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Betreff: Mailingliste des Arbeitskreis Tierschutz NRW
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Re: [nrw-ak-tierschutz] NRW-AK-Tierschutz Nachrichtensammlung, Band 4, Eintrag 82, Re: Ticket 47518
Chronologisch Thread
- From: Sarah Mlynek <mlyneksarah AT googlemail.com>
- To: nrw-ak-tierschutz AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [nrw-ak-tierschutz] NRW-AK-Tierschutz Nachrichtensammlung, Band 4, Eintrag 82, Re: Ticket 47518
- Date: Thu, 26 Apr 2012 21:05:27 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-tierschutz>
- List-id: Mailingliste des Arbeitskreis Tierschutz NRW <nrw-ak-tierschutz.lists.piratenpartei.de>
Guten Tag!
Ich wollte nur kurz Stellung beziehen zu der Antwort von Julia auf meine Mail. Da sieht man mal wieder, dass Unwissenheit solche Debatten leider beherrscht und wie wichtig die Meinung von Experten aus den jeweiligen Tierverbänden, in diesem Fall der DGHT z.B., ist. Warum gehst Du davon aus aus, dass der Königspython in riesigen Terrarien gehalten werden muss? Wie groß wird diese Schlangenart denn deiner Meinung nach? Und wie verhält sie sich, damit ein Riesenterrarium gerechtfertigt ist?
Ein Königspython ist eine extrem defensive, träge und zurückgezogen lebende Schlangenart, die weder großartig klettert (wie z.B. der Baumpython) noch kilometerweit umherstreift (wie z.B. die Kornnatter). Dafür ist der kurze gedrungene Körperbau nicht ausgelegt. Sie sind weder giftig noch groß genug (der Königspython wird grad mal 1m bis 1,50m lang und allerhöchstens 3kg schwer, eher 1,5 bis 2 kg) noch schnell genug um auf offenem Gelände einem Beutegreifer entkommen zu können bzw sich ihm entgegen zu stellen. Also verkriechen sich die Schlangen tagsüber in alten Termitenbauten oder Baumstämmen um der Hitze aus dem Weg zu gehen und kommen nur nachts bzw zur Dämmerung raus um zu jagen oder sich einen Sexualpartner zu suchen. Also sie geraten nur in Bewegung wenn sie entweder der Hunger oder der Fortpflanzungstrieb dazu treibt. Wobei hier, wie bei fast allen Arten, die Männchen die aktiveren Sucher sind und die Weibchen sich suchen lassen :)
Für die Haltung in Menschenhand bedeutet das, dass man in erster Linie dem Sicherheitsbedürfnis dieser zurückgezogen lebenden Schlange Genüge tun muss, indem man sie entweder in Racks hält, die den klimatischen und Eng/Licht-Verhältnissen eines Termitenbaus fast perfekt nahekommen, oder indem man in dem höchstens 40cm hohen (höher würde eine große Verletzungsgefahr dieser durch den nicht vorhandenen "Festhalte"Greifschwanz sehr ungeschickten Kletterer bedeuten!) Terrarium viele viele viele Versteckmöglichkeiten, die einen engen Körperkontakt der Schlange zur Versteckwand am besten von allen Seiten ermöglichen, anbietet. Ein Königspython, der den ganzen Tag in seinem Terrarium unterwegs ist, fühlt sich nicht sicher und sucht ein Versteck, in welches er sich zurückziehen kann. In der Rackhaltung fressen diese früher als Problemtiere verschrien Schlangen übrigens ohne Probleme, sie häuten sich normal, werden nicht krank und pflanzen sich mit großem Erfolg fort. Und da man Reptilien nunmal auf eine andere Art und Weise nicht ansieht, wenn sie sich nicht wohlfühlen (wohlfühlen ist eh wieder so ein "Menschenwort" mit welchem sich Tiergefühle nur unzureichend darstellen lassen und immer vermenschlicht werden, womit man dem Tier einfach keinen Gefallen tut), würde ich ganz klar behaupten dass die Rackhaltung im Falle des Königspythons artgerecht ist.
