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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback
Chronologisch Thread
- From: Johannes Nix <Johannes.Nix AT gmx.net>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback
- Date: Sat, 19 May 2012 02:17:54 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
Hallo Alex,
On Fri, 18 May 2012 21:16:35 +0000
AlexBu <AlexBu AT news.piratenpartei.de> wrote:
>
> HumanEconomy schrieb:
> > Vorschlag:
> >
> > Wir schlagen eine zweckgebundene Besteuerung von Erdöl und daraus
> > entstehenden Endprodukten wie Dieselöl, Heizöl und Benzin. Der so
> > entstehende Geldfond soll verwendet werden, um nachhaltige Energie
> > zu fördern.(...)
>
> finde ich gut. Jedoch würde ich nicht so schwammig formulieren,
> wofür das Geld eingesetzt werden soll. Das macht misstrauisch.
Ich finde ergebnisoffene Prozesse wichtig. Es handelt sich immerhin
um Probleme, für die es sinnvolle Ansätze, aber noch keine durchgängigen
Lösungen gibt.
> Am Ende kommen irgendwelche Firmen, und beanspruchen das Geld für die
> eigene Forschungsabteilung.
Genau das ist mit der Brennstoffzellen-Forschung ca. in den
letzten 30 Jahren passiert.
Die Resultate lesen sich beispielsweise so:
http://www.zeit.de/2004/42/Wasserstoff
>
> Konkret: Erdöl wird meist verwendet für Benzin usw. also fürs Auto.
> An zweiter Stelle, doch schon deutlich dahinter, zum Heizen.
> Und dann noch in vergleichsweise geringen Mengen für andere Zwecke,
> die vorerst nicht interessieren sollen.
Ohaha. Erdöl ist auch sehr wichtig als chemischer Grundstoff,
Plastik, zur Herstellung von Düngemitteln und so weiter.
Es ist aber richtig, dass Verkehr und Gebäudeheizung
einen sehr großen Anteil ausmachen.
>
> 1. Erdöl fürs Auto:
> Klar dürfte sein, dass die Zukunft dem Elektroauto gehört. Dabei ist
> nicht festgelegt,
> ob der Strom in Akkus oder Wasserstoff oder sonstigem gespeichert
> wird.
Ich vermute, mit "Elektroauto" meinst Du Akkumulator-betriebene PKW.
Das ist *nicht* sehr klar, denn bisher ist keine wirklich
effiziente und ökonomische Speichertechnik gefunden.
Es ist trotz stark steigender Spritpreise immerhin
scheinbar nicht so, dass die Städte und Fernstrassen
mit Elektroautos verstopft sind.
Die effizienteste Technik des Personentransports zu
Land mit Elektrizität sind immer noch elektrifizierte
Eisenbahnen und Oberleitungsbusse, wie es sie zB
in der Schweiz gibt. Da entfällt nämlich
das Speicherproblem und man muss nicht auch noch die
schweren Batterien durch die Landschaft bewegen.
Worauf ich hinaus will: Ob die Akkutechnologie wirklich
ökonomisch tragfähig ist, wird sich noch herausstellen.
Bisher wurde da viel gehypt und auch Gelder eingestrichen.
Brauchbares geliefert wurde da aber nichts. Es ist ziemlich klar
dass die Automobilindustrie es lieber beim Alten
lassen möchte, und die Konsumenten fordern keine
Drei-Liter-Autos ein. Aber bestimmt wird gejammert wenn plötzlich
keiner mehr solche Autos kaufen will. So wie bei General
Motors, Ford und Chrysler vor drei Jahren.
Ob diese Branche bei steigenden Ölpreisen überhaupt
noch zukunftsfähig ist, daran habe ich gewisse Zweifel.
Wir werden sehen. Besser wäre es, einen Plan B zu haben.
> Wir können sehr leicht über Solar und Wind in Zukunft die
> notwendige Strommenge produzieren.
Wie schon vielfach festgestellt wurde, ist hier die
Speicherung das nicht gelöste Hauptproblem.
> Deshalb sollte man den Bürger auch schon direkt weg vom Benzinauto
> hin zum Elektroauto bewegen. Man könnte 5 Cent pro Liter Benzin o.ä.
> erheben. Dieses Geld kommt in einen Fond.
> Damit könnte z. B. jeder, der ein Elektroauto kauft, eine Hilfe von
> (nur als Beispiel) 20 000 Euro erhalten (ähnliches macht Dänemark und
> China). Je mehr Elektroautos kaufen, um so mehr wird dieser Betrag
> sinken. Je mehr Elektroautos produziert werden, um so günstiger
> werden diese.
Das wäre nichts als eine Subventionierung und in dieser
Form auch eine Umverteilung von Arm nach Reich (genauso wie
es bei der Pendlerpauschale schon massiv der Fall ist). Wieviel
bekomme ich dann, wenn ich mit dem Fahrrad fahre oder
so umziehe, dass ich gar keine weiten Wege habe?
