigt, dann ist dieser Zahlungsstrom viel weniger wert. Der Eigentümer hat zwar am Ende der 10J. Phase mehr Geld, kann sich aber davon erheblich weniger kaufen. Er erleidet real einen Verlust. Das passiert mit allen Eigentümern von Schuldtiteln, die einen fixen Zins zahlen (und das sind die allermeisten). Da ja die Verschuldung eben zu hoch ist (Bzw. sehr stark gestiegen ist in den letzten Jahren) und der Verschuldung im gleichen Umfang auf  der anderen Seite Vermögen gegenüberstehen trifft es somit genau die jetzigen Eigentümer dieser Schuldtitel.
 
 Das wäre doch gerecht und eben volkswirtschaftlich sinnvoll (vor dem Hintergrund der Eurozonen-Problematik) und auch effektiv.  
 
 

Von: ag-soziale_marktwirtschaft-bounces AT lists.piratenpartei.de [mailto:ag-soziale_marktwirtschaft-bounces AT lists.piratenpartei.de] Im Auftrag von Patrik Pekrul
Gesendet: Freitag, 4. Mai 2012 01:07
An: Andreas1964
Cc: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Warum immer Einkommen besteuern?

Nein!

1) Eine Geldvermögenssteuer reduziert da Geldvermögen, während eine Inflation das Geldvermögen aufpumpt (daher auch das Wort Inflation).

2) Eine Geldvermögensteuer trifft hautsächlich die reichen, die große Geldvermögen halten, während eine Inflation hauptsächlich die Kleinverdiener mit vertraglich oder gesetzlich fixierten Einkommen trifft - Angestellte und Transferempfänger

3) Eine Inflation verzerrt vollkommen das Preisgefüge und führt dadurch zu Fehlallokationen, die die Wirtschaftsleistung senkt, eine Geldvermögenssteuer befördert die rationale Umschichtung von Finanztiteln in Realkapital

4) Bei einer Inflation entschuldet sich der Staat hauptsächlich über das nominal gestiegene Steueraufkommen, das hauptsächlich von der arbeitenden Bevölkerung aufgebracht wird, und bedient die Staatsschulden, die hauptsächlich von den reichen gehalten werden. Bei einer Geldvermögenssteuer nimmt der Staat von den reichen, um die Staatsschulden zu begleichen und kann so die arbeitende Bevölkerung entlasten

Kurz gesagt: Inflation belastet den "kleinen Mann", Geldvermögenssteuer "die reichen"

Das, was einer Geldvermögenssteuer am nächsten kommt, ist ein Schuldenschnitt, aber der ist sehr radikal.

Hier finde ich die Wirkungen der Inflation sehr gut dargestellt: http://www.juergen-paetzold.de/stabpol/BG+Infl/Inflation.html

Viele Grüße,

Patrik



Am 04.05.2012 um 00:26 schrieb Andreas1964 <Andreas1964 AT news.piratenpartei.de>:


Vielleicht eine blöde Frage:
Das Ziel einer Steuer auf Geldvermögen scheint mir, den Staat (uns) aus der Schuldenfalle zu manövrieren und Investitionen in die Realwirtschaft zu stimulieren.
Könnte ich das gleiche nicht über eine moderate Inflation, sagen wir von 4% einfacher erreichen? Siehe auch http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,828724,00.html

Beste Grüße
Andreas
-- 
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