Wie gesagt bin ich auf jeden Fall für eine Art Tierführerschein. Ich habe keine Probleme damit meine Sachkunde nachzuweisen. Wenn ich sehe wie unwissend 90% der Hundehalter sind, dreht sich mir der Magen um. Und zum Glück sind es bei den sog. Exoten deutlich weniger Unwissende^^
Wildfänge grundlegend zu verteufeln finde ich auch falsch, da es durchaus auch Sinn macht eine Tierart z.B. aus einem durch Abholzung bedrohten Gebiet zu retten und z.B. in Zoos weiter zu halten. Tausende von Tieren einer Tierart zu fangen, in unglaublichen Behältnissen in andere Länder zu schmuggeln, wobei 80% der Tiere elendig verrecken, aus dem einzigen Grund diese möglichst gewinnbringend weiterzuverkaufen, ist natürlich absolut indiskutabel und muss in schärfster Form geahndet werden.
Liebe Grüße
Sarah :)
Ich wollte nur kurz Stellung beziehen zu der Antwort von Julia auf meine Mail. Da sieht man mal wieder, dass Unwissenheit solche Debatten leider beherrscht und wie wichtig die Meinung von Experten aus den jeweiligen Tierverbänden, in diesem Fall der DGHT z.B., ist. Warum gehst Du davon aus aus, dass der Königspython in riesigen Terrarien gehalten werden muss? Wie groß wird diese Schlangenart denn deiner Meinung nach? Und wie verhält sie sich, damit ein Riesenterrarium gerechtfertigt ist?
Ein Königspython ist eine extrem defensive, träge und zurückgezogen lebende Schlangenart, die weder großartig klettert (wie z.B. der Baumpython) noch kilometerweit umherstreift (wie z.B. die Kornnatter). Dafür ist der kurze gedrungene Körperbau nicht ausgelegt. Sie sind weder giftig noch groß genug (der Königspython wird grad mal 1m bis 1,50m lang und allerhöchstens 3kg schwer, eher 1,5 bis 2 kg) noch schnell genug um auf offenem Gelände einem Beutegreifer entkommen zu können bzw sich ihm entgegen zu stellen. Also verkriechen sich die Schlangen tagsüber in alten Termitenbauten oder Baumstämmen um der Hitze aus dem Weg zu gehen und kommen nur nachts bzw zur Dämmerung raus um zu jagen oder sich einen Sexualpartner zu suchen. Also sie geraten nur in Bewegung wenn sie entweder der Hunger oder der Fortpflanzungstrieb dazu treibt. Wobei hier, wie bei fast allen Arten, die Männchen die aktiveren Sucher sind und die Weibchen sich suchen lassen :)
Für die Haltung in Menschenhand bedeutet das, dass man in erster Linie dem Sicherheitsbedürfnis dieser zurückgezogen lebenden Schlange Genüge tun muss, indem man sie entweder in Racks hält, die den klimatischen und Eng/Licht-Verhältnissen eines Termitenbaus fast perfekt nahekommen, oder indem man in dem höchstens 40cm hohen (höher würde eine große Verletzungsgefahr dieser durch den nicht vorhandenen "Festhalte"Greifschwanz sehr ungeschickten Kletterer bedeuten!) Terrarium viele viele viele Versteckmöglichkeiten, die einen engen Körperkontakt der Schlange zur Versteckwand am besten von allen Seiten ermöglichen, anbietet. Ein Königspython, der den ganzen Tag in seinem Terrarium unterwegs ist, fühlt sich nicht sicher und sucht ein Versteck, in welches er sich zurückziehen kann. In der Rackhaltung fressen diese früher als Problemtiere verschrien Schlangen übrigens ohne Probleme, sie häuten sich normal, werden nicht krank und pflanzen sich mit großem Erfolg fort. Und da man Reptilien nunmal auf eine andere Art und Weise nicht ansieht, wenn sie sich nicht wohlfühlen (wohlfühlen ist eh wieder so ein "Menschenwort" mit welchem sich Tiergefühle nur unzureichend darstellen lassen und immer vermenschlicht werden, womit man dem Tier einfach keinen Gefallen tut), würde ich ganz klar behaupten dass die Rackhaltung im Falle des Königspythons artgerecht ist.
