Zum Inhalt springen.
Sympa Menü

nrw-ak-drogen - Re: [NRW-AK-Drogen] Xberarbeitung Kapitel 7.6, Vorschlag

nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Nrw-ak-drogen mailing list

Listenarchiv

Re: [NRW-AK-Drogen] Xberarbeitung Kapitel 7.6, Vorschlag


Chronologisch Thread 
  • From: Daniel Schwerd <schwerd AT gmx.de>
  • To: nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [NRW-AK-Drogen] Xberarbeitung Kapitel 7.6, Vorschlag
  • Date: Thu, 04 Feb 2010 23:27:36 +0100
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-drogen>
  • List-id: <nrw-ak-drogen.lists.piratenpartei.de>

Hallo Spiff,

meine Anmerkungen habe ich unter Deine geschrieben.

-----------------------

Message: 4
Date: Thu, 4 Feb 2010 19:54:51 +0000 (GMT)
From: Spiff Pirat <spiffpp AT yahoo.de>
Subject: Re: [NRW-AK-Drogen] Xberarbeitung Kapitel 7.6, Vorschlag

Ich habe jetzt noch mal alles gelesen und drüber nachgedacht und nehme alle vorherigen
Meinungsäußerungen zurück. Stattdessen wäre ich dafür Andis Vorschlag beizubehalten in
der jetzigen Form und vielleicht die Überschrift auszutauschen gegen "Mißbrauch
von Psychopharmaka zur Leistungssteigerung".
Nach dem ich Daniels Vorschlag noch mal gelesen habe, komme ich zu dem Schluß, daß
das ein guter Blogeintrag wäre, aber nicht in ein Wahlporgramm gehört, damit meine
ich Sätze wie: "Die Piraten bedauern, dass scheinbar immer mehr Menschen zu
chemischen
Mitteln greifen, um den steigenden Anforderungen aus Schule,
Ausbildung, Studium und Beruf gerecht zu werden. Wir würden uns
wünschen, in einer menschlichen Welt zu leben, in der die
Anforderungen den Möglichkeiten der Menschen Rechnung tragen, ohne
dass Doping erforderlich wird.".

Klar ist das nicht konkret. Aber das kann man doch kaum konkret fordern, oder? Wenn es Euch stört, lasst es weg.

Davon ab werden in Daniels Entwurf direkt ein Haufen von Themen
angeschnitten, dafür geht der Vorschlag aber einfach nicht genug in die Tiefe.


Das tat der alte auch nicht. Die vorgeschlagenen Maßnahmen entsprechen genau denen des alten Vorschlages. Lediglich die beschriebenen Aussagen gehen weiter in die Tiefe, sind aber größtenteils falsch, vermischen verschiedene Aspekte, und beleuchten meiner Meinung nach nicht die Probleme. Siehe weiter unten.

Der Missbrauch von Medikamenten birgt erhebliche gesundheitliche
Risiken bis hin zu schwerer Abhängigkeit. Die Grenzen zur Sucht mit
allen bekannten Folgen sind fließend.
Hier mäßte man schon differenzieren, was Sucht mit allen bekannten Folgen
genau heißen soll.


Das ist eben gar nicht so einfach. Schwere Folgen von Missbrauch sind z.B. die bekannte Talkum-Embolie, Nierenversagen, Halluzinationen oder Herz-Kreislaufprobleme, wobei das dann sehr abhängig von der jeweiligen Substanz ist. Wenn ihr wollt, können wir dort einige dieser Folgen aufzählen.

Es muss verstärkt Aufklärung über diese Medikamente bei den Zielgruppen
erfolgen,
Wer ist denn da jetzt gemeint? Ursprüngliche Zielgruppe wären Patienten, die
benötigen aber keine Suchtaufklärung und man sollte ihnen vielleicht auch
nicht unbedingt erzählen, wieviel sie für ihr Ritalin auf dem Schwarzmarkt
bekommen könnten. Wer wären die Zielgruppen für Präventionsarbeit? Studenten?
Mütter? Manager? Sportler? Das ist dann ja schon fast die ganze Gesellschaft.


