nrw-ak-tierschutz AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Mailingliste des Arbeitskreis Tierschutz NRW
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- From: "Peter Parker" <pparker AT Safe-mail.net>
- To: nrw-ak-tierschutz AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung
- Date: Tue, 15 May 2012 07:13:04 -0400
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-tierschutz>
- List-id: Mailingliste des Arbeitskreis Tierschutz NRW <nrw-ak-tierschutz.lists.piratenpartei.de>
Lieber Herr Friebe, liebe Mitglieder des AK,
ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich meine Gedanken zu Ihrem Schreiben
mitteile, auch wenn ich nicht Mitglied des AK Tierschutz NRW bin.
> Es gab dazu einige Versuche, bei entsprechenden Schlangen die im
> Terrarium diese "Fressfaxen" zeigten, hat man ein Rack angebaut.
> Nach kurzer Zeit hielten sich die Tiere nur noch dort auf und haben
> wieder normal gefressen.
> Nun mag jeder Tierschützer aufschreien und sagen so eine kleine
> IKEA-Schublade sei niemals artgerecht, naja das ist halt
> Interpretationssache. Ich habe einen bekannten der diese Tiere
> hobbymäßig züchtet und das sehr erfolgreich mit diesem System.
Das stimmt, der Begriff ist leider zur Interpretationssache verkommen und
orientiert sich doch meistens nur zum geringen Teil daran, den Bedürfnissen
des Tieres gerecht zu werden. Meistens ist die Auslegung ein riesiger
Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Tierhalters und den Bedürfnissen der
Tiere, und zwar zu Lasten Letzerer.
Unter Tierfreunden kann "artgerecht" aber doch keinen Maßstab beschreiben,
unter welchem das Tier _gerade so_ nicht erkrankt oder verendet. Auch wenn
ich Ihnen nicht unterstelle, dass sie das wissentlich befürworten würden -
Ihre obige Beschreibung klingt für mich unglücklicherweise genau nach diesem
Zustand.
Vielmehr sollte man sich am Verhalten und an den Bedürfnissen der Tiere unter
natürlichen Umständen orientieren. Was sind die Bedürfnisse dieser Tiere?
Vereinfacht: Leben, körperliche Unversehrtheit, Fressen, Schlafen, ...?.
Daraus lässt sich auch ableiten, womit sie sich in der Natur hauptsächlich
beschäftigen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen: Leben, darauf achten nicht
gefressen zu werden, Fressen, Schlafen. So, gehen wir einzeln durch: Leben
tun sie (in den meisten Fällen) auch im Terrarium. Abgehakt. Körperliche
Unversehrtheit? Kein Feind weit und breit, nur ab und zu ein Unbekannter, der
durch die Scheibe guckt. Abgehakt. Fressen? Liegt alle paar Tage im
Terrarium. Abgehakt. Schlafen ist auch kein Problem. Abgehakt.
Hört sich eigentlich gut an, ist es aber nicht. Wenn sich im Terrarium alles
von selbst erledigt, mit was beschäftigt sich das Tier dann noch? In freier
Natur nimmt wohl den größten Teil der Zeit das Fressen, bzw. die Beschaffung
von Futter zum Fressen ein. Daher ist es auch eine recht naive Argumentation,
wenn Schlangenbesitzer plädieren (illegal) lebend füttern zu müssen, um den
Jagdtrieb der Schlangen befriedigen und damit eine artgerechte Haltung
gewährleisten zu können. Das ist doch nur eine minimale Beschäftigung, ein
winziger Tropfen auf den heißen Stein, im Vergleich mit unter Umständen
tagelangem umherstreifen und lauern in der Natur. Und ich meine mit
umherstreifen nicht in erster Linie die Bewegung, sicher gibt es Arten die
sich weniger bewegen als andere usw. usf, aber auch diese möchten irgendwie
ihre Interessen befriedigen und ergreifen entsprechende Maßnahmen, die sie
geistig fordern oder mindestens geistig beschäftigen.
