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Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW)
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- From: Lorenz Lassek <lorenz.lassek AT web.de>
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- Subject: Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW)
- Date: Fri, 30 Jun 2017 16:18:41 +0200
@Uwe warum ist die Speicherung sensibler Daten denn so dermaßen
problematisch, wenn die Daten doch zu 100% nur in deiner eigenen
Hand liegen - in Form dieser Karte geradezu physisch? Selbst wenn
du die Karte verlierst, kann niemand anderes etwas damit anfangen
(einkaufen oder herausfinden, wieviel du konsumiert hast), da ja
dein Foto drauf ist. Es müsste nicht mal der Verkäufer in der Apotheke zwangsläufig die Daten einsehen können. Für ihn reicht die Info, ob die Person z.B. sein Heroin-Kontingent bereits überschritten hat oder nicht.
@Christine Aber der exzessive Konsum ist doch der öffentlich sichtbare, vor
dem die Menschen Angst haben. Hältst du es wirklich nicht für
irgendwie sinnvoll, zu versuchen, den exzessiven Konsum
einzuschränken? Die Gefahren exzessiven Drogenkonsums sind doch
ungleich 1000Mal schlimmer als eine ungesunde Ernährung mit einem
ungesunden BMI - daher kann ich den Vergleich mit dem Supermarkt
nicht nachvollziehen* Ich halte es nicht für eine Überregulierung,
wenn man Menschen keine 3 Schuss Heroin am Tag verkauft**! Fakt
ist doch, dass der Drogenmarkt derzeit 100% unreguliert ist - und
dass das das Problem ist! Den Vergleich der Drogenprohibition mit dem Verbot von Homosexualität finde ich gut. Trotz weiter existierender Homophobie ist die Mehrheit der Bevölkerung und die Mehrheit des Bundestages inzwischen für die Ehe für alle. Vielleicht ist die Bevölkerung in 4 Jahren auch soweit, das richtige in der Drogenpolitik zu wollen - wie geil wäre es, wenn die Piratenpartei den Anstoß dazu geben könnte?!? @Marie Statt in Apotheken, könnte man das Prinzip mit der Konsumkarte auch auf Fachhändler in Drogenshops übertragen, wenn man dafür die kompetenteren Leute (verantwortlichen Verkäufer) findet. Ich habe die Apotheken vor allem wegen des image-Problems von Drogen gewählt. Kneipen sind manchmal sehr "verrucht". Coffeeshops zum vor Ort konsumieren sind es noch mehr. Ich glaube nicht, dass "die Leute" Konsumtempel auch für harte Drogen im Stadtbild haben wollen. Überwiegend schön privat zu Hause scheint mir da besser. @andreas ich habe momentan nicht ganz die Zeit und Muße, mich intensiv mit liquidFeedback1.0 oder dem auf den ersten Blick besseren FixMyRepublic auseinander zu setzen. Aber was ich bislang von "piratiger Politik" mitbekommen habe, ist doch Konsens, dass es keinen Fraktionszwang gibt. Von daher ist doch klar, dass Piraten nicht zu Koalition, sondern nur zur Tolerierung einer Regierung taugen, oder? Und dafür könnte man klare Ansagen machen! Mir kommt es etwas apodiktisch vor, einfach festzuhalten "Abgabemengen sind etwas individuelles und nicht vorzugeben". Wie gesagt, treiben Konsumlimits m.M. die missbräuchlichen Konsumenten nicht in den Schwarzmarkt, sondern zum Arzt, wo sie doch auch hingehören, oder?? Danke für die mumble einladung. Muss ich mir mal installieren... @alle Ich finde einfach, dass kritischer/missbräuchlicher/sehr exzessiver Konsum für Neukonsumenten von Anfang an unterbunden werden müsste. Bestehende Risikokonsumenten könnten halt mit der Karte wenig anfangen, werden aber nicht auf den Schwarzmarkt, sondern zum Arzt gedrängt. Dort können sie doch die Hilfe bekommen, die sie sicherlich auch benötigen. Es müsste übrigens ein Werbeverbot für ALLE Drogen (inkl. Alkhol) her. Was auf den Markt kommt, ist in erster Linie Sache zwischen Produzenten und Verkäufern... LG Lorenz *es sei denn es ginge um Alkoholkauf dort, aber das ist ein anderes Thema ** letztlich auch keine 3 Flaschen Wodka am Tag, aber das ist ein anderes, sehr viel langfristigeres Thema Am 30.06.2017 um 13:55 schrieb christine zander: In der
Diskussion geht es nicht um das „Recht auf
Selbstzerstörung/Selbstschädigung“ sondern um das „Recht auf
Selbstbestimmung“ Art.1 GG. Wie alle Substanzen besitzen sie
ja nicht nur schädliche Wirkungen. Es kommt auf den Umgang
damit an.
Die
Drogenprohibition erinnert mich immer an die Zeiten, als
Homosexualität verboten und strafbar war und Homosexuelle als
pervers galten. So grenzt man Menschen aus. Für rationelle
Argumente war die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die
Diskussion war ideologisch aufgeladen. Obwohl das Verbot seit
40 Jahren nicht mehr existiert, stößt man immer noch auf
Vorurteile. Genauso widersinnig ist die Drogenprohibition.
In
unserer Gesellschaft ist nur der exzessive Konsum sichtbar, da
Leute, denen ihr Leben und Ihre Freiheit wichtig sind, niemals
ihren Konsum öffentlich machen werden – denn dann bist du
gesellschaftlich tot. Die wenigsten Leute betreiben exzessiven
Konsum. Die Gründe liegen dafür in der eignen Geschichte und
haben weniger mit der Gefährlichkeit von Substanzen zu tun.
Diese Menschen haben aufgrund ihrer eignen Geschichte einfach
Probleme mit sich und der Gesellschaft klar zu kommen. Wenn
man komplett zugedreht ist kann man nichts mehr fühlen. Da
keine Droge Zauberkräfte besitzt, helfen sie natürlich nicht.
Trotzdem
halte ich nichts davon die Leute durch Karten zu gängeln.
Beratung und Aufklärung müssen sein – aber jeder muss für sich
selbst bestimmen können warum, wie und welche Drogen er
konsumiert.
Stell
dir vor, du gehst mit einer Karte in den Supermarkt – und dir
wird durch die Karte vorgeschrieben was du einkaufen sollst
und wieviele Kalorien du essen darfst. Immer schön abgestimmt
mit dem Body-Mass-Index. Wir müssen aufpassen, dass wir aus
guten Motiven nicht das Falsche tun und alles überregulieren.
Wichtig ist es, den Menschen ihre Selbstbestimmung zurück zu
geben.
LG,
Christine
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- [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW), Lorenz Lassek, 29.06.2017
- Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW), Uwe Mayer, 30.06.2017
- Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW), christine zander, 30.06.2017
- Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW), Andreas Vivarelli (@Bestenfalls), 30.06.2017
- Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW), Lorenz Lassek, 30.06.2017
- Re: [Drogen- und Suchtpolitik] neuer Masterplan(??) Drogen als 2. Politik-Hauptthema, das polarisiert (neue Chancen zur übernächsten BTW), Marie Gurke, 30.06.2017
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