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ag-soziale_marktwirtschaft - [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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[Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?


Chronologisch Thread 
  • From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Führt ein zu freier Markt zu Monopolen?
  • Date: Wed, 02 May 2012 14:36:12 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Es darf keinen Markt ohne staatliche Regeln bzw. Zentralbankregeln
geben,weil der vollkommen freie Markt zur Monopolbildung und zur Diktatur
der Finanzmärkte führt.Das Problem haben wir doch gerade.

Also nur für die, die es nicht wissen. Dahinter steckt die Idee des Skaleneffekts http://de.wikipedia.org/wiki/Skaleneffekt, dass größere Unternehmen Ressourcen wie Maschinen zur Herstellung von großen Mengen nutzen können, wodurch die Produktion von einem Stück sehr niedrig ist. Für ein Unternehmen mit wenigen Kunden rentiert sich so eine Maschine nicht, wodurch sie teurer sind und nicht konkurrieren können. Dadurch kann nur das große Unternehmen wachsen und welches da am schnellsten wachst, kauft sich alle anderen Unternehmen auf und am Ende bleibt nur ein Unternehmen als Monopol.

Soviel zu dieser Theorie. Ein Monopol wäre deshalb schlecht, da der Hersteller schlechtere Produkte zum teueren Preis anbieten könnte.

1. Anfangs soll erwähnt werden, dass es fast immer ein Substitut gibt. Wenn es ein echtes Monopol auf Weizenproduktion gäbe, könnte der Hersteller den Preis nicht beliebig nach oben treiben. Wenn der Weizen relativ zu anderen Lebensmittel teurer wird, weicht man entsprechend auf diese aus. Ja, kurzfristig könnte er den Preis hochtreiben. Dann haben die Bäcker schon ihre Aufträge, jedoch geht das einmal. Ein zweites mal machen das diese Bäcker nicht mit. Jedoch kann sich der Produzent sicherlich einige Vorteile über den Preis verschaffen, den es am freien Markt nicht gäbe.
2. So etwas wie Monopol ist jedoch auf dem freien Markt unmöglich, solange es anderen Marktteilnehmern erlaubt ist, das Produkt auch herzustellen. Will der Weizenproduzent dann den Preis ohne Grund erhöhen, nutzen das andere aus. Ein Unternehmen kann zwar über einige Zeit hinweg zB. 90% des Produktes verkaufen, aber mehr geht nicht. 90% bleiben es nur, weil das Unternehmen seine Produkte immer den Wünschen der Konsumenten weiterentwickelt und die Preise niedrig hält. Du stellst dir ein Monopol ja so vor, dass der Monopolist allein das Produkt verkauft und beliebige Preise zu seinen Gunsten verlangen könnte. Das gibt es auf dem freien Markt jedoch nicht, hat es nie, wird es nie.
a) Yahoo hatte bei Suchmaschinen vor 10 Jahren eine Art Monopol. Ist das immer noch so?
b) Google beherrscht seit langer Zeit eine Quasimonopolstellung. Also keine 100%, aber gut 80-90%. Aber nur, weil sie ihre Preise niedrig halten und den Dienst verbessern. Google Earth, google Maps, Streetview. Warum? Da die Kunden sonst zu Bing etc. wechseln.
3. Mit Hilfe des Staates ist es möglich. Die DDR hatte das Monopol auf Autobauen. In Westdeutschland gab es das nicht. Was hätten die Kunden von VW gemacht, wenn die ihnen gesagt hätten "Hey, wenn ihr heute bestellt, bekommt ihr den Golf ohne Federung und nichts in 10 Jahren"? VW wäre schneller pleite als sie schauen könnten. Außer: Der Staat verbietet allen Deutschen eine anderes Auto als VW zu kaufen. Dann würde es funktionieren. Der Staat muss dabei das Unternehmen VW nicht besitzen. Es kann auch einfach einem Unternehmen ein Monopol gewähren.

Anfang des 20Jhd. versuchten mehrere Telefonnetzanbieter ein Kartell zu bilden. Das war aber immer instabil, also ging einer zum Staat, der dann alle anderen verboten hat.
-> Markt sorgt für Monopol?
Einige Jahrzehnte später brachte der Markt die Satellitenschüssel heraus, wodurch der Monopolist Konkurrenz hatte.
-> Der Markt sorgt für Monopole?

Anderes Beispiel: In vielen Ländern gab es ein Monopol auf Postsendungen. Das bedeutet, dir war es verboten, einen Brief gewerblich von Absender an Empfänger zu liefern. Schlimmstensfalls Gefängnis.
-> Der Markt sorgt für ein Monopol?
Dann kam E-Mail auf den Markt und das Monopol wurde gebrochen.
-> Der Markt sorgt für ein Monopol?

Die meisten Unternehmen, die heute eine sehr starke Marktstellung haben, sind Unternehmen, die vormals in Staatsbesitz waren. EON, POST etc. Google oder Microsoft sind Unternehmen.

Wie können Unternehmen mit starker Marktstellung ihre Chancen verbessern, diese Stellung auch zu halten. Also ohne den Staat direkt darum zu bitten, die Konkurrenz zu verbieten, gibt es noch andere Instrumente, die der kleineren, potentiellen Konkurrenz schaden.
1. Der Klassiker ist der Mindestlohn. Die Post hat zB. so viele Kunden, dass ein Postbote eben 2 Briefe pro Haus hat. Deshalb ist dieser doppelt so produktiv wie ein Zusteller aus einem kleineren Unternehmen, die nur einen Brief pro Briefkasten hat. Der Konkurrent kann also nur über einen niedrigeren Lohn wettbewerbsfähig sein. Durch den Mindestlohn wird das große Unternehmen, dass aufgrund Skaleneffekte besser bezahlen kann, geschützt.
2. Natürlich gilt ähnliches für andere "arbeitnehmerschützende" Maßnahmen, die ja auch nur Kosten aus Sicht des Unternehmers sind. zB. ein Muss auf 30 urlaubstage sind schlichtweg dasselbe wie 11€ statt 10€ Stundenlohn.
3. Ebenfalls sollte man nicht die Markteintrittbarriere unterschätzen, dass man nur unter bestimmten Voraussetzungen ein Unternehmen gründen kann. Ein Taxiunternehmen? Nein, die Stadt verteilt Lizenzen. Eine Stadtrundfahrt anbieten? Auch nicht möglich. Selbst wenn man Partygäste heimchauffieren dürfte, kann man schwer konkurrieren, klar. Man könnte jedoch durch innovative Zusatzangebote wettbewerbsfähig werden zB. dazu noch Bier verkaufen. Das wollen Partygäste, die heim wollen, eben oft noch. Ist jedoch nur erlaubt, wenn man eine Toilette anbietet. ... Arbeitslos, und hast dir in deiner Freizeit das Bäckerhandwerk angeeignet. Die zu Hause gebackenen Brötchen werden von deinen Freunden geliebt. Ein netter Nebenverdienst. Will man es gewerblich machen - alles andere wäre Schwarzarbeit - muss man sich erstmal mit den Steuergesetzen, Arbeitnehmerrechten etc. auskennen. Es gibt Stimmen bei kleinen Unternehmen, dass sie aus dem Grund keine Leute einstellen, weil sie Angst haben, sich strafbar zu machen etc. Aber gut, hat man sich auch durchgewählt. Man hat auch schon ein Geschäft gefunden, dass man mieten könnte und oh, nicht möglich. Man muss Meister sein, um eine Bäckerei zu eröffnen und dafür braucht man gerne 7-8 Jahre.

Kennt noch jemand Möglichkeiten?




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