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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Schulze @ Work?

ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

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Re: [AG Liquid Democracy] Schulze @ Work?


Chronologisch Thread 
  • From: Der Moonopool <the.moonopool AT googlemail.com>
  • To: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Schulze @ Work?
  • Date: Tue, 23 Oct 2012 09:43:58 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>


Am 23. Oktober 2012 01:07 schrieb Michael Armbrecht <michael_armbrecht AT gmx.net>:

Erst denken, dann mailen. Nichts für ungut.

Das ist natürlich grundsätzlich zu unterstützen.

Dennoch: Hier sind alle Indikatoren in den Stimmanzahlen eindeutig: mehr Beteiligung, mehr Zustimmung, weniger Ablehnung, höhere Prozente und trotzdem verliert die i4674 aufgrund irgendwelcher obskurer Zusatzinfo, die für den "normalen" Teilnehmer nicht wirklich nachvollziehbar ist. Oder, um die Polemik in dieser Aussage mal auf meinen persönlichen Punkt zu bringen: die für mich nicht nachvollziehbar ist ;-)

Für mich wirft sich anhand derartiger Ergebnisse die Frage auf, ob eine solche Vorgehensweise wirklich geeignet ist, Vertrauen in elektronische Abstimmungsverfahren aufzubauen. Bei mir wirkt es eher entgegengesetzt.

Welche Komponenten haben wir denn eigentlich bei der "Vertrauensfrage"?

1. Dürfen/können alle mitstimmen, die wollen?
2. Sind die tatsächlichen Teilnehmer alle "echt" und nur einmal im System?
3. Werden alle abgegebenen Stimmen berücksichtigt und keine dazugemacht?
4. Wird richtig zusammengezählt und das Ergebnis korrekt ausgerechnet?

Ich vergleich da mal LQFB mit meinem Vorurteil von Bundestagswahlen (was sicher einer hier geraderücken wird, wenn das eine oder andere nicht passt, jedenfalls werde ich keine großen Nachforschungen betreiben).

1. Dürfen/können alle mitstimmen, die wollen?

Bei der Bundestagswahl wird ein riesiger Aufwand betrieben, Stimmkarten werden verschickt, und wenn man fehlt, kann man sich einige Tage lang(1) noch nachtragen lassen. Inwieweit der politisch nicht so engagierte Bürger dieses Angebot tatsächlich nutzt, konnte ich nicht auf die Schnelle herausfinden. Ergebnis: irgendwie hab ich noch nie Klagen darüber gehört, dass da einer nicht wählen konnte, der wollte.

Beim LQFB hatten wir lange den Zustand, dass viele wollten, aber aus irgendwelchen technischen Gründen nicht konnten. Klaus hat da um den letzten BPT herum eine Riesenaktion gemacht und im Anschluß an seine Wahl wohl Prozessverbesserungen vorgenommen. Seitdem sind die Klagen in meiner Wahrnehmung leiser geworden, eine Transparenz erscheint mir aber nicht hergestellt. Insbesondere fehlt, zumindest mir, da der überzegende "bold move".

Ein zumindest einmaliges Anschreiben aller Mitglieder (so wie bei der Einladung zu Parteitagen) und anschließende Akkretidierungsmöglichkeit bei einem Amtsträger würde hier die Transparenz und damit das Vertrauen massiv stärken, weil damit zumindest bekannte Altlasten abgebaut würden ... und nicht so viele am komplexen Anmeldeprozess scheitern.

2. Sind die tatsächlichen Teilnehmer alle "echt" und nur einmal im System?

Bei der BTW stellen verschiedene Parteien die Besetzung der Wahllokale und ohne Personalausweis, Wahlkarte und Abhaken im Wählerverzeichnis geht nichts. Da man selbst sehen kann, ob der richtige Name abgehakt wird, kann ich mir nur unter größten Schwierigkeiten vorstellen, dass hier einer mehrfach abstimmen kann. Keinesfalls jedoch irgendwie im großen Stil. Auch dass Stimmzettel dazugemogelt werden könnten, erscheint mir unwahrscheinlich, da dann ja auch Haken dazugemogelt werden müssten, und zwar genau in der richtigen Anzahl (und mit den richtigen demographischen Merkmalen).

