ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
Listenarchiv
- From: porcupine87 <porcupine87 AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung
- Date: Fri, 04 May 2012 19:45:26 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
- Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver
Prämisse: Ressourcen sind knapp. Selbst wenn durch Wundermaschinen man nur an eine Sache denken muss und es vor einem auf dem Tisch liegt, ist man in seinem Körper und der Zeit begrenzt. Wenn man Bock auf ein Riesenschnitzel und einem Riesenburger hat, muss man sich in der Regel entscheiden. Will man in Hong Kong und New York sein, muss man sich auch entscheiden. Als Ressource wird alles verstanden, was zur Befriedigung eines menschlichen Befürnisses dient(im Engeren Sinne: und kaufbar bzw. mietbar ist.)
Wie verteilt man diese Ressourcen aber nun möglichst optimal? Man kann aus einer Ressource so viele Endprodukte basteln. Wie nutzt man diese Ressourcen am Besten? Was ich darunter verstehe? Dass Ressourcen so eingesetzt werden, dass sie den größten Mehrheit für den Konsumenten erzeugen. Ich will hier keine Werbung für Anarchokapitalismus machen. Man kann es auch als modellhaft annehmen. Überzeugen kann ich hier eh niemanden, das könnt nur ihr euch selbst. Aber ich finde, die Gedanken sind einfach interessant. Egal welche Rolle man einem Staat zuspricht.
Ich kopiere hier jetzt das Beispiel des Bauers aus diesem Thread hier rüber:
https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=150449
*Ressourcenverteilung - und -nutzung über den Markt*
Nun zur Illustration, ein Beispiel. Wir stellen uns ein Dorf vor im Frühjahr. Natürlich hat das Dorf begrenzte Ressourcen. Zum Beispiel ist das Land endlich, die Hühner etc. Bauer A säht Kartoffeln auf seinen fruchtbaren Boden aus, jedoch bleiben ihm 100Kg übrig. Er könnte diese nun auf einen noch freien Acker aussähen, jedoch ist dieser Boden unfruchtbar und er würde aus den 100 Kg Kartoffeln nur 110 Kg ernten. Er würde als eine Rendite von 10% erzielen. Dagegen hat Bauer B das entgegengesetzte Problem. Er hat noch einen fruchtbaren Boden übrig, aber keine Kartoffeln mehr. Würde er 100Kg auf diesen Boden anbauen, würde er 150Kg im September ernten können. Er würde eine Rendite von 50% erzielen.
Was wird nun passieren? Wie kann man diese 100Kg übrigen Kartoffeln optimal einsetzen. Es ist klar ersichtlich, dass sie lieber Bauer B anpflanzen sollte, da diese mehr aus den Kartoffeln rausholen kann. Aber wie kommen die Kartoffeln von A nach B? Ganz einfach: Bauer B wird zu A gehen und sagen "Hey, wenn du mir deine Kartoffeln gibst, bekommst du von mir die 100Kg und 20Kg Zins zurück. Was sagst du?". Bauer A überlegt und sieht, dass er ohne diesen Tausch nur 10 % Rendite erzielt, von Bauer B bekäme er jedoch 20Kg Rendite. Also profitieren beide von diesen Tausch und gehen ihn ein. Das ist wichtig.
- Ohne Tausch hätte A 10Kg mehr Kartoffeln und B nichts mehr -> Also insgesamt ein Plus von 10Kg.
- Mit den Tausch hätte A 20 Kg mehr Kartoffeln und B 30 Kg mehr Kartoffeln -> Also insgesamt ein Plus von 50Kg.
Der Zins beträgt in diesem Fall 20%. Er könnte aber überall zwischen 10 und 50% liegen. Was würde mit den Kartoffeln passieren, wenn der Zins bei 0% läge? Bauer B will die Kartoffeln immer noch. Er würde davon sogar noch mehr profitieren. Er würde ein Plus von 50Kg alleine erzielen, Bauer A dagegen 0kg. Unterm Strich wäre es das Gleiche, jedoch wird A schlechter gestellt, verglichen mit der Entscheidung, er würde den Tausch nicht machen und die Kartoffeln selber anpflanzen.
Es ist hier sehr leicht ersichtlich, dass ohne Zins sowohl A und B schlechter dran wären. Da im Dorf insgesamt weniger Kartoffeln geerntet würden, läge der Preis pro Kilo auch höher, so dass alle Dorfbewohner ohne Zins bzw. bei Zins 0% schlechter gestellt würden.
Implikationen
Was ist aber nun, wenn es einen Bauer C gibt, der auch noch fruchtbaren Boden übrig hat, mit dem er 30% Rendite erzielen würde (pflanzt 100Kg an, erntet 130Kg) und die Kartoffeln gerne hätte. Werden die 100Kg dann gerecht aufgeteilt oder wer bekommt sie? Antwort: Der der mehr bietet. Bauer C bietet A 25Kg Zins, was für A besser wäre. Jedoch bietet B dann 30Kg Zins. Nun kann C - wissend, dass er nur eine Rendite von 30Kg erzielen wird - nicht mehr bieten. Daraus lässt sich ableiten, dass der, der am meisten aus den 100Kg Kartoffeln herausholen kann, diese Kartoffeln auch bekommt und bekommen sollte. Alle profitieren am meisten, wenn dieser die Kartoffeln bekommt, der auch die höchste Rendite erzielt.
