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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Reform auf 4Ebenen (+ X )

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Reform auf 4Ebenen (+ X )


Chronologisch Thread 
  • From: Andreas1964 <Andreas1964 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Reform auf 4Ebenen (+ X )
  • Date: Wed, 02 May 2012 21:14:33 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Lieber PolitPirat,

habe in den Thread in den letzten Tagen immer nur überflogen und reagiere deshalb erst jetzt etwas geballt. Zum Verständnis: Bin Technologieberater, seit 1/2 Jahr mit meiner eigenen Ein-Personen-Gmbh unterwegs, war früher schon einmal für 7 Jahre freier Berater u.a. in komplexen IT-Projekten.

PolitPiratNRW schrieb:

...
Für alle Unternehmensformen sind zweideutigen Steuervergünstigungen zu streichen, wie z. B. :
Kauf des Dienstwagens und den Unterhalt dazu, wie das Benzin und die Reparaturen und Inspektionen (nicht gemeint sind reine Nutzfahrzeuge wie LKW etc.),
...
Dienstreisen jeglicher art und weise
...
Ich habe mein Unternehmen in Musterstadt und einen Kunden in Kundendorf. Jede Woche reise ich für 2 Tage von Musterstadt nach Kundendorf, um vor Ort beim Kunden meine Dienstleistung zu erbringen. Persönlich halte ich es für korrekt und in keinster Weise verwerflich, wenn ich die Reisekosten unter Ausgaben führe.
Ich kenne eine Töpferin (Kleingewerbe), die verkauft ihre Waren auf diversen Märkten in D. Ich halte es für korrekt und in in keinster Weise verwerflich, dass sie ihre Reisekosten unter Ausgaben führt.
Ob wir für unserer "Dienstreisen" am sinnvollsten die Bahn, einen Mietwagen oder das eigene Fahrzeug (Fahrtenbuch!) nutzen, sollte m.E. unsere unternehmerische Entscheidung sein.

Siehst Du das anders? Deine Formulierungen oben suggerieren das.

PolitPiratNRW schrieb:
... das Sparen und Wirtschaften im Betrieb kann nicht durch steuersparende Gesetzesordnungen ersetzt werden. Hier sind die Unternehmer eigenverantwortlich gefordert, und müssen mal das Mieten und Leasen und Geld-Verplempern etwas reduzieren.
Übrigends ...
Meinst Du wirklich, Leute wie ich achten nicht penibel auf ihre Ausgaben? Wenn nicht, fliegst Du nach wenigen Monaten auf die Klappe, weil die Liquidität futsch ist - die Einnahmen fließen nämlich Monate später, als die Ausgaben anfallen.

PolitPiratNRW schrieb:
...
stellt sich die Frage, was mit den ganzen Finanzbeamten und Bediensteten geschehen soll, die dann arbeitslos sind. Hier ist der Ansatz, dass - wie beim HartzIV-Gesetz - die Prüfer vor Ort erscheinen, und - bei Verdacht oder nach Stichprobe - die Lage auf die EINDEUTIGEN BEWEISE prüfen. Insbesondere dann, wenn eine Neugründung des Unternehmens ansteht.
...
Kann also der EINDEUTIGE BEWEIS geführt werden, dass tatsächlich eine Ausnahme zur Gewinnminderung geführt hat, dann ist dem auch anstandslos nachzukommen.
...
Nichts gegen effektive Betriebsprüfungen. Du drehst aber die Beweispflicht um und unterstellst jedem Unternehmer und Freiberufler erst einmal, dass er die Gesellschaft bescheissen will. Das sehe ich anders und ich vermute, dass sich im Umfeld der PIRATEN auch viele freie IT-Experten tummeln, die sich das auch nicht gerne vorwerfen lassen.

PolitPiratNRW schrieb:
...
Die "Scheinselbstständigkeiten" (Gewinn durch Steuerrückzahlung) bestehen erst mal weiter ...
Beides führt im Übrigen dazu, dass immer weniger Gewerbesteuer in den Gemeinden und Städten anfällt, und das kann es nicht richtig sein.
...
Dadurch, dass ich erst ein halbes Jahr wieder selbständig bin, habe ich momentan nur einen Kunden und keine Angestellten. So setze ich mich dem Verdacht der "Scheinselbständigkeit" aus. Ich hätte überhaupt kein Problem damit, Beiträge für die allgemeine RV zu zahlen. Bin der Ansicht, dass da alle Einkommen zu beitragen sollten. Aber warum hängt das davon ab, ob ich einen oder zwei Kunden habe?
Meines Erachtens gehört der Tatbestand der "Scheinselbständigkeit" abgeschafft. Damit Selbständigkeit nicht dazu genutzt wird, das Sozialsystem auszuhebeln gibt es Ansätze:
- Alle Einkommen tragen zur gRV und ggf. zur Finanzierung eines bGE bei
- Equal Pay Prinzip, um Lohndumping zu vermeiden
Das Konstrukt der "Scheinselbständigkeit" verhindert zur Zeit Gründungen, zwingt Menschen in eine wertvernichtende Abhängigkeit von Body Leaser Firmen und schränkt ihre berufliche Selbstverwirklichung ein.

Es ist sinnvoll, über ein vereinfachtes Steuersystem nachzudenken. Ich konnte z.B. die Steuererklärung mit der Einahmen-Überschussrechnung als freier Berater noch selber machen. Jetzt als GmbH brauche ich einen Steuerberater. Nicht, weil ich doppelte Buchführung nicht verstünde, sondern weil ich komplett den Überblick in den ganzen Regelungen verliere und keine Lust habe, Tage meines Lebens dafür zu investieren.

Mit Deinen Forderungen trägst Du m.E. nicht zu einer sinnvollen Verschlankung des Steuersystems bei. Du bist vielmehr auf gutem Weg, einen bürokratischen Kontrollapparat zu schaffen, der unternehmerische Tätigkeit, besonders von Klienunternehmern und Freien, abwürgt.
Das kann nicht Ziel der PIRATEN sein.

Beste Grüße
Andreas




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