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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Geheime wahlen

ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

Listenarchiv

Re: [AG Liquid Democracy] Geheime wahlen


Chronologisch Thread 
  • From: Semon <semon3496 AT arcor.de>
  • To: Tannador <piraten AT tannador.com>
  • Cc: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Geheime wahlen
  • Date: Sun, 17 Jun 2012 10:37:08 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>

Hallo Volker,

Am 17.06.2012 00:25, schrieb Tannador:
Am 16.06.2012 22:08, schrieb Semon:
Mögen doch bitte die ganzen IT-Experten, die sich so sicher sind das jegliche Art von geheimer Abstimmung unter Verwendung von Computersystemen mathematisch ausgeschlossen ist, mal den passenden Artikel in einer Fachzeitschrift herbei zaubern, der ihre Behauptung belegt, DANKE.

So funktioniert das nicht. Es gibt auch keine wissenschaftlichen Artikel darüber, warum es keinen Siemenslufthaken gibt ;)
Äh, da gibt es schon noch einen Unterschied. Das Thema E-Voting ist ein aktives Forschungsfeld in der Informatik. In Darmstadt gibt es eine Professorin, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Das ist meines Wissens beim Siemens Lufthaken nicht der Fall.


Die Intuition ist doch recht einfach:

Voraussetzung:
- Jede abgegebene Stimme ist auf Gültigkeit überprüfbar
- Man kann nicht feststellen, wie jemand abgestimmt hat
- Das Ergebnis ist auszählbar

Um zu überprüfen, ob eine Stimme gültig ist, muss diese irgendwie signiert sein. Um die Signatur zu prüfen, muss es eine Menge von gültigen Signaturen geben, bei der sichergestellt ist, das jedes stimmberechtigte Mitglied eineindeutig (sic) einem Element der Menge zugeordnet ist. Die Notwenigkeit dieser eineindeutigen Zuordnung, macht eine wirklich geheime Abstimmung unmöglich, weil man mit dem Wissen darum, jede Stimme einem Mitglied zuordnen kann.
Was, falls es diese eineindeutige Zuordnung nicht gibt?
a) Ein Mitglied hat mehr als eine Stimme
b) Die Stimme eines Mitglieds kann nicht überprüft werden und wird als ungültig verworfen

Alle Lösungsansätze in diesem Themengebiet benötigen an der einen oder anderen Stelle eine "Trusted Authority" (TA) oder einen nichtelektronischen Teil.

Jedes Mitglied könnte beispielsweise bei einer Akkreditierung genau einen USB-Stick mit einem öffentlichen Schlüssel in eine Urne werfen. Alle Schlüssel werden veröffentlicht und als gültig betrachtet. ABER: das funktioniert nicht im Computer, weil hier niemand der Software bei der Arbeit zusehen kann und es kein Siegel an der Datenbank gibt. Man müsste also einem Akkreditierungsserver und seinem Betreiber trauen (TA).

Genauso könnte man eine Clearingstelle wie bei LQFB aufbauen. Aber auch hier sind die Clearingstelle und die Mitgliederdatenbank zusammen eine TA (man vertraut jetzt darauf, dass sie nicht zusammenarbeiten). Sicher ist das nicht.
Bitte beachte: Man vertraut auch bei Bundestagswahlen darauf, das jeder Wähler nur in einem Wahlkreis registriert ist.  Man vertraut darauf, da jemand er Briefwahlunterlagen erhalten hat nicht gleichzeitig am Wahltag in die Urne einwerfen kann, usw. .


Das fundamentale Dilemma ist, dass das Mitglied nur sich selber trauen kann, aber alle die Wahl zählen können müssen. TAs sind hier nur eine Umgehung des Problems aber keine Lösung: Vertrauen ist keine Geheimhaltung.
Ich glaube, das in E-Voting Systemen auch der Kern eines besseren Verfahrens als Urnenwahlen steckt: Signierte verfizierte eletronische Wahlzettel kann ich auch in mehr als einer Urne zählen, d.h. mehrere Stellen können unabhängig auszählen. Bei Papierwahlen geht das nicht.


Ich wollte für meine Doktorprüfung hier sowieso nochmal in den Grundlagen rumlesen, vielleicht finde ich ja sogar einen formalen Beweis in einem Buch, aber das muss dann schon recht staubig sein ;)

Liebe Grüße,
Volker
(Dipl.-Inform., falls es Dich beruhigt)

Es geht mir nicht darum, das mir bereits ein Verfahren bekannt ist, welches alle Anforderungen, die auch eine Offline Wahl erfüllt zu 100% abdeckt. Es geht mir erst einmal darum, das der GEGENBEWEIS, das also ein Verfahren unmöglich ist noch nicht geführt wurde und auch extrem schwer zu führen ist.

Die aktuelle Situation stellt sich mir so da:
Es gibt etwa 6-7 Kriterien/Eigenschaften für ideale Wahlen/Abstimmungen die allgemein anerkannt sind.
Es wird an E-Voting Verfahren geforscht, welche diese Bedingungen erfüllen und bei denen diese Eigenschaften mathematisch beweisbar sind. Keines davon ist bisher perfekt.

Viele Grüße
Jörg

PS.: Ja das mit dem Dipl.-Inf. beruhigt mich wirklich :-)



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