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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] [AG-Steuerpolitik] [Energiepolitik] Energiesteuer (auf Kraftstoffe)

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] [AG-Steuerpolitik] [Energiepolitik] Energiesteuer (auf Kraftstoffe)


Chronologisch Thread 
  • From: Gunnar Kaestle <gunnar.kaestle AT gmx.net>
  • To: "waltraud AT westfaelin.de" <waltraud AT westfaelin.de>, AG Steuerpolitik <ag-steuerpolitik AT lists.piratenpartei.de>, AG Energiepolitik <energie_und_infrastruktur AT lists.piratenpartei.de>, AG Soz-Markt <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] [AG-Steuerpolitik] [Energiepolitik] Energiesteuer (auf Kraftstoffe)
  • Date: Thu, 19 Jul 2012 10:45:42 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>

waltraud AT westfaelin.de schrieb:

Wie wollt ihr dabei die Stromkosten auf einem erträglichen Level
halten.

Ich zahle heute bereits ca. 1000,- Euro pro Jahr. Soll das dann
zukünftig 2.000,- werden?

Ja, das passiert ohne erneuerbare Energien (hoher Kapitaleinsatz, aber geringe variable kosten) ganz automatisch, allein schon wenn man sich die Korrelation der fossilen Brennstoffpreise anschaut. Der Preisanstieg beim Öl zieht Gas und Kohle aufgrund von Substitutionseffekten mit, auch wenn die Austauschmöglichkeitn nur klein sind.

Im Kraftwerkssektor kann man z.B. die Gaskraftwerke länger laufen lassen, und die Kohlekraftwerke weniger stark nutzen, wenn sich Verschiebungen beim Brennstoffpreis und CO2-Preis ergeben. Bei stärkerer Verbreitung von Erdgasfahrzeugen kann ein Flottenbetreiber die Auslastung ebenfalls steuern bzw. langfristig Neuanschaffungen mit unterschiedlichem Treibstoffkonzept tätigen.

Zudem würde eine Abgabe auf Kraftstoffe zur Förderung von Substituten ÖPNV, Erdgastankstellen, E-Mobile Batterien etc. nicht auf den Strompreis aufgeschlagen werden, sondern auf den Spritpreis. Mit dem Preisaufschlag auf erdölbasierte Treibstoffe hätte man dann günstigere Bus- und Bahnfahrten, oder ein dichteres OPNV-Netz, günstigere E-Mobile Angebote zur Verfügung und könnte damit den Ölkonsum begrenzen. Ich verweise in dem Zusammenhang noch mal auf das Rimini-Protokoll. http://de.wikipedia.org/wiki/Rimini-Protokoll

Und wenn ja, wie sollen Menschen mit geringem Einkommen dann den
Strom zum Kochen bezahlen?

Das ist zum einen keine Frage der Energiepolitik, sondern eine Frage der Sozialpolitik. Menschen mit geringen Einkommen brauchen nicht nur Strom zum Kochen, sondern auch ein Bett zu Schlafen und Schuhe zum Laufen. Aber generell will ich hier mal anregen, dass man die Möglichkeiten vereinfacht, den billigen Strom aus dem KWK-Keller und vom PV-Dach im Zuge von Grid-Parity und Eigenstromverbrauch auch im Mehrfamilienhaus an die Mieter weiterzugeben. Dass Herr Krawinkel von den Verbraucherzentralen gegen die PV wettert, sie sei sozial ungerecht, ist Blödsinn. Ungerecht ist es, dass man es den Mietern in Wohnblocks es so schwermacht, den Dachstrom direkt zu nutzen.
http://www.vdi.de/fileadmin/vdi_de/redakteur_dateien/geu_dateien/Abrechnungsvarianten-Text-BWK_7-8-2010.pdf Beispielanlage:
http://www.berliner-e-agentur.de/anlagen/wohngebaeude-weissensee

Denn eines ist nun mal eine Tatsache, der Strompreis wird steigen
wenn durch die Abnahme von zigtausenden E-Autos Mengen an Strom
zusätzlich verbraucht werden.

