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ag-soziale_marktwirtschaft - [Ag-soziale_marktwirtschaft] Das Problem an der Wurzel packen

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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[Ag-soziale_marktwirtschaft] Das Problem an der Wurzel packen


Chronologisch Thread 
  • From: abraham <abraham AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Das Problem an der Wurzel packen
  • Date: Fri, 07 Oct 2011 21:39:01 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Liebe Piraten, Liebe Leser,

Ich bin neu hier, aber ich hoffe ich bin hier richtig. Nach langem Suchen habe ich den Punkt "Finanzen" in der Beschreibung des Themas "Soziale Marktwirtschaft" im "Politik"-Forum entdeckt. Aber immerhin, ich bin hier.

Ohne jemanden vor den Kopf stoßen zu wollen, aber meiner Meinung nach hätte das Thema angesichts der weltweiten Situation eher ein eigenes Forum verdient statt in der letzten Ecke vor sich hin zu dümpeln. Aber sei's drum.

Was ich suche ist eine Plattform, in der die Probleme der Finanzwirtschaft offen und ohne Tabus diskutiert werden können. Wenn wir uns die aktuelle Situation anschauen, sehen wir die Welt vor rieisigen Problemen stehen: Millionen Menschen sind verhungert, Millarden Menschen sind ärmer geworden, und Billionen Dollar Kapital wurden vernichtet, weil das Finanzwesen maßlos geworden ist.

Wer die vielfältigen Probleme der Gesellschaft lösen will, sollte dabei nicht nur Stückwerk betreiben, sondern sich dem Kern des Problems zuwenden: Letztendlich läuft alles auf zwei Fragen hinaus: Wofür ist Geld da? Und wofür nicht? Und vielleicht eine Dritte: Welche Rolle soll Geld in unserem Leben spielen? Die des Herrschers? Die des Gefährten? Die der helfenden Hand? (ok, es sind mehr Fragen...)

Ohne Geld geht es nicht, da muss ich allen Utopisten widersprechen. Geld ist das Blut der Zivilisation, es vereinfacht den Handel und den Transfer von Kapital. Und der freie Handel mit Gütern ist mindestens genauso wichtig für die Entwicklung der Menschen und der Menschheit wie der freie Zugang zu Informationen.

Aber Geld ist heute ein Produkt der Banken, sie haben ein Monopol darauf und geben es nur heraus, wenn wir uns dafür verschulden. Jeder Euro, jeder Dollar, jedes Pfund ist geliehenes Geld, dessen Zinsen mit neuen Schulden bezahlt werden müssen. Wohin das führt, können wir heute hautnah erleben. 40 Milliarden Euro, oder fast 15% des Bundeshaushaltes gehen als Zinsen direkt an die Banken. Sie verteilen das Geld der Bürger unter einer kleinen Gruppe von Anlegern. Und müsste die BRD genauso viel an Zinsen Zahlen wie Italien, wären es locker 30% des Bundehaushaltes.

Diese riesige Umverteilungsmaschine von unten nach oben steht jeder Veränderung in anderen Gesellschaftbereichen im Weg. Sie ist es, die viele unserer Probleme erst verursacht hat. Und daher verdient sie höchste Aufmerksamkeit.

Derzeit muss eine Bank für jeden Euro, den sie verleiht, 2 Cent bei der EZB hinterlegen. 8 weitere Cent muss sie als Eigenkapital vorweisen. 90 Cent kann sie einfach aufs der Luft erschaffen und aus Konto schreiben. Wenn der Kredit einmal abbezahlt ist, bleiben die Zinsen als Differenz – sie können nur von der Bank kommen, als Kredit.

Doch wer profitiert von den Zinsen? Wenn es nach Milton Friedman gegangen wäre (und ich bin alles andere als ein Fan von ihm), hätte der Mindestreservesatz 100% statt 2% betragen. Banken hätten für jeden Euro den sie verleihen einen Euro bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Sie müssten sich den Euro, den sie verleihen, selbst leihen, und könnten nur an der Zinsdifferenz verdienen. Ihre Profite würden auf ein Normalmaß, wie es in der Wirtschaft üblich ist, zusammenschrumpfen. Ihre Übermacht wäre vermutlich Geschichte.

Ob ein Mindestreservesatz von 100% eine Lösung ist, sei dahingestellt. Aber Geld ist ein gemeinschaftliches Gut, und seine Erträge sollten der Allgemeinheit zu Gute kommen. Nicht den Banken, die derzeit das Monopol zum Geld drucken haben. Doch trotz seiner Bedeutung wird das Problem der Privatisierung der Zinserträge aus der reinen Geldschöpfung praktisch nicht thematisiert (außer vielleicht alle paar Monate spätabends im ZDF).

Es gibt viele Möglichkeiten das System zu verbessern, und viele Fragen, mit denen sich die Gesellschaft beschäftigen sollte. Die kommende Entwicklung, ob Inflation oder Deflation, Enteignung durch Geldentwertung oder Rezession durch Geldmangel, möglicherweise begleitet von dem Kollaps ganzer Währungen und Wirtschaften, wird Antworten erfordern. Antworten, die über Utopien und das Drehen an Steuerschrauben hinausgehen. Antworten, die konkret zur Lösung der Probleme beitragen. Ich hoffe, hier Menschen zu finden, die konstruktiv und aktiv an solchen Antworten arbeiten wollen. Und die nicht in Deckung gehen, wenn es um die Beseitigung des bestehenden und die Verhinderung eines neuen, global zentralisierten Währungsmonopols geht.

Zum Weiterlesen: http://www.zeit.de/2010/52/Woergl

oder auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Regionalgelder

Was könnte man daraus wohl mit der Technik von heute machen?

Danke für eure Aufmerksamkeit!




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