Außerdem kann es sein, dass es momentan vor allen
Dingen nötig ist, einfach wesentlich kleinere und leichtere Autos zu
bauen und vom Straßenpanzer-Konzept weg zu kommen.
Isetta statt SUV, wenn man so will.
> (Ein Wirtschaftsgesetz: Stückzahl verdoppeln,
> Stückkosten um 20 Prozent senken).
Bei Elektroautos ist ein wesentlicher Kostenanteil der
Akku und hier die (endlichen) Rohstoffe. Es sind sicher noch
Kostensenkungen drin. Aber bis auf Weiteres ist es
eben so, dass Kohlenwasserstoffe als chemische
Energiespeicher unerreicht sind. High-Tech Akkumulatoren
haben etwa ein Hunderstel der spezifischen Energiedichte
von Benzin. Das bedeutet, dass sie zB für den Gütertransport
völlig untauglich sind, und auch für die Landwirtschaft.
> Zudem würde man damit die heimische
> Autoindustrie fördern, eine Wirtschaftsförderung. Die
> Automobilindustrie würde damit sehr schnell für die
> Elektroauto-Zukunft fit gemacht.
Die Autoindustrie hat sowieso schon viel zu viel Lobby. Sie
zu fördern muss keineswegs die gesamtwirtschaftlich beste Lösung sein.
Beispielsweise stehen Elektroautos wegen der geringeren Reichweite noch
stärker in Konkurrenz zum ÖPNV als Benzinautos. In Städten wie Berlin
machen sich Mobilitätskonzepte breit, bei denen ein eigenes Auto nicht
mehr notwendig ist. Dann stehen beispielsweise Dienstleister vor dem
Möbelhaus und bieten den Transport nach Hause an. Und bei der jungen
Generation besitzen immer weniger ein Auto. Was neben dem Verlust des
Coolness-Faktors auch an den finanziellen Umständen liegt - von einem
Lehrlingsgehalt oder Studenten-Nebenjob kann man sich heute kein Auto
mehr leisten, abgesehen davon dass es für so einen Nebenjob nur noch
sehr wenig Zeit gäbe.
>
> 2. Erdöl zum Heizen:
> Ebenso könnte man hier 3 Cent pro Liter Heizöl erheben. Das Geld
> kommt in einen Fond. Das Geld wird ausgeschüttet an Bürger, die eine
> Wärmedämmung am Haus durchführen oder auf Solar- bzw. geothermische
> Heizung umstellen.
Hier ist leider Bürger nicht gleich Bürger. Manche Bürger
haben eigene Häuser und manche leben in Mietwohnungen.
Prinzipiell sollten natürlich auch Mieter an verbesserter Wärmedämmung
interessiert sein. Die Kosten sind aber Gegenstand von
Verteilungskämpfen. Und verteilt wird bekanntlich
derzeit gerne von unten nach oben. Als etwas polemisches
Beispiel:
http://www.heise.de/tp/artikel/33/33412/1.html
Aktuell werden also gerade öffentliche Förderungen gestrichen
und die Umlage auf die Mieten erhöht. Energiewende auf Schwarz-Gelb
halt.
Gutes mögliches Beispiel übrigens für piratische Politik:
Förderliche Rahmenbedingungen für Wohnprojekte, wo Beteiligte
auf Genossenschaftsebene Miteigentümer werden.
> Mit solchen Maßnahmen könnte man innerhalb von 10 Jahren Deutschland
> weitgehend unabhängig vom Erdöl machen.
Allein die Anpassung des Gebäudebestands dürfte bei energischer
Durchsetzung etwa die doppelte Zeit benötigen. Zudem haben wir es z.B.
bei den Speckgürteln der Städte mit Siedlungsstrukturen zu tun, die
einseitig aufs Auto ausgerichtet wurden. Das gilt auch für
städtebauliche Schönheiten wie Einkaufszentren auf der Grünen
Wiese und Gewerbegebiete. All das erzeugt motorisierten Verkehr
und stammt aus einer Zeit, wo man Mobilität als ein vermeintliches
Gut für sich anpries.
viele Grüße,
Johannes
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, AlexBu, 18.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Johannes Nix, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Christian Schmidt, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Johannes Nix, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, AlexBu, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Christian Schmidt, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, AlexBu, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Christian Schmidt, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, AlexBu, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Christian Schmidt, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Johannes Nix, 21.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, AlexBu, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Christian Schmidt, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, AlexBu, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Johannes Nix, 21.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Johannes Nix, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Christian Schmidt, 19.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Positionsentwurf zum Thema "Risikovorsorge gegen Peak Oil" - Bitte um Feedback, Johannes Nix, 19.05.2012
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