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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier
Chronologisch Thread
- From: aloa5 <aloa5 AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier
- Date: Thu, 01 Dec 2011 13:07:19 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
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TheAlien schrieb:
Um bei deiner Analogie zu bleiben: Ich benötige aber die Pumpe zunächst mal, um zu verhindern, dass das Wasser weiter ansteigt.
Das ist das übliche Argument dafür.
Aber es kommt hinterher eben *nicht* dazu das man etwas anderes ändert. Und ein ML löst eben die Probleme wegen derer man einen ML benötigt nicht.
Aber ein gesetzlicher ML ist ein erster Schritt hin zur Lösung, weil er das Kapital dazu zwingt, Löhne zu zahlen, von denen die Menschen leben können.
"Das Kapital" wird zu gar nichts gezwungen. Die 200.000 Vollzeitarbeiter welche von einem Mindestlohn von 7,50 Euro profitieren würden sind keine im engeren Sinne durch das Kapital ausgebeuteten. Es geht bei der Problematik der Löhne hauptsächlich um Arbeitslosigkeit. Wenn die Nachfrage nicht da ist wird nichts gekauft und die Arbeitslosigkeit steigt. So einfach ist das, so entstehen die aktuell so um die 3mio Arbeitslose bei uns oder die 20% in Spanien und die 9% in Frankreich.
Tatsächlich "zwingen" kannst Du einen Arbeitgeber eigentlich nur dann wenn Vollbeschäftigung herrscht und die Nachfrage auch bei einem höheren Lohn vorhanden wäre, also dann wenn der Markt eigentlich einen höheren Lohn rechtfertigen würde, ihn nur zu /zahlen/ keiner bereit ist. Das ist natürlich bei vielen aktuell /verbliebenen/ Jobs der Fall. Ein Friseur wird auch bei 30 Euro pro Haarschnitt statt 15 Euro noch Kunden haben - auch wenn sich dann viele kleine 1-Mann-Friseursalons bilden werden welche so den ML umgehen wie in der Baubranche. Aber die Nachfrage wäre z.T. da.
Aber das eigentliche Problem wäre damit nicht behoben.
Mit einem doppelten positiven Effekt: Zum einen werden die Sozialkassen entlasstet, weil weniger Menschen zusätzlich aufstocken müssen. Und zum zweiten kommen über die höheren SV-Beiträge mehr Einnahmen in die Sozialversicherungen.Das ist größtenteils nicht richtig. Die paar Euro mehr in der Kasse werden von Kostensteigerungen (auch aufgrund von Mindestlöhnen, z.B. im Pflegebereich) kompensiert oder/und fallen gestrichenen Arbeitsplätzen zum Opfer.
Echte Mehreinnahmen z.B. in der SV sind durch Mindestlöhne nicht zu erwarten. Das kann man in anderen Ländern wie England oder Frankreich auch beobachten. Für die Staatskasse wie für den Arbeitnehmerbereich sind Mindestlöhne im groben neutral bis negativ. Der Staat muss z.B. die Umlagen für Rentner, Kinder und Arbeitslose erhöhen da die Preise ansteigen. Je größer die Gruppe der Arbeitslosen dabei ist, desto größer der Effekt. In einem funktionierenden Regelkreislauf gäbe es fast keine Arbeitslosen.
Gäbe es jedoch fast keine Arbeitslosen und stünde die Finanzierung der SV auf breiter Basis hätte man die Probleme in der SV nicht - und man hätte praktisch kein Umlageproblem, auch bei einem ML nicht.
Führt man aber einen ("marktfernen") ML ein entlastet man die Empfänger gewissermaßen teilweise aus der Staatskasse. Die Staatsquote steigt bzw. die Steuer/Abgabenlast steigt und es wird noch schwieriger das System "geradezurücken", da es dafür ja immer noch eines Umbaues bedarf, der Spielraum dafür jedoch kleiner ist.
Für o.g. Lohnsummenausgleichssteuer beispielsweise würde ich die Arbeitgeber mit bis zu 35Mrd Euro belasten, während insg. um die 70-90Mrd Euro an Belastung anders verteilt werden würden. Wenn man schon hohe Abgabenlasten hat ist das unheimlich schwer zu vermitteln. Auch dann wenn am Ende das ganze neutralisiert wird wenn es funktioniert. Womit wir m.E. wieder am Anfang angekommen sind.
Einmal im ML-Gebäude drin kommt man so schnell aus dieser Endlos-Schleife nicht mehr heraus. Dieser "erste Schritt" blockiert m.E. alles weitere und ist daher auch gleichzeitig der letzte Schritt, weshalb ich seine Befürwortung ablehne. Ein Mindestlohn ist oftmals der kleinste (oder einzigste) gemeinsame Nenner vieler Interessengruppen. Manche befürworten beispielsweise "Mindestlohn und dann BGE" oder "Mindestlohn und dann [was anderes unsinniges oder utopisches]". Daher würde es dabei bleiben das man ihn einführt. Ziel verfehlt - und der Grund warum ich dagegen bin obwohl ich natürlich dafür wöre (so wie ich gegen ein BGE bin obwohl ich natürlich nicht dagegen bin das jeder ein Einkommen hat).
Schlussfolgerung: man muss dagegen sein um etwas zu erreichen. Da Mindestlöhne Arbeitsplätze und einen Regelkreislauf verhindern ist eine Sachargumentation inhaltlich fast nicht zu verlieren. Außer dem von Dir genannten das der Pegel nicht weiter steigt gibt es ja kein (marktrationales) Argument welches dafür spricht, da es ein nicht marktkonformes Mittel darstellt.
Grüße
Otmar
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Kellerkind, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, aloa5, 01.12.2011
- <Mögliche Wiederholung(en)>
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, TheAlien, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, aloa5, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, TheAlien, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Klugscheißer, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Bratenbengel, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Kellerkind, 01.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Kellerkind, 02.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Richard C, 02.12.2011
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Mindestlohn - Versuch Konsensfindung und Positionspapier, Klugscheißer, 04.12.2011
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