Bei uns dagegen ist der Bemerkung von Kattuhl "Meine Sockenpuppen hab ich auf mehrere Delegaten verteilt, die gar nichts von ihrem Glück wissen. Nur bei Abstimmungen, die mir sehr wichtig sind, stimmen sie mit einem mal "selbst" ab - zumindest einige. Nun viel Spass beim suchen. ;-)" neulich auf der Liste nichts entgegenzusetzen. Erstens haben wir keine Mittel dafür in der Hand. Das wäre bei der BTW auch so. Aber im Untersschied zu dort ist es absolut plausibel, dass er sich Sockenpuppen verschaffen konnte, hätte er das gewollt. Sei es kostenpflichtig (48€ pro Jahr) oder nicht.

Es liegen hinreichend viele Vorschläge für vertrauenswürdige Akkreditierungsmechanismen vor, zuvorderst sei "Dunkelzahns Urne" genannt. Ich bin gespannt, ob die jüngsten Vorstandsbeschlüsse hier mehr Vertrauen schaffen, als sie durch die dazu notwendige Datenspeicherung zerstören. Auf jeden Fall müsste überzeugender mindestens gegen die bekannten Manipulationsmöglichkeiten vorgegangen werden.

3. Werden alle abgegebenen Stimmen berücksichtigt und keine dazugemacht?

Dass bei der Auszählung zur BTW die verschiedenen, konkurrierenden Parteien hier beieinander sind (ich habe da auch schon NPD-Parteigänger beim Auszählen gesehen) und sich gegenseitig überwachen, erzeugt erhebliches Vertrauen in den Prozess. Praktisch ist es natürlich so, dass die Anzahl der Zuschauer überschaubar ist (vermute ich jedenfalls ;-), aber da wird es der Schwarm schon richten. Natürlich sind Menschen Menschen (2) und aus NPD-Kreisen verlautet schon mal, dass in einem WK 0 NPD-Stimmen gezählt wurden, obgleich ein paar Leute Stein und Bein schwören, dass sie NPD gewählt haben. Aber das sind extreme Ausnahmefälle, die meiner Kenntnis nach vor Gericht bisher keine Bestätigung erfahren haben. Wenn dann ausgezählt ist, werden die Wahlkreisergebnisse und alle Summenstufen darüber veröffentlicht, so dass wir wieder dem Schwarm vertrauen dürfen.

Im LQFB gibt es dergleichen Kontrollmechanismus bei der Auszählung nicht und man braucht ihn (auch beim geringsmöglichen Zutrauen in Software) aus theoretischer Sicht wohl auch nicht wirklich. Stattdessen kann man am Ende der Abstimmung sehen, wer wie abgestimmt hat(3), und insbesondere kann man auch die eigene Stimme sehen. Nun ja, wenn man nicht delegiert hat. Dann wird es schwieriger, geht aber auch irgendwie. Praktisch ist das selbst-Auszählen eher schwierig und der Kontrollmechanismus durch die verschiedenen Parteien, die gemeinsam auszählen, fehlt bzw. wird durch StreetDogg und einige andere Nerds ersetzt, die (vielleicht) im Datenbank-Dump wühlen. Ausserdem wird die Sache durch die Delegationsmöglichkeiten zusätzlich unübersichtlich.