Da hast Du natürlich recht. Ich meine die Gruppen, die für Missbrauch anfällig sind. Das sind gerade Schüler, Studenten und Personen in besonders leistungsfordernden Berufen. Selbstverständlich nicht die Zielgruppen des normalen Gebrauchs.

Darüber hinaus sollen die Quellen der Mittel aufgedeckt und womöglich
ausgetrocknet werden. Eine mögliche Quelle sind Verschreibungen ohne
ausreichende ärztliche Diagnose und gesundheitlicher Kontrolle.
Und was schlägstDu als Gegenmaßnahme vor? Wir können nicht einfach fordern,
daß immer ein Facharzt mit eingeschaltet wird, ohne uns vorher mal zu erkundigen, ob das praktisch überhaupt umsetzbar ist.


Was ich fordere, steht eben genau im Absatz danach:

Daher fordern die NRW-Piraten, das bei verschreibungspflichtigen
Medikamenten, die dieses Missbrauchspotential der Leistungssteigerung
bieten, eine sorgfältig gestellte Diagnose durch im Umgang mit dem
verschriebenen Medikament erfahrene Ärzte erfolgen soll.
Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Diagnose als sorgfältig gilt?


Ich kenne das nicht für jede Krankheit, aber beispielsweise für AD(H)S existieren zwei Kriterienkataloge, der sogenannte ICD 10, bzw. der DSM IV. Diese müssen sorgfältig abgearbeitet und überprüft werden, und daraus wird ein bestimmte Quote ermittelt, aus der man dann auf das Vorhandensein von AD(H)S schließen kann. Fakt ist aber, das oft Kinder- oder Hausärzte solche Mittel verschreiben, ohne wirklich Ahnung davon zu haben und ohne diese Kriterien zu überprüfen. Was andere Krankheiten angeht, können Ärzte sicherlich besser überblicken als ich, welche Diagnosemöglichkeiten es gibt, die unbedingt erfolgen sollten.

Ich finde aber, dass diese Angaben in einem Wahlprogramm zu weit gehen.

Medikamentengaben sollten möglichst von einer Therapie begleitet
werden ("Multimodales Konzept"), und die Gesundheit der Patienten muss
kontinuierlich überwacht werden.
Überwachung kommt bei den Piraten nie so gut an, in welcher Form soll diese
Überwachung laufen?


Gesundheitliche Überwachung ist gemeint - also z.B. die regelmäßige Kontrolle des Blutbildes, mit Leberwerten und dem ganzen PiPaPo, der Gewichts- und Größenkontrolle, Blutdruck und sonstiger Vitalwerte. Kann sein, dass man bei Überwachung zu schnell auf George Orwell kommt, nennen wir es vielleicht medizinische Kontrolle, oder Nachsorge. Wäre das besser?

Ich denke, da wird vieles aufgegriffen, ohne daß es in der Tiefe bearbeitet wurde.

Das ist ganz richtig. Aber der alte Artikel ging eben auch nicht in die Tiefe, was die vorgeschlagenen Maßnahmen angeht. Statt dessen las man einige Punkte zum Missbrauch und zu Risiken, ohne dass aber Maßnahmen zur Vermeidung einhergehen.

Die Chancen stehen gut, daß Du auf dem Podium dafür auseinandergenommen wirst.

...wenn ich auf dem Podium stehen sollte. Ich bin kein AK-Mitglied, wäre aber willens, meine Ausführungen zu erläutern, falls gewünscht. Ich kann das ggf. auch aushalten, denn wie ihr an meinem Engagement sehen könnt, ist mir der Punkt sehr wichtig.

Andis Vorschlag deckt zwar nur ein Partikularthema ab, aber das meiner Ansicht nach gut. Hast Du Lust Deine Kritikpunkte aus dem Telefonat hier noch mal über die Liste zu jagen?

Genau das wollte ich zunächst vermeiden, kann es aber gerne tun. Achtung, das wird jetzt etwas länger - bitte aber trotzdem damit auseinandersetzen.

