ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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- From: "Daniel " <ppdaniel71 AT googlemail.com>
- To: "'porcupine87'" <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>, <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?
- Date: Wed, 2 May 2012 17:00:36 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
Es ist schon so, dass Unternehmen versuchen zu wachsen und eine dominierende
Marktmacht aufzubauen. Große Unternehmen profitieren von Skaleneffekten (sog.
Economies of Scale and Scope), leiden aber zunehmend unter Komplexität.
Vereinfacht gesagt, ist die Tendenz Monopole zu binden umso größer, je
stärker ausgeprägt die Economies of Scale and Scope sind, je tiefer der
Quotient aus variablen Kosten zu fixen Kosten (jegliche Form von Netzwerken
sind hier ein gutes Beispiel), je weniger Substitutionsprodukte es gibt und
je größer die Eintrittsbarrieren in den spezifischen Markt sind
(Eintrittsbarrieren können z.B. gesetzliche Vorschriften sein, aber auch ein
großer Kapitalbedarf, Patente etc.). Kartelle sind ein Zusammenschluss
mehrerer (großer) Unternehmen, um sich abzusprechen und dadurch eine
Monopolstellung aufzubauen.
Im Bereich Monopolbildung gibt es aber starke Kartellbehörden, die m.E. gut
funktionieren und starke Eingriffsmöglichkeiten haben (aktuelles Beispiel:
Die EU Kartellbehörde hat die Übernahme von der NYSE durch die Deutsche Börse
verboten). Starke Kartellbehörden sind sehr wichtig und zeigen eben, dass
eine Marktwirtschaft Regeln bedarf und eines starken Staates (stark im Sinne
von: der Staat kann die Regeln, die er aufstellt auch wirklich durchsetzen
und kontrollieren).
Im Bereich Finanzmarkt/Banken funktioniert das nicht ganz so gut, da gibt es
sehr viel zu tun:
- Stark höhere Eigenkapitalausstattung (Diskukssionen gehen in die richtige
Richtung aber noch nicht weit genug).
- Alles auf die Bilanz
- Zumindest rudimentäre Regulierung des Schattenbankensystems (Hedge-fonds
etc.)
- Verstärkter Zwang, Produkte über eine Börse zu handeln und OTC Produkte
einzuschränken
- Prüfprozess bevor neue Finanzprodukttypen aufgelegt werden (also
Produktklassen sind zulassungspflichtig ähnlich wie bei Arzneimitteln)
.....
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ag-soziale_marktwirtschaft-bounces AT lists.piratenpartei.de
[mailto:ag-soziale_marktwirtschaft-bounces AT lists.piratenpartei.de] Im Auftrag
von porcupine87
Gesendet: Mittwoch, 2. Mai 2012 16:36
An: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?
> Es darf keinen Markt ohne staatliche Regeln bzw. Zentralbankregeln
> geben,weil der vollkommen freie Markt zur Monopolbildung und zur
> Diktatur der Finanzmärkte führt.Das Problem haben wir doch gerade.
Also nur für die, die es nicht wissen. Dahinter steckt die Idee des
Skaleneffekts http://de.wikipedia.org/wiki/Skaleneffekt, dass größere
Unternehmen Ressourcen wie Maschinen zur Herstellung von großen Mengen nutzen
können, wodurch die Produktion von einem Stück sehr niedrig ist.
Für ein Unternehmen mit wenigen Kunden rentiert sich so eine Maschine nicht,
wodurch sie teurer sind und nicht konkurrieren können. Dadurch kann nur das
große Unternehmen wachsen und welches da am schnellsten wachst, kauft sich
alle anderen Unternehmen auf und am Ende bleibt nur ein Unternehmen als
Monopol.
Soviel zu dieser Theorie. Ein Monopol wäre deshalb schlecht, da der
Hersteller schlechtere Produkte zum teueren Preis anbieten könnte.
1. Anfangs soll erwähnt werden, dass es fast immer ein Substitut gibt.
Wenn es ein echtes Monopol auf Weizenproduktion gäbe, könnte der Hersteller
den Preis nicht beliebig nach oben treiben. Wenn der Weizen relativ zu
anderen Lebensmittel teurer wird, weicht man entsprechend auf diese aus. Ja,
kurzfristig könnte er den Preis hochtreiben. Dann haben die Bäcker schon ihre
Aufträge, jedoch geht das einmal. Ein zweites mal machen das diese Bäcker
nicht mit. Jedoch kann sich der Produzent sicherlich einige Vorteile über den
Preis verschaffen, den es am freien Markt nicht gäbe.
2. So etwas wie Monopol ist jedoch auf dem freien Markt unmöglich, solange es
anderen Marktteilnehmern erlaubt ist, das Produkt auch herzustellen. Will der
Weizenproduzent dann den Preis ohne Grund erhöhen, nutzen das andere aus. Ein
Unternehmen kann zwar über einige Zeit hinweg zB. 90% des Produktes
verkaufen, aber mehr geht nicht. 90% bleiben es nur, weil das Unternehmen
seine Produkte immer den Wünschen der Konsumenten weiterentwickelt und die
Preise niedrig hält. Du stellst dir ein Monopol ja so vor, dass der
Monopolist allein das Produkt verkauft und beliebige Preise zu seinen Gunsten
verlangen könnte. Das gibt es auf dem freien Markt jedoch nicht, hat es nie,
wird es nie.
a) Yahoo hatte bei Suchmaschinen vor 10 Jahren eine Art Monopol. Ist das
immer noch so?
b) Google beherrscht seit langer Zeit eine Quasimonopolstellung. Also keine
100%, aber gut 80-90%. Aber nur, weil sie ihre Preise niedrig halten und den
Dienst verbessern. Google Earth, google Maps, Streetview. Warum?