Also nochmal die Frage: Womit beschäftigt sich ein Tier im Terrarium? Ich
sage: Mit Nichts. Das Resultat aus dieser Unterbeschäftigung sind schwerste
Verhaltensstörungen, wie solche, die Sie als "Fressfaxen" bezeichnet haben,
aber mit größter Sicherheit auch in anderer, weniger einfach erkennbaren
Form. Und aus diesem Grund ist ein Tier für mich nicht im Terrarium haltbar.
Ach, Mist! :-) Sie sehen, die Diskussion um diesem Punkt wird vermutlich
ungewollt ähnlich verlaufen, wie ich es in dem Schreiben an diesen Verteiler
bezüglich der AG Tierrecht und einer Bundes-AG Tierschutz angemahnt habe, da
wir hier voraussichtlich nicht auf einen Nenner kommen werden. Und Sie haben
Recht, die Exotenhaltung wird sich kurz- und mittelfristig nicht verbieten
lassen. Aus diesem Grund will ich die Diskussion darüber gar nicht noch
weiter entfachen, als ich es nun schon getan habe und möchte das auch
möglichst schnell wieder beenden.
__ Stattdessen begrüße ich es einfach, wenn Sie an einer Verbesserung der
Haltungsbedingungen arbeiten möchten! __
> Das heißt wie streng man hier auch gegen die Wildfangindustrie vorgehen
> würde, da die USA eh nie mitspielen würde, wäre dies alles zwecklos.
Da wird doch sicher irgendetwas zu machen sein. Wenn das ein Problem ist,
sollte man das im Hinterkopf behalten.
> Das Problem sehe ich darin, das es zwar einen Sachkundenachweis in
> Deutschland gibt, dieser aber mMn viel zu überteuert ist und dem Sinn
> eines Nachweises für Exotenhalter nicht direkt nachkommt. Diesen muss
> man nur erbringen wenn man größer züchtet bzw ein Gewerbe in diesem
> Bereich betreibt. Die Kosten betragen ca. 450€ Gebühr + 150€
> Schulungsordner (wenn ich es Recht in Erinnerung habe), das sind 600€
> Kosten um evtl ein Tier kaufen und halten zu dürften, das nichtmal 1/10
> davon kostet.
> Hier muss eine Möglichkeit geschaffen werden einen verpflichtenden
> Nachweis für jeden Bürger zu schaffen, um generell Amphibien/Reptilien
> halten zu dürfen, aber dieser muss auch bezahlbar und realistisch sein.
Die von Ihnen angesprochenen Kosten mögen evtl. tatsächlich unangemessen
sein, nicht ganz erfasst habe ich den Zusammenhang mit dem Erwerbspreis des
Tieres.
Allerdings möchte ich die Angemessenheit dieser Kosten auch nicht vorschnell
und ohne ausreichende Themenkenntnisse beurteilen. Zur Anregung ein Beispiel:
Ein Jäger muss dafür, seine Freizeitbeschäftigung ausüben zu können,
ebenfalls mindestens 120,00 EUR alleine für die Prüfungsgebühren investieren.
Dazu kommen ähnlich teure Unterrichtsmaterialien und in den meisten
Bundesländern verpflichtende, mindestens mehrwöchige Kurse (meistens ein
ganzes Jahr) mit Kosten beginnend ab 800,00 EUR
Das möchte ich nicht 1:1 vergleichen, zumal ich die Inhalte der für die
Terraristik nötigen Prüfung und den damit verbundenen Aufwand überhaupt nicht
kenne, ich möchte nur darauf hinweisen, dass für verantwortungsvolle
Freizeitbeschäftigungen auch in anderen Bereichen viel Geld in die Hand
genommen werden muss, um die dafür notwendige Qualifikation zu erlangen. Die
Kosten sollen hier aber keine künstliche Hürde darstellen sondern müssen
natürlich vom Aufwand abhängen. Spezifizierte Prüfungen würden sicherlich
dazu beitragen, den Aufwand gering zu halten.
Ich habe mal eben die Suchmaschine angeworfen und folgendes gefunden:
http://www.sachkundenachweis.de/checkliste.html
Dort werden reine Prüfungskosten für Nichtmitglieder i. H. v. 190,00 € zzgl.
Ust. angegeben.
