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crew-hauptmann-von-koepenick - Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Resumee GV

crew-hauptmann-von-koepenick AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Crew-hauptmann-von-koepenick mailing list

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Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Resumee GV


Chronologisch Thread 

Am 26.10.2011 20:51, schrieb caramail AT arcor.de:
Hallo liebe Leute,

lieber Micha,

ich habe irgendwie das Gefühl, dass Du meine Zeilen nicht wirklich
gelesen hast, wenn Du schon wieder von "Profis" schreibst. Dass zum
Politik machen nicht viel gehöre, habe ich nicht behauptet. Und wie Du
auf Stammtischparolen kommst, ist mir ebenfalls schleierhaft.

liebe Moni,

dass mit der Strategie mag ja stimmen. Sicherlich muss diese
berücksichtigt werden. Wenn aber bei der Entscheidungsfindung die
Strategie den Inhalten überwiegt, halte ich das für problematisch.

Ich kann dir bezüglich Strategie nicht folgen, mit anderen Worten keine Ahnung, was du gerade meinst. Das ist keine Strategie, so bin ich ?


Was Deinen Standpunkt zu LQFB angeht, stört mich eine Sache am Meisten,
die ich schon gestern äußern wollte, aber durch die Redezeitbeschränkung
am Ende nicht dazu kam.
Du sagst und schreibst, wir als Basis wöllten "mitbestimmen". Das finde
ich in zweierlei Hinsicht problematisch. Erstens, auch wenn unser Ziel
als Piraten mehr direkte Demokratie (Basisdemokratie) ist, so ist das
herrschende System dennoch primär ein repräsentatives.

§ 11 unserer Satzung - http://wiki.piratenpartei.de/BE:Satzung#.C2.A7_11_LIQUID_DEMOCRACY

(1) Die Piratenpartei Deutschland Berlin nutzt zur Willensbildung über das Internet eine geeignete Software. Diese muss die “Anforderungen für den Liquid Democracy Systembetrieb” erfüllen, welche vom Vorstand beschlossen werden.

Liquid Democracy beinhaltet das Zusammenspiel von repräsentativer und direkter Demokratie. Man kann direkt in einer Sachfrage abstimmen, aber man kann seine Stimme auch delegieren, an Fachkompetenz oder Sozialkompetenz oder auch einfach an Politiker X. Aber man kann diese Delegation im Gegensatz zu jetzt, jederzeit ändern. Ich betrachte es als Revolution, wir sägen an den Stühlen in den Parlamenten, der Beruf des Politikers wird unattraktiv, weil seine Macht von mehr Faktoren abhängt als jetzt. Ja, wir wollen die reine repräsentative Demokratie überwinden, dass ist der Sinn des Ganzen und daher nicht problematisch, wenn man Liquid Democracy umsetzen will.

Ein Abgeordneter
hat eine Gewissensfreiheit bei seinen Abstimmungen und das finde ich
gut. Wenn Du die Meinungsbilder aus LQFD nicht nur als
Entscheidungshilfe nutzen willst, sondern immer 1:1 befolgen willst,
schafft das die Freiheit, bei der Abstimmung im Parlament dem eigenen
Gewissen zu folgen, faktisch ab.

Nicht so ganz wie du das darstellst, ich verstehe mich als Teil des Systems und werde versuchen, an den Meinungsbildern mit besten Wissen und Gewissen mitzuarbeiten. Daher ist es bisher für mich kein Problem gewesen, Meinungsbildern zu folgen, selbst wenn ich ganz rein subjektiv persönlich eine andere Meinung habe. Da ich eine Entscheidung will, die nicht mich weiterbringt, sondern die insgesamt was bewirken kann, versuche ich die Subjektivität zu überwinden hin zu Objektivität. Man kann mich mit Argumenten überzeugen und nein ich schreib da nicht einfach Texte ins Liquid, ich bin vorher am recherchieren, bei OpenGoverment waren es 3 Wochen und ein Gutachten. Der Anspruch, objektiv zu sein, soweit es möglich ist, bringt mich dazu, mich eher der Meinung der Basis als meiner eigenen zu verpflichten. Dennoch werde ich nach meinem Gewissen handeln, weil mein Gewissen die vorgenannte Handungsweise als optimal als optimal empfindet. Ich bin kein Einzelkämpfer,ich bin der Überzeugung, dass man Fachwissen braucht, ja, aber das das allein nicht weiter bringt, weil Fachwissen immer eine gewisse Betriebsblindheit mit sich bringt.

