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ag-soziale_marktwirtschaft - [Ag-soziale_marktwirtschaft] P.S. Fwd: Protest Re: Negative Einkommensteuer einführen!?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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[Ag-soziale_marktwirtschaft] P.S. Fwd: Protest Re: Negative Einkommensteuer einführen!?


Chronologisch Thread 
  • From: sozialpiraten <sozialpiraten AT kunstlandschaft-spandau.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] P.S. Fwd: Protest Re: Negative Einkommensteuer einführen!?
  • Date: Thu, 01 Mar 2012 14:59:56 +0100
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>

P.S. Eine negative Einkommenssteuer funktioniert nicht ohne Bürokratie a la Hartz4...

Der Bürger braucht Geld auf dem Konto, um überleben zu können,
ein Betrag, der letztendlich mit anderen Einnahmen versteuert wird.

Deutschland ist geteilt.
Ein Teil der Bürger lebt mit Tarifschutz wie im Sozialismus,
der andere in der freien Marktwirtschaft.

Gemeinnützig orientierte Arbeit wird im herrschenden Sozialsystem nicht
als Arbeit anerkannt. Leistungsträger der Gesellschaft leben im
Hartz4System wie im Offenen Strafvollzug in Armut, weitgehend ohne
Bürgerrechte und tagtäglicher Angst vor Schikanen. Fast alle haben
infolge von Hetzkampagnen Angst, sich zu outen.

Familiengründungen im Niedriglohnbereich (inklusive Kreativbereich)
werden im Hartz4System mit Geld- und Raumreduzierung bestraft, - das ist
eine faschistische Doktrin.

Dein Modell würde am herrschenden Unrechtssystem nichts ändern.
Eine Grundsicherung aller Bürger ist nachgewiesen finanzierbar

Herzlich ines eck

Am 01.03.2012 14:24, schrieb DrHeistermann:

Wer meine Postings hier kennt, der weiß wohl, dass ich eher zur
Fraktion der BGE-Skeptiker zähle (höflich ausgedrückt).
Nichtsdestotrotz habe ich mir die diversen Vorschläge der BGE-Anhänger
angeschaut und bin bei einem Modell hängen geblieben, welches meine
Haupteinwände berücksichtigt und auch umsetzbar wäre.

Dieses Modell ist die sogenannte "Negative Einkommensteuer" und wird
in wikipedia gut beschrieben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Negative_Einkommensteuer

Meine Haupteinwände bei den BGE-Modellen sind:
1. Leistungsträger sind nicht motiviert die Empfänger mitzutragen
2. Die Gaben des Staates sind nicht finanzierbar

Die negative Einkommensteuer kommt in seiner Grundvariante mit zwei
Parametern aus. Der erste ist der Grundfreibetrag (x) und der zweite
der Steuersatz (y). Die Idee ist, dass der Grundfreibetrag immer
steuerfrei bleibt und alles darüber hinaus zu y versteuert wird. Hat
jemand weniger als den Grundfreibetrag zur Verfügung, stockt der Staat
mit der Differenz zum Grundfreibetrag multipliziert mit y, auf (daher
der Begriff der negativen Einkommensteuer).

Nun schauen wir mal Rechenbeispiele an in Bezug auf Thema 1, die
Motivation, dazu nehme ich x als 20.000 Euro an und y als 40%.

1. Jemand hat kein Einkommen. Dann erhält er 20.000 * 0,40 also 8.000
Euro vom Staat geschenkt. Nun erhält dieser die Chance einen
Teilzeitjob zu machen, der ihm 10.000 Euro einbringt.

2. Unser Kandidat würde nun 10.000 Euro verdienen. Da er noch
unterhalb des Grundfreibetrags liegt, zahlt er keine Steuern. Für die
fehlenden 10.000 Euro zum Grundfreibetrag erhält er einen Zuschuss von
10.000 * 0,40, also nochmal 4.000 Euro vom Staat. Damit kommt er auf
14.000 Euro Einkommen.

3. Nun macht unser Kandidat "Karriere" (sagen wir mal er wird Chef der
Piratenpartei und die beschließen ein Einkommen für unsere(n)
FreundIn) und bekommt ein Einkommen von 20.000 Euro. Die bekäme er
vollständig und steuerfrei, aber kein Geld zusätzlich vom Staat.

4. Nehmen wir einen Normalverdiener mit 50.000 Euro Jahresgehalt. Der
bekommt den Freibetrag steuerfrei und zahlt 12.000 Euro Steuern auf
sein Gehalt. Der wäre sicher nicht so frustriert, dass er aufhört zu
arbeiten, nur weil er dann 8.000 Euro geschenkt bekommt.

5. Nehmen wir einen Besserverdiener mit 100.000 Euro Jahreseinkommen,
dann zahlt der 32.000 Euro Steuern, was sicher auch okay ist.

Wenn man den Grundbetrag relativ hoch wählt sehe ich das
Motivationsproblem als gelöst an.

Bleibt noch die Finanzierung. Hier muss ich ein wenig mit Zahlen
jonglieren, um zu ermessen, welche Kosten entstehen.

Wir haben 80 Millionen Menschen, von denen knapp 40 Millionen
arbeiten. Dazu kommen die Rentner, Kinder und eben auch Arbeitslose
und HartzIV-Empfänger.

Bezugsberechtigt wäre für mich erstmal jeder ab 18 Jahren. Alle
Einkünfte würden gegengerechnet. Rentner mit unter 20000 Euro Rente im
Jahr würden genauso aufgestockt wie Arbeitnehmer mit geringem Einkommen.

Grobe Schätzung der Kosten: 10 Millionen Menschen schätze ich hätten
keine Einkünfte. Für die fallen dann 10 Millionen+ 8000 Euro im Jahr
an, also 80 Milliarden Euro im Jahr. Dann gehe ich maximal von 20
Millionen weiteren Empfängern aus (dann hätten wir insgesamt schon 30
Millionen Empfänger!), die jeweils den halben Satz bekämen, weil sie
im Schnitt 10.000 Euro Eigeneinkünfte haben. Das wären dann nochmals
80 Milliarden Euro.

Insgesamt hätten wir 160 Milliarden Euro staatliche Kosten, die wir im
wesentlichen durch den Wegfall von Alg2/HartzIV kompensieren könnten.

Das Modell in seiner Grundform erscheint machbar und sinnvoll.

Meinungen? Bitte konstruktiv!






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