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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Antragsdiskussion: Gleichstellung aller Einkommensarten

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Antragsdiskussion: Gleichstellung aller Einkommensarten


Chronologisch Thread 
  • From: bonbini <bonbini AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Antragsdiskussion: Gleichstellung aller Einkommensarten
  • Date: Tue, 18 Oct 2011 15:27:10 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Irgendwie hab ich bei dieser ganzen Debatte den Eindruck, ich bin im falschen Film. Unter dem Vorwand der Steuergerechtigkeit müht Ihr Euch darum, wie Ihr am geschicktesten eine massive Abgabenerhöhung gerade für den "Mittelbauch" durchdrücken könnt, der Euch angeblich so am Herzen liegt.

Als Beispiel zitiere ich nur mal Andena:

Andena schrieb:

Das geht eindeutig in die richtige Richtung. Ich hatte sowas ähnliches auch schon mal aufgestellt:

/A. Abschaffung der Beitragskappungsgrenzen
B. Ausweitung der Versicherungspflicht auf ALLE Einkommensarten
C. Einführung eines einheitlichen Steuersatzes für Einkommen oberhalb eines steuerfreien Einkommensbereichs

Das könnte dann zum Beispiel wie folgt aussehen:
* Einkommen bis 10.000 € im Jahr sind Steuerfrei
* alle Einkommen unterliegen einer 26%igen Sozialabgabenquote
* alle Arbeitseinkommen über 10.000 € unterliegen einer 20%igen Einkommensteuer
* ggf Anpassungen bei Abgeltungssteuer, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer/

Was das für einen Freiberufler wie mich bedeutet, ist klar: Meine Abgaben von derzeit etwa 25 bis 30 Prozent meines Einkommens steigen auf 46 Prozent an! (Und ich verdiene deutlich weniger als die berüchtigten 100.000.) Nein danke!

Ich habe nichts gegen Steuervereinfachung und gerechtere Erhebung der Sozialabgabenquote. Aber doch bitte nicht so! Aber das kommt natürlich davon, wenn man sich nur ein Element eines komplexen Zusammenhangs herauspickt und den Rest außer Acht lässt. Ebenso wie alternative Modelle.

Vielleicht solltet Ihr mal Eure Definitionen von "Mittelschicht" und "Gutverdiener" offenlegen. Mir scheint, da wird immer noch mit Einkommenskategorien aus den 60er Jahren gearbeitet, als jemand mit 40.000 Mark Einkommen im Jahr als "reich" galt.

Als Freiberufler habe ich schon jetzt kaum Möglichkeiten der "steuerlichen Gestaltung", wie sie Unternehmen haben. Warum versucht Ihr denn nicht, die Einnahmesituation durch eine höhere Besteuerung von Unternehmensgewinnen zu verbessern? Wieder einmal sollen diejenigen ran, die sowieso immer gemolken werden.

Als Pirat gehe ich zunächst einmal davon aus, dass jedem Bürger, der für sein Einkommen hart schuftet, davon so viel wie möglich in der Tasche bleibt. Bei Euch scheint das umgekehrt zu sein: Ihr überlegt, wie viel Ihr den Bürgern abpressen könnt für einen aufgeblähten und ineffektiven Apparat. Ihr stellt nicht den Apparat infrage, sondern dessen Beitreibungsmodelle.

Als Pirat sehe ich mir an, welche Aufgaben gesellschaftlich sinnvoll sind und wie die organisiert sind, von der Bildung über den Verkehr bis zum Gesundheitswesen. Dann lege ich zunächst da die Axt an oder schaue, wie sie sich refinanzieren oder umsteuern lassen.

Ihr hingegen nehmt die Kosten für gegeben und überlegt, wie der Staat noch mehr gutes Geld an sich reißen kann, um es schlechtem Geld hinterherzuwerfen.

Eins stimmt: Geld ist in dieser Gesellschaft genug vorhanden, um eine solide Finanzierung gesellschaftlicher Leistungen zu erreichen. Ihr wollt es nur bei den Falschen abholen.

Dass Ihr dabei einer der produktivsten gesellschaftlichen Gruppen, nämlich den Freiberuflern und Selbstständigen, den Todesstoß versetzt, das scheint Euch entweder zu entgehen - oder es ist Euch egal.

Beides ist gleich schlimm.

Gerd R.




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