Da die Kunden sonst zu Bing etc. wechseln.
3. Mit Hilfe des Staates ist es möglich. Die DDR hatte das Monopol auf
Autobauen. In Westdeutschland gab es das nicht. Was hätten die Kunden von VW
gemacht, wenn die ihnen gesagt hätten "Hey, wenn ihr heute bestellt, bekommt
ihr den Golf ohne Federung und nichts in 10 Jahren"? VW wäre schneller pleite
als sie schauen könnten. Außer: Der Staat verbietet allen Deutschen eine
anderes Auto als VW zu kaufen. Dann würde es funktionieren. Der Staat muss
dabei das Unternehmen VW nicht besitzen. Es kann auch einfach einem
Unternehmen ein Monopol gewähren.
Anfang des 20Jhd. versuchten mehrere Telefonnetzanbieter ein Kartell zu
bilden. Das war aber immer instabil, also ging einer zum Staat, der dann alle
anderen verboten hat.
-> Markt sorgt für Monopol?
Einige Jahrzehnte später brachte der Markt die Satellitenschüssel heraus,
wodurch der Monopolist Konkurrenz hatte.
-> Der Markt sorgt für Monopole?
Anderes Beispiel: In vielen Ländern gab es ein Monopol auf Postsendungen.
Das bedeutet, dir war es verboten, einen Brief gewerblich von Absender an
Empfänger zu liefern. Schlimmstensfalls Gefängnis.
-> Der Markt sorgt für ein Monopol?
Dann kam E-Mail auf den Markt und das Monopol wurde gebrochen.
-> Der Markt sorgt für ein Monopol?
Die meisten Unternehmen, die heute eine sehr starke Marktstellung haben,
sind Unternehmen, die vormals in Staatsbesitz waren. EON, POST etc. Google
oder Microsoft sind Unternehmen.
Wie können Unternehmen mit starker Marktstellung ihre Chancen verbessern,
diese Stellung auch zu halten. Also ohne den Staat direkt darum zu bitten,
die Konkurrenz zu verbieten, gibt es noch andere Instrumente, die der
kleineren, potentiellen Konkurrenz schaden.
1. Der Klassiker ist der Mindestlohn. Die Post hat zB. so viele Kunden,
dass ein Postbote eben 2 Briefe pro Haus hat. Deshalb ist dieser doppelt
so produktiv wie ein Zusteller aus einem kleineren Unternehmen, die nur
einen Brief pro Briefkasten hat. Der Konkurrent kann also nur über einen
niedrigeren Lohn wettbewerbsfähig sein. Durch den Mindestlohn wird das
große Unternehmen, dass aufgrund Skaleneffekte besser bezahlen kann,
geschützt.
2. Natürlich gilt ähnliches für andere "arbeitnehmerschützende"
Maßnahmen, die ja auch nur Kosten aus Sicht des Unternehmers sind. zB.
ein Muss auf 30 urlaubstage sind schlichtweg dasselbe wie 11€ statt
10€ Stundenlohn.
3. Ebenfalls sollte man nicht die Markteintrittbarriere unterschätzen,
dass man nur unter bestimmten Voraussetzungen ein Unternehmen gründen
kann. Ein Taxiunternehmen? Nein, die Stadt verteilt Lizenzen. Eine
Stadtrundfahrt anbieten? Auch nicht möglich. Selbst wenn man Partygäste
heimchauffieren dürfte, kann man schwer konkurrieren, klar. Man könnte
jedoch durch innovative Zusatzangebote wettbewerbsfähig werden zB. dazu
noch Bier verkaufen. Das wollen Partygäste, die heim wollen, eben oft
noch. Ist jedoch nur erlaubt, wenn man eine Toilette anbietet. ...
Arbeitslos, und hast dir in deiner Freizeit das Bäckerhandwerk
angeeignet. Die zu Hause gebackenen Brötchen werden von deinen Freunden
geliebt. Ein netter Nebenverdienst. Will man es gewerblich machen - alles
andere wäre Schwarzarbeit - muss man sich erstmal mit den Steuergesetzen,
Arbeitnehmerrechten etc. auskennen. Es gibt Stimmen bei kleinen
Unternehmen, dass sie aus dem Grund keine Leute einstellen, weil sie Angst
haben, sich strafbar zu machen etc. Aber gut, hat man sich auch
durchgewählt. Man hat auch schon ein Geschäft gefunden, dass man mieten
könnte und oh, nicht möglich. Man muss Meister sein, um eine Bäckerei
zu eröffnen und dafür braucht man gerne 7-8 Jahre.
Kennt noch jemand Möglichkeiten?
--
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- [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?, porcupine87, 02.05.2012
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- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?, porcupine87, 02.05.2012
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