Wie gesagt bin ich auf jeden Fall für eine Art Tierführerschein. Ich habe keine Probleme damit meine Sachkunde nachzuweisen. Wenn ich sehe wie unwissend 90% der Hundehalter sind, dreht sich mir der Magen um. Und zum Glück sind es bei den sog. Exoten deutlich weniger Unwissende^^
Wildfänge grundlegend zu verteufeln finde ich auch falsch, da es durchaus auch Sinn macht eine Tierart z.B. aus einem durch Abholzung bedrohten Gebiet zu retten und z.B. in Zoos weiter zu halten. Tausende von Tieren einer Tierart zu fangen, in unglaublichen Behältnissen in andere Länder zu schmuggeln, wobei 80% der Tiere elendig verrecken, aus dem einzigen Grund diese möglichst gewinnbringend weiterzuverkaufen, ist natürlich absolut indiskutabel und muss in schärfster Form geahndet werden.
Liebe Grüße
Sarah :)
1. Re: Ticket 47518 (Julia von der Ahe)
2. Re: [AG-Tierrecht] Zoophilie (Carsten Knorr)
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Message: 1
Date: Thu, 26 Apr 2012 10:46:20 +0200
From: Julia von der Ahe <arduinna369 AT gmx.de>
To: Mailingliste des Arbeitskreis Tierschutz NRW
<nrw-ak-tierschutz AT lists.piratenpartei.de>
Subject: Re: [nrw-ak-tierschutz] Ticket 47518
Message-ID: <4F990B5C.8040505 AT gmx.de>
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Ich kann die Haltung des Autors nachvollziehen. Wie Claudia sagt ist das
generelle verbot eh nicht machbar und die Frage wäre auch, wo grenzt man
dann ab? Es muss also von den Haltungsbedingungen ausgehen.
Beispiele die er bringt wie z.b. den Königspython sehe ich trotzdem
kritisch, denn hier zählt nicht die Gefahr oder Giftigkeit, sondern der
Platzbedarf des Tieres dem meiner Meinung nach nicht gerecht werden
kann. Zuviele große Schlangen versauern in Miniterrarien und man kann
halt nicht mit ihnen spazieren gehen um ihnen Bewegung zu beschaffen.
Allerdings kann ich mich auch nicht hinstellen und pauschal sagen
"niemand ist in der Lage ein Terrarium einzurichten das groß genug ist".
Man müsste demnach vielleicht eher (soweit nicht schon vorhanden) eine
Meldepflicht einführen, im Rahmen derer die Vorraussetzungen geprüft
werden. Ohne einen gültigen Tierführerschein darf die legale Anschaffung
solcher Tiere nicht möglich sein.
Zudem möchte ich mich Claudia anschließen was ihre Bemerkung zu
Wildfängen angeht.
LG
Julia
Am 26.04.2012 01:46, schrieb Carsten Knorr:
> Hallo zusammen,
> ich hab den Namen mal rausgenommen.
>
> Ich würd sagen, wir antworten morgen abend, bis dahin sammeln wir
> Statements auf der ML.
>
> Meine Gedanken gehen in die Richtung: Halteoption hängt zu gleichen
> Teilen von artspezifischen Bedürfnissen und Gefährlichkeit ab.
> Persönliche Entfaltung darf nicht zu Lasten von Tieren gehen.
>
> Ganz grob, da wird bis morgen abend mehr raus.
>
> Grüße
> Carsten
>
>
> Guten Tag!
>
> Mein Name ist - und ich habe eine Frage bezüglich des von Euch
> beschlossenen Vorschlag eines Heimtiergesetzes in NRW. Grundsätzlich
> begrüße ich ein solches Gesetz auf jeden Fall, es MUSS eine Regelung
> eingeführt werden, die die Tiere vor Falschbehandlung durch unwissende
> Menschen schützt. Ein Tierhaltungsführerschein sollte eingeführt werden.