-> Über den Markt werden die Kartoffeln bestmöglich genutzt.
Man kann dies auf eine Art Formel übertragen: Sofern ein Produkt für den Konsumenten einen größeren Nutzen bringt, ist man auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Das gilt auch für die Herstellung von Kapitalgütern, durch das deren Produzenten mehr verdienen und somit mehr konsumieren können. Jeder Mensch sieht sich mit knappen Ressourcen konfrontiert. Will heißen, man hat zu wenig Geld, um all seine Wünsche zu erfüllen. Also macht jeder eine Liste mit den Wünschen und ordnet diese nach Befriedigungsgüte. Was am meisten dienst, steht ganz oben. Man kann es so sagen, wenn jemand 4 Einheiten Wasser hat, und die Bedürfnisse "Waschen", "Zähne putzen", "Blumen Gießen", "Auto Waschen", wird er diese Bedürfnisse ordnen. In dem Fall kann er alle befriedigen. Was ist aber, wenn er nur noch 3 Einheiten von Wasser hat? Hat er dann kein Wasser mehr zur Hygiene? Nein, er verzichtet die Befriedigung des Bedürfnisses, welches ihm am wenigsten erfüllt. Wenn man eine bestimmte Menge an Geld hat, kann man sich auch nicht alles kaufen, was man will. So entscheidet man sich für die Produkte, die einem am meisten bringen. Hört sich (hoffentlich) trvial an, ist jedoch von fundamentaler Bedeutung.
Dazu ein paar Beispiele:
- ein Grundstück kann als Acker oder als Familiengrundstück dienen. Wie sollte es genutzt werden? Wenn einer jungen Familie das Grundstück mehr Befriedigung schafft als der Ertrag des Ackers dem Bauern, zahlen Erstere auch mehr und auf das Land wird ein Haus gebaut.
- wenn Stühle dem Konsumenten mehr Befriedigung beschaffen als Tische, sollte das Holz und die Nägel zur Herstellung von Stühlen benutzt werden (es gibt gefühlt zu wenige Stühle im Verhältnis zu Tischen)
- ist das Bedürfnis der Stillung von Sicherheit wichtiger als eine Massage, wird für eine Feuerwehr mehr bezahlt(über Versicherung) und ein Mann arbeitet als Feuerwehrmann und nicht als Masseur.
- soll der Bauer Weizen oder Gerste anbauen? Er entscheidet sich für das Gut, was ihm am meisten Profit verspricht, und er somit mehr konsumieren kann und mehr seiner Bedürfnisse befriedigen kann. Gleichzeitig macht er mehr Profit, weil die Konsumenten mit diesem Gut, für das er sich entscheidet, mehr Bedürfnisse befriedigt sehen.
- ich denke, jeder kann hier noch 100te Beispiele nennen.
...
*
Ressourcenverteilung und -nutzung durch den Staat*
Hier wird es schon schwieriger. Ich will jetzt nicht auf irgendwelche Regulatorien und Einmischungen auf den Arbeitsmarkt eingehen. Jedoch hat ein Staat Steuerausgaben und verbraucht darüber reale Ressourcen. Ob es um den Bau einer Schule oder den Einsatz eines Polizisten geht(Arbeitslosengeld ignorieren wir mal als reine Umverteilung). Nur wie kann man hier wissen, ob es nicht auch noch bessere Einsatzmöglichkeiten für diese Ressourcen gegeben hätte, die dem Konsumenten eine höhere Befriedigung gegeben hätten? In einem Sozialismus gäbe es gar keine Preise und der Staat hätte gar keinen Anhaltspunkt, ob mit den Ressourcen nun einigermaßen gut gewirtschaftet hat (wobei sich die Sowjets natürlich nach Preisen in kapitalistischen Ländern orientiert haben). Doch auch unser Staat tappt bei der Befriedigung typisch staatlicher Aufgaben wie Bildung, Sicherheit, Gerichtswesen, Infrastruktur fast völlig im Dunkeln, auch wenn es hierfür jeweils private Dienstleister gibt, befriedigen diese nur eine minimale Konsumentenzahl. Das private Schiedsgericht ist einem natürlich etwas ganz anderes wert, wenn man weiß, dass zur Not noch der gerichtliche Weg über den Staat gegangen werden kann.
Egal ob man nun dafür oder dagegen ist, dass der Staat bestimmte Aufgaben übernimmt, sollte man sich dieser Problematik mal bewusst sein. Danke für die Aufmerksamkeit.
- [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 04.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Aehzebaer, 05.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Christian Schmidt, 05.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 07.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Christian Schmidt, 07.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, porcupine87, 09.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Gedanken zur Ressourcennutzung und -verteilung, Aehzebaer, 05.05.2012
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