An folgenden Aussagen habe ich mich gestört:

*
Ob es einen "ständig steigenden Missbrauch" tatsächlich gibt, hatte ich in Frage gestellt. Ich habe dazu in der Diskussion des letzten Wahlprogrammentwurfs eine Studie angeführt, in der berufstätige Erwachsene befragt wurden. Die - meines Erachtens unabhängigen - Autoren der Studie können einen steigenden Missbrauch nicht erkennen. Tatsache ist, dass von solchem Missbrauch immer häufiger berichtet wird, und das reflektiert die derzeit überarbeitete Version. Es gibt m.W. keine Studien, die einen tatsächlich steigenden Missbrauch belegen.

Ich habe die Befürchtung, dass wir es mit einem Medien-Hype zu tun haben. Ein Massenmedium quatscht dem anderen hier einen neuen "Trend" nach, der vielleicht gar nicht existiert. Ich finde, wir sollten hier nicht Fiktion zu Fakten machen und dem nicht aufsitzen. Deswegen bevorzuge ich die indirekte Formulierung, was uns dem Problem enthebt, belastbare Studien oder Zahlen vorlegen zu müssen, wenn jemand nach dem Ausmaß der Steigerung des Missbrauchs stellt.

Ganz ehrlich fürchte ich, das viele Studenten überhaupt erst durch die Berichterstattung auf die Idee gebracht werden, Ritalin auszuprobieren, weil sie sich irgendwelche Wunderdinge davon versprechen.

Den Missbrauch selbst gibt es, und das steht außer Frage.

*
Das Talkum zu Gefäßverstopfungen führt, ist ein ganz großes Problem, teilt Ritalin aber mit allen Tabletten, die nicht geschluckt, sondern zerstoßen und geschnupft oder (noch viel gefährlicher) aufgelöst und gespritzt werden - bekannt als "Talkumembolie". Talkum ist ein "Füllstoff", mit dem der Wirkstoff zu Tablettengröße aufgefüllt wird.

Hier vermischt man Missbrauch als Drogenersatz (wenn Ritalin geschnupft oder gespritzt wird) mit dem Missbrauch als vermeintlich leistungssteigernde Droge (die Studenten, die sich damit dopen wollen, werden das kaum in Spritzenform, sondern auf herkömmlichen Wege als Tablette einnehmen). Alle möglichen Medikamente werden auf diese Art missbraucht, und die Talkumembolie ist ein großes Problem dieser Art von Missbrauch. Hier wird es aber zum Hauptproblem eines einzelnen Medikamentes erklärt, was schlicht falsch ist.

*
Es gibt bei MPH nur Rauschpotential, wenn man es sehr hochdosiert spritzt oder schnupft - Leute, die ihre Leistung steigern wollen, wollen aber keinen Rausch, sondern eben die Leistungssteigerung. Erst wenn es extrem überdosiert wird, kann ein Rauscheffekt eintreten, der allerdings mit Speed nicht zu vergleichen ist.

Der Begriff "Aufputscheffekt" ist auch nicht ganz korrekt - es geht beim Einsatz zur Leistungsteigerung nicht ums Aufputschen, sondern um die Fähigkeit, besser zu konzentrieren, und seine Aufmerksamkeit besser zu fokussieren. Man wird zwar wacher, aber eben nicht aufgeputscht oder euphorisch, sondern eher in Richtung nüchterner.

In der Drogenszene wird es als Speed-Ersatz nur dann genommen, wenn es gar nichts anderes gibt. Problem wird da nur der günstige Preis und die hohe Verfügbarkeit in der Szene sein. Die Wirkung wird auch bei hoher Dosierung nicht vergleichbar.

*
Methylphenidat ist tatsächlich dem Amphetamin (vulgo: Speed) ähnlich. Damit ist aber nicht automatisch vergleichbare Wirkungsweise verbunden.