> Ich bin jederzeit dazu bereit meine Sachkunde unter Beweis zu stellen um
> eine von mir gehaltene Tierart auch weiterhin halten zu dürfen. Meine
> Frage
> wäre jetzt, ob das in eine radikale "Wir verbieten jegliche Exotenhaltung
> in Privathaushalten"-Richtung gehen soll, die ja dann allerdings im
> Gegensatz zu einem Eurer Grundsätze, dass jeder Mensch das Recht hat
> seine
> Lebensumstände selber zu wählen (zu denen ja auch die Haustierwahl
> gehört),
> steht? Ich zitiere mal aus Eurem Landtagswahlenprogramm:
>
> "Die PIRATEN NRW setzen sich für die Einführung eines landesweiten
> Heimtiergesetzes (HeimTG) ein, das den tierschutzrechtlichen Umgang mit
> Heimtieren regeln soll. Es soll für private und gewerbsmäßige Halter,
> Ausbilder, Züchter und Händler gelten.Es soll Regeln für alle Heimtiere
> enthalten: Hunde, Katzen, Ziervögel, Kleintiere, Reptilien und Amphibien
> sowie Spinnentiere und Insekten."
>
>
> Es existieren in einigen Bundesländern bereits Exotenlisten, auf denen
> die
> Haltung von bestimmten Tierarten verboten wird, die JEGLICHER Grundlage
> entbehren. Auf dieser Verbotsliste des Landes Thüringen stehen z.b.
> Schlangenhalsschildkröten, Pfeilgiftfrösche, Königspythons oder
> Vogelspinnen, die alle in keinster Weise gefährlich oder gar tödlich sind
> für den Menschen. Ich bin ganz klar für das Haltungsverbot von Tieren,
> die
> entweder durch Gift (Königskobra oder bestimmte Skorpionarten z.B.) oder
> Größe (grüne Anakonda oder Großkatzen z.B.) einen Menschen töten können.
> Aber eine solche Liste sollte unter Mithilfe von Sachverständigen aus
> Verbänden wie der DGHT z.B. erstellt werden und nicht gefärbt durch
> persönliche Abneigung ("Spinnen sind eklig") oder Hören/Sagen ("Alle
> Riesenschlangen sind gefährlich für den Menschen") bzw Unwissen.
> Pfeilgiftfrösche z.B. entwickeln ihr Gift nur in freier Natur, da sie es
> durch das Fressen von bestimmten Ameisen bilden. In der Terrarienhaltung
> bekommen sie diese natürlich nicht und sind deswegen auch nicht giftig.
> Außerdem finde ich den Begriff der "Exoten"haltung irreführend, denn
> welches Tier ist denn bitte ein Exoten und welches nicht? Die Hauskatze
> kommt ursprünglich aus Afrika, ist sie dann ein Exot?
>
>
> Mir ist natürlich klar, dass Ihr mir hier keine allgemein- und für immer
> gültige Antwort geben könnt, da sich so ein Programm bzw
> Gesetzesentwurf ja
> entwickelt. Ich möchte nur gerne grob wissen in welche Richtung da Eure
> Gedanken gehen, da ich durchaus vorhabe ein Mitglied dieser Partei zu
> werden (und vielleicht auch irgendwann mal Einfluss zu nehmen^^). Und da
> liegt mir als Tierhalter der richtig verstandene Tierschutz (also*
> nicht *im
> Sinne von radikal-terroristischen Organisationen wie PETA) sehr am
> Herzen :)
>
>
> Liebe Grüße
>
>
>
- Re: [nrw-ak-tierschutz] NRW-AK-Tierschutz Nachrichtensammlung, Band 4, Eintrag 82, Re: Ticket 47518, Sarah Mlynek, 26.04.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Reptilienhaltung, Carsten Knorr, 27.04.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Reptilienhaltung, Claudia, 27.04.2012
- Re: [nrw-ak-tierschutz] Reptilienhaltung, Carsten Knorr, 27.04.2012
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