Während bei der BTW das System so wie es ist bezüglich seiner Transparenz eher am Ende angelangt ist, wäre im LQFB superleicht Abhilfe zu schaffen. Die Maßnahmen liegen auf der Hand: Ich benötige in jedem Fall eine aktive Benachrichtigung, was mit meiner Stimme passiert ist. Wenn unter 2. sichergestellt wurde, dass die Sockenpuppen kein Problem sind, dann ist dies ein wirklungsvolles Hilfsmittel, die Kontrolle sicherzustellen. Und gibt überdies das gute Gefühl, "was getan" zu haben, selbst wenn es nur die delegierte Stimme gewesen ist ;-) Auch wenn viele dann die Mails in die Spambox schieben werden, bleibt eine gute Chance übrig, dass irgendwelche systematischen Fehler rausgefischt werden können.

4. Wird richtig zusammengezählt und das Ergebnis korrekt ausgerechnet?

Bei der BTW funktioniert da der unter 3. beschriebene Mechanismus ziemlich gut. Ein ungutes Gefühl bleibt, aber ich hätte keinen Vorschlag, wie man das praktisch besser machen könnte.

Im LQFB steht mir die Benutzeroberfläche und theoretisch der Datenbank-Dump zur Verfügung. Letzterer hilft (zumindest mir) praktisch jedoch Nulll. Und der Schwarm, dem ich hier vertrauen muss, ist erheblich kleiner als bei der BTW (genauer: ich weiß eigentlich nur von zweien...). Kein Gutes Gefühl. Über die Benutzeroberfläche geht es aber auch nicht: Bei einer Abstimmung wie der oben verlinkten(4) kann man sich interaktiv zwar beliebig bis zu jeder einzelnen Stimme durchklicken, eine Nachzählbarkeit ist allerdings, auch bei durchaus vorliegendem Vertrauen in die Elektronik (die z.B. durch (3) etwas angekratzt ist), bei hunderten von Abstimmenden praktisch nicht gegeben.

Dabei wäre auch hier die Abhilfe so einfach: Sortierbarkeit der Stimmzettel nach Zustimmung / Ablehnung, nach Präferenz für die einzelnen Initiativen, nach Benutzernamen, einfach ein bisschen interaktives Analytics, wie es jede betriebswirtschaftliche Software zuließe. Und eine genaue Beschreibung des Präferenzverfahrens, wie es in diesem konkreten Fall gewirkt hat. Der Verweis auf die Wikipedia (5) und das kleine Präferenzierungspfeilchen (das im Falle (4) sagt: "248 < 79") reicht hier in keinem Falle. und da ist auch Michael prompt reingelaufen.

Die rein technischen Fragen (LUA, Security und so) hab ich dabei übrigens intentional weggelassen...

Zusammenfassend:

Ja, erst denken, dann mailen ist gut. Aber wenn eine Gruppe von Problemen ständig wieder breit präsent ist, dann sollte sich der Einzelne eben gerade nicht sagen "mein Fehler", sondern dann sollten wir irgendwie versuchen, die notwendigen Schritte zur Steigerung der Nachvollziehbarkeit einzuleiten. Ideen sind gefragt :) Der Parteitag noch Bochum sollte unser sein für diesen Zweck und ich hoffe, dass in Bochum selbst keine übereilten Beschlüsse gefasst werden, die den Weg versperren...

Lieben Gruß,
Dirk
@moonopool

(1) http://www.bundeswahlleiter.de/de/glossar/texte/Waehlerverzeichnis.html
(2) http://preview.tinyurl.com/9vqf7k9
(3) dabei ist mir ein Fehler aufgefallen: Wenn ich auf das Daume-Symbol bei einem Abstimmenden klicke, kommt eine Seite, auf der oben steht: "Stimmzettel von X für Thema Y" und dann die Stimmen von X in ihrer Präferenz. Nur leider stimmt das X von oben mitunter nicht, d.h. es ist ein anderer Name angegeben, as der, dessen Präferenz unten gezeigt wird. Screenshot hab ich gemacht, aber das Problem ist offenbar sporadisch. Wohin würde man ein ticket adressieren?
(4) http://lfpp.de/t2710
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Schulze-Methode


 



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