Methylphenidat hemmt die Wiederaufnahme der Neurotransmitterstoffe Dopamin und Noradrenalin. Daher steigt deren Niveau im Gehirn an (weil es einfach langsamer abgebaut wird). Es wird aber nicht etwa mehr dieser Stoffe ausgeschüttet. Daher führt auch eine Dosiserhöhung von MPH nicht zu einer beliebigen Erhöhung des Niveaus, solange die Ausschüttung nicht gesteigert wird.

Amphetamin hingegen führt zu einer aktiven, erhöhten Ausschüttung dieser Neurotransmitterstoffe, zudem auch noch der Transport dieser in umgekehrter Richtung durch die Zellmembran. Durch höhere Dosierung ist auch ein höherer Ausstoß möglich. Letztlich wird das Niveau dadurch sehr viel stärker erhöht, als es durch MPH möglich ist. Die Wirkungen können alleine daher schon nicht vergleichbar werden.

Übrigens findet Amphetamin auch noch als Medikament Anwendung.

*
Der Punkt, das Methylphenidat zu Wesensveränderungen, gesteigerter Agrressivität und schweren Depressionen führen kann, ist medizinisch unbewiesen! Es gibt keine Studie, die entsprechende Folgen aufzeigt. Ich finde es absolut gewagt, hier eine solche Aussage zu treffen, die nicht zu beweisen, sondern sogar widerlegbar ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Drogen und Medikamenten ergibt MPH keinen "Spiegel" im Blut bzw. im Gehirn. Es wird vollständig metabolisiert, und ist dann abgebaut. Alle Untersuchungen haben ergeben, dass MPH keine körperliche Abhängigkeit hervorrufen kann - auch bei hoher Überdosierung und über längeren Zeitraum. Vielleicht wurden hier Hinweise, die für den Missbrauch von Speed gelten, für MPH generalisiert, das ist allerdings nicht zutreffend.

Sehr wohl kann es nach langem Missbrauch bei plötzlichem Absetzen zu Entzugserscheinungen führen, und auch zu psychischer Abhängigkeit. Ebenso ist bei hoher Überdosierung die Leber und das Herz-Kreislaufsystem (durch Bluthochdruck) gefährdet.

Übrigens ist auch Ephedrin dem Amphetamin verwandt, dies wird bei niedrigem Blutdruck und gegen Asthmaanfälle angewendet. Auch hier gibt es ein Missbrauchspotential eines ansonsten sinnvollen Medikamentes (Dr. House lässt grüßen). Übrigens, "chemisch": Ephedrin kommt in der Natur vor (in bestimmten Pflanzen). Nicht alle Stoffe dieser Strukturklasse sind also synthetisch.

*
Was die Wettbewerbsverzerrung durch Ritalin angeht: MPH macht "wach", aber nicht "besser". Man ist vielleicht leistungsfähiger als ohne Ritalin, aber das ist man mit Kaffee und ausreichend Schlaf sicher auch mehr als unausgeschlafen. Der Effekt, sich mit Ritalin zu dopen, ist ganz gewiss überschätzt. In entsprechenden Studien konnten die Experten bei gesunden Erwachsenen praktisch keine Leistungssteigerung nachweisen - obgleich sich die Untersuchten oft selbst so einschätzten, stieg die Leistung kaum an. Es ist nicht möglich, Lernerfolge mit MPH zu manipulieren - niemand wird dadurch klüger oder besser. Allenfalls seine Aufmerksamkeitspanne kann er verlängern.

Ich finde daher das Problem der "Wettbewerbsverzerrung" in Unis etwas fehl am Platze. Nach meinem Geschmack klingt es ein bischen so, als wäre der Autor beleidigt, dass diese Form des Gehirndopings mit Geld bezahlen muss, und sie nicht allen zur Verfügung stellt. Dabei finde ich das zwar unglücklich, aber bei weitem nicht das schlimmste Problem des Medikamentenmissbrauchs..