Angenommen, ein Elektroauto verbraucht rund 15 kWh auf 100 km, und als Kurzstreckenfahrzeug werden rund 20.000 km pro Jahr zurückgelegt, dann sind das 3 MWh pro Jahr. Bei 1 Mio Fahrzeugen kommt man auf 3 TWh Strom, bezogen auf den deutschen Strombedarf von 600 TWh ist das ein halbes Prozent. Selbst 10 Mio Fahrzeuge brauchen nur 30 TWh, das entspricht in etwa der Menge, die die PV in diesem oder nächstem Jahr produzieren wird.

10 Mio Spritspar-Fahrzeuge zu 5l/100km mit 1,50 €/l ergibt 7,5 €/100 km oder 1.500 € p.a. und Fahrzeug bzw. in Summe 15 Mrd. Euro pro Jahr. Wenn der Verbraucher damit PV-Strom einkaufen würde, könnte er einen Preis 15 Mrd €/30 TWh = 0,5 €/kWh bezahlen. Er braucht aber für Neuanlagen nur noch 20 ct berappen, den Rest kann er einkommensneutral in der Batterie versenken. Ok - einverstanden rechnet man den Steueranteil im Sprit raus, dann bleibt bei der Überschlagsrechnung für die Batterieförderung 15-20 ct weniger übrig, aber immerhin noch ein erkleckerlicher Betrag, um das technologiespezifische Innovationssystem anzuschieben.

Gruß,
Gunnar



Gunnar Kaestle <gunnar.kaestle AT gmx.net> hat am 19. Juli 2012 um 08:35
geschrieben:

Hallo Waltraud,

Ich bin bis auf weiteres gegen eine Förderung der
Elektromobilität.

1. Solange der Strom aus erneuerbaren nicht ausreicht den
derzeitigen Strombedarf zu decken muss der Strom für Elektroautos
aus herkömmlicher Energie erzeugt werden.

Es ist nachgewiesen, dass der Wirkungsgrad eines Kilos Kohle oder
eines
Liters Erdöl zu Strom verarbeitet geringer ist, als wenn direkt
die Kohle oder Öl in Verbrennungsmaschinen verfeuert wird.

Diese Annahme ist falsch, ganz einfach aus der Tatsache, dass
selbst in fossilen Kraftwerken der Wirkungsgrad viel höher ist
(40-60%) als in Automotoren, die meist nur im Teillastbetrieb
betrieben werden und auf einen Well-to-Wheel Wirkungsgrad von
20-25% kommen. Und auch langfristig gesehen muss für die
erneuerbare Elektromobilität die Batterietechnik Schritt für
Schritt entwickelt werden. Das 100.000 Dächerprogramm war anfangs
auch noch sehr teuer, und mittlerweile sind wir bei der Grid Parity
angelangt. Das geht nicht von heut auf morgen.

Es interessiert mich zwar (wegen der Arbeitsplätze) ob die
deutsche Automobilindustrie langfristig wettbewerbsfähig
ist oder nicht, ich sehe
da aber die Aufgabe in erster Linie bei der Industrie selbst und
nicht beim Staat. Noch haben wir keinen Plan-Staat, sondern einen
relativ freinen Wettbewerb.

Der Plan-Staat hat über das EEG dafür gesorgt, dass die
Erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Ohne dieses
Lenkungsinstrument hätten wir immer noch nur noch 5% Wasserkraft im
System und nicht einen EE-Anteil von 20%. Wir brauchen IMHO einen
Nachfragesog, um im freien Wettbewerb von unterschiedlichen
Herrstellern, Zuliefern und Dienstleistern im Technologiecluster
E-Mobilität effiziente und leistungsfähige Strukturen aufzubauen,
die dann in der Lage ist E-Mobile in großer Stückzahl zu liefern,
wenn sie gebraucht werden.

Das ist diese Vorlaufzeit, von der ich sprach und die überbrückt
werden muss durch einen extra Anschub. Man muss Anreize geben,
jetzt schon etwas zu tun. Ansonsten würde in Deutschland kein
Automobilhersteller, der ja noch Assets im Bereich der klassischen
Antriebstechnik hat, etwas neues anfangen. Wenn es dann knallt
bzgl. Peak Oil oder die BYD-Autos (Batterien mit einer Karosse als
Zulieferteil) durch die Importtüren drängen, hat man sich in seiner
eigenen Trägheit verfangen. Das ist im Energiesektor noch
schlimmer, weil da die ökonomische Nutzungszeit 40 (Kraftwerke) bis
80 (Netze) Jahre beträgt.

Gruß, Gunnar

--
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