Das wäre dann auch wieder eine Art
"Fraktionszwang", von dem ich gelinde gesagt nicht viel halte.

Nein, ist es nicht, das freie Mandat bedeutet, ich kann mich entscheiden wie ich will, ich kann sagen, ich will so wie die Meinungsbilder votieren, ich darf es.

Zweitens, Deine Ankündigung, die Meinungsbilder 100%ig umzusetzen birgt
für mich eine weitere Unbehaglichkeit. Prinzipiell bewundere ich Deinen
Standpunkt, direkte Demokratie so vollständig umsetzen zu wollen. Aber
er birgt auch Risiken. So wie ich das verstanden habe, befandest Du Dich
bisher noch nicht in der Situation, in einer BVV-Sitzung abstimmen zu
müssen. So gesehen ist es natürlich leicht, jetzt zu behaupten, dass Du
es immer so machen würdest. Versteht mich nicht falsch, ich kenne Dich
nicht und habe keinen Grund Dir zu vertrauen oder nicht zu vertrauen.

Ja, du kennst mich nicht, ich kenne dich auch nicht, aber ich bin einfach so. In meinem Leben ist Ehrlichkeit wichtiger als Umgangsformen. Nun ja, ich habe gerade heute in der Fraktionssitzung wieder den Meinungsbildern von gestern zugestimmt und ich werde mich auch morgen so verhalten. Ich war in anderen Situationen, der Weg, die eigene Meinung zu überdenken ist für mich ein gangbarer Weg, z.B. war ich bei dem Betrieb der S-Bahn zuerst für eine Ausschreibung, es gab Argumente, die mich gelehrt haben, dass ich nicht Recht habe und es gab Zusammenhänge zu anderen Programmpunkten, wie gesagt, ich kann mich gegen meine subjektive Meinung entscheiden.

Da du mich nicht kennst, weißt du auch nicht wie viel mir die Meinung der anderen Piraten bedeutet.


Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass Leute, die in Parlamente
gewählt wurden, und anfangs unumstößliche Grundsätze gehabt zu haben
schienen, später doch anders entschieden... Wer hätte im Jahre 1997
gedacht, dass die Grünen einen Auslandseinsatz der Bundeswehr
beschließen würden?


Nach meinen Grundsätzen hätte ich dagegen gestimmt, vorher versucht den Beschluss zu ändern, wenn dies nicht möglich ist, dann wie in der Erklärung steht, die Vertrauensfrage und wäre gegangen, wenn es erforderlich ist. Ich brauche diese Macht nicht, ich wollte sie nicht, ich hab sie angenommen, um für die Piraten und die Berliner was zu bewirken, nicht für mich.

Des weiteren haben die anderen drei Fraktionsmitglieder kein solches
Statement abgegeben wie Du, so dass wir sowieso nicht wissen, ob Sie wie
Du die Meinungsbilder aus LQFB 1:1 umsetzen wollen (wenn sie es nicht
täten, wäre es ihr gutes Recht und verdiente dieselbe Anerkennung, die
Dir zu zollen ist).
Falls die drei ein solches Statement vor meiner Zeit abgegeben haben,
ziehe ich das zurück, aber die o.g. Bedenken gelten dann natürlich auch
für sie.

Ich kann nicht für andere sprechen, das mache ich nicht, das werde ich nicht tun. Frag sie einfach selbst.

Noch eine Bemerkung zu uns "neuen" Piraten:
Ich kann Eure Irritation bezüglich anderer Standpunkte unter den neuen
Mitgliedern verstehen, die bei Eurer vorausgehenden Diskussion noch
nicht dabei waren. Allerdings kann das niemandem zum Vorwurf gemacht
werden. Wenn man eine Partei oder einen Verein gründet oder dort
eintritt, weiß man vorher, dass jederzeit neue Leute dazu kommen können,
die das Klima und die Standpunkte beeinflussen, wenn nicht gar verändern
könnten.