Viel wichtiger finde ich nämlich:

- Es muss eine sorgfältig gestellte Diagnose geben.
- Ärzte, die mit diesem Medikament umgehen, müssen darin erfahren sein (Keine Verschreibungen durch Hausärzte, Kinderärzte ohne entsprechenden Hintergrund).
- Das Medikament muss unbedingt von einer Therapie begleitet werden (multimodales Konzept). Mit einer "Pille" alleine ist es nicht getan. - Patienten müssen kontinuierlich medizinisch überwacht werden (was wohl leider nicht immer geschieht).
- Zulassung von MPH für erkrankte Erwachsene, denn Off-Label-Verschreibungen an der Krankenkasse vorbei sorgen für Nachschub auf Schwarzmärkten.

*
Im jetzigen Text findet sich der Hinweis, dass die Rate der Verschreibung um mehrere hundert Prozent gestiegen sei. Damit wird suggeriert, dass es sich um eine Tendenz-Diagnose handelt, die oft unbegründet erfolgt.

Die Aussage, das "häufig keine ausführliche ärztliche Diagnose mehr zugrunde" liegt, ist zwar möglich, aber nicht bewiesen. Ich fände es gewagt, das so zu postulieren - ob das "häufig" oder "gelegentlich" der Fall ist, weiß keiner. Fakt ist selbstverständlich, das das eigentlich gar nicht passieren darf, da stimmen wir überein. Ich kann auch aus eigener Erfahrung und Beobachtung sagen, dass die Diagnose fast immer hinterfragt und in Zweifel gezogen wird, und daher keineswegs leichtfertig gestellt oder akzeptiert ist. Die meisten Erkrankten oder deren Familien haben eine lange Odyssee von Therapien, Gesprächen, Homöopathie, Nahrungsmitteltests usw. hinter sich, bis sie endlich beim MPH landen, das vielen dann endlich hilft - und zum ersten Mal so etwas wie ein normales Leben ermöglicht.

Tatsache ist, dass bis heute nicht mal jedes vierte Kind, welches an AD(H)S leidet, diagnostiziert, oder mit MPH behandelt wird. Ich finde das ganz furchtbar, denn ich kann aus eigener Erfahrung und Beobachtung sagen, wie sehr die betroffenen Kinder leiden. Ich würde mir wünschen, die Diagnosen und Verschreibungen würden noch viel weiter steigen, damit noch mehr Kranke behandelt werden können. Leider geschieht das immer noch zu selten, und zu wenig Ärzte haben Erfahrung mit AD(H)S.

Berücksichtigt auch die vielen Erwachsenen, die an AD(H)S leiden - denn bei rund der Hälfte AD(H)S-kranker Kinder dauern die Symptome auch im Erwachsenenalter noch an.

Aus der bloßen Steigerung auf einen Missbrauch zu schließen, diskriminiert die Betroffenen als Simulanten oder dumme Opfer der Pharmaindustrie. Da würde ich sehr dringend raten, mit Betroffenen und deren Angehörigen zu sprechen. Die Kritik daran hört man immer nur von Leuten, die selbst nicht betroffen sind.

Auch die vielen hundert Tonnen MPH, die heutzutage auf den Markt geworfen werden, sind - aufgeteilt auf eine durchschnittliche Tagesdosis, und gemessen an der durchschnittlichen Rate von zwischen 2 und 6% AD(H)S-erkrankten Kindern in der gesamten Peer Group - nicht mal dazu geeignet, mehr als ein Viertel aller betroffenen erkrankten Kinder zu behandeln. Von den Erwachsenen ganz zu schweigen. Ein Potential für massenhaften Missbrauch der Substanz sehe ich da ehrlich gesagt nicht.

*
Insgesamt störe ich mich sehr daran, dass wir gerade mit Händen und Füßen versuchen, einen Stoff wie Cannabis seiner gesellschaftlichen Ächtung zu entziehen, und seinen sinnvollen, gesunden und vernünftigen Verwendungen zuzuführen - und dann auf der anderen Seite auf der gesellschaftlichen Ächtung, die MPH derzeit erlebt, aus populistitschen Gründen herumreiten, ohne dass wir mehr Maßnahmen zur Verhinderung des Missbrauchs anzubieten hätten, als aufgezählt sind.