> Finanziert könnte eine solche Behörde durch eine "Exotensteuer" von kA
> vllt. 2-4% beim Verkauf eines Tieres, die der Verkäufer dann entrichten
> muss.
Überlegenswerter Gedanke, aber was wäre der Vorteil darin, das über eine
Steuer zu finanzieren anstatt über Prüfungsgebühren? Sie müssen auch den
_riesengroßen_ bürokratischen Aufwand berücksichtigen, der mit der Einführung
einer an den Verkaufspreis gebundenen, vom Verkäufer abzuführenden Steuer
nötig werden würde.
> Das würde die größten Probleme überhaupt lösen, nämlich das sich
> irgendwelche Leute, ohne Kenntnisse oder Haltungsmöglichkeit (schon von
> genug gehört die sich erst ein Tier geholt haben, das in Schuhkartons
> etc hielten, bis irgendwann ein Terrarium kam...) Exoten anschaffen.
Das wäre auf jeden Fall sehr wünschenswert und ist auch nicht nur bei Exoten
ein Problem.
Ich kenne alleine zwei Fälle im eigenen Bekanntenkreis, wo Echsen von Kindern
in Terrarien der Größe eines DIN-A4-Blatts gehalten wurden. Ich selbst hielt
als Kind mehrfach Meerschweinchen in typischen 100 cm x 40 cm großen Käfigen.
Aus heutiger Sicht ein grober Fehler meiner Eltern, und das obwohl auch die
sich immer um Tiere gekümmert haben.
Das kommt vermutlich zigtausendfach in Deutschland vor und ist wirklich ein
Problem, welches für alle Haustiere angegangen werden sollte.
> Man muss nämlich auch eingestehen, das alle Institute, zoologischen
> Betriebe oder staatl. Institutionen weder die Mittel noch die
> Möglichkeiten haben wirklich jede mögliche Tierart, die kurz vor der
> Ausrottung steht, zu erhalten.
> Gerade die private Terraristik bietet in diesem Gebiet ungeahnte
> Möglichkeiten - natürlich unter der Voraussetzung das die Personen über
> die entsprechenden Kompetenzen verfügen.
> So könnte man dann erreichen das diese Leute entsprechende Genehmigungen
> bekommen um, wie gesagt, sehr bedrohte Tierarten zu halten.
> Wobei dann natürlich auch die Absicht des Arterhalt und Zucht im Fokus
> stehen muss. Nicht der Besitz eines seltenen Tieres.
[...]
> So sind uns die Tiere wenigstens privat bzw in Zoos erhalten.
In welcher Form kann hieraus ein Nutzen für die Tiere gezogen werden bzw. wie
und in welcher Form soll aus der privaten Haltung wieder etwas in die
Gemeinschaft zurückfließen?
> Mein Ziel ist es einfach das "verramschen" dieser Tiere zu verhindern,
> das nicht mehr jeder 0815 Clown diese Tiere kaufen darf [...]
Dito.
> Arterhalt besonders bedrohter Tierarten.
Da bin ich noch nicht ganz überzeugt.
Insgesamt würde ich vorschlagen, dass wenn Sie daran interessiert sind Ihre
Ideen durchzusetzen, diese am besten in Einzelthemen aufteilen und bspw. in
einem oder mehreren Piratepads weiter ausführen, so dass diese Einzelthemen
gezielt diskutiert werden können. Weitere Hinweise hat ja bereits ein
Mitglied des AK gegeben, ich bin ja nur zu Gast hier ;-)
Viele Grüße
Peter Parker
- [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Stephan aka dog, 14.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 14.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Stephan aka dog, 15.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Julia von der Ahe, 15.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Stephan aka dog, 15.05.2012
- <Mögliche Wiederholung(en)>
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Peter Parker, 15.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 16.05.2012
- [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Sarah Mlynek, 18.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Claudia, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Claudia, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Michael Kiok, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Claudia, 19.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 19.05.2012
- [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Sarah Mlynek, 20.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Julia von der Ahe, 20.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Claudia, 20.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Julia von der Ahe, 20.05.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Exotenhaltung, Andreas Friebe, 14.05.2012
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