Ich mache es niemanden zum Vorwurf, es wäre absehbar gewesen, dass es so läuft, ich hatte diese Vermutung bereits als sich nur 7 bei Erfahrungen mit Liquid Feedback gemeldet haben. Die Diskussion ist nun im Gange, was ich auch nicht negativ finde und wie schon mindestens 3x geschrieben, niemand muss sich danach richten, was ich will. Ich stelle einen Antrag und ja, ich verteidige diesen Antrag, ist für mich logisch.


Und generell noch zu LQFB als Werkzeug: Ich bin nach wie vor der
Meinung, dass es sich dabei um ein Hilfsmittel handelt, nicht mehr und
nicht weniger.

Wieviel Initiativen hast du mit LQFB erstellt, wieviele Initiativen hast du verfolgt, wieviel Anregungen geschrieben, wieviele Iniativen unterstützt, wieviel Anregeungen, wieviel Alternativanträge hast du geschrieben, hast du schon einmal einen Antrag für LMV, BPT oder LaVo geschrieben. Oder ist das die Sicht eines Außenstehenden?

Gekoppelt mit der Einsicht, dass es in der Piratenpartei sicherlich so
einige Leute geben wird, die mit einer wie auch immer gearteten
Klarnamenpflicht ein Problem hätten, wäre es schade, wenn diese Leute
dann als Konsequenz LQFB gar nicht mehr nutzen würden, wie es gestern ja
durchaus angekündigt wurde (ich müsste auch stark überlegen). Diese
Leute haben evtl. einen ebenso konsequenten Standpunkt wie Du. Und wenn
diese Leute eine gewisse Zahl ausmachen, dann verlöre LQFB ebenso seine
demokratische Legitimation wie durch den Verdacht, manipulierbar zu sein.

Dessen bin ich mir bewusst, nur kann ich nicht nachvollziehen, dass die Gegenmeinung "besser" sein soll, als meine und warum niemand auf die Idee kommt, dass dann diejenigen, die das System mit einem Wahlcomputer vergleichen, es nicht nutzen würden? Warum kommt immer niemand auf diese Idee. Daher ist das kein Argument, sondern die Darstellung einer Konsequenz. Also ebenfalls keine demokratische Legitimation und daher Patt.


Mich erinnert die ganze Debatte ehrlich gesagt stark an die Debatte um
den elektronischen Personalausweis bzw. Reisepass und dem Fingerabdruck.
Da wurde auch von vielen Leuten - wie gestern bei den Klarnamen -
gesagt, der Fingerabdruck sei ein ungeeignetes Mittel, um mehr
Sicherheit zu schaffen (CCC -> Schäuble).

Ich liebe solche Vergleiche, seltsamerweise kommen die immer, wenn die Argumente ausgehen, wenn du den CCC erwähnst, dann schau dir doch mal bei Gelegenheit das Gutachten derer zum Wahlcomputer an - oder das BGH-Urteil http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg09-019.html

Auszug:

Einschränkungen der bürgerschaftlichen Kontrollierbarkeit des Wahlvorgangs können nicht dadurch ausgeglichen werden, dass Mustergeräte im Rahmen des Verfahrens der Bauartzulassung oder die bei der Wahl konkret eingesetzten Wahlgeräte vor ihrem Einsatz von einer amtlichen Institution auf ihre Übereinstimmung mit bestimmten
Sicherheitsanforderungen und auf ihre technische Unversehrtheit hin
überprüft werden. Auch eine umfangreiche Gesamtheit sonstiger
technischer und organisatorischer Sicherungsmaßnahmen ist allein
nicht geeignet, fehlende Kontrollierbarkeit der wesentlichen
Schritte des Wahlverfahrens durch die Bürger zu kompensieren. Denn die Kontrollierbarkeit der wesentlichen Schritte der Wahl fördert begründetes Vertrauen in die Ordnungsmäßigkeit der Wahl erst dadurch, dass die Bürger selbst den Wahlvorgang zuverlässig
nachvollziehen können.



Abschließend denke ich, dass es ebenso wichtig ist, mehr Argumente
auszutauschen (was ja vertagt wurde) wie die technische Erklärung der
Macher des Systems zu bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass es für
viele - unabhängig von der technischen Umsetzung - eine Gewissensfrage
sein wird.

Einen schönen Abend an alle

Sebastian

Ebenfalls schönen Abend und ich hoffe, dass die Links die ich heute über Wahlverfahren verschickt habe, auch genutzt werden.

Moni





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