MPH wird neben Aufmerksamkeitsstörungen auch bei Narkolepsie und bei Depressionen eingesetzt. Die betroffenen Erkrankten kämpfen jetzt schon mit großem Unverständnis in der Öffentlichkeit, da in den Medien immer wieder das Vorhandensein von AD(H)S überhaupt in Frage gestellt wird. Die jetzige Formulierung ist geeignet, das zu verstärken. Wir sollten in diese Falle nicht gehen.

Bevor ihr also das Kapitel 7.6 lieber in der derzeitigen als in der von mir vorgeschlagenen Form sehen wollt, würde ich dafür plädieren, vollständig darauf zu verzichten.


Davon ab wäre ich dafür, daß am Montag im Mumble zu klären.

Das können wir gerne machen, ich habe allerdings am Montag abend schon eine andere Mumble-Sitzung. Wann soll die Sitzung stattfinden?

Viele Grüße

Daniel


Bis später,
Spiff

------
Bitte beachten Sie, dass dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung zufolge
jeder elektronische Kontakt mit mir sechs Monate lang gespeichert wird.
Please note that according to the German law on data retention,
information on every electronic information exchange with me is retained
for a period of six months.


www.piratenpartei.de - Klarmachen zum Ändern!



----- Ursprüngliche Mail ----
Von: Daniel Schwerd <schwerd AT gmx.de>
An: "Andi@pp-w" <andi AT piratenpartei-wesel.de>;
nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de
Gesendet: Donnerstag, den 4. Februar 2010, 18:07:31 Uhr
Betreff: Re: [NRW-AK-Drogen] Xberarbeitung Kapitel 7.6, Vorschlag

Hi Andi,

Deine Argumentation verstehe ich nicht. Inwieweit ist es keine PP-Position,
sondern ein Arguliner? Welche Forderung stellst Du in der alten 7.6 auf, die
hier nicht enthalten ist? Ich kann - ausser einer Reihe von Aussagen, die
jede einzelne in Zweifel gezogen werden kann, wie wir telefonisch schon
besprochen haben - keine anderen Inhalte finden. Hinter dem jetzigen 7.6 kann
ich jedenfalls nicht stehen.

Statement der Anderen wäre nett.

Viele Grüße

Daniel




Andi@pp-w schrieb:
----- Original Message ----- From: "Daniel Schwerd" <schwerd AT gmx.de>
To: <nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de>
Sent: Thursday, February 04, 2010 5:29 PM
Subject: [NRW-AK-Drogen] Überarbeitung Kapitel 7.6, Vorschlag


Hallo liebe Liste,

ich habe gestern Abend mit Andi telefoniert, und wir haben abgesprochen, dass
ich einen Vorschlag zur Umformulierung des Kapitels 7.6 mache, um einerseits
die enthaltenen Fallstricke zu entschärfen, so dass aber andererseits die
gewünschte Intention erhalten bleibt.

Hier also mein Vorschlag, den ich hiermit gerne zur Diskussion stelle:

------------------------------
7.6. Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten zur
Leistungssteigerung

Es wird ein steigender Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten außerhalb
ihrer Anwendungsgebiete zur kognitiven Leistungssteigerung berichtet. Ein Beispiel ist
der Wirkstoff "Methylphenidat", der eigentlich zur Behandlung von
Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben wird.

Die Piraten bedauern, dass scheinbar immer mehr Menschen zu chemischen
Mitteln greifen, um den steigenden Anforderungen aus Schule, Ausbildung,
Studium und Beruf gerecht zu werden. Wir würden uns wünschen, in einer
menschlichen Welt zu leben, in der die Anforderungen den Möglichkeiten der
Menschen Rechnung tragen, ohne dass Doping erforderlich wird.

Der Missbrauch von Medikamenten birgt erhebliche gesundheitliche Risiken bis
hin zu schwerer Abhängigkeit. Die Grenzen zur Sucht mit allen bekannten
Folgen sind fließend.

Zudem sehen wir die Gefahr, dass durch den finanziellen Zugang zu solchen Mitteln eine
Zweiklassengesellschaft von "Hochleistern" und "Minderleistern" eingeführt
wird.

Entwicklung dieser Richtung gilt es zu stoppen. Es muss verstärkt
Aufklärung über diese Medikamente bei den Zielgruppen erfolgen, um
einerseits die Wirksamkeit zu entmystifizieren (denn die Leistungssteigerung
wird womöglich überschätzt), andererseits vor den Risiken des Missbrauchs
eindringlich zu warnen. Die Piraten des Landesverbandes NRW wollen eine
landesweite Aufklärungskampagne ins Leben rufen, die wiederum
Vorbildcharakter haben soll für die Bundesrepublik.

Darüber hinaus sollen die Quellen der Mittel aufgedeckt und womöglich
ausgetrocknet werden. Eine mögliche Quelle sind Verschreibungen ohne
ausreichende ärztliche Diagnose und gesundheitlicher Kontrolle.

Daher fordern die NRW-Piraten, das bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, die
dieses Missbrauchspotential der Leistungssteigerung bieten, eine sorgfältig gestellte
Diagnose durch im Umgang mit dem verschriebenen Medikament erfahrene Ärzte erfolgen
soll. Medikamentengaben sollten möglichst von einer Therapie begleitet werden
("Multimodales Konzept"), und die Gesundheit der Patienten muss
kontinuierlich überwacht werden.
-----------------------------

Ich habe vor allen Dingen die vielen Details auf allgemeinere Formulierungen
geändert, um die vielen diskussionswürdigen Punkte zu entschärfen, und die
Diskriminierung von Kranken zu verhindern. Ich denke aber, dass auch so ganz
klar ist, wo die Reise hingehen soll..

Es besteht hier eine gewisse Redundanz zu 7.5 im Bereich
Medikamentenmissbrauch, das war allerdings bei der alten Formulierung auch
schon so. Vielleicht lassen sich die beiden Punkte auch anders aufteilen.

Alternativ könnte man den Punkt 7.6 vor die 7.5 platzieren, um klarzumachen,
dass die Regelungen des 7.5 die des 7.6 ergänzen sollen - das würde ich so
vorschlagen.

Was meint ihr?

Vielen Dank und viele Grüße

Daniel (Netnrd)

Hi daniel.

Deinen Vorschlag empfinde ich aber nun eher als einen Arguliner denn als eine
Parteiprogramm-Position...und du hast auch recht damit, dass das so quasi
eine doppelung von 7.5 wird...von der eigentlichen aussage (meiner Absicht)
ist da fast nix mehr übrig geblieben. SO können wir uns die Position sicher
sparen...fast alles ist in 7.5 enthalten...(;o)

Ich hab aber auf jeden fall die Überschrift schonmal geändert...sowie den
begriff 'Jugenpsychopharmaka' heraus genommen.
*winx*
____________________________________________
Andi R. , Wesel , NRW , Tel: 0152 - 29 27 43 75
Mail: andi AT piratenpartei-wesel.de
Crew: http://wiki.piratenpartei.de/Crew:Rhine_Riders
Web: http://www.piratenpartei-wesel.de
Home: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Trancefair
____________________________________________



_______________________________________________
NRW-AK-Drogen mailing list
NRW-AK-Drogen AT lists.piratenpartei.de
https://service.piratenpartei.de/mailman/listinfo/nrw-ak-drogen


__________________________________________________
Do You Yahoo!?
Sie sind Spam leid? Yahoo! Mail verfügt über einen herausragenden Schutz gegen Massenmails. http://mail.yahoo.com


------------------------------

_______________________________________________
NRW-AK-Drogen mailing list
NRW-AK-Drogen AT lists.piratenpartei.de
https://service.piratenpartei.de/mailman/listinfo/nrw-ak-drogen


Ende NRW-AK-Drogen Nachrichtensammlung, Band 5, Eintrag 7
*********************************************************





